Die Geschichte der Sturmfluten an der Nordsee


Seminararbeit, 2002
13 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Inhalt

1 Definition des Begriffs Sturmflut
1.1 Entstehung von Sturmfluten an Ost- und Nordsee

2 Geschichtlicher Abriss

3 Rungholt, eine sagenumwobene Stadt

4 Die Entwicklung des Deichbaus

5 Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Definition des Begriffs Sturmflut

Unter dem Begriff „Flut“ versteht man im Allgemeinen eine große anschwellende Wassermenge, die ein Gebiet „überflutet“. Der Sturmflutbegriff beschränkt sich auf die Küsten und Flussmündungen, da nur dort- unter dem Einfluss von starkem Wind- der Wasserstand eine bedrohliche Höhe erreichen kann. Durch den gegen die Küste gerichteten Sturm werden aus dem nahezu unerschöpflichen Meer immer neue Wassermassen herangetrieben. Diese überfluten dann sowohl ungeschützte, als auch die durch Deiche geschützten Gebiete.

1.1 Entstehung von Sturmfluten an Ost- und Nordsee

Steigt das Wasser an der Nordseeküste um mehr als einen Meter über den mittleren Tidehochwasserstand (MTHW), spricht man von einer Sturmflut.

An der Nordsee, wo Sturmfluten weitaus häufiger auftreten als an der Ostsee, spielen neben der Dauer und der Stärke des Windes, auch die Gezeiten eine große Rolle. Sie entstehen durch die Massenanziehung des Mondes sowie der Sonne. Stehen Mond und Sonne in einer Achse zur Erde, addieren sich (bei Neumond) die Kräfte zur Springtide, es kommt also zu besonders hohen Wasserständen. Bei Vollmond liegt die Erde genau zwischen Mond und Sonne, die Anziehungskräfte neutralisieren sich, es kommt zum Springniedrigwasser.

Da die Erde sich in 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse dreht, entstehen Fliehkräfte. Diese sorgen für zweierlei: Die Gezeiten laufen wie riesige Wellen rund um den Erdball. Auf der Sonne gegenüberliegenden Seite der Erdkugel bildet sich zu dieser Flutwelle durch die Fliehkraft ein entsprechender "Flutberg". Im Idealfall dauert der Wechsel zwischen zwei Gezeiten 12 Stunden und 25 Minuten. Drei Faktoren führen zu einer Sturmflut: Die Fluthöhe (astronomisch bedingt), die Stärke eines Windes sowie dessen Dauer. An der Westküste wird eine Sturmflut als "schwer" bezeichnet, wenn sie zwei Meter über MTHW liegt, als "sehr schwer" bei über drei Metern.

Das Wort „Sturmflut“ verwendet man erst seit dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. In den Chroniken wird meist von großen oder schweren „Fluthen“ oder „Wasserfluthen gesprochen“. Außerdem werden zur näheren Kennzeichnung die Namen der Kalenderheiligen der betreffenden Tage hinzugefügt. Wenn die Sturmflut an einem Feiertag stattfand, wird dessen Bezeichnung verwendet.

Immer wieder kommt es an der Nordseeküste zu schweren bis sehr schweren Sturmfluten, die dann teilweise auch die Küstenlinie mehr oder weniger stark verändern können. So sind z.B. die nordfriesischen Inseln und Halligen erst nach einigen schweren Sturmfluten entstanden und werden auch heutzutage noch durch die Sturmfluten in ihrem Aussehen geprägt.

Neben den wetterabhängigen Faktoren entscheiden auch die örtlichen Faktoren darüber, wie schwer eine Flut die Küste trifft. Der unterschiedliche Verlauf der Küstenlinien führt bei bestimmten Windrichtungen zu verschiedenen Bedrohungen. Auch die Art der Küste wirkt sich unterschiedlich aus. So können z.B. Kliffs und Steilküsten der Nordsee weniger Widerstand bieten als Deiche.

Die Forschung im Bereich der Sturmflutgeschichte sind relativ schwierig. Oft fehlen Quellen, die Auskünfte über die Katastrophen an der Küste in früheren Jahrhunderten geben könnten.

Erst nachdem die ersten Menschen die Küstenregionen besiedelten, gibt es Schilderungen und Aufzeichnungen der Geschehnisse. Seit dem 17. Jahrhundert, gibt es einigermaßen genaue Karten.

2 Geschichtlicher Abriss

Die erste bezeugte Sturmflut war die "Julianenflut" vom 17.2. 1164, die vor allem im heutigen Niedersachen Schäden anrichtete und die Entstehung des Jadebusens einleitete. Bischof Prudentius berichtet von einer Überschwemmung, bei der das Wasser so hoch wie die Dünen gestanden haben soll. Nach historischen Angaben starben damals 2437 Menschen.

Am 16.1.1219 folgte die "Marcellusflut". Sie betraf vor allem Westfriesland, doch auch an der Westküste Schleswig Holsteins ertranken rund 10.000 Menschen. Die Deiche, die zu dieser Zeit noch keine geschlossene Deichlinie hatten, wurden zu großen Teilen gewaltig zerstört.

Nach der "Luciaflut" vom 14.12.1267 (cirka 50 000 Opfer), kam am 16.1.1362 die "2. Marcellusflut". Sie ging als "Große Mandränke" in die Geschichte ein. Der Chronist Anton Heimreich (1626 bis 1685) berichtet, dass die stürmische Westsee vier Ellen (etwa 2,4 Meter) über die höchsten Deiche gegangen sei, dass die Flut 21 Deichbrüche verursachte, der Ort Rungholt zusammen mit sieben anderen Kirchspielen in der Edomsharde unterging und rund 7.600 Menschen umkamen. Die Chroniken sprechen insgesamt von 100.000 Toten, dies eine Zahl, die sicherlich übertrieben ist. Es blieb die Insel Strand, und es entstanden die ersten Halligen. Die Flut durchstieß die Marschen zum Teil bis zum Geestrand. Mit der zweiten Marcellusflut begann in Nordfriesland die Landgewinnung.

Die Zeit bis zum Ende des 14. Jahrhunderts war durch eine Reihe weiterer Sturmfluten besonders in den achtziger und neunziger Jahren gekennzeichnet. In dieser Zeit mussten große Verluste an Kulturland hingenommen werden, allein während der Großen Mandränke 1362 gingen 4000 Hektar Kulturland verloren. Die Folgen des Torfabbaus waren mit Sicherheit schon bekannt, trotzdem ging auch nach der Flut von 1362 der Torfabbau weiter, da dieser sehr gewinnbringend war. Noch 1398 wurde in der Rungholtbucht Torf abgebaut, aus diesem Grunde waren auch Wiederbedeichungsprojekte verhindert worden, die mit Sicherheit erfolgreich hätten sein können und die Auswirkungen der Sturmflut von 1634 gemindert hätten.

Am 11. Oktober 1634 schließlich die "Zweite Große Mandränke". Allein in Nordfriesland kamen 9.000 Menschen in den Fluten um. Die Insel Strand wurde in Nordstrand und Pellworm zerrissen, die Halligen "Nieland" und "Nübbel" verschwanden. Über 1.300 Häuser, 28 Windmühlen und 50.000 Stück Vieh gingen nach Anton Heimreich durch den Untergang der Insel verloren.

Die nächste folgenschwere Sturmflut, war die Weihnachtssturmflut von 1717. Diese

Naturkatastrophe betraf die gesamte Nordseeküste von Holland bis Dänemark und glich in ihrem Verlauf der Flut von 1634. Noch am 23. Dezember 1717 wehte ein mäßiger Wind aus Ost. Nichts deutete auf eine Sturmflut hin. Am 24. Dezember nahm die Windstärke zu und der Wind drehte auf Südwest. Bei Sonnenuntergang drehte der Wind dann auf Nordwest und erreichte gegen ein Uhr nachts Orkanstärke 12. Die Menschen wurden während der Nacht von der Sturmflut überrascht. Es bestand keine Möglichkeit, sie zu warnen. Das Wasser lief sehr schnell auf eine Höhe auf, die vorher nie erreicht wurde. Die Deiche konnten den Wassermassen nicht standhalten, so dass sie schon teilweise drei Stunden vor der Hochwasserzeit brachen, die in den Morgenstunden sein sollte. Das Wasser soll in Husum 60cm bis 90cm höher aufgelaufen sein als der Sturmflutwasserstand 1634. Ebenfalls wie 1634 traf das Wasser auf geschwächte Deiche, da zu dieser Zeit der Nordische Krieg geführt wurde.

Der 3./4.Februar 1825 sollte zur Jahrhundertflut des 19. Jahrhunderts werden. In Jütland brach die Nordsee zum Limfjord durch. In den Herzogtümern blieb sie vor allem als die "Halligflut" in Erinnerung, weil dort besonders schwere Schäden zu beklagen waren.

1855, 1916, 1936, 1949 sind die Jahreszahlen der nächsten schweren Sturmfluten. Die "Hollandsturmflut" vom 1.2.1953 wütete vor allem in den Niederlanden, durchbrach dort die Deiche an 67 Stellen und tötete 2.000 Menschen. Obwohl SH glimpflich davon kam, wurden in ihrer Folge in SH 280 Kilometer Deiche verstärkt. Diese Arbeiten waren bei weitem nicht vollendet, als am 16./17.Februar 1962 die "Hamburg-Sturmflut" die Pegel auf 3.25 Meter über MTHW hochtrieb und allein in der Hansestadt die Deiche an 60 Stellen brachen und das Hochwasser 315 Menschenleben forderte. In Schleswig-Holstein war zwar kein Todesopfer zu beklagen, doch von den 560 Kilometern Festlandsdeichen wurden 70 Kilometer zerstört, 80 erheblich beschädigt und 120 mussten repariert werden. Die Deiche brachen im Uelvesbüller Koog auf Eiderstedt und dem unbewohnten Dockkoog vor Husum, in andere drang Salzwasser ein. Auf Sylt wurden bis zu 16 Meter tief ins Land Dünen abgetragen. Während die Deiche der Elbmarschen gehalten hatten, wurden auf Grund des Rückstaus des Hochwasser Itzehoe, Elmshorn und Uetersen überschwemmt, weil die Flussdeiche der Stör nicht hielten und an Krückau sowie Pinnau ausreichender Deichschutz fehlte. Als Konsequenz dieser Sturmflut wurde ein Jahr danach der Generalplan Küstenschutz für SH verabschiedet. Dessen Maßnahmen steckten noch in den Anfängen, als am 23.2.1967 nach 1949 die "zweite Niedrigwasser-Orkanflut" mit den höchsten bis dahin gemessenen Windstärken (bis zu 14 Beaufort, entspricht über140 km/h) eintrat. 1973 folgte eine Serie von Sturmfluten. Übertroffen wurden deren Wasserstände durch die "Jahrhundertflut" vom 3.1.1976. Sie lief 45 Zentimeter höher als die 1962er Flut auf und brachte die höchsten bis dahin gemessenen Pegelstände. Der auslösende "Capella-Orkan" war einer der stärksten der vergangenen 30 Jahre. Er erreichte in Büsum Windgeschwindigkeiten von zehn Beaufort und Spitzenböen von 13 Beaufort. Der ungeheure Winddruck staute die Wassermassen der Nordsee an den Deichen der Elbe und an der Westküste Schleswig-Holsteins auf eine bis dahin nicht erreichte Höhe über Normalnull (NN) an: in Hamburg zeigte der Pegel 6,45 Meter über NN, in Büsum 5,16 m und in Husum 5,66 m. Die Flut war die große Bewährungsprobe für die Deichverstärkung. Die verbesserten Deiche und die neuen Sperrwerke bestanden ihre Probe. Die Deiche wurde zwar beschädigt, brachen jedoch nur im Dithmarscher Christianskoog, im Kehdinger Land und der Haseldorfer Marsch, wo sie noch im alten Zustand waren. Bei der höchsten Flut seit Menschengedenken kam jedoch kein Mensch ums Leben. Die Wasserstände der Jahrhundertflut wurden während der "Nordfrieslandflut" am 24. 11.1981 im Norden des Kreises erneut übertroffen. Größere Schäden blieben jedoch aus. Vom 26. bis 28.2.1990 folgte die bisher größte bekannte, unmittelbare Folge schwerer Fluten. Die Küste erlebte in den drei Tagen zwei Sturm-, zwei Orkanfluten und eine Windflut. In Büsum wurden Windgeschwindigkeiten von 162 km/h gemessen. Zu Schäden kam es allein beim Deich von Dagebüll sowie an den Steil- und Dünenküsten. Auf Grund der Klimaentwicklung wird befürchtet, dass der Wasserstand der Nordsee weiter steigt und Sturmfluten in Zukunft häufiger auftreten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Sturmfluten an der Nordsee
Hochschule
Universität Hamburg  (Sozial- und Wirtschaftsgeschichte)
Veranstaltung
Seminar
Note
1-
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V8636
ISBN (eBook)
9783638155601
ISBN (Buch)
9783640542833
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Sturmfluten, Nordsee, Seminar
Arbeit zitieren
Julia Dust (Autor), 2002, Die Geschichte der Sturmfluten an der Nordsee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8636

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