„Wir suchen einen Nachfolger für unseren langjährigen Vorstandsvorsitzenden, der bald in Ruhestand geht und deshalb nicht wieder kandidieren möchte, und haben damit einfach keinen Erfolg. So bleibt der alte Vorstand halt weiterhin im Amt, obwohl er das eigentlich nicht mehr will“. Diese Aussage eines Vorstandsmitgliedes einer Kolpingfamilie nach einem persönlichen Gespräch mit dem Autor beschreibt das Dilemma, in dem sich viele Mitglieder organisierten Vereinigungen befinden. Zwar erlebt das Ehrenamt und das freiwillige Engagement eine starke Zunahme in Deutschland, kirchliche Nonprofit-Organisationen konnten diesen Trend noch nicht bzw. nur zum Teil nutzen. Die vorliegende Arbeit beleuchtet die momentane Situation kirchlicher Nonprofit-Organisationen aus unterschiedlichen Perspektiven und zeigt nach einer kurzen Bestandsaufnahme mögliche Lösungsstrategien für die zukünftige Arbeit mit Freiwilligen auf.
Die Bandbreite und das Verständnis für den Nonprofit-Bereich und seiner Organisationen sind je nach Betrachtungsweise sehr unterschiedlich und können zu Missverständnissen in der Kommunikation führen. In dieser Arbeit wird deshalb auf die operative Definition des John Hopkins Comparative Nonprofit Sector Project zurückgegriffen, das den Nonprofit-Sektor folgendermaßen definiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema und Erläuterung der Fragestellung
2. Definition der gewählten Nonprofit-Organisationen und des Begriffs „Freiwillige“
3. Situationsanalyse
3.2 Gesellschaftliche Faktoren
3.3 Strukturelle Faktoren
3.4 Menschliche Faktoren
3.4.1 Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamt
3.4.2 Interessenlage von Freiwilligen für deren Engagement
4. Lösungsstrategien
5. Resümee
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen beim Management von freiwillig Engagierten in kirchlichen Nonprofit-Organisationen und erarbeitet Lösungsstrategien, um diesen Organisationen zu helfen, sich den wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen anzupassen.
- Situationsanalyse des ehrenamtlichen Engagements in Deutschland
- Strukturelle Spannungsfelder in kirchlichen Nonprofit-Organisationen
- Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt
- Motivationsfaktoren für Freiwillige
- Ansätze zur Professionalisierung der Freiwilligenarbeit
Auszug aus dem Buch
3.3 Strukturelle Faktoren
Freiwilligenarbeit geschieht immer in einem formell strukturierten Rahmen. Die zugrunde liegende Rechtsform spielt zunächst dafür keine Rolle. So kann das Engagement u.a. in einem Ausschuss der Kirchengemeinde, einem kirchlichen Verband oder einer kirchlichen Nonprofit-Organisation wahrgenommen werden.
Aus der formellen Aufbaustruktur ergeben sich jedoch wiederum Spannungen für die freiwillige Arbeit, insbesondere dort wo mit der freiwilligen Arbeit ein Ehrenamt verbunden ist.
Kirchliche Nonprofit-Organisationen kämpfen ähnliche wie andere Organisationen im Sozialen Bereich mit der Rechtsform des Vereins, in dem der Vorstand die zentrale Rolle spielt. In der Praxis hat sich inzwischen die Rollenverteilung so durchgesetzt, dass der Vorstand aus ehrenamtlichen Mitgliedern besetzt wird, im operativen Geschäft arbeiten hauptamtliche Mitarbeitende. Die Ehrenamtlichen tragen aufgrund ihres Amtes eine sehr hohe Verantwortung, verfügen jedoch selten über die entsprechende Qualifikation um mit dieser Verantwortung angemessen umzugehen. Dies hat gravierende Folgen für die Weiterentwicklung der jeweiligen Nonprofit-Organisation.
Ein Beispiel aus der Praxis des Autors soll dies veranschaulichen. Im Diakonieausschuss, dem Entscheidungsgremium einer großen Diakonie-Sozialstation, saßen 16 ehrenamtliche Vertreter des Kirchengemeinderats. Über die Arbeitsweise und Besonderheiten einer Sozialstation war den Beteiligten nichts bekannt. Deshalb wurden Entscheidungen getroffen, die fast den finanziellen Ruin herbeigeführt hätten, da die Tragweite der Maßnahmen von „Laien“ nicht absehbar war und die Größe des Gremiums zu einer Zersplitterung und Fraktionierung führte, die ein konstruktives Arbeiten behinderte. Nur die Intervention eines Verbandes konnte die Insolvenz abwenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema und Erläuterung der Fragestellung: Das Kapitel beschreibt das Dilemma vieler kirchlicher Organisationen bei der Nachbesetzung von Vorstandsämtern und skizziert die Notwendigkeit, moderne Lösungsstrategien für die Arbeit mit Freiwilligen zu finden.
2. Definition der gewählten Nonprofit-Organisationen und des Begriffs „Freiwillige“: Hier werden die wissenschaftlichen Kriterien für Nonprofit-Organisationen sowie für freiwillige Arbeit dargelegt, um eine einheitliche Grundlage für die weitere Untersuchung zu schaffen.
3. Situationsanalyse: Dieser Abschnitt beleuchtet die gesetzlichen, gesellschaftlichen, strukturellen und menschlichen Faktoren, die die aktuelle Lage der Freiwilligenarbeit beeinflussen.
4. Lösungsstrategien: Das Kapitel stellt Ansätze zur Professionalisierung vor, wie die Einrichtung von Freiwilligenzentren, klare Aufgabenbeschreibungen und eine verbesserte Einbindung der Hauptamtlichen.
5. Resümee: Der abschließende Teil fasst zusammen, dass kirchliche Organisationen ihre Position durch Professionalisierung und eine kundenorientierte Sichtweise auf das Freiwilligenmanagement stärken können.
Schlüsselwörter
Freiwilligenarbeit, Ehrenamt, Nonprofit-Organisationen, kirchliche Organisationen, Freiwilligenmanagement, Professionalisierung, Organisationsstruktur, Hauptamt, Engagement, Sozialstation, Diakonie, Freiwilligenagenturen, Mitgliedschaft, Führungskultur, Sinnstiftung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von freiwillig Engagierten in kirchlichen Nonprofit-Organisationen und dem damit verbundenen Management-Dilemma.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Nonprofit-Sektoren, die Analyse gesellschaftlicher und struktureller Einflüsse auf das Ehrenamt sowie Strategien zur Professionalisierung der Zusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aktuelle Probleme im Management von Freiwilligen in kirchlichen Organisationen aufzuzeigen und praxistaugliche Lösungsstrategien für eine zukünftig positive Freiwilligenarbeit zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine Analyse, die auf bestehenden Definitionen und Studien wie dem Freiwilligensurvey basiert und durch praxisnahe Beispiele untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Situationsanalyse, die externe und interne Faktoren untersucht, sowie die Ableitung von konkreten, professionalisierten Lösungsstrategien.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Ehrenamt, Professionalisierung, Freiwilligenagentur, Haupt- und Ehrenamt, Sinnstiftung sowie strukturelle Führungsprobleme.
Wie stehen Hauptamtliche zu den Freiwilligen?
Es besteht häufig ein Spannungsfeld, da Hauptamtliche teilweise Qualitätsverlust oder Informationsverluste befürchten, was eine klare Moderation durch die Leitung erfordert.
Welches Beispiel wird für strukturelle Probleme genannt?
Der Autor führt das Beispiel eines Diakonieausschusses an, dessen ehrenamtliche Mitglieder ohne Fachkenntnisse Entscheidungen trafen, die beinahe zur finanziellen Insolvenz der Einrichtung führten.
Warum reicht das bisherige Modell des Ehrenamts nicht mehr aus?
Das bisherige Modell ist laut Arbeit in der Krise, wenn es auf Ausbeutung, überzogener Selbstlosigkeit und mangelnder Einbindung basiert, was moderne Freiwillige zunehmend abschreckt.
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- Thomas Schwarz (Author), 2007, Freiwillige und deren Management in kirchlichen Lösungsstrategien für aktuelle Probleme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86625