Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › African Studies - Miscellaneous

Völkerschauen in Europa

Title: Völkerschauen in Europa

Seminar Paper , 2007 , 26 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Michaela Fleischer (Author)

African Studies - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In einer Zeit der florierenden Vergnügungsindustrie ab Mitte des 19. Jahrhunderts zogen zahlreiche Völkerschau-Impresarios mit ihren ‚Karawanen’ durch Europa. Besonders nach dem Einzug des Tierhändlers Carl Hagenbeck in das Gewerbe ab etwa 1870 erfreuten sich diese Veranstaltungen großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Das große wissenschaftliche Interesse an den Teilnehmern der Völkerschauen ermöglichte den Veranstaltern einen Wechsel nicht nur des Ausstellungsortes vom Jahrmarkt in den Zoologischen Garten, sondern auch den Ausbau der Akzeptanz in der Bevölkerung. Dieses Ansehen in Kombination mit der stereotypen Darstellungsweise der nicht-europäischen Menschen trug dazu bei, die neu entstandenen Evolutions- und Rassentheorien, die die Überlegenheit der europäischen gegenüber den nicht-europäischen Menschen proklamierten, in den Köpfen der EuropäerInnen zu festigen.

Da in den Völkerschauen ein Grund für die in Europa vorherrschenden Auffassungen über nicht-europäische Menschen gesehen werden kann, sind Völkerschauen für die Afrikanistik von äußerstem Interesse. Die stereotypen Vorstellungen des ‚Fremden’, die die Grundlage für die Schauen boten und in diesen noch verschärft wurden, sind noch heute deutlich erkennbar – beispielsweise in der Werbung, wo die ‚Exotik’ häufig als Blickfang dienen soll. Doch nicht nur Völkerschauen sondern auch Kolonialausstellungen trugen dazu bei, dass Vorurteile sich in den Köpfen der Menschen festsetzten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Völkerschauen

1.1 DER WEG DER VÖLKERSCHAUEN IN DIE ZOOLOGISCHEN GÄRTEN EUROPAS

1.1.1 VORLÄUFER DER VÖLKERSCHAUEN

1.1.2 ZOOLOGISCHE GÄRTEN ALS VERANSTALTUNGSORTE FÜR VÖLKERSCHAUEN

1.2 DER ANSPRUCH AUF ‚AUTHENTITZITÄT’ UND WISSENSCHAFTLICHKEIT

1.2.1 VÖLKERSCHAUEN UND WISSENSCHAFT

1.2.2 DIE FRAGE DER ‚AUTHENTIZITÄT’ DER VÖLKERSCHAUEN

1.3 DIE INSZENIERUNG DER SCHAUEN UND PUBLIKUMSREAKTIONEN

1.3.1 DIE AUSGESTELLTEN

1.3.2 KULTUR ALS SCHAUSPIEL

1.3.3 ROLLE UND REAKTIONEN DES PUBLIKUMS AUF DIE SCHAUEN

1.4 DEUTSCHE KOLONIALAUSSTELLUNGEN

1.4.1 INTENTIONEN DER KOLONIALAUSSTELLUNGEN

1.4.2 ‚EXOTIK’ AUF DEN KOLONIALAUSSTELLUNGEN

1.5 DAS ENDE DER ZURSCHAUSTELLUNG ‚EXOTISCHER’ MENSCHEN

2. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Praxis von Völkerschauen und Kolonialausstellungen in Europa, um deren Rolle bei der Festigung rassistischer Stereotype und der Verbreitung von Überlegenheitsideologien gegenüber nicht-europäischen Menschen zu analysieren.

  • Historische Entwicklung von Völkerschauen in zoologischen Gärten
  • Verbindung von Wissenschaft, Pseudowissenschaft und kommerziellem Entertainment
  • Inszenierung fremder Kulturen und die Rolle der Publikumsreaktion
  • Propagandafunktion deutscher Kolonialausstellungen
  • Kulturelle Langzeitwirkung und die Reproduktion exotisierender Klischees

Auszug aus dem Buch

1.1.2 Zoologische Gärten als Veranstaltungsorte für Völkerschauen

Zwischen den sich daraufhin etablierenden und früheren Formen der Ausstellung gibt es grundlegende Unterschiede. Ein signifikanter Unterschied ist ihre Größe - sowohl bezogen auf die Zahl der Ausgestellten als auch hinsichtlich des Geländes, auf dem ausgestellt wurde. Man baute Hütten und Kulissen, um die Glaubwürdigkeit der Schauen zu steigern. Zudem betrieb man Werbung im großen Stil. Auch die neuartige Form der Inszenierung macht eine Abgrenzung vorausgegangener Veranstaltungen von denen Carl Hagenbecks möglich.

Geschickte Inszenierung der zur Schau gestellten in eindrucksvollen Kulissen und die Bestätigung bereits vorhandener Vorurteile, die Europäer von nicht-europäischen Menschen hatten, ermöglichten Hagenbeck sich auf die ‚Authentizität’ seiner Veranstaltungen zu berufen. Im Zusammenwirken der proklamierten ‚Echtheit’, verstärkt durch eine intensivierte Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen, v.a. der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, und der perfekten Organisation der Schauen von der Anwerbung der Menschen bis hin zur fertigen Ausstellung „[…] holte Hagenbeck die ‚Wilden’ aus den Jahrmarktsbuden in die wissenschaftlichen Institutionen ‚Zoologische Gärten’.“

Als erster moderner Tiergarten gilt der Jardin des Plantes in Paris, der Ende des 18. Jahrhunderts gegründet wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts fanden Zoologische Gärten in ganz Europa eine weite Verbreitung. In Deutschland wurden von 1844-1866 Zoos in Berlin, Frankfurt am Main, Dresden, Hamburg, München, Hannover und Karlsruhe eröffnet.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung verortet die Völkerschauen im Kontext der florierenden Vergnügungsindustrie des 19. Jahrhunderts und deren Rolle bei der Festigung von Rassentheorien.

1. Völkerschauen: Dieses Kapitel erläutert den Übergang von Völkerschauen in den Bereich der zoologischen Gärten und deren Verbindung mit Wissenschaft und Unterhaltung.

1.1 DER WEG DER VÖLKERSCHAUEN IN DIE ZOOLOGISCHEN GÄRTEN EUROPAS: Hier wird der historische Wandel des Ausstellungsortes vom Jahrmarkt zum Zoo beleuchtet, unterstrichen durch das wachsende Interesse von Anthropologen.

1.1.1 VORLÄUFER DER VÖLKERSCHAUEN: Untersuchung historischer Formen der Zurschaustellung ‚fremder’ Menschen vor dem 19. Jahrhundert, etwa als exotische Dienstboten am Adelshof.

1.1.2 ZOOLOGISCHE GÄRTEN ALS VERANSTALTUNGSORTE FÜR VÖLKERSCHAUEN: Analyse, wie Tiergärten durch ihr wissenschaftliches Renommee die ‚Authentizität’ der Schauen untermauerten und gleichzeitig zur Kommerzialisierung beitrugen.

1.2 DER ANSPRUCH AUF ‚AUTHENTITZITÄT’ UND WISSENSCHAFTLICHKEIT: Fokus auf der strategischen Nutzung des wissenschaftlichen Status, um sich von unseriösen Jahrmarktsattraktionen abzugrenzen.

1.2.1 VÖLKERSCHAUEN UND WISSENSCHAFT: Detaillierte Betrachtung der anthropometrischen Erfassung der Ausgestellten durch Wissenschaftler zur Stützung rassistischer Klassifizierungsmodelle.

1.2.2 DIE FRAGE DER ‚AUTHENTIZITÄT’ DER VÖLKERSCHAUEN: Untersuchung, wie Veranstalter den Wissenschaftsbezug in der Werbung nutzten, um ein ‚echtes’ Erlebnis vorzutäuschen, während sie gleichzeitig Klischees bedienten.

1.3 DIE INSZENIERUNG DER SCHAUEN UND PUBLIKUMSREAKTIONEN: Analyse der Darstellungsmethoden und der psychologischen Wirkung auf die europäischen Zuschauer.

1.3.1 DIE AUSGESTELLTEN: Betrachtung der Lebensbedingungen und der Objektivierung der Teilnehmer, die primär als Exponate statt als Individuen wahrgenommen wurden.

1.3.2 KULTUR ALS SCHAUSPIEL: Beschreibung der drei Haupttypen der Inszenierung (zirkusähnlich, Eingeborenendorf, freak show) und deren theaterähnlicher Ausgestaltung.

1.3.3 ROLLE UND REAKTIONEN DES PUBLIKUMS AUF DIE SCHAUEN: Untersuchung der Distanz zwischen Publikum und Ausgestellten sowie der Bedeutung von Eintrittsgeldern und voyeuristischem Verhalten.

1.4 DEUTSCHE KOLONIALAUSSTELLUNGEN: Darstellung der Rolle von Kolonialausstellungen als Propagandainstrument des Imperialismus in Deutschland.

1.4.1 INTENTIONEN DER KOLONIALAUSSTELLUNGEN: Erörterung der politischen und ökonomischen Ziele, wie die Rechtfertigung der Kolonialisierung und Förderung privater Wirtschaftsinteressen.

1.4.2 ‚EXOTIK’ AUF DEN KOLONIALAUSSTELLUNGEN: Analyse der Funktion menschlicher Exponate zur Steigerung der Besucherzahlen und Vermittlung eines ‚exotischen’ Flairs für Produkte.

1.5 DAS ENDE DER ZURSCHAUSTELLUNG ‚EXOTISCHER’ MENSCHEN: Betrachtung der Ursachen für das Verschwinden der Völkerschauen, insbesondere durch die Konkurrenz des neuen Massenmediums Film.

2. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Resümee über die langfristigen Folgen dieser Ausstellungen auf die europäische Wahrnehmung und die Hartnäckigkeit rassistischer Stereotype bis heute.

Schlüsselwörter

Völkerschauen, Kolonialausstellungen, Rassentheorien, Authentizität, Carl Hagenbeck, Anthropologie, Ethnologie, Exotismus, Zoologische Gärten, Imperialismus, Stereotype, Objektivierung, Unterhaltungsindustrie, Rassismus, kulturelle Vielfalt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Geschichte der Völkerschauen in Europa zwischen dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und beleuchtet deren Rolle bei der Etablierung rassistischer Vorurteile.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle von Wissenschaft und Entertainment, der Inszenierung des ‚Fremden’ in zoologischen Gärten sowie der propagandistischen Nutzung in deutschen Kolonialausstellungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Völkerschauen zur Festigung eines ethnozentrischen Weltbildes und der Konstruktion von Überlegenheitsideologien gegenüber nicht-europäischen Kulturen beigetragen haben.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung historischer Quellen wie Geschäftsbriefen, Berichten und zeitgenössischen Programmheften.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Völkerschauen, deren wissenschaftlichem Anspruch, den Inszenierungsformen, der Rolle der Kolonialausstellungen und den Gründen für das Ende dieser Praxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Völkerschauen, Kolonialausstellungen, Rassismus, Authentizität, Exotismus, Anthropologie und Imperialismus.

Warum war der Zoo als Veranstaltungsort so bedeutend?

Zoologische Gärten boten ein wissenschaftliches Renommee, das die ‚Echtheit’ der Schauen untermauerte und es ermöglichte, Menschen wie Tiere in einer kontrollierten Kulisse auszustellen.

Warum ersetzte der Film die Völkerschauen?

Das Medium Film konnte das Interesse an Exotik kostengünstiger und dramatischer bedienen, ohne den komplizierten logistischen Aufwand echter menschlicher Schauen auf sich nehmen zu müssen.

Wie reagierten die Teilnehmer auf die Vermessungen?

Obwohl schriftliche Quellen der Betroffenen rar sind, wird angenommen, dass diese anthropometrischen Untersuchungen meist unter Zwang erfolgten und auf Widerstand stießen.

Excerpt out of 26 pages  - scroll top

Details

Title
Völkerschauen in Europa
College
University of Leipzig  (Institut für Afrikanistik)
Course
Images of Africa
Grade
1,7
Author
Michaela Fleischer (Author)
Publication Year
2007
Pages
26
Catalog Number
V86442
ISBN (eBook)
9783638021067
ISBN (Book)
9783638929097
Language
German
Tags
Völkerschauen Europa Images Africa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michaela Fleischer (Author), 2007, Völkerschauen in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86442
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  26  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint