Auch wenn der Erzherzog und spätere römische König Maximilan, der in der Forschung gerne als Schöpfer der Landsknechte genannt wird, mit der Einübung von Gefechtskörpern wie den bekannten Gevierthaufen und dem Igel großen Einfluss auf die Ausbildung der Landsknechte hatte, entwickelten diese im Laufe der Zeit zu erheblichen Teilen auch selbst Brauchtümer, Mitspracherechte, Verwaltungs- und Organisationsformen. Schon die unterschiedlichen Nationen innerhalb eines Trupps und die daraus entstehenden Schwierigkeiten, wie Verständigungsprobleme, machen deutlich, dass es sicherlich nicht einfach gewesen sein kann, diese verschiedenen Kriegsmänner einheitlich zu führen, Disziplin und Ordnung herzustellen und diese auch zu erhalten. Dazu kamen schließlich auch die Eigenarten und Ansprüche der einzelnen Söldnergruppen, wie speziell der Landsknechte.
Mit welchen Mitteln die Kriegsherren versuchten, die Landsknechte im 16. Jahrhundert zu disziplinieren, soll hier erörtert werden. Dabei ist es von Bedeutung sich zu vergegenwärtigen, was den Landsknecht ausmachte, wie er sich verhielt und wie er sich selbst verstand. Daraufhin soll behandelt werden, welche Ursachen Ungehorsam unter den Landsknechten erzeugten, und in welcher Form dieser auftrat. Nach der Besprechung der Rechtsordnung soll auf die Strafjustiz eingegangen werden. Auf die Disziplinierung mit religiösen Mitteln kann im Umfang dieser Arbeit nicht eingegangen werden. Es werden Quellen verwandt, um einerseits den Alltag des Knechts mit der Rechtsordnung zu schildern, auf der anderen Seite wird die rechtliche Grundlage, ein Artikelsbrief, als Bezugsort dienen.
Die Landsknechte haben sich durch eine eigene Sprache, andersartige Kleidung und Lebensstil, Lieder und Bräuche zu einer eigenen sozialen Schicht entwickelt. Sie plünderten und brandschatzten das Land auf eigene Faust, und machten den ortsansässigen Bauern das Leben zur Hölle. Ihre Trinkgelage arteten regelmäßig aus, sie waren Haudegen, denen erklärt musste, dass sie nicht wahllos mit ihren Hakenbüchsen um sich schießen konnten. Sie verspielten im Suff ihre Waffen und konnten oft wegen Trunkenheit ihren Dienst nicht antreten. Baumann beschreibt die Landsknechte bezeichnenderweise als „nicht nur “schlechte Deutsche“, sie waren auch schlechte „Soldaten“.“ Weiter beschreibt er, dass die Söldner ausdrücklich ermahnt werden mussten, den Kontakt zum Feind zu meiden und sich in die Schlachtordnung einzugliedern, wenn Alarm geschlagen wurde.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Selbstverständnis der Landsknechte
1.1 Motivation des Landsknechts
1.2 Habitus der Landsknechte
1.3 Organisation im Inneren des Landsknechtshaufens
2. Auslöser undisziplinierten Verhaltens: Der Sold
3. Formen der Gehorsamsverweigerung
3.1 Meutereien
3.2 Selbstversorgung durch Plünderungen
4. Verfassung und Organisation im Regiment
4.1 Heeresgesetze
4.2 Der Artikelsbrief
4.3 Regimentsämter
4.3.1 Der Obrist
4.3.2 Weitere Ämter
5. Rechtsprechung
6. Straftaten und deren Ahndung
Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Methoden, mit denen Kriegsherren im 16. Jahrhundert versuchten, die disziplinlosen Landsknechtsregimenter durch rechtliche Rahmenbedingungen und Organisationsstrukturen zu kontrollieren, wobei das Hauptaugenmerk auf dem Spannungsfeld zwischen der eigenständigen Söldnerstruktur und der staatlichen Disziplinierung liegt.
- Selbstverständnis und soziale Identität der Landsknechte
- Die Rolle der Soldzahlung als zentraler Faktor für Disziplin und Gehorsam
- Die Funktion des Artikelsbriefs als rechtliches Instrument der Reglementierung
- Strukturen der inneren Organisation und der militärischen Rechtsprechung
- Formen und Ursachen von Gehorsamsverweigerung, insbesondere Meuterei und Desertion
Auszug aus dem Buch
1. Selbstverständnis der Landsknechte
Die Landsknechte haben sich durch eine eigene Sprache, andersartige Kleidung und Lebensstil, Liedern und Bräuche zu einer eigenen sozialen Schicht entwickelt. Sie plünderten und brandschatzten das Land auf eigene Faust und machten den ortsansässigen Bauern das Leben zur Hölle. Ihre Trinkgelage arteten regelmäßig aus, sie waren Haudegen, denen man erst erklären musste, dass sie nicht wahllos mit ihren Hakenbüchsen um sich schießen konnten. Sie verspielten im Suff ihre Waffen und konnten oft wegen Trunkenheit ihren Dienst nicht antreten. Baumann beschreibt die Landsknechte bezeichnenderweise als „nicht nur schlechte Deutsche“, sie waren auch schlechte „Soldaten“. Weiter beschreibt er, dass die Söldner ausdrücklich ermahnt werden mussten, den Kontakt zum Feind zu meiden und sich in die Schlachtordnung einzugliedern, wenn Alarm geschlagen wurde. Auch die vielen Eskapaden mit Prostituierten und das stete Fluchen der Landsknechte lassen auf keine sehr fromme oder sittsame Lebensweise schließen. Das Zitat von Sebastian Frank, aus dem Blickwinkel eines Zeitgenossen, dass die Arbeit der Landsknechte aus Lästern, Würgen, Rauben, Plündern, Prennen bestehe und sie des Weiteren noch Blutschuld und Unkeuschheit treiben, Jungfrauen notzüchtigen, Verwundete gefangen legen, Kartenspielen und Würfeln, Saufen, Huren und Gotteslästern, trifft das Bild des Landsknechts wohl sehr genau.
Abgesehen von den Unarten der Knechte entwickelten sie durch erfolgreiche Schlachten Selbstvertrauen in ihrer Einheit. Innerhalb der Landsknechtsgemeinschaft entstanden eigene Bräuche und ein ausgeprägt diszipliniertes Vorgehen. Auch die ihre eigene Rechtsordnung verkörpert beispielhaft ihr Selbstverständnis. Sie selbst begriffen sich als ehrliche Kriegsleute, sahen sich selbst als ehrbar und rechtschaffen. Die Landsknechte verstanden sich als „freie, unabhängige Söldner!“, daher beanspruchten sie auch das Recht für sich, ihren Kriegsherren frei zu wählen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Problematik der Führung von Landsknechtstruppen aufgrund ihrer komplexen Eigenheiten und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
1. Selbstverständnis der Landsknechte: Dieses Kapitel beschreibt den Lebensstil, die soziale Schichtung und den Habitus, die die Landsknechte als eigenständige Gruppe innerhalb der frühneuzeitlichen Gesellschaft definierten.
2. Auslöser undisziplinierten Verhaltens: Der Sold: Hier wird dargelegt, dass unregelmäßige oder ausbleibende Soldzahlungen die Hauptursache für Demoralisierung und Disziplinverlust unter den Söldnern waren.
3. Formen der Gehorsamsverweigerung: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Widerstandsformen der Söldner, insbesondere Meutereien und Desertion, sowie die Praxis der Selbstversorgung durch Plünderungen.
4. Verfassung und Organisation im Regiment: Es werden die offiziellen Regelwerke, wie Heeresgesetze und Artikelsbriefe, sowie die Ämterstruktur des Regiments als Disziplinierungsinstrumente vorgestellt.
5. Rechtsprechung: Dieses Kapitel behandelt das Regimentsgericht als zentrales Instrument der internen Ordnung und die Rolle der „Gemein“ bei der Urteilsfindung.
6. Straftaten und deren Ahndung: Hier werden die verschiedenen Delikte der Knechte und das entsprechende Strafmaß, von Geldstrafen bis hin zur Todesstrafe, systematisch aufgeführt.
Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Disziplinierung mittels formaler Ordnungen oft ineffektiv blieb und die Integration der Landsknechte in zentrale staatliche Militärstrukturen erst durch spätere Reformen gelang.
Schlüsselwörter
Landsknechte, Frühe Neuzeit, Militärgeschichte, Disziplinierung, Artikelsbrief, Heeresgesetze, Meuterei, Soldwesen, Söldnerwesen, Rechtsordnung, Regimentsgericht, Kriegsführung, Gehorsamsverweigerung, Desertion, Obrist
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der militärischen Disziplinierung von Landsknechtregimentern im 16. Jahrhundert vor dem Hintergrund der bestehenden Rechtsordnungen und Heeresgesetze.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Zentrale Themen sind das Selbstverständnis der Söldner, die Rolle der Soldzahlung, die Funktion des Artikelsbriefs sowie die Organisations- und Rechtsstrukturen innerhalb der Regimenter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Schwierigkeiten und Methoden der Disziplinierung von Söldnern zu analysieren, die sich aufgrund ihrer eigenen sozialen Struktur und Mitspracherechte oft gegen die Kontrolle durch die Obrigkeit stellten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, wie Artikelsbriefen und Söldnertagebüchern, sowie relevanter militärgeschichtlicher Forschungsliteratur basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ursachen für Disziplinlosigkeit, die rechtliche Organisation durch Artikelsbriefe und Ämter sowie die konkrete Ausübung der Militärjustiz und Ahndung von Straftaten.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören Landsknechte, Disziplinierung, Artikelsbrief, Söldnerwesen, Rechtsverband und Militärjustiz.
Warum galt das „Recht der langen Spieße“ als besonders umstritten?
Es wurde als Form der brutalen Lynchjustiz oder als besonders grausames Gottesgericht empfunden, bei dem der Verurteilte durch eine Spießgasse geschickt wurde, was in der Forschung bis heute kontrovers diskutiert wird.
Welche Rolle spielte der „Obrist“ bei der Disziplinierung?
Der Obrist war nicht nur der militärische Befehlshaber, sondern fungierte auch als zentraler Gerichtsherr, dessen persönliches Charisma und Autorität entscheidend für die Durchsetzung der Ordnung waren.
Welche Bedeutung hatten Artikelsbriefe für den Söldner?
Sie stellten die offizielle, zeitlich begrenzte Rechtsgrundlage dar, auf die der Soldat bei der Musterung vereidigt wurde und die sein Verhalten im Dienst sowie sein privates Handeln reglementierte.
- Quote paper
- Annegret Stalder (Author), 2006, Disziplinierung in Landsknechtsregimentern vor dem Hintergrund der Heeresgesetze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86563