Viele Nationen sind mit Klischees behaftet. Im gleichen Atemzug wie Deutschland gern von Touristen mit unbedingter Pünktlichkeit als oberste Tugend assoziiert wird, schreibt man Italien eine gewisse Affinität zu korruptem Verhalten zu. Dieser Eindruck wird nicht zuletzt dank der relativ schlechten Platzierung im europäischen Vergleich im Rahmen des jährlich veröffentlichten ‚Corruption Perception Index’ von Transparency International geschürt. Im internationalen Vergleich von 2006 rangiert Italien auf Platz 45, wobei Platz 1 vom korruptionslosgelösten Finnland besetzt ist, und reiht sich damit in die Riege der Transformationsstaaten wie die Tschechische Republik oder Litauen ein.
Kann man von einer Affinität Italiens zu politischer und wirtschaftlicher Korruption sprechen? Existiert eine Diskrepanz zwischen parlamentarischer Demokratie in Theorie, d.h. der niedergeschriebenen italienischen Verfassung und dem politischen Leben und italienischem Parteiensystem in Realität? Wenn ja, warum ist Italien ‚korrupt’ und wie äußert sich diese Korruption? Zur Debatte steht die Evolution der Gründe, die sich für die Existenz von Korruption in der parlamentarischen Demokratie Italiens ergeben. Italien gilt als vergleichsweise junge Demokratie im Gegensatz zu Deutschland, das auf Erfahrungen der Weimarer Republik aufbauen konnte. In dieser Arbeit wird die Entwicklung des politischen Systems mit der Entstehung der Parteienlandschaft als maßgebliches politisches Gefüge betrachtet, um die Grundlage für die Entstehung von politischer und wirtschaftlicher Korruption in den Anfängen der parlamentarischen Demokratie bis hin zur Ära Berlusconis als italienischen Ministerpräsidenten nachzuvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der Sonderstatus der italienischen Demokratie
- Die Entwicklung der Parteienlandschaft
- Tangentopoli, Mani Pulite und die zweite Republik
- Die Ära Berlusconi
- Analysen zu Korruption
- Korruption als System
- Parteienfinanzierung
- Korruption und Mafia
- Zusammenfassung
- Summary
- Literaturverzeichnis und Quellen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Entwicklung des italienischen Parteiensystems und der parlamentarischen Demokratie im 20. Jahrhundert, insbesondere mit der Problematik der Korruption. Die Arbeit analysiert, wie die Entstehung und Entwicklung des politischen Systems in Italien zur Entstehung und Festigung von Korruption beigetragen haben. Die Analyse konzentriert sich auf die erste und zweite Republik Italiens, wobei die Ära Berlusconis als Beispiel für die Persistenz von Korruption im italienischen politischen System dient.
- Die Entwicklung der Parteienlandschaft in Italien im 20. Jahrhundert
- Der Einfluss des Wahlsystems auf die Entstehung und Entwicklung von Korruption
- Die Rolle von Tangentopoli und Mani Pulite in der Bekämpfung von Korruption
- Die Rolle der Mafia und der organisierten Kriminalität in der italienischen Korruption
- Der Sonderstatus der italienischen Demokratie und die Ursachen für die Persistenz von Korruption
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel der Arbeit führt in die Thematik ein und stellt das Klischee des korrupten italienischen Staates in den Kontext. Es wird die Bedeutung der historischen Entwicklung des politischen Systems für die Entstehung von Korruption hervorgehoben.
Kapitel zwei behandelt den Sonderstatus der italienischen Demokratie. Es wird die Entwicklung der Parteienlandschaft von der ersten zur zweiten Republik beleuchtet, mit besonderem Fokus auf die Auswirkungen des Wahlsystems und die Entstehung von Korruption. Die Kapitel stellen Tangentopoli und Mani Pulite als wichtige Meilensteine in der Bekämpfung von Korruption vor.
Kapitel drei analysiert die Korruption im Detail. Es werden verschiedene Ansätze zur Analyse von Korruption vorgestellt, die Bedeutung der Parteienfinanzierung beleuchtet und der Zusammenhang zwischen Korruption und Mafia dargestellt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen Korruption, Demokratie, Parteienlandschaft, Wahlrecht, Tangentopoli, Mani Pulite, Mafia, Italien und Politik. Die Arbeit analysiert die Entstehung und Entwicklung von Korruption im italienischen politischen System und beleuchtet die Rolle des Wahlrechts und der Parteienfinanzierung. Die Arbeit betrachtet auch die enge Verbindung zwischen Korruption und organisierter Kriminalität in Form der Mafia.
Häufig gestellte Fragen
Warum gilt Italien im europäischen Vergleich als besonders korruptionsanfällig?
Dies wird oft mit historischen Entwicklungen des Parteiensystems und schlechten Platzierungen in Indizes wie dem 'Corruption Perception Index' von Transparency International begründet.
Was versteht man unter "Tangentopoli" und "Mani Pulite"?
"Mani Pulite" (Saubere Hände) war eine großangelegte Justizuntersuchung in den 1990ern, die das System der Schmiergelder ("Tangentopoli") aufdeckte und zum Ende der Ersten Republik führte.
Welchen Einfluss hatte das Wahlsystem auf die Korruption?
Die Arbeit analysiert, wie spezifische Merkmale der italienischen Parteienlandschaft und des Wahlsystems die Entstehung politischer und wirtschaftlicher Korruption begünstigt haben.
Welche Rolle spielt die Mafia im italienischen Korruptionssystem?
Die Seminararbeit beleuchtet die engen Verflechtungen zwischen organisierter Kriminalität, Wirtschaft und Politik als wesentlichen Faktor für die Persistenz von Korruption.
Was kennzeichnet die "Ära Berlusconi" in Bezug auf dieses Thema?
Die Ära Berlusconi wird als Beispiel für die Fortführung korrupter Strukturen in der Zweiten Republik und die Vermischung von privaten Medieninteressen und politischer Macht untersucht.
Gibt es eine Diskrepanz zwischen Verfassung und politischer Realität?
Ja, die Arbeit hinterfragt den Gegensatz zwischen der demokratischen Theorie der italienischen Verfassung und der gelebten politischen Praxis im 20. Jahrhundert.
- Quote paper
- Katharina Baier (Author), 2007, Parteiensysteme und parlamentarische Demokratien im 20.Jh - Italien und Korruption, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86629