Thomas Hobbes – sein Name, ein Programm und das schon seit über 350 Jahren. Was war so überwältigend und neu an seinen Staatstheorien? Was wollte uns Hobbes lehren? Und, warum beschäftigen wir uns noch heute mit seinem Nachlass?
In der einschlägigen Literatur gilt Hobbes nicht erst seit kurzem als „Klassiker der politischen Theorie“. Schon in der Schule werden Kinder mit seinen Theorien konfrontiert und auch anerkannte Wissenschaftler zerbrechen sich immer wieder aufs neue den Kopf über sein Hauptwerk, den „Leviathan“.
In der folgenden Hausarbeit wird versucht, einen Einblick in das Schaffen des Staatsphilosophen zu geben. Des Weiteren werden vertiefende Inhalte und Anregungen zur Diskussionen offen gelegt. Darüber hinaus lesen Sie zu Beginn etwas zu Hobbes und dem Werk des „Leviathan“, bevor im nächsten Schritt der Naturzustand und dessen Beseitigung behandelt wird. Anschließend werden Aussagen zur neuen politischen Ordnung und ihrer Begründung durch den Vertrag getroffen. In diesem Zusammenhang wird eine nähere Erläuterung zu den Akteuren des Staates gegeben. Im zweiten Teil wird, die in der Fragestellung zu dieser Hausarbeit gegebene These näher beleuchtet. Schlussendlich werde ich mich zur Relevanz des Hobbesschen Staatsmodels für die heutige Zeit äußern.
Schon nach kurzem Einlesen in die Thematik fiel mir auf, wie kontrovers und intensiv das Thema Hobbes und sein „Leviathan“ in der heutigen Wissenschaft umkämpft ist. Die eine Seite sieht ihn als Begründer oder Urvater des Liberalismus, während andere von einem der größten Vertreter des Absolutismus sprechen. Endgültig geklärt ist die Thematik seit über 350 Jahren noch immer nicht. Umso schwieriger war es, die einzelnen wertenden Aussagen der Sekundärliteratur aufzugliedern und getrennt aus der Perzeptionswirklichkeit zu betrachten. Deshalb mein versuch, die verschiedenen Aussagen so deutlich wie möglich kenntlich zu machen und sie bei der Interpretation der These mit einfließen zu lassen.
Am Ende wird meine Stellungnahme zum Thema auch nur eine Meinung von vielen sein. Jedoch hoffe ich, dass vielleicht auch diese wieder neue Diskussionen anregt und neuen Gesprächsstoff bieten kann.
Hobbes bleibt also auch in Zukunft weiterhin interessant. Die Frage, ob er ein Verfechter des Absolutismus, ein Vordenker des Liberalismus oder er vielleicht sogar als „[...] Vater oder Großvater unseres modernen Staat[es] zu sehen.“ (Campagna 1998: 353.) ist, bleibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thomas Hobbes und sein Werk „Leviathan“
2.1 Historische Einordnung und Allgemeines
2.2 Der Naturzustand in Hobbes „Leviathan“
2.3 Der Vertrag – Ausweg aus dem Naturzustand hin zur politischen Ordnung
2.3.1 Inhalt des Vertrages
2.3.2 Der neu geschaffene Staat
2.3.3 Der Leviathan
2.3.4 Die Bürger im Staat
3. Interpretation der These
3.1 ,liberale’ Aspekte
3.2 ,illiberale’ Aspekte
3.3 Schlussfolgerungen
4. Aktualität des Hobbesschen Staatskonzepts
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Philosophie von Thomas Hobbes, mit dem Ziel, das Spannungsfeld zwischen liberalen und absolutistischen Elementen in seinem Hauptwerk „Leviathan“ zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob dieses Staatskonzept für die heutige Zeit noch Relevanz besitzt.
- Die grundlegende Theorie des Naturzustands bei Thomas Hobbes
- Die Entstehung und Legitimation politischer Ordnung durch den Vertrag
- Die detaillierte Untersuchung der Rolle des Souveräns (Leviathan)
- Die Gegenüberstellung von liberalen und illiberalen Aspekten in Hobbes' Staatskonzept
- Die Reflexion über die Aktualität und Relevanz der Hobbesschen Staatstheorie
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Der neu geschaffene Staat
Hobbes definiert sein Staatsverständnis im „Leviathan“ ziemlich präzise wie folgt:
„Staat ist eine Person, deren Handlungen eine große Menge Menschenkraft der gegenseitigen Verträge eines jedem mit einem jeden als ihre eigenen ansehen, auf daß diese nach ihrem Gutdünken die Macht aller zum Frieden und zur gemeinschaftlichen Verteidigung anwende.“ (Hobbes 1980: 155f.)
Diese Begriffserklärung lässt zweierlei Fakten erkennen. Erstens stellt Hobbes in seinem Staat einen Stellvertreter voran, welchem die höchste Gewalt zukommt. Zum andern benennt er die übrigen Menschen als Untertanen und Bürger. (vgl. Hobbes 1980: 156.) Dem Stellvertreter lässt er die Aufgabe der Friedensicherung nach innen und der Verteidigung des Staates nach außen zukommen, während für die Bürger keine Aufgaben erkenntlich werden. Dazu jedoch mehr unter Punkt 2.3.3 bzw. 2.3.4.
Die Macht, welche die Menschen abtreten, wird also einem souveränen Herrscher zuteil. Hobbes legt sich allerdings nicht fest, um was für ein Regierungssystem es sich hier speziell handeln soll. Für ihn ist es gleich, ob die souveräne Macht von Monarchen oder einer Demokratie ausgeübt wird. Bevorzugt ist jedoch das Monarchische Regierungssystem. Waas erklärt die Präferenz für die Monarchie mit den vorherrschenden Ereignissen zu Hobbes Lebzeiten. Durch die anhaltenden Bürgerkriege war die Gesellschaft in sich gespalten. Dies wäre eine denkbar ungünstige Ausgangssituation für eine Demokratie gewesen, sodass Hobbes der Monarchie den Vortritt gibt. (vgl. Waas 2002: 169.) Darüber hinaus distanziert sich Hobbes mit der Aussage: „Getrennte Macht zerstört sich selbst.“ (Hobbes 1980: 271.) von einem Staat mit Gewaltenteilung. Zum Schluss soll noch gesagt werden, dass trotz der Staatsgründung durch einen Vertrag die eigentliche Angst, welche im Naturzustand vorherrschend ist, den Menschen erhalten bleibt. Jedoch hat niemand mehr Angst vor dem Mitmenschen, da der Souverän nun für Ruhe und Ordnung sorgt. Die Angst herrscht jetzt im Bezug auf den autorisierten Souverän, welcher für den Frieden sorgen soll. (vgl. Kodalle 1972: 81.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Hobbes ein, erläutert die Bedeutung seines Werks „Leviathan“ und legt die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.
2. Thomas Hobbes und sein Werk „Leviathan“: Dieses Kapitel liefert eine historische Einordnung der Person Hobbes, beschreibt den Naturzustand, die Notwendigkeit des Vertragsabschlusses und die daraus resultierende Struktur des Staates sowie die Rolle des Souveräns und der Bürger.
3. Interpretation der These: Hier wird die These diskutiert, ob Hobbes' Philosophie trotz liberaler Sprache illiberale Konsequenzen hat, indem sowohl liberale als auch illiberale Aspekte anhand von Sekundärliteratur gegenübergestellt werden.
4. Aktualität des Hobbesschen Staatskonzepts: Der Autor reflektiert die heutige Bedeutung von Hobbes' Staatstheorie und argumentiert, dass der Kern des Sicherheitsbedürfnisses und der Zweck des Staates als Diener des Bürgers nach wie vor aktuell sind.
5. Zusammenfassung: Das letzte Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und unterstreicht, dass Hobbes' Gedanken trotz historischer Distanz weiterhin einen bedeutenden Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs leisten.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Staatstheorie, Naturzustand, Vertragstheorie, Liberalismus, Absolutismus, Souverän, Bürger, politische Ordnung, Recht, Selbsterhaltung, Gesellschaftsvertrag, Gewaltenteilung, Friedenssicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Staatstheorie von Thomas Hobbes mit besonderem Fokus auf das Werk „Leviathan“ und dessen Beitrag zur Begründung und Legitimation politischer Herrschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören der menschliche Naturzustand, die vertragliche Staatsgründung, das Verhältnis zwischen Herrscher (Souverän) und Untertanen sowie die Frage nach der liberalen oder absolutistischen Ausrichtung der Theorie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den argumentativen Weg vom chaotischen Naturzustand zum geordneten Staat bei Hobbes nachzuzeichnen und die These zu prüfen, inwieweit sein Modell als illiberal einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, indem verschiedene Positionen der Sekundärliteratur gegenübergestellt und kritisch mit den Primärtexten von Hobbes verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen (Naturzustand und Vertragsabschluss) sowie eine interpretative Diskussion über die liberalen und illiberalen Züge des Hobbesschen Staatsmodells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Leviathan, Souveränität, Naturzustand, liberaler Absolutismus, Gesellschaftsvertrag und politische Ordnung beschreiben.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen liberalen und illiberalen Aspekten eine so große Rolle?
Weil in der Fachwissenschaft kontrovers diskutiert wird, ob Hobbes als Urvater des Liberalismus oder als Verteidiger des Absolutismus zu sehen ist; die Arbeit versucht, diese Diskrepanz aufzulösen.
Inwiefern ist Hobbes' Konzept des „sterblichen Gottes“ heute noch relevant?
Der Autor argumentiert, dass Hobbes' Grundgedanke – der Staat als notwendige Institution zur Sicherung von Frieden und Ordnung für die Bürger – angesichts heutiger Staatskrisen eine bleibende Relevanz besitzt.
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- Johannes Richter (Author), 2007, Thomas Hobbes - Begründung und Legitimation politischer Ordnung durch Vertrag?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86467