Sigmund Freud und die Plausibilität

Die Konstruktion von Glaubwürdigkeit anhand des Wolfmanns


Seminararbeit, 2006
15 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Freud und die Plausibilität
2.1 Der Fall „Wolfsmann“
2.1.1 Der Hintergrund
2.1.2 Die Krankheitsgeschichte
2.2 Freud und seine Sprache
2.3 Freud und seine Rhetorik
2.3.1 Die Leserbindung
2.3.2 Freuds Bildlichkeit: Metaphern und Vergleiche
2.3.3 Zirkelschlüsse oder „Gab es eine Urszene?“

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Genie oder selbst Neurotiker? Analytiker oder Autor? Wie auch immer man zur Person Sigmund Freud steht und wie überholt seine Lehren zum Teil auch mittlerweile sein mögen: Er ist - und das nicht nur anlässlich seines 150. Geburtstages - unvergessen und in aller Munde. Nach wie vor bewegt er nicht nur die Gemüter der Psychologen und Fachleute, sondern fasziniert auch unzählige Laien mit seinen Werken. Dies liegt nicht zuletzt an seinen herausragenden literarischen Fähigkeiten.

So sehr der „große[r] Schriftsteller“[1] jedoch auch von allen Seiten mit Lob überhäuft wird

„Der wohlgeformte Satz, das Geschick, mit Bild und Metapher umzugehen, sein erzählerisches Können, das lebendige Sichtbarwerden der Charaktere und die klare und sorgsame Führung des Lesers- das alles sind Prädikate des Freudschen Stils“[2]

hat er durchaus auch Schwachpunkte. Diese Arbeit soll speziell seine vermeintlichen argumentativen Schwächen näher beleuchten und zeigen, dass genau jene eigentlich seine Stärken sind. Denn obwohl er, der „gewandte[n] Geschichtenerzähle[n]r“[3], der eigentlich schon „fast druckreif“[4] spricht, angeblich selber nicht immer mit seinen Ausführungen zufrieden ist und sich sogar häufig bei seinen Lesern für seine nicht stringente Erzählweise entschuldigt, versteht Freud es sehr wohl, den Leser auch dann an die Hand zu nehmen und durch unwegsames Gelände zu führen, wenn nicht mal er selbst den Ausgang kennt. Der englische Kritiker Robert Holt warnt in seinen Anleitungen wie Freud zu lesen sei sogar ausdrücklich: “Seien Sie wohlwollend und skeptisch, wenn Freud von Beweisen spricht, die eine Angelegenheit „zweifellos“ geklärt haben sollen.“[5] Wie überzeugend Freud Glaubwürdigkeit konstruieren kann, soll im Hauptteil dieser Arbeit gezeigt und dabei insbesondere auf seine aktive Leserbindung und seine rhetorischen Stilmittel eingegangen werden. Als Textcorpus liegt „Aus der Geschichte einer infantilen Neurose - der „Wolfsmann“[6] zu Grunde.

Doch „der Schriftsteller Freud ist vom Psychologen nicht zu trennen, niemand wird jenen ohne den diesen verstehen, und man hat es jederzeit mit seiner Lehre zu tun, wenn man sich mit seinen literarischen Fähigkeiten beschäftigt“.[7] Daher beginnt diese Arbeit mit einem kurzen inhaltlichen Abriss der Krankengeschichte des „Wolfsmanns“ und wird über eine kurze Analyse des Freudschen Stils und seiner Argumentationsweise zeigen, dass Freud nicht nur ein brillanter Autor, sondern auch ein geschickter Blender ist. Allerdings ist es im Zuge dieser Arbeit nicht möglich, die Krankengeschichte für einen des Werks nicht kundigen Leser darzustellen. Dies würde den Rahmen der Arbeit sprengen und zu tief in Freuds Lehren einsteigen. Hier soll und wird die Sprache im Vordergrund stehen.

2. Freud und die Plausibilität

2.1 Der Fall „Wolfsmann“

2.1.1 Der Hintergrund

Sigmund Freuds Werk „Aus der Geschichte einer infantilen Neurose“ ist umgangssprachlich besser als der Fall des „Wolfsmanns“ bekannt. Es ist die Krankengeschichte des reichen Russen Sergius Pankejeff (1887-1979).[8] Er kam im Februar 1910 zu Freud in die Analyse und beendete diese im Juli 1914. Mit der Niederschrift des Falls begann Freud im Oktober 1914. Das Werk fällt damit in seine mittlere Schaffensperiode. Obwohl er es noch im November des gleichen Jahres fertig stellte, hielt Freud die Veröffentlichung vier Jahre zurück.[9] Der „Wolfsmann“ selbst war zeitlebens noch bei anderen Analytikern zur Kur, kurzzeitig auch wieder bei Freud persönlich. Den späteren Verlauf der Krankengeschichte des Patienten schildert Freud in einer Fußnote, die er in der Ausgabe von 1924 am Schluss hinzugefügt hat [S.230f].

[...]


[1] Zweig, Arnold: in: Lohmann, Hans-Martin/Pfeiffer, Joachim (Hg.): Freud Handbuch. Leben, Werk, Wirkung. Stuttgart u. Weimar: Metzler 2006. S.233.

[2] Muschg, Walter: Freud als Schriftsteller. In: Mahony, Patrick J.: Der Schriftsteller Sigmund Freud. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989. S.22f.

[3] Mahony, Patrick J.: Der Schriftsteller Sigmund Freud. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989. S.19.

[4] Binswanger,L: in: Mahony, Patrick J.: Der Schriftsteller Sigmund Freud. S.10.

[5] Holt, Robert: Wie man Freud lesen sollte. in: Mahony, Patrick J.: Der Schriftsteller Sigmund Freud. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989. S.27.

[6] Freud, Sigmund: Aus der Geschichte einer infantilen Neurose [„Der Wolfsmann“] (1918 [1914]), S. 127-231. In: Freud, Sigmund: Studienausgabe, Band VIII, Zwei Kinderneurosen. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 1969, elfte Auflage. Zitate in eckigen Klammern beziehen sich auf eben genanntes Werk der Studienausgabe.

[7] Muschg, Walter: Freud als Schriftsteller. In: Muschg, Walter: Die Zerstörung der Literatur. Bern: A. Francke Verlag 1956. S.303.

[8] Vgl. http://www.freud-institut.com/download/DVD/PDF_A4_low-res/Freud-Leute_A4_4c.pdf , aufgerufen am 7.August 2006

[9] Vgl. Freud, Sigmund: Aus der Geschichte einer infantilen Neurose [„Der Wolfsmann“] (1918[1914]), S. 127f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sigmund Freud und die Plausibilität
Untertitel
Die Konstruktion von Glaubwürdigkeit anhand des Wolfmanns
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1-
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V86383
ISBN (eBook)
9783638020725
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sigmund, Freud, Plausibilität
Arbeit zitieren
Tina Voigt (Autor), 2006, Sigmund Freud und die Plausibilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86383

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