Anthony Downs gilt als Mitbegründer der Ökonomischen Theorie der Demokratie. Heute wird diese Richtung der Politikwissenschaft auch als Rational Choice, Public Choice oder Neue Politische Ökonomie bezeichnet. Sie geht zurück auf Josef A. Schumpeters Arbeit „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“, der das Handeln politischer Akteure mit dem Handeln wirtschaftlicher Akteure auf einem Markt verglich. Demnach ist die politische Arena als ein Markt, auf dem es um Stimmenmaximierung der Politiker und um Nutzenmaximierung der Bürger geht, zu verstehen. Downs Weiterentwicklung dieser Theorie gilt als eine der bahnbrechenden Demokratietheorien und wurde immer wieder von namhaften Wissenschaftlern weiterentwickelt. Auch heute dient sie noch als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Theorien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rahmen der Ökonomischen Theorie der Demokratie nach Downs
2.1. Der rationale Wähler
3. Das Parteiendifferential
3.1 Trendfaktor und Leistungsbewertung
4. Die Informationskosten
5. Die Parteienideologie
6. Die Ungewissheit
6.1 Ungewissheit durch Koalitionsbildung im Mehrparteiensystem
6.2 Minimizing Maximum regret
7. Der Stimmwert
8. Wahlbeteiligung, Ja oder Nein ?
9. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Ökonomischen Theorie der Demokratie nach Anthony Downs auf die Analyse der Wahlbeteiligung in modernen Demokratien und analysiert kritisch, ob das Modell rationale Entscheidungsprozesse der Bürger hinreichend abbilden kann.
- Grundlagen der Rational Choice Theorie nach Downs
- Mechanismen der rationalen Wahlentscheidung (Parteiendifferential, Informationskosten)
- Die Rolle der Ungewissheit in politischen Systemen
- Das Wahlparadoxon und die Problematik der Wahlbeteiligung
- Kritische Reflexion der Anwendbarkeit des Modells
Auszug aus dem Buch
4. Die Informationskosten
Downs geht in seinem Modell von einem vollständig informierten Bürger aus. Das entspricht allerdings nicht der Wirklichkeit und ist in hohem Maße abstrakt. Um dieser Tatsache beizukommen führt er u.a. die Informationskosten ein. Die Kosten entstehen bei der Informationsbeschaffung. Der Wähler muss sich z.B. Zeitungen und Zeitschriften kaufen, sich im Fernsehen oder Radio informieren. Die Kosten beinhalten auch die Verarbeitung und Selektion der persönlich als wichtig erachteten Informationen. Des Weiteren nimmt die Information Zeit in Anspruch. Der Wähler hat somit auch Opportunitätskosten, da er die verwendete Zeit nicht mehr anderweitig nutzen kann. Letztendlich verursacht die Information Kosten, die der rationale Wähler nur auf sich nimmt, wenn der erwartete Nutzen daraus die Informationskosten übersteigt. Demzufolge wird er sich möglichst kostenlose und schnell verdauliche Informationen beschaffen, da er von seiner einzelnen Stimme nicht den entsprechenden Gewinn an Nutzen erwarten kann. Aber hätten wir es dann nicht mit einem Wähler zu tun, der nur ein Mindestmaß an Wissen gesammelt hat? Rational wäre es nach Downs Modell. Die Qualität seiner Information ist dabei nicht von Interesse. Man muss aber von einem Minimum an Information ausgehen. In der Literatur wird der rationale Bürger dabei auch als ignoranter Wähler bezeichnet.
Darüber hinaus bieten auch die zur Wahl stehenden Parteien dem Wähler Entscheidungshilfen an, wie im nächsten Abschnitt besprochen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des theoretischen Kontextes der Rational Choice Theorie und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Wahlbeteiligung.
2. Rahmen der Ökonomischen Theorie der Demokratie nach Downs: Darlegung der Grundannahmen über das demokratische System und das Modell des rationalen Wählers (homo oeconomicus).
3. Das Parteiendifferential: Analyse der Entscheidungsgrundlage durch Vergleich von Regierungs- und Oppositionsparteien unter Berücksichtigung des Trendfaktors.
4. Die Informationskosten: Untersuchung der ökonomischen Aufwendungen, die mit der Informationsbeschaffung für Wähler verbunden sind.
5. Die Parteienideologie: Betrachtung von Ideologien als Mittel zur Reduktion von Informationskosten für den Wähler.
6. Die Ungewissheit: Diskussion der Unsicherheitsfaktoren in Wahlsystemen, insbesondere in Mehrparteiensystemen und bei Koalitionen.
7. Der Stimmwert: Kritische Reflexion der Rationalität der Wahlteilnahme angesichts geringer individueller Entscheidungswirksamkeit.
8. Wahlbeteiligung, Ja oder Nein ?: Erläuterung des Wählerparadoxons und Einführung des Konzepts der D-Komponente als Erklärungsansatz.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Stärken und Schwächen von Downs Modell im Hinblick auf seine Realitätsnähe und Prognosekraft.
Schlüsselwörter
Anthony Downs, Ökonomische Theorie der Demokratie, Rational Choice, Homo Oeconomicus, Wahlbeteiligung, Wählerparadoxon, Parteiendifferential, Informationskosten, Stimmwert, D-Komponente, Politische Ökonomie, Rationales Handeln, Mehrparteiensystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ökonomische Theorie der Demokratie von Anthony Downs und prüft deren Eignung, um das Wahlverhalten und die Wahlbeteiligung in Demokratien wissenschaftlich zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Annahmen rationalen Handelns, die Kosten der Information, die Rolle von Parteienideologien sowie die spieltheoretischen Probleme bei der Wahlentscheidung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Realitätsbezug von Downs Modell zu hinterfragen und zu beantworten, ob es trotz seiner starken Reduktion der Wirklichkeit geeignet ist, das Phänomen der Wahlbeteiligung zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und rekonstruiert die theoretischen Rahmenbedingungen der Rational-Choice-Theorie, um diese kritisch gegen empirische und sozialpsychologische Aspekte abzuwägen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die schrittweise Analyse der Komponenten des Modells, wie den rationalen Wähler, das Parteiendifferential, Informationskosten und die verschiedenen Faktoren der Unsicherheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Rational Choice, Wahlparadoxon, Stimmwert, Informationskosten und das Modell des homo oeconomicus.
Was versteht man in diesem Kontext unter dem "Wählerparadoxon"?
Das Wahlparadoxon beschreibt den Widerspruch, dass es aus Sicht eines rein rationalen Individuums aufgrund hoher Kosten und minimaler Erfolgswahrscheinlichkeit der eigenen Stimme eigentlich irrational wäre, zur Wahl zu gehen, obwohl die Wahlbeteiligung in Realität hoch ist.
Welche Rolle spielt die sogenannte "D-Komponente"?
Die D-Komponente (Civic Duty) ergänzt das Modell um einen expressiven Nutzen, wie Pflichtgefühl oder soziale Anerkennung, um zu erklären, warum Bürger trotz ökonomischer Unwirtschaftlichkeit wählen gehen.
- Citation du texte
- Annegret Stalder (Auteur), 2005, Anthony Downs - Ökonomische Theorie der Demokratie , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86555