Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Günter Grass´ "Mein Jahrhundert" und Christoph Heins "Horns Ende": Geschichtsbilder, Geschichtsperspektive und Vergangenheitsbewältigung

Title: Günter Grass´ "Mein Jahrhundert" und Christoph Heins "Horns Ende": Geschichtsbilder, Geschichtsperspektive und Vergangenheitsbewältigung

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 17 Pages , Grade: 1,25

Autor:in: Achim Zeidler (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Günter Grass und Christoph Hein lassen in den beiden erwähnten Romanen vor allem eine große Gemeinsamkeit feststellen: Sie lassen die Vergangenheit mit Hilfe verschiedener Figuren aus einer multiplen Perspektive darstellen. Dabei geht es darum, die unterschiedlichen Geschichtsbilder und die subjektiven Vergangenheitsbewältigungen aufzuzeigen und eine Erinnerungs- bzw. Interpretationsselektion der vergangenen Geschehnisse und Begebenheiten zu geben. Dabei rekonstruieren beide Autoren durch ihre Figurenwahl Geschichte, die nicht den Anspruch erfüllen kann noch möchte objektiv und wahrheitsgemäß zu sein, sondern sie stellen lediglich eine Annäherung an die Realität dar, die der Wahrheit der Erlebnisse persönlich oder unpersönlich, aber stets mit einer subjektiv-autobiographischen Sichtweise, entgegentritt. Grass sowohl als auch Hein benutzten hierzu verschiedene Erzähler die, bei Grass über 100 Jahre deutsche Geschichte des 20. Jahrhundert, bei Hein über einen Zeitraum von vier Jahren Geschehnisse in einer Kleinstadt der DDR, berichten. Bei Grass handelt es sich um einen Makrokosmos, der aber stets in kleinere Mikrokosmen aufgeteilt wird, in denen für den Autor persönlich interessante Geschehnisse angesprochen werden und in Bezug zu den sozialpolitischen oder kulturhistorischen Begebenheiten gesetzt werden, wobei Zeitgeschichte und Zeitkritik ineinander verschmelzen. Auch Hein hat ähnlich wie Grass, die Aufteilung der Geschichte in kleinere Teilstücke vorgenommen und stellt durch die Wahl der verschiedenen Erzähler nicht nur deren unterschiedlichen Standpunkte in Bezug auf die Bekanntschaft und das Verhältnis mit der tragischen Hauptfigur Horn dar, sondern er zeigt auch typische Verhaltensweisen auf, die in der DDR der fünfziger Jahre vorherrschten und kritisiert dabei, wie Grass, gesellschaftspolitische Fehltritte und Misstände in der Regierung oder im Grossbürgertum. Somit soll sich diese Hausarbeit mit der Interpretation von einigen ausgewählten Geschichten aus den beiden Romanen beschäftigen, um das jeweilige Geschichtsbild der Autoren und die Vergangenheitsbewältigung ihrer Figuren auszuarbeiten. Dabei wird durch eine individuelle Betrachtung der Geschehnisse und der Einbettung des Einzelnen in sein soziales, politisches oder kulturelles Umfeld, die Geschichte „von unten“ dargestellt und Fehltritte in der Gesellschaft kritisierend offengelegt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Untersuchung von Horns Ende

2.2 Untersuchung von Mein Jahrhundert

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Romanwerke "Mein Jahrhundert" von Günter Grass und "Horns Ende" von Christoph Hein im Hinblick auf ihre multiperspektivische Darstellung von Geschichte, den Prozess der Vergangenheitsbewältigung durch fiktionale Figuren sowie die kritische Auseinandersetzung mit historischer Realität.

  • Multiperspektivität und Erzählerrollen in der historischen Aufarbeitung
  • Die Funktion von Erinnerungsarbeit im Kontext von DDR-Prosa und bundesdeutscher Literatur
  • Interaktion zwischen subjektiver individueller Erfahrung und objektiver Zeitgeschichte
  • Einflüsse geschichtsphilosophischer Thesen (u.a. Walter Benjamin) auf die literarische Gestaltung

Auszug aus dem Buch

Die Erzählstruktur in Horns Ende

Die bereits erwähnten Protagonisten berichten des Öfteren von Horns Leben bzw. Ende, aber auch von der Vorgeschichte, die zu dessen Lebensende hinführt und begeben sich auf eine Erinnerungsreise, in der sie persönliche, „protokollarische Monologe“ geben, die jedoch „mehr über sie selbst als über den toten Horn“ (Braun, 95) darlegen, indem sie vermehrt Selbstzitate, interne Probleme, Beziehungen und Affären ansprechen bzw. aufarbeiten und diese jedoch nur teilweise mit der Hauptfigur Horn in Verbindung stehen. Horns eigene Stimme ist den acht Kapiteln, in denen immer vier Figuren zu Wort kommen und ihre unterschiedlichen Perspektiven und Ansichten darlegen, vorangestellt und wirkt „unwirklich“ (Braun, 95).

Michael Braun benennt die Intention des Autors hinter diesen Schreibstil und des überraschenden Perspektivenwechsels: „Von hier aus konzentriert er die Erinnerungen auf die Vorgeschichten seines Lebensendes und zwingt die Lebenden, Erinnerungsarbeit zu leisten, um das ´unendliche Netz´ (145) des menschlichen Gedächtnisses weiterzuknüpfen“ (Braun, 95), um dadurch zu vermeiden, dass die Schicksale der Menschen, die Geschichte hautnah erleben in Vergessenheit geraten. Da diese Individuen meist nicht einschneidend oder menschheitsgeschichtlich von einem hohen Bedeutungsgrad erscheinen ist in der Geschichtsbetrachtung des Öfteren eine kollektive Verallgemeinerung aufzufinden, die Anonymität erwirken und somit ein Vergessen der Opfer der Geschichte, der Personen die zu einem großen Teil die Historie verkörpern.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die thematische Verknüpfung der beiden Romane ein und umreißt die Absicht, die Rolle der literarischen Vergangenheitsbewältigung zu analysieren.

2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Untersuchung der Erzählweise und Geschichtsauffassung in "Horns Ende" sowie die Analyse von "Mein Jahrhundert" als subjektiv-objektive Bestandsaufnahme.

3. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung der literarischen Aufarbeitung von Geschichte zur Identitätsstärkung und zur kritischen Reflexion gesellschaftlicher Normen.

Schlüsselwörter

Vergangenheitsbewältigung, Multiperspektivität, Zeitgeschichte, Erinnerungsarbeit, DDR-Literatur, Geschichtsbild, Walter Benjamin, Fiktion, Identität, Geschichtsschreibung, Erzählstruktur, Subjektivität, Objektivität, Historismus, Traumata.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die Autoren Günter Grass und Christoph Hein in ihren Romanen die Vergangenheit durch multiperspektivische Erzählweisen und fiktionale Figuren aufarbeiten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die kritische Auseinandersetzung mit historischer Realität, die Funktion von Erinnerungskultur und die Frage, wie Individuen ihre Identität im Spannungsfeld der Geschichte definieren.

Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?

Das Ziel ist es, die spezifische literarische Methode der Geschichtsrekonstruktion beider Autoren offenzulegen und aufzuzeigen, wie sie subjektive Erinnerung mit objektiven historischen Fakten verbinden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch den Einbezug geschichtsphilosophischer Theorien, insbesondere der Thesen von Walter Benjamin, ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Erzählebenen in "Horns Ende" und die chronologische Struktur von "Mein Jahrhundert" im Kontext ihrer jeweiligen Autorenschaft und Zeitzeugenschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Vergangenheitsbewältigung, Multiperspektivität, Erinnerungsarbeit, Zeitgeschichte und literarische Identitätsfindung charakterisieren.

Wie unterscheidet sich die Geschichtsbetrachtung in Horns Ende von einer klassischen Historie?

Hein verzichtet auf einen objektiven, allwissenden Blick und nutzt stattdessen eine fragmentierte, von verschiedenen Charakteren getragene Perspektive, die das "isolierte Individuum" in den Vordergrund rückt.

Welche Rolle spielt der Begriff der "monadischen Struktur" nach Walter Benjamin?

Die monadische Struktur dient als Werkzeug, um eine spezifische historische Epoche oder ein einzelnes Schicksal aus dem homogenen Geschichtsverlauf herauszubrechen und dessen Bedeutung kritisch zu beleuchten.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Günter Grass´ "Mein Jahrhundert" und Christoph Heins "Horns Ende": Geschichtsbilder, Geschichtsperspektive und Vergangenheitsbewältigung
College
West Virginia University
Grade
1,25
Author
Achim Zeidler (Author)
Publication Year
2006
Pages
17
Catalog Number
V86353
ISBN (eBook)
9783638011754
ISBN (Book)
9783638916073
Language
German
Tags
Günter Grass´ Mein Jahrhundert Christoph Heins Horns Ende Geschichtsbilder Geschichtsperspektive Vergangenheitsbewältigung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Achim Zeidler (Author), 2006, Günter Grass´ "Mein Jahrhundert" und Christoph Heins "Horns Ende": Geschichtsbilder, Geschichtsperspektive und Vergangenheitsbewältigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86353
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint