In einer Zeit der florierenden Vergnügungsindustrie ab Mitte des 19. Jahrhunderts zogen zahlreiche Völkerschau-Impresarios mit ihren ‚Karawanen’ durch Europa. Besonders nach dem Einzug des Tierhändlers Carl Hagenbeck in das Gewerbe ab etwa 1870 erfreuten sich diese Veranstaltungen großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Das große wissenschaftliche Interesse an den Teilnehmern der Völkerschauen ermöglichte den Veranstaltern einen Wechsel nicht nur des Ausstellungsortes vom Jahrmarkt in den Zoologischen Garten, sondern auch den Ausbau der Akzeptanz in der Bevölkerung. Dieses Ansehen in Kombination mit der stereotypen Darstellungsweise der nicht-europäischen Menschen trug dazu bei, die neu entstandenen Evolutions- und Rassentheorien, die die Überlegenheit der europäischen gegenüber den nicht-europäischen Menschen proklamierten, in den Köpfen der EuropäerInnen zu festigen.
Da in den Völkerschauen ein Grund für die in Europa vorherrschenden Auffassungen über nicht-europäische Menschen gesehen werden kann, sind Völkerschauen für die Afrikanistik von äußerstem Interesse. Die stereotypen Vorstellungen des ‚Fremden’, die die Grundlage für die Schauen boten und in diesen noch verschärft wurden, sind noch heute deutlich erkennbar – beispielsweise in der Werbung, wo die ‚Exotik’ häufig als Blickfang dienen soll. Doch nicht nur Völkerschauen sondern auch Kolonialausstellungen trugen dazu bei, dass Vorurteile sich in den Köpfen der Menschen festsetzten.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Völkerschauen
- Der Weg der Völkerschauen in die Zoologischen Gärten Europas
- Vorläufer der Völkerschauen
- Zoologische Gärten als Veranstaltungsorte für Völkerschauen
- Der Anspruch auf,Authentizität' und Wissenschaftlichkeit
- Völkerschauen und Wissenschaft
- Die Frage der,Authentizität' der Völkerschauen
- Die Inszenierung der Schauen und Publikumsreaktionen
- Die Ausgestellten
- Kultur als Schauspiel
- Rolle und Reaktionen des Publikums auf die Schauen
- Deutsche Kolonialausstellungen
- Intentionen der Kolonialausstellungen
- ,Exotik' auf den Kolonialausstellungen
- Das Ende der Zurschaustellung,Exotischer' Menschen
- Der Weg der Völkerschauen in die Zoologischen Gärten Europas
- Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit beleuchtet die Geschichte der Völkerschauen in Europa, die im 19. Jahrhundert an Popularität gewannen. Sie untersucht die Entstehung dieser Veranstaltungen, ihre Verbreitung in Zoologischen Gärten und die Rolle der Wissenschaft bei ihrer Legitimierung. Darüber hinaus wird die Inszenierung der Schauen sowie die Reaktion des Publikums auf die präsentierte,Exotik' analysiert.
- Die Entwicklung der Völkerschauen von Jahrmärkten zu Zoologischen Gärten
- Der Einfluss von Wissenschaft und Anthropologie auf die Inszenierung und Legitimierung der Schauen
- Die Konstruktion von,Authentizität' und die stereotypen Darstellungen nicht-europäischer Menschen
- Die Rolle des Publikums bei der Rezeption und Konsumierung der Völkerschauen
- Der Zusammenhang zwischen Völkerschauen und der Entstehung von Kolonialausstellungen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der Völkerschauen ein und erläutert deren Bedeutung im Kontext der europäischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Sie stellt die Verbindung zur Entstehung von rassistischen und evolutionären Theorien her und betont die Relevanz des Themas für die Afrikanistik.
- Völkerschauen: Dieses Kapitel behandelt die Geschichte der Völkerschauen in Europa, angefangen bei ihren Vorläufern bis hin zu ihrer Verbreitung in Zoologischen Gärten. Es zeigt auf, wie die Schauen zur Vermittlung und Festigung stereotypischer Vorstellungen über nicht-europäische Menschen beitrugen.
- Der Weg der Völkerschauen in die Zoologischen Gärten Europas: Dieses Kapitel erläutert die Gründe für den Wechsel der Veranstaltungsorte von Jahrmärkten zu Zoologischen Gärten und beleuchtet die Rolle der Wissenschaft bei diesem Wandel.
- Der Anspruch auf,Authentizität' und Wissenschaftlichkeit: Dieses Kapitel beleuchtet die vermeintliche Wissenschaftlichkeit der Völkerschauen und diskutiert die Frage nach der,Authentizität' der präsentierten Kulturen.
- Die Inszenierung der Schauen und Publikumsreaktionen: Dieses Kapitel analysiert die Inszenierung der Völkerschauen und die Reaktion des Publikums auf die präsentierte,Exotik'. Es untersucht die Rolle der Ausgestellten, die Inszenierung der Kultur als Schauspiel und die Reaktionen des Publikums.
- Deutsche Kolonialausstellungen: Dieses Kapitel befasst sich mit deutschen Kolonialausstellungen und deren Intentionen. Es beleuchtet die Rolle von,Exotik' bei der Inszenierung und Vermittlung kolonialer Ideologien.
Schlüsselwörter
Völkerschauen, Zoologische Gärten, Wissenschaft, Authentizität, Stereotypisierung, Exotik, Kolonialismus, Rassismus, Anthropologie, Ethnologie, Publikumsreaktionen, Inszenierung, Darstellung, Kultur, Fremdheit.
Häufig gestellte Fragen
Was waren Völkerschauen?
Völkerschauen waren kommerzielle Veranstaltungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert, bei denen Menschen aus fernen Kulturen wie in einem „menschlichen Zoo“ zur Schau gestellt wurden.
Welche Rolle spielte Carl Hagenbeck in diesem Gewerbe?
Der Tierhändler Carl Hagenbeck professionalisierte die Völkerschauen ab 1870 und sorgte für deren Umzug vom Jahrmarkt in die Zoologischen Gärten.
Wie wurde die „Wissenschaftlichkeit“ dieser Schauen begründet?
Veranstalter luden Anthropologen ein, um die Ausgestellten zu vermessen und zu untersuchen, was den Schauen einen seriösen, bildenden Anstrich geben sollte.
Welchen Einfluss hatten die Schauen auf das europäische Weltbild?
Sie festigten stereotype Vorstellungen und rassistische Evolutionstheorien über die angebliche Überlegenheit der europäischen Kultur gegenüber „exotischen“ Völkern.
Was ist der Unterschied zwischen Völkerschauen und Kolonialausstellungen?
Kolonialausstellungen hatten eine stärkere politische Intention und dienten dazu, die koloniale Expansion und Ideologie des jeweiligen Staates zu legitimieren.
Warum endete die Ära der Völkerschauen?
Die Arbeit beleuchtet die Faktoren, die zum Ende der Zurschaustellung von Menschen führten, darunter gesellschaftlicher Wandel und ethische Kritik.
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- Michaela Fleischer (Author), 2007, Völkerschauen in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86442