Zu Tisch in Frankreich und Deutschland

Zwischen Accesoiremaximalismus und –minimalismus zeitgenössischer Gesellschaften


Essay, 2006
7 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Problematik

2. Der Krug als Ding und Phänomen der Tischgesellschaft

3. Vergleich zweier Tischkulturen
3.1 Formen deutscher Tischkultur
3.2 Prägungen französischer Tischgesellschaft

4. Fazit

1. Problematik

Da unsere Gesellschaft profitorientiert und hektisch ist, werden zwischenmenschliche Kontakte reduziert. Der Aufsatz behandelt die Tischkommunikation anhand eines kulturellen Vergleichs von Tischsitten.

2. Der Krug als Ding und Phänomen der Tischgesellschaft

Bei Tisch ist bisweilen ein Krug Wein zugegen, in Frankreich selbstverständ­lich. Sein dinghafter Charakter lässt Gesellschaften zu Tischgemeinschaften werden, sofern sie es beabsichtigen. Er ist fassbar, sein Griff, und besitzt etwas Fassendes, Wandung und Boden. Er steht in sich, also selbstständig. Das Stehen bedingt des­sen Herstellung, das Formen des Fassenden aus Erde, um auf dieser zu stehen. Herstellung erzeugt die Leere, wobei diese physikalisch und philosophisch abweichend definiert wird. Die Physik kann philosophischen Realitätsansprüchen nicht nachkommen. Philosophisch ist die Leere zweifach ausgeprägt, durch das Nehmende und das Behaltende. Sie beschreibt das Dinghafte des Kruges. Durch Visualisierung werden Dinge[2] zu Gegenständen, da Menschen Dinge wahrnehmen und gedanklich affizieren. Wahrnehmung ist innerhalb direkter, nicht aber emotionaler Nähe erfahrbar.[3] Direkte Nähe entsteht durch Kommunikation und Auseinandersetzung der Tischgemeinschaft mit den Dingen. Der Krug, stellvertretend für alle Dinge bei Tisch während des Essens, bringt Tischgesellschaften zusammen, ist in diesen unabkömmlich. Dies wird möglich, da er Wein spendet und somit Geselligkeit fördert.[1]

Durch die Füllung mit Wein verbindet der Krug das Geviert aus Himmel und Erde und durch das Geschenk des Gusses die Sterblichen und die Göttlichen. Dieser Konnex entsteht, weil Himmel und Erde Trauben gedeihen lassen.[4] Sterbliche nutzen Wein als Trunk gesellschaftlich zu Tisch. Die Göttlichen empfangen den Trank als Spende der Sterblichen. Diese Huldigung erfolgt als Gesellschaftsumtrunk. Das Geschenk des Gusses verkörpert das Krughafte des Kruges, vereinigt nicht bloß Menschen untereinander, sondern nähert alle Komponenten des Gevierts.[5] Die Einzelelemente des Gevierts spiegeln sich gegenseitig wider, ergeben das Spiegel-Spiel, die Welt. Die Welt ist gleichzeitig der Wirkungsraum aller Komponenten des Gevierts. Das Nähern zum Dinghaften, hier das Krughafte des Kruges, ergibt deshalb die einzig wahre Dimension. Die Menschen gliedern diese weiter auf und nehmen mehrere Dimensionen der Welt wahr. Objektiv stellt das Nähern zum Dinghaften im Spiegel-Spiel die einzige wirkliche Dimension dar, welche die Menschen aufgrund ihrer komplexen kognitiven Struktur nicht wahrnehmen können. Ich schlussfolgere, dass der Krug seine Grundbedeutung durch seinen Inhalt erhält.

[...]


[1] Vgl. Heidegger, M. 2004: Das Ding. In: Heidegger, M. 2004: Vorträge und Aufsätze. Zehnte Auflage, Stuttgart, Klett-Cotta.

[2] Exemplarisch für die Dinge stehen der Krug, der Tisch, der Stuhl u. a.

[3] Die emotionale Nähe entspricht einer realistischen Ferne. Emotionale Nähe bedingt persönliche Entfremdung. Direkte Nähe ist nie durch Emotionale ersetzbar.

[4] Der Himmel schenkt die Sonne und die Erde gibt das Wasser als Beitrag zum Gedeihen der Trauben.

[5] Heidegger unterscheidet innere und äußere Einflüsse, die sich reziprok arrangieren. Die Erde inklusive dem Rebstock muss existieren, damit externe Komponenten wirken können. Die Externen wiederum ermöglichen ein Wirken der internen Einflussnahmen.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Zu Tisch in Frankreich und Deutschland
Untertitel
Zwischen Accesoiremaximalismus und –minimalismus zeitgenössischer Gesellschaften
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
7
Katalognummer
V86373
ISBN (eBook)
9783638019750
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Franzosen und Deutsche - ein alter Streitpunkt. Heute könnte das deutsch-französiche Verhältnis kaum besser sein, jedoch prägen die differenzierten Kulturen jeweils eigene Sitten und Gebräuche. Froschschenkel, "ewige" Essenszeiten und vieles mehr können wir in Deutschland nur schwer nachvollziehen. Die Arbeit bietet einen Ansatz zum Verständnis der verschiedenen Kulturkreise.
Schlagworte
Tisch, Frankreich, Deutschland
Arbeit zitieren
Etienne Pflücke (Autor), 2006, Zu Tisch in Frankreich und Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86373

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