Die NSDAP und die Protestantische Kirche in der Pfalz


Seminararbeit, 2005

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die protestantische Kirche in der Pfalz

2. Splittergruppen der protestantischen Kirche
2.1 Deutsche Christen
2.2 Religiöse Sozialisten
2.3 Pfarrbruderschaft
2.4 Bekennende Kirche

3. Reichstagswahlen

4. Vorgehen der Partei gegen Christen

5. Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie
5.1 Ludwig Diehl

6. Widerstand der Protestanten
6.1 Erwin Eckert

Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Die evangelische Kirche hatte zur Weimarer Republik einen eher schweren Stand. Sie besaß einen provinziellen Charakter und sah sich im Laufe der NS –Herrschaft mehreren Belastungsproben ausgesetzt. Beispielsweise als die Bekennende Kirche Front machen musste gegen die nationalsozialistische Bewegung der Deutschen Christen. Die pfälzische protestantische Landeskirche hat in den frühen Jahren der NSDAP innerhalb Deutschlands keine nennenswerte Rolle gespielt. Sie stellte lediglich eine kleine Gliedkirche der Deutschen Evangelischen Kirche dar.

Auch die Forschung ist bei dieser Thematik auf einige Hindernisse gestoßen, hinsichtlich der Quellenlage und der Tatsache, dass nicht selten die Beziehung der Kirchen zum Nationalsozialismus außen vor gelassen wird. Auch die Geschichte der beiden großen Kirchen in Deutschland geht in der Entwicklung unter dem Hakenkreuz wesentlich unterschiedliche Wege. Aber auch in den damaligen Gauen, den späteren Bundesländern, schlug die Entwicklung der Kirche völlig verschiedene Richtungen ein. Besonders die Ausbildung der protestantischen Kirche in der Pfalz unterscheidet sich wesentlich von der in anderen Bundesländern. Beeinflusst von geopolitischen Problemen und der allgemein schlechten national-politischen Lage der Weimarer Republik sah sich die Kirche nach Beginn des totalen Krieges vor enorme, neue Aufgaben gestellt, denen sie zunächst nicht gewachsen war.

Die Stellung der protestantischen Kirche in der Pfalz, vornehmlich in den dreißiger Jahren, soll auf den folgenden Seiten näher beleuchtet werden.

In den Mittelpunkt rückt die protestantische Kirche der Pfalz im Allgemeinen, aber auch die kirchenpolitischen Auseinandersetzungen, die Identifikation der Geistlichen mit der Ideologie des Nationalsozialismus ebenso wie die Widerstandsbewegungen innerhalb der Kirche selbst.

1. Die protestantische Kirche in der Pfalz

Die Anschauungen einiger evangelischen Pfarrer in der Pfalz waren schon vor 1918 tief geprägt von nationalsozialistischem und völkischem Denken. Einige vertraten ein arisch-artgemäßes Christentum ohne das Alte Testament. Der Antikatholizismus war ein wesentlicher Bestandteil der Identität der evangelischen Pfalz. Auch in den Predigten der Pfarrer waren Anti-bolschewismus, nationale Gesinnung und traditioneller Antikatholizismus Normalität und alltäglich.[1]

Es gab 28 selbstständige evangelische Landeskirchen in Deutschland. 1922 wurde der Deutsche Evangelische Kirchenbund geschlossen. Die pfälzische Landeskirche war eine Gliedkirche der Deutschen Evangelischen Kirche, sie spielte jedoch keine wirkungsgeschichtliche Rolle für die Gesamtkirche. 1934 wurde sie in die Deutsche Evangelische Kirche eingegliedert.[2] Sie besaß einen mittelständisch-bäuerlichen Charakter und zeigte sich politisch konservativ und nationalistisch.[3] Große Teile der Kirchengesellschaft sahen 1933 in der neuen Regierung der NSDAP mehr eine Chance und Hoffnung auf Verbesserung der politischen Lage denn eine Gefahr für die Bevölkerung. Diese Haltung lässt sich durch den allgemeinen politischen Zustand nach 1918 erklären: Die nationale Abwehr gegen die Rheinpolitik der französischen Regierung - welche in der Pfalz aufgrund der geographischen Lage äußerst bedeutend war - und den Zerfall der politischen Kraft in der Pfalz, der liberalen Zentrumspartei.[4] Die Kirche befand sich während des dritten Reiches im Kirchenkampf.[5] Die Deutschen Christen, eine Bewegung aus Thüringen und Brandenburg strebten um 1930 eine nationalsozialistische Reichskirche an. Die Regierung erzwang eine Verfassung für die Deutsche Evangelische Kirche, welche negative Folgen für die Stellungen der Landeskirchen hatte und die Neuwahl der Landessynode der Pfalz nach sich zog. Allerdings ist zu erwähnen, dass die pfälzische Landeskirche Pfarrer Diehl beauftragte, auf der Nationalsynode ausdrücklich die Wahl des früheren Wehrkreispfarrers Müller zu fordern. Hitler bestimmte 1933 den Wehrmachtspfarrer Müller zum Reichsbischof.[6] Später sollte der damalige Kirchenpräsident Dr. Kessler seinen Vorschlag als Irrtum zurücknehmen und Müller scharf kritisieren. Er warnte in einem Grußwort auch „vor den Bestrebungen einer nordisch-germanischen Nationalkirche und vor einer vorbehaltlosen Übertragung staatspolitischer Vorgänge auf die evangelische Kirche, deren Führer allein Christus sei, unter den sich auch unser Volksführer Adolf Hitler beugt“.[7] Die evangelischen Jugendverbände der Pfalz wurden im März 1934 aufgelöst und teilweise in die Hitlerjugend eingegliedert. Ebenso sollte die Volksmission ein „Instrument zur Gewinnung des Kirchenvolkes für den Nationalsozialismus“[8] werden.

Wie in allen Teilen des Landes erfolgte auch in der pfälzischen Kirche eine Gleichschaltung, besser gesagt, einer innerkirchlichen Selbstgleichschaltung, die 1934 vollständig durchgeführt war.[9] Man muss hierbei erwähnen, dass viele Geistliche die Haltung der NSDAP gegenüber der Kirche zunächst falsch einschätzen. Das Engagement der Kirche hinsichtlich der Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung bezog sich nahezu ausschließlich auf Christen jüdischer Herkunft. Die Solidarität mit den mosaischen und assimilierten Juden stand im Vergleich dazu in keinem Verhältnis.[10]

2. Splittergruppen der protestantischen Kirche

Während des Dritten Reiches gab es innerhalb der protestantischen Kirche einige Richtungskämpfe, aus denen teilweise Splittergruppen hervorgingen. Die Methodistenkirche ist im 19. Jahrhundert von der protestantischen Kirche abgesplittert und seit 1921 anerkannt. 1933 wurde eine protestantische Reichs-kirche mit einer Reichskirchenregierung gegründet.[11]

2.1 Deutsche Christen

Ebenfalls ist hier die Initiative der Deutschen Christen zu nennen, die aus der Vorläuferin Christlich–Deutsche Bewegung von 1930 entstand. Diese Bewegung begann in Thüringen um 1932 als Kirchenbewegung DC und schloss sich später mit der Altpreußischen Union zusammen.[12] Von der Kirchenleitung wurde die DC primär als politische Vereinigung gesehen. Die Mehrheit der pfälzischen Pfarrer trat bis zum Ende des Jahres 1933 den Deutschen Christen bei. Die DC arbeitete maßgeblich an der Gleichschaltung der Kirche und an der Erneuerung des - ihrer Meinung nach - unvölkischen evangelischen Christentums. Sie waren sozusagen die Vollstrecker der nationalen Revolution. Nationalistische, völkische und antijudaistische, des Öfteren auch rassistisch motivierte, antisemitische Töne waren in den evangelischen Kirchen keine Ausnahme sondern alltägliche Normalität.[13]

[...]


[1] Debus, S.230ff, Fandel, S. 72

[2] Fandel, S. 233.

[3] Faber, S. 32.

[4] Faber, S. 33.

[5] Kirchenkampf bedeutet der Zustand der evangelischen Kirche im dritten Reich, die Auseinandersetzung um das Wesen, den Auftrag und den Aufbau der evangelischen Kirche im NS-Staat.

[6] Debus, S. 230.

[7] Faber, S. 39.

[8] Faber, S. 42.

[9] Debus, S. 236.

[10] Fandel, S. 119.

[11] Debus, S. 229.

[12] Reichrath, S. 32f.

[13] Faber, S. 43., Documenta, S. 154-160.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die NSDAP und die Protestantische Kirche in der Pfalz
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Historisches Seminar)
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V86561
ISBN (eBook)
9783638016698
ISBN (Buch)
9783638918480
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NSDAP, Protestantische, Kirche, Pfalz
Arbeit zitieren
Annegret Stalder (Autor), 2005, Die NSDAP und die Protestantische Kirche in der Pfalz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86561

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