Die drei Grundpositionen der deutschen Außenpolitik unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg


Seminararbeit, 2007
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Vorgeschichte : die Lage Deutschlands nach der Kapitulation

2. Weltpolitische Konstellation

3. „Grundpositionen und Konzepte der deutschen Außenpolitik“
3.1 Jakob Kaiser
3.2 Kurt Schumacher
3.3 Konrad Adenauer

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Thema ist auf verschiedene Weise interessant. Welche Alternativen gab es zu unserer heutigen Ordnung? Es stellt sich die Frage, ob auch zentralistische Überlegungen im Raum standen. Waren sich die Politiker dieser Zeit darüber einig oder gab es kontroverse Diskussionen? Welche Rolle sprachen sie Deutschland auf der internationalen Bühne zu? Wie stellten sie sich die Neuordnung Deutschlands vor? Wer waren die wichtigen außenpolitischen Akteure, die an der Weichenstellung für unsere heutige staatliche Ordnung in der Bundesrepublik mitgewirkt haben? Welche politischen Einstellungen hatten sie? Auch die Frage nach der Persönlichkeit der Akteure muss gestellt werden, da diese einen entscheidenden Faktor für die außenpolitischen Ereignisse darstellt. Aber natürlich darf vor allem die weltpolitische Lage nicht außer Acht gelassen werden. Sie stellt den Rahmen für außenpolitisches Handeln dar. Deshalb stehen dieser Arbeit die Darstellung der weltpolitischen Konstellation und die Einbettung des besiegten Deutschlands in sie voran. Diese Arbeit beschränkt sich auf die Darstellung und den Vergleich der drei bedeutendsten Akteure und Stellvertreter für die unterschiedlichen Grundpositionen deutscher Außenpolitik ab 1945: Jakob Kaiser, Kurt Schumacher und Konrad Adenauer. Zu erörtern sind daher die jeweiligen Personen, ihre politische Gesinnung und die Ziele für eine neu zu schaffende staatliche Ordnung Deutschlands.

1. Vorgeschichte : die Lage Deutschlands nach der Kapitulation

Deutschland war 1945, nach der Kapitulation, der völkerrechtlichen Definition entsprechend, kein Staat mehr. Das Staatsvolk bestand zwar noch, aber das Staatsgebiet war zerstückelt und unterlag der Hoheit bzw. der Staatsgewalt der Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion.

Auf den drei Konferenzen der Siegermächte wurde über die Zukunft Deutschlands verhandelt. In Teheran war man sich 1943 noch einig, Deutschland vollständig zu zerschlagen. Später, 1945 in Jalta, verständigte man sich auf die Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen. Auf der Konferenz von Potsdam verständigten sich die Besatzungsmächte auf die 4 großen „D“: Denazifizierung, Demilitarisierung, Demokratisierung und Dekartellisierung. Deutschland sollte des Weiteren als wirtschaftliche Einheit bestehen bleiben. Mit Hilfe des Marshall-Plans sollte der Wiederaufbau in Deutschland und die wirtschaftliche Unabhängigkeit des deutschen Volkes ermöglicht werden.[1]

Als sich der Konflikt mit der kommunistischen Sowjetunion verschärfte und damit eine gemeinsame Regierung der Siegermächte unmöglich erschien, erkannten die westlichen Siegermächte, dass es nicht möglich war, Deutschland ohne die Deutschen zu regieren. Es galt nun, Russland Einhalt zu gebieten. Zu dieser Zeit sprach der britische Kriegspremier Winston Churchill von einem „Eisernen Vorhang der niedergegangen sei“[2]. Damit benannte er den folgenden Ost- Westkonflikt der folgenden Jahrzehnte, der die Welt in zwei Lager teilen sollte. Während die Sowjetunion in ihrer Besatzungszone ein kommunismusfreundliches Regime aufstellte, wurde vornehmlich in der amerikanischen Besatzungszone „die Demokratisierung von unten“ angewandt. Nach und nach ergab sich für die deutsche Bevölkerung die Möglichkeit, auf die Entwicklung ihres Landes Einfluss zu nehmen. Widerstandskämpfer während des NS-Regimes und politische Eliten aus dem Exil wurden von den Besatzern in den westlichen Zonen ausgewählt, um ein neues, demokratisches Deutschland aufzubauen. So wurden beispielsweise Posten in unteren Verwaltungsebenen mit Deutschen besetzt. In den westlichen Zonen durften neue Parteien gegründet werden, wie z.B. die CDU und die FDP, aber auch die SPD wurde wieder aufgebaut. Es wurden Ministerpräsidenten eingesetzt und 1945/46 fanden die ersten freien Wahlen nach 1933 in Deutschland statt. Im Parlamentarischen Rat wurde daraufhin unter Aufsicht der Besatzer über die Verfassung eines westdeutschen Staates beraten, und vier Jahre nach der Kapitulation konnte das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verabschiedet werden.[3]

2. Weltpolitische Konstellation

In den Jahren 1945 bis 1949 entwickelte sich eine neue weltpolitische Konstellation. Ideologische Gegensätze und unterschiedliche nationale Interessen traten nun deutlich zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion hervor. Der Konflikt entstand schließlich bei der Frage, wie mit dem besiegten Deutschland zu verfahren sei. Die Welt teilte sich in zwei Lager. Deutschland stellte dabei den Mittelpunkt dar, nicht nur geographisch betrachtet. Die Sowjetunion brachte nach und nach die ostmitteleuropäischen Staaten unter kommunistische Herrschaft. Die USA reagierten darauf mit der Strategie der Eindämmung.[4] Auch militärisch wurde der Konflikt auf beiden Seiten ausgedehnt. Die Spannungen zwischen Ost und West sollten die Entscheidungen und Handlungen der agierenden Politiker in Deutschland, aber auch der Besatzungsmächte, in den folgenden Jahren beeinflussen, wenn nicht sogar bestimmen.[5]

Die Teilung Deutschlands war u.a. durch die Strategie der Eindämmung der USA letztlich unvermeidbar. Durch die Berlin-Blockade der Sowjetunion wurde sie besiegelt. Die USA sahen sich genötigt, einen deutschen demokratischen Staat als Damm für die restliche westliche Welt gegen den Kommunismus zu etablieren. Die Teilung sollte jedoch nur vorläufig bestehen. Den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands wollte man nicht verlieren, nahm aber einen möglichen – separaten –westlichen Teil Deutschlands in Kauf.[6]

3. „Grundpositionen und Konzepte der deutschen Außenpolitik“

Für Deutschland bedeutete diese weltpolitische Konstellation in Zusammenhang mit der eigenen Ausgangslage, dass es zwei Optionen gab. Auf der einen Seite konnte man ein „Minimum an Handlungsfreiheit“[7] gegenüber den Siegermächten bewahren, auf der anderen Seite musste man „die Unvermeidlichkeit der Teilung“[8], hinnehmen. Die verschiedenen Ansätze deutscher Außenpolitik wurden auf prägnante Weise von 3 Politikern personifiziert: Kurt Schumacher, Gründer der SPD 1945, Jakob Kaiser, Vorsitzender der CDU und Konrad Adenauer, Mitglied der CDU und Präsident des Parlamentarischen Rates. Interessant ist hierbei, dass die Diskussion um die Positionierung Deutschlands nicht nur zwischen der SPD und der CDU geführt wurde, sondern auch innerhalb der CDU zwischen Konrad Adenauer und Jakob Kaiser, wie im Folgenden zu sehen sein wird.

[...]


[1] Haftendorn, Helga, u.a.: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Berlin: Wissenschaftlicher Autoren-Verlag 1982, S. 20-25; und Noack, Paul: Deutsche Außenpolitik seit 1945, Stuttgart, u.a.: Verlag W. Kohlhammer 1972, S. 11-13.

[2] Zolling, Peter: Deutsche Geschichte von 1871 bis zur Gegenwart. Wie Deutschland wurde, was es ist, Bonn 2005, S. 238.

[3] Zolling, Peter: Deutsche Geschichte von 1871 bis zur Gegenwart, S. 22-23.

[4] Besson, Waldemar: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Erfahrungen und Maßstäbe, München 1970, S. 21-22.

[5] Besson, Außenpolitik der Bundesrepublik, S. 22-25.

[6] Besson: Außenpolitik der Bundesrepublik, S. 28-30.

[7] Besson: Außenpolitik der BRD, S. 34.

[8] Besson: Außenpolitik der BRD, S. 34.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die drei Grundpositionen der deutschen Außenpolitik unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Politikwissenschaftliches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V86559
ISBN (eBook)
9783638021319
ISBN (Buch)
9783638923361
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundpositionen, Außenpolitik, Weltkrieg, deutsche, Nachkriegszeit
Arbeit zitieren
Annegret Stalder (Autor), 2007, Die drei Grundpositionen der deutschen Außenpolitik unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86559

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