Ist die Existenz der Printmedien durch die neuen Medien bedroht? Eine Widerlegung anhand des Medienereignisses Big Brother


Seminararbeit, 2001

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Printmedien und das Fernsehen
2.1 Wie die Printmedien das Fernsehen nutzen
2.2 Wie die Printmedien dem Fernsehen nutzen

3. Das Beispiel „Big Brother“
3.1 Diskussionen vorab lassen Programmstart zum Erfolg werden
3.2 Mediale Verwertung der „Big Brother“ - Show

4. Fazit

Ist die Existenz der Printmedien durch die neuen Medien bedroht?

- eine Widerlegung anhand des Medienereignisses „Big Brother“ -

1. Einführung

zur Beziehung der Medienbereiche untereinander

Mit der Verbreitung von Rundfunk und Fernsehen befürchteten damals viele Zeitungsverlage und prognostizierten auch viele Experten, Wissenschaftler und andere, die sich der Thematik verbunden fühlten, den baldigen Unter-gang der Printmedien.

Dass die mediale Welt diesen Entwicklungsverlauf nicht genommen hat, ist schnell gesagt; doch soll im Folgenden genauer analysiert und beispielhaft dargestellt werden, wie sehr diese Annahmen von der Realität abweichen und durch welch ein grundlegend falsches Verständnis vom Wirken der Medien sie gemacht wurden.

Es wurde aus dem Bereich der Wirtschaft eine Innovationslogik auf den Be-reich der Medien übertragen, die hier jedoch so nicht greift. Wenn dort ein verbessertes, weiterentwickeltes Produktionsmittel auf den Markt kommt, wird es seinen Vorgänger sehr wahrscheinlich verdrängen und an seine Stelle treten. Das kann als Substitutionsprozess bezeichnet werden. Von Produktionsmitteln kann man aber nicht analog auf Kommunikationsmittel schließen. Dazu muss nach Lerg[1] unterschieden werden zwischen Supple-mentierung und Komplementierung.

Im Verständnis eines Supplementierungs- oder Substitutionsprozesses wird das alte durch ein neues Medium als dessen bessere Version ersetzt (zum Beispiel der Hörfunk als bessere Zeitung oder Zeitschrift, Fernsehen als besserer Hörfunk oder besseres Kino). Das hat es jedoch in der Kommuni-kationsgeschichte noch nie gegeben. Die verschiedenen Medien mögen sich immer wieder, gerade in der Anfangszeit einer Neuerung, be drängen, ver- drängen tun sie sich nicht.

Vielmehr wirkt hier ein Komplementierungsprozess, was bedeutet, dass sich die einzelnen Bereiche gegenseitig beeinflussen und ergänzen. So müssen bereits bestehende Kommunikationsmittel ihre Rolle innerhalb der Medien-landschaft mit jedem Auftreten eines neuen Mediums wieder neu definieren. Sie beziehen das neue Medium mit ein, sie müssen mit ihm um Zuständig-keits- und Aufgabenbereiche kämpfen und werden sich dadurch ihrer eigenen Position und ihrer Abgrenzungen gegen andere Medienbereiche bewusst.

Und so verändern sich immer wieder die intermediären Strukturen („Bezie-hung der Kommunikationsmittel, der Medienorganisatoren untereinander“ [Lerg, S.112]) wie auch die transmediären („Beziehungen der Kommuni-kationsmittel zu Kommunikatoren und / oder Rezipienten“ [Lerg, S.112]).

Schon in ihren Anfangszeiten in den 1920-er und 30-er Jahren konnte die Publizistikwissenschaft die Supplementär - Hypothese mit ihrem „Grundge-setz der Entwicklung“ der publizistischen Mittel widerlegen, „nach wel-chem einmal entwickelte Vermittlungsformen niemals einander verdrängen, sondern konstant bleiben“ (Lerg, S.113).

Mit neu hinzukommenden Medien werden auch neue Bereiche erschlossen, in denen sie wirken können und zugleich Bereiche, in denen die bereits vor-handenen Medien neu wirken können. Der Spielraum der Medien ist bisher kein begrenzter, in dem irgendwann nicht mehr alle Platz haben und sich deswegen gegenseitig verdrängen, sondern er weitet sich aus, ist strukturell veränderbar und lässt Überschneidungen zu.

2. Die Printmedien und das Fernsehen

2.1 Wie die Printmedien das Fernsehen nutzen

So haben die Printmedien durch das Fernsehen eine völlig neue Sparte erhalten - die Fernsehzeitungen. Dazu wird ihnen eine große Welt voller Ereignisse dargeboten, über die sie berichten können, sei es in Form von Filmkritiken, Berichten über „Stars und Sternchen“, über das Schaffen ein-zelner Sender oder sonstigen Themen, deren Beachtung für die Präsenz des Blattes und seine Auflagenzahlen von Wert zu sein scheinen.

Bei dieser Vergegenwärtigung, welche die damalige Annahme nicht nur ent-kräftet, sondern ihr gänzlich zuwider läuft, kommt der Wunsch nach einer genaueren Verfolgung der Mechanismen auf, welche die intermediären Beziehungen gestalten.

2.2 Wie die Printmedien dem Fernsehen nutzen

Ich möchte mich hierbei auf die Wechselseitigkeit zwischen Printmedien und Fernsehen beschränken und darauf eingehen, inwiefern beide auf das Rezipientenverhalten, speziell wie die Printmedien auf das Fernseh-publikum einwirken.

Um dieser Thematik einen gewissen Gehalt zu geben, möchte ich ein Bei-spiel heranziehen, das wohl unumstritten als das aktuelle Medienereignis, wahrscheinlich das Medienereignis des Jahres bezeichnet werden kann.

Die Rede ist von der äußerst kontrovers gehandelten Reality - Show „Big Brother“. Schon im Vorfeld des Programmstarts am 1. März dieses Jahres fanden breite Debatten darüber statt, ob eine Sendung solcher Art überhaupt noch vertretbar ist oder ob sie die Rundfunkgesetze breche, denen zufolge die Würde und die Freiheit des Menschen gewahrt bleiben müssen.

Nach einigem Hin und Her (Bundesinnenminister Otto Schily rief zum Show - Boykott auf, Kirchenorganisationen wollten die voyeuristische To-talüberwachung verbieten, die hessische Landesmedienanstalt beantragte die Absetzung der Show, etc.) befanden alle Gutachten, dass die Show „einfach noch nicht menschenunwürdig genug ist“ (Spiegel, Heft 11 vom 13. 3. 00).

So siegte also die ebenfalls in den Rundfunkgesetzen garantierte Meinungs-freiheit über die unantastbare Menschenwürde. Ein Zugeständnis jedoch musste RTL2 - Chef Josef Andorfer an einen religiösen Vertreter machen: den Kandidaten ist es gestattet, eine Stunde pro Tag in einem „Ruheraum“ unbeobachtet entspannen zu können - worauf die Macher der Show ihrer-seits feixten, für eventuelle „Big Brother“ - Babies könne man nun der Kirche seinen Dank aussprechen ...

3. Das Beispiel „Big Brother“

3.1 Diskussionen vorab lassen Programmstart zum Erfolg werden

Um den Medienrummel, der vor allem von den Zeitungen in Gang gebracht wurde, zu erklären, sei zunächst kurz das Credo des Fernsehereignisses beschrieben:

TV - Produzent Jon de Mol wollte eine Reality - Show erschaffen, in der eine bestimmte Anzahl von ausgesuchten Kandidaten in einer Art Zwangs - WG rund um die Uhr an jedem Ort des Hauses von Kameras gefilmt werden. Eine Stunde pro Tag werden die Zusammenschnitte des Vortages im Abendprogramm von RTL2 gezeigt und alle zwei Wochen muss ein Bewohner das Haus verlassen. Wer nach hundert Tagen übrig bleibt, wird mit 250.000 DM belohnt.

Insgesamt sind 28 Kameras im Einsatz, fünf durch verspiegelte Gläser und vier mit Infrarot, dazu 60 Mikrofone plus je ein am Körper zu tragendes. Die Toilette wird zwar auch beobachtet, aber weder in der Sendung verwen-det, noch dem Internet zugänglich gemacht.

Von den 16.000 potentiellen Kandidaten wurden 20 unter bestimmten Gesichtspunkten ausgewählt, zu denen psychologische wie Belastbarkeit zählten wie angeblich auch die, eine möglichst heterogene Truppe zusam-menzustellen, um auf mehr Action als im holländischen Vorläufer hoffen zu dürfen - oder, wie ein Veranstalter sich ausdrückt: „früher oder später muss es knallen“ (TV Spielfilm vom 26. 2. – 10. 3.).

Für die Bewohner gelten sieben Regeln:

1. kannten sie sich vor dem Einzug in ihren Container nicht;
2. leben sie von der Außenwelt abgetrennt (die Filmcrew kommuniziert per Lautsprecher mit ihnen, sie haben keine Massenmedien wie Fernseher oder Tageszeitung im Haus) und müssen die ganze Zeit über diverse Tages- und Wochenaufgaben erfüllen;
3. gilt das Motto „back to the basics” (kein Luxus, kein Komfort, es durfte nur ein Diplomatenkoffer voll Persönlichem mitgebracht werden, sie müssen selber Holz hacken und Brot backen, für Gemüse haben sie einen eigenen Garten, eine Stunde pro Tag gibt es warmes Wasser, sie erhalten regelmäßig ein bestimmtes Budget an Geld, mit dem sie haushalten müssen – bei erfolgreicher Aufgabenlösung erhöht sich der Betrag);
4. ist das Fernsehen ihr ständiger Beobachter;
5. gibt es ein Sprechzimmer, in dem jeder einzeln täglich einen kurzen Tagesbericht vor dem Fernsehpublikum abzuliefern hat;
6. muss alle zwei Wochen ein Kandidat gehen;
7. ist der freiwillige Auszug gestattet.

Bei diesem Konzept liegt es auf der Hand, dass einzig tödlich für Produzent und Sender wäre, wenn die Show nicht ankommen würde und wenn nichts Aufregendes passieren würde.

Und so hätte es durchaus kommen können, wenn nicht die Printmedien „Big Brother“ zu ihrem Dauerthema gemacht hätten. Die Zeitungen und Zeit-schriften haben

[...]


[1] Lerg, Winfried B.: Verdrängen oder ergänzen die Medien einander? Innovation und Wandel

in Mediensystemen. In: Haas, Hannes (Hrsg.): Mediensysteme

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ist die Existenz der Printmedien durch die neuen Medien bedroht? Eine Widerlegung anhand des Medienereignisses Big Brother
Hochschule
Universität Potsdam  (Humanwissenschaftliche Fakultät)
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V8667
ISBN (eBook)
9783638155786
ISBN (Buch)
9783638863537
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Existenz, Printmedien, Medien, Eine, Widerlegung, Medienereignisses, Brother
Arbeit zitieren
Anne Burkhardt (Autor), 2001, Ist die Existenz der Printmedien durch die neuen Medien bedroht? Eine Widerlegung anhand des Medienereignisses Big Brother, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8667

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