Gedanken zum Ursprung der äthiopischen Juden


Hausarbeit, 2006

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Hypothesen zum Ursprung der Falascha
1.1 Die Legende der Königin von Saba und dem König von Israel
1.1.1 Die Beta Israel als Nachfolger Salomos ?
1.2 Der Stammesvater Abraham, die Geschichte Israels und die Zerstreuung des jüdischen Volkes
1.2.1 Die Geschichte Israels und die Zerstreuung des jüdischen Volkes
1.2.2 Die Juden Äthiopiens und der Stamm Dan
1.3 Ägypten und die Juden
1.3.1 Ägypten als erste Quelle jüdischen Einflusses auf Äthiopien ?
1.4 Juden in Südarabien
1.4.1 Südarabien als Ursprung für die jüdischen Einflüsse in Äthiopien

2. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

Falascha – das ist Amharisch und bedeutet übersetzt Fremder oder Außenseiter. Dieser Begriff wurde von anderen Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel christlichen oder muslimischen Gemeinschaften, als Bezeichnung für die äthiopischen Juden, welche sich selbst Beta Israel (Haus Israel) nennen, genutzt. Es sind insbesondere geographische Gegebenheiten und religiöse Unterschiede, auf welche dies zurückzuführen ist. Sie lebten in den Bergen um Gondar im Norden und Nordwesten Äthiopiens. Bis zur Ankunft protestantischer Missionare in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, welche eine Wende in der Geschichte der äthiopischen Juden bedeutete, lebten sie isoliert von der restlichen jüdischen Welt und sogar von den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Ab diesem Zeitpunkt, vor allem aber ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts, wurde ihnen erstmals von verschiedenen jüdischen Organisationen Beachtung geschenkt. Im Rahmen dieser Interaktionen erfuhren die äthiopischen Juden von ihren Glaubensbrüdern, von deren Existenz sie bis dahin nichts wussten. Zwar gab es vorher bereits diverse Kontakte zu Reisenden und Forschern und Berichte von diesen, jedoch wurde ihnen nie so viel Beachtung geschenkt wie zu jener Zeit.

Auf Grund von spärlichen Quellen über die äthiopischen Juden sind die Meinungen über ihren Ursprung und ihre Geschichte bis heute geteilt. Einer Legende nach sind sie die Nachfolger des Königs Salomo und der Königin Saba. Auf diese führen auch die äthiopisch-orthodoxen Christen ihren Ursprung zurück. Einer anderen Ansicht zur Folge sind die Falascha die Nachfolger des verloren gegangenen Stammes Dan. Diese ist die offizielle Meinung der israelischen Regierung, die es ihnen erlaubte ab 1975 gemäß dem „Law of return“ nach Israel einzuwandern. Wissenschaftler jedoch, nicht (fehl-)geleitet durch Glauben und Religion, vertreten zu diesen beiden Thesen sehr unterschiedliche Ansichten. Ein Teil von ihnen glaubt den Ursprung der äthiopischen Juden in Ägypten. Der andere Teil wiederum streitet diese Theorie ab und führt ihre Anfänge auf Südarabien zurück. Um etwas Licht ins Dunkel dieser sehr verschiedenen Ansichten zu bringen, werde ich im Folgenden auf jede einzeln eingehen.

1. Hypothesen zum Ursprung der Falascha

Aufgrund des Fehlens einer Schrift war es in den vielen Bevölkerungsgruppen Afrikas üblich, dass man sich größtenteils in mündlicher Form mitteilte. Somit wurden Ereignisse, Ansichten, Geschichten, Erkenntnisse und Bräuche über viele Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergegeben, ohne dass es für die Richtigkeit des Mitgeteilten fundierte Beweise gab. Diese Methode der Informationsweitergabe erschwert Wissenschaftlern den Zugang zu zuverlässigen Quellen bis heute. Damit lässt sich die große Anzahl widersprüchlicher Ansichten über Afrika und dessen Geschichte erklären. Auch bezüglich der Vergangenheit der äthiopischen Juden ist das Fehlen zuverlässiger Quellen ein sehr großes Problem. Dies führte zu sehr unterschiedlichen Ansichten und Theorien bezüglich ihres Ursprungs. Noch heute, obwohl die Theorie, die Beta Israel seien einer der 10 verlorenen Stämme, durch den israelischen Staat als die offiziell gültige anerkannt wurde, gehen die Meinungen der Wissenschaftler auseinander.

1.1 Die Legende der Königin von Saba und dem König von Israel

Schilderungen aus der Bibel nach trat in etwa im Jahr 961 v. Chr. König Salomo, der Sohn von Batseba und David I, die Nachfolge seines Vaters an und wurde somit König von Israel und Juda. Diesem Herrscher sagte man große Weisheit nach. Die Königin von Saba, in äthiopischen Überlieferungen Makeda, in islamischen Bilkis genannt, machte sich auf die Reise um zu ihm zu gelangen und ihn mit Rätseln auf die Probe zu stellen („Und als die Königin von Saba die Kunde von Salomo vernahm, kam sie, um Salomo mit Rätselfragen zu prüfen“).[1]

Sie sollte erfahren, dass die Erzählungen über ihn zutrafen „und sprach zum König: Es ist wahr, was ich in meinem Lande von deinen Taten und von deiner Weisheit gehört habe. Und ich hab's nicht glauben wollen, bis ich gekommen bin und es mit eigenen Augen gesehen habe. Und siehe, nicht die Hälfte hat man mir gesagt. Du hast mehr Weisheit und Güter, als die Kunde sagte, die ich vernommen habe.“[2]

Über weitere Ereignisse während des Treffens der beiden Monarchen lassen sich in der Bibel keine Belege finden. Quelle hierfür ist das Kebra Nagast, "Book of the Glory of Kings"[3]. Dieses Buch ist das Fundament der äthiopisch-orthodoxen Kirche und der salomonischen Dynastie, die sich auf dieses Werk beruft um ihre direkte Abstammung von König Salomo zu verteidigen und zu belegen, da es die Geschichte dieser enthält. Es wurde im 13. Jahrhundert ursprünglich im Ge`ez verfasst, später jedoch auch in europäische Sprachen übersetzt. Dieses Buch dient den äthiopischen Königen als Grundlage, auf der sie ihren Anspruch auf den Thron durch die Abstammung von Salomon geltend machen.

An der Stelle in der Bibel wo davon erzählt wird, wie Salomo Makeda reich beschenkt[4], findet man im Kebra Nagast die Schilderung anderer Ereignisse vor. Laut dieses Werkes schliefen die beiden miteinander (“[…] and they slept together.”[5] ) und Makeda gebar einen Sohn (“[…] and she brought forth a man child[…]”[6], als sie bereits wieder in ihrem Reich, dem heutigen Äthiopien, angekommen war. Auch im Kebra Nagast wird, wie im Buch der Könige in der Bibel, von den Geschenken berichtet, die Salomo der Königin vor der Rückkehr in ihre Heimat übergibt.

Mit dem Ring, den sie bekam, sollte ihr Sohn zu Salomo zurückkehren. Er sollte als Zeichen dienen, sodass der Vater seinen Sohn bei dessen Ankunft erkennen konnte. Er, der von seiner Mutter Bayna Lehkhem genannt wurde, trat im Alter von 22 Jahren die Reise nach Jerusalem an. Dort angekommen wollte Salomo seinen Sohn, entgegen dem Willen dessen Mutter, zum König von Israel machen. Dieser jedoch lehnte ab, da er seiner Mutter die Rückkehr nach Äthiopien versprochen hatte. Auf die Ablehnung des Thrones über Israel reagierte der König mit der Entscheidung, seinen Sohn salben zu lassen und ihn in einer Zeremonie zum König Äthiopiens zu machen. Man gab ihm den Namen David II, er wurde in die Religion Israels eingeführt und wurde die zehn Gebote sowie die Einhaltung des Sabbat gelehrt. Äthiopien sollte das zweite Königreich Israels werden und somit beschloss Salomo alle Erstgeborenen Söhne des israelitischen Hofstaates ebenfalls mit auf den Weg zu schicken. Als Menelik I, wie man ihn in seinem Heimatland nannte, zurückgekehrt war, wurde er dort der erste König.

1.1.1 Die Beta Israel als Nachfolger Salomos ?

“We came (during the time of Solomon)…after Jeremiah the prophet…We came in the reign of Solomon. We arrived by way of Sennar, whence we crossed over to Aksum…Clearly we came in the time of Solomon. “[7]

Dieses Zitat stammt von Abba Yitzhak und findet sich in seinen Berichten, die er Mitte des 19. Jahrhunderts verfasst hat, wieder. Sie zählen zu den ältesten schriftlichen Quellen zu Tradition und Ursprung der äthiopischen Juden. Sie stimmen überein mit der Geschichte von Salomon und Saba, die im Kebra Nagast beschrieben ist. In Folge dessen sollen die Beta Israel die direkten Nachfolger Meneliks I, dem Sohn Salomons, sein. Sie sollen abstammen von ihm und den Erstgeborenen Söhnen des israelitischen Hofstaates, die mit ihm nach Äthiopien gingen. Biblische Belege für die Ansiedlung einer jüdischen Gemeinde jedoch gibt es nicht. Die äthiopische Fassung dieser Geschichte im Kebra Nagast ist die umfangreichste, die es gibt und hat eher den Charakter einer Legende als den einer verlässlichen historischen Quelle.

Es gibt Quellen, die belegen, dass die Beta Israel sich selbst auch für Nachfolger Meneliks I halten. Die erste dieser Art stammt von James Bruce, einem schottischen Forschungsreisenden des 18. Jahrhunderts.

“The account they give of themselves, which is supported only by tradition, is, that they came with Menilek from Jerusalem, so that they perfectly agree with the Abyssinians in the story of the queen of Saba… They agree also, in every particular, with the Abyssinians, about the remaining part of the story, the birth and inauguration of Menilek, who was their first king; […]”[8]

In den letzten beiden Jahrzehnten aber, als der Kontakt zu europäischen Juden stetig intensiver wurde, begannen die Beta Israel sich von dieser Legende zu distanzieren.

1.2 Der Stammesvater Abraham, die Geschichte Israels und die Zerstreuung des jüdischen Volkes

Der jüdische Glaube basiert auf den Geschichten des alten Israels, die im alten Testament zu finden sind. Am Anfang steht Abram als Stammvater des Glaubens und Vorvater der Stämme Israels, auf den sowohl Juden als auch Christen ihren Ursprung zurückführen. Etwa um 1900 v. Chr. wanderte Abram von seiner Heimatstadt Ur, in Chaldäa gelegen, nach Haran, was sich in der heutigen Türkei befindet. Dort wurde er von Gott aufgefordert nach Kanaan zu ziehen. Abram hatte die Vielgötterei seines Stammes aufgegeben und glaubte an einen einzigen, den wahren Gott. Aus diesem Glaubensbild heraus hat sich der Monotheismus entwickelt. Von Gott war Abram verheißen, der Vater vieler Nachkommen und eines großen Volkes zu werden. Er wird durch den mit Gott eingegangenen Bund von Abram umbenannt in Abraham[9] und seine Frau Sarai heißt von da an Sara.[10] Abraham hatte zwei Söhne. Der erste war Ismael und er hatte ihn mit der Magd Hagar gezeugt. Dieser jedoch hat keine so bedeutende Rolle wie Isaak, sein Halbbruder. Dieser wurde nach ihm von Abrahams Frau Sara geboren. Nach dessen Geburt wurden Ismael und seine Mutter verstoßen.

[...]


[1] 1. Könige 10, 1

[2] 1. Könige 10, 6-7

[3] E.A. Wallis Budge „The Kebra Nagast“, p.vii.

[4] 1. Könige 10, 10-12

[5] E.A. Wallis Budge „The Kebra Nagast“ 30, p.35

[6] E.A. Wallis Budge „The Kebra Nagast“ 32, p.38

[7] Corinaldi 1998, S. 48

[8] Kaplan 1992, S. 23

[9] Genesis 17, 5

[10] Genesis 17, 15

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Gedanken zum Ursprung der äthiopischen Juden
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Afrikanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Kulturgeschichte Afrikas
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V86441
ISBN (eBook)
9783638021050
ISBN (Buch)
9783638929080
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gedanken, Ursprung, Juden, Einführung, Kulturgeschichte, Afrikas
Arbeit zitieren
Michaela Fleischer (Autor), 2006, Gedanken zum Ursprung der äthiopischen Juden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86441

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