Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Miscellaneous

Die Konstruktion der Weiblichkeit im Undinen-Mythos von Paracelsus bis Bachmann

Title: Die Konstruktion der Weiblichkeit im Undinen-Mythos von Paracelsus bis Bachmann

Seminar Paper , 2006 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Katharina Bär (Author)

German Studies - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Das Fremde und Unerforschte übt seit je her eine große Faszination auf den Menschen aus: neue Länder und Kontinente galt es zu besiedeln oder durch technische Fortschritte und Erfindungen die Welt zu erklären. Eine Welt die lange Zeit unerforscht und fremd blieb, ist die Wasserwelt. Dadurch konnten die Legenden und Mythen über ihre Bewohner, die uns heute noch immer faszinieren, entstehen und sich verbreiten.
Schon seit der Antike existiert der Mythos um Wasserwesen, die Seefahrer betören und vom rechten Weg abbringen wollen. Zumeist wurde diesen stummen, seelenlosen Wesen das weibliche Geschlecht zugeschrieben, angefangen von den Sirenen, die Odysseus verführen wollen bis hin zu Andersenes kleiner Meerjungfrau oder Heinrich Heines Lorelei. Es sind Seefrauen die aus Liebe zu einem Menschen ihr Element verlassen, auf der Erde jedoch kein Glück finden und schließlich wieder in die Wassertiefen zurückkehren müssen, für den Menschen eine kalte und fremde Parallelwelt. Frauen haben sich über viele Jahrhunderte wohl ähnlich gefühlt wie diese Wasserwesen: gefangen in ihrer Welt, zum Sexobjekt degradiert und ohne eigene Stimme.
Ich werde in meiner Arbeit die Geschichte des Mythos um die Meeresfrauen, Undinen und Nixen an drei bedeutenden, literarischen Beispielen aus der Zeit der Antike und dem 19. Jahrhundert darstellen und dabei besonderes Augenmerk auf die Konstruktion der Weiblichkeit innerhalb der einzelnen Werke legen. Im Anschluss werde ich Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“ aus dem Jahre 1961 als eine der aktuelleren Auseinandersetzungen mit dem Thema genauer analysieren und die Sonderstellung des Textes für die Undinentradition auf formaler und inhaltlicher Ebene herausarbeiten.
Der Name Undine (lat. kleine Welle) ist von Paracelsus inspiriert, einem Mitte des 16. Jahrhunderts in der Schweiz und in Österreich lebenden Arzt und Alchemisten, der in seiner naturmystischen Elementargeisterlehre „Liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et de caeteris spiritibus“ versucht die Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung neu zu bestimmen. Die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft spielen dabei eine wesentliche Rolle und werden jeweils mit einem bestimmten Geistwesen in Verbindung gebracht wird. So berichtet Paracelsus von verschiedene Erd-, Luft-, Feuer- und Wassergeistern, zu denen er unter anderem die Undinen und Nymphen zählt. Er beschreibt sie als Geistmenschen, die im Wasser zu Hause sind, so wie die Menschen an der Luft.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die literarischen Umsetzung des Undinen-Mythos bis zum 19. Jh.

1.1 Die Wasserwesen als Teil der 4-Elemente-Lehre des Paracelsus

1.2 Friedrich de la Motte Fouqués „Undine“

1.3 „Die kleine Meerjungfrau“ - ein Märchen von H.C. Andersen

2. Undine im 20. Jahrhundert: Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“

2.1 Erzählperspektive

2.2 Undines Kritik an der patriarchalen Gesellschaft

2.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur klassischen Undine-Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Konstruktion von Weiblichkeit im Undinen-Mythos, ausgehend von Paracelsus über klassische Werke bis hin zu Ingeborg Bachmanns moderner Erzählung „Undine geht“, um die Entwicklung vom stummen, seelenlosen Wasserwesen zur emanzipierten Identität zu verdeutlichen.

  • Evolution des Undinen-Mythos von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
  • Die Rolle der Elementargeisterlehre von Paracelsus für das weibliche Geschlechterbild.
  • Kritik an patriarchalen Strukturen und dem traditionellen Beseelungsmotiv.
  • Formale und inhaltliche Analyse der Erzählperspektive in Bachmanns „Undine geht“.
  • Gegenüberstellung von romantischer Utopie und moderner Selbstbestimmung.

Auszug aus dem Buch

2.2 Undines Kritik an der patriarchalen Gesellschaft

Undines Anklage richtet sich also in erster Linie an die Männer, die sie unter dem Sammelnamen Hans vereinigt. Sie kritisiert die Haltung gegenüber ihren Frauen, wirft Ihnen beispielsweise vor diese nur zu benutzen und als Objekte anzusehen: Ihr Ungeheuer mit euren Frauen! [...] Die Ihr die Frauen zu euren Geliebten macht, Eintagsfrauen, Wochenendfrauen, Lebenslangfrauen, und euch zu ihren Männern machen laßt.

Frauen sollen in erster Linie funktionieren: sie sorgen für Stabilität im Alltag und Stärkung des Männlichen Egos. Dafür bezahlen die Männer sie mit materiellen Dingen, wie schönen Kleidern, Reisen und einer gesicherten Zukunft. Undine möchte nicht zu diesen Frauen gehören, sie hebt sich deutlich von ihnen ab: „Versucht das nicht mit mir. Mit mir nicht!“ Sie will sich nicht kaufen lassen um dafür ihre Eigenständigkeit aufzugeben.

Hier kann man ihren zentralen Kritikpunkt an der Gesellschaft ausfindig machen: das selbst im 20. Jh. noch in gewissem Maße bestehende Abhängigkeitsverhältnis der Geschlechter. Sie verurteilt in diesem Punkt nicht nur die Männer als Schuldige, sondern stellt auch heraus, dass die Frauen ebenso an diesem Mechanismus beteiligt sind: „Ihr kauft und lasst euch kaufen. [...] Ihr Betrüger und ihr Betrogenen.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Faszinationsgeschichte von Wasserwesen und Skizzierung der methodischen Herangehensweise an die Untersuchung der weiblichen Konstruktion innerhalb dieser Mythen.

1. Die literarischen Umsetzung des Undinen-Mythos bis zum 19. Jh.: Analyse historischer Vorlagen beginnend bei der Elementargeisterlehre von Paracelsus bis hin zu literarischen Bearbeitungen von Fouqué und Andersen.

1.1 Die Wasserwesen als Teil der 4-Elemente-Lehre des Paracelsus: Untersuchung der ursprünglichen Definition des Undinen-Begriffs bei Paracelsus und die damit verbundene Aufspaltung in gute und böse weibliche Wasserwesen.

1.2 Friedrich de la Motte Fouqués „Undine“: Betrachtung der romantischen Erzählung als Versuch der Humanisierung eines Wasserwesens und die daraus resultierende Utopie einer gleichberechtigten Geschlechterbeziehung.

1.3 „Die kleine Meerjungfrau“ - ein Märchen von H.C. Andersen: Darstellung des Motives der Beseelung in Andersens Märchen und die damit verbundene Problematik der fehlenden Kommunikation zwischen den Sphären.

2. Undine im 20. Jahrhundert: Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“: Analyse von Bachmanns modernem Umgang mit dem Stoff und der Abkehr vom auktorialen Erzähler.

2.1 Erzählperspektive: Untersuchung des Wechsels zur Ich-Perspektive, die es der Protagonistin ermöglicht, als selbstbestimmtes Subjekt zu agieren.

2.2 Undines Kritik an der patriarchalen Gesellschaft: Aufarbeitung der direkten Anklage Bachmanns gegen patriarchale Rollenbilder und das Abhängigkeitsverhältnis der Geschlechter.

2.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur klassischen Undine-Literatur: Vergleich der Bachmannschen Version mit der Tradition, wobei besonders das umgekehrte Beseelungsmotiv hervorgehoben wird.

Schlüsselwörter

Undine, Ingeborg Bachmann, Gender Studies, Paracelsus, Literaturwissenschaft, Weiblichkeit, Patriarchat, Romantik, Mythos, Beseelung, Erzählperspektive, Wasserwesen, Identität, Feminismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung des Undinen-Mythos und untersucht, wie sich die Konstruktion von Weiblichkeit von der Antike und der Romantik bis zur modernen Literatur von Ingeborg Bachmann gewandelt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Geschichte der Wasserwesen als Mythenbild, die Rolle von Geschlechterrollen im 19. und 20. Jahrhundert sowie die Kritik an männlich dominierten Gesellschaftsstrukturen.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie die Figur der Undine als literarisches Konstrukt genutzt wurde, um patriarchale Normen zu reflektieren und letztlich durch eine emanzipierte, selbstbewusste Stimme zu überwinden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewendet, die primär auf motivgeschichtlichen Vergleichen und narratologischen Analysen (insbesondere der Erzählperspektive) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-literarische Analyse von Paracelsus über Fouqué und Andersen bis hin zu einer intensiven Untersuchung von Ingeborg Bachmanns „Undine geht“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Undine, Gender Studies, Patriarchat, Beseelung, Romantik und Subjektwerdung.

Wie unterscheidet sich Bachmanns Undine von den traditionellen Figuren?

Im Gegensatz zu den stummen, auf Beseelung durch den Mann angewiesenen Vorgängerinnen ist Bachmanns Undine ein selbstbewusstes lyrisches Ich, das die Menschen selbst als seelenlose „Ungeheuer“ kritisiert.

Welche Rolle spielt das Beseelungsmotiv bei Paracelsus?

Bei Paracelsus ist die Beseelung das zentrale Ziel, um den Status als „Zwitterwesen“ zu verlassen und durch eine eheliche Verbindung mit einem irdischen Mann eine menschliche Seele zu erlangen.

Warum spielt die Erzählperspektive bei Bachmann eine so große Rolle?

Durch den Übergang von einem auktorialen Erzähler zur Ich-Perspektive kann Bachmann die Undine aus ihrer traditionellen Objektrolle befreien und ihr eine kritische, eigenständige Stimme geben.

Excerpt out of 13 pages  - scroll top

Details

Title
Die Konstruktion der Weiblichkeit im Undinen-Mythos von Paracelsus bis Bachmann
College
RWTH Aachen University  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft)
Course
Gender Studies – Theorie und Methode
Grade
1,7
Author
Katharina Bär (Author)
Publication Year
2006
Pages
13
Catalog Number
V86424
ISBN (eBook)
9783638020947
ISBN (Book)
9783638924474
Language
German
Tags
Konstruktion Weiblichkeit Undinen-Mythos Paracelsus Bachmann Gender Studies Theorie Methode Undine Meerjungfrau
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Bär (Author), 2006, Die Konstruktion der Weiblichkeit im Undinen-Mythos von Paracelsus bis Bachmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86424
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  13  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint