Gerechtigkeit für Serbien? Gerechtigkeit für Peter Handke?

Peter Handkes "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morava und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" in der Kritik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbetrachtungen
2.1 Kurzbiografie Peter Handkes
2.2 Historischer Hintergrund – Der Konflikt auf dem Balkan 1980 bis 1998

3. Zusammenfassung „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morava und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“

4. Die Kritik an Peter Handkes ‚Winterreise’

5. Persönliche Stellungnahme zu Handkes „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morava und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Peter Handke gilt heute als einer der eigenwilligsten aber auch erfolgreichsten Schriftsteller der Nachkriegszeit.

Er überrascht seine Leser immer wieder mit ungewöhnlichen Romanen, Erzählungen oder Theaterstücken, deren Titel schon allein Aufmerksam machen.

Zu seinen zentralen Themen gehört den Zustand der Welt durch die Sprache. Das Anliegen seiner Werke entwickelte sich von den frühen Werken, die unter einem sprachskeptischen Blickpunkt entstanden, hin zum Glauben an das „große Wort“ der Literatur. Seine Themen und seine Erzählweise sind als innovativ zu betrachten.

Kennzeichnend für seine Grundhaltung des Erzählens sind das sich Befassen mit den kleinen Dingen und dem vermeintlich Nebensächlichen. Er wendet die „induktive[..] Methode bei der Beschreibung von Personen, Orten und Situationen [an] – Handke geht dabei immer vom kleinsten Detail aus“[1]. Seine Arbeiten sind von seiner bezeichnenden Gabe zur Beobachtung geprägt[2].

Mit der „Publikumsbeschimpfung“, einer totalen Provokation, konnte Handke seinen ersten großen Erfolg verbuchen.

In dieser Arbeit soll es um Peter Handkes Auseinandersetzung mit dem vom Krieg zerrütteten Jugoslawien gehen. Genau zu diesem Thema hatte er schon 1991 in „Abschied des Träumers vom Neunten Land“« Stellung bezogen. Er äußerte sich gegen die Zerschlagung Jugoslawiens und hatte „dabei weder die deutsche Außenpolitik noch die Medien ausgespart, die die Serben als Aggressoren brandmarkten und den slowenischen Nationalismus als Fortschritt feierten“[3].

„Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morava und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“ erschien 1996 vorab in der Süddeutschen Zeitung, deren Überschrift für den Essay Handkes „Gerechtigkeit für Serbien“, später vom Autor für die Veröffentlichung in Buchform aufgegriffen wurde.

Peter Handke beschreibt in jenem Essay, „wie mit Hilfe der Medien der Überfall auf Serbien vorbereitet wurde. Und wagte zu fragen: »Wird die Geschichte der Zerschlagungskriege jetzt nicht vielleicht einmal ziemlich anders geschrieben werden als in den heutigen Voraus-Schuldzuweisungen?“[4]. Er musste sich daraufhin mit großer Entrüstung gegen sein Bild von Serbien auseinandersetzen. In Folge dieses ‚Aufruhrs’ wurde allerdings nicht nur sein Standpunkt angegriffen, sondern auch er als Person und seine schriftstellerische Tätigkeit. Von „sachlicher Auseinandersetzung mit dem von ihm meist fragend Vorgetragenen ist, anders als bei seinem »Abschied des Träumers vom Neunten Land«, keine Rede mehr“[5].

Doch warum erhob sich gegen einen Schriftsteller solch eine Welle des Entsetzens? Warum konnte den Beobachtungen eines Mannes nicht objektive Kritik folgen? Hat Peter Handke mit seinen Anschuldigungen gegenüber der Presse vielleicht einen Nerv getroffen?

Diesen Fragen soll in der folgenden Hausarbeit versucht werden nachzugehen.

Im nachstehenden Text erfolgt nun zuerst ein kurzer Einblick in das Leben Peter Handkes. Dem schließt sich zum besseren Verständnis ein Abriss des Konflikts in Jugoslawien, vor allem aber auch Serbien, an.

Es folgt eine Zusammenfassung des Inhalts von „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morava und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“.

Anschließend werden die Kritikpunkte dargestellt, die in der öffentlichen Meinung einerseits für und andererseits gegen Peter Handke und sein Verhältnis zum ehemaligen Jugoslawien aufgeführt wurden und werden.

Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine persönliche Stellungnahme des Autors dieser Arbeit.

2. Vorbetrachtungen

2.1 Kurzbiografie Peter Handkes

Peter Handke wurde am 6. Dezember 1942 in Griffen, Kärnten, geboren. Er hat slowenische Wurzeln.[6]

Seine Mutter arbeitete vorrangig als Haushaltshilfe. Seinen leiblichen Vater lernte er erst später kennen. Seinen Nachnahmen verdankt er der Ehe seiner Mutter mit Bruno Handke, einem Unteroffizier der deutschen Wehrmacht.

Zusammen lebten sie bis nach dem Kriegsende im Osten Berlins. 1948 zogen die Handkes nach Griffen, in das Geburtshaus der Mutter.

Handkes Jugend war geprägt von dem zunehmenden Alkoholismus seines Vaters und der sozialen und regionalen Enge in der er aufwuchs. Es ist sehr stark anzunehmen, dass ihn diese alltäglichen Erfahrungen in der Hinsicht beeinflussten, dass er später eine Abneigung gegenüber erdrückenden Systemen von Eigenarten und Geboten ausbildete.

Peter Handke schrieb seine ersten literarischen Arbeiten, während er das Knabeninternat des katholisch-humanistischen Gymnasiums in Tanzenberg besuchte. Diese verfasste er für die Internatszeitschrift „Fackel“.

Da er keine geistliche Karriere anstrebte, wechselte er 1959 die Schule und legte 1961 sein Abitur ab. Danach begann er ein Jurastudium in Graz, welches er letztendlich zugunsten der Schriftstellerei aufgab. Während seines Studiums schloss er sich der Schriftstellergruppe um das „Forum Stadtpark“ an und publizierte in der Zeitschrift „manuskripte“.

Nach dem der Verlag Suhrkamp im Jahr 1966 seinen ersten Roman „Die Hornissen“ veröffentlichte, widmete er sich nur noch der Arbeit als freiberuflicher Schriftsteller.

Peter Handkes Bekanntheit stieg, nachdem er der Gruppe 47, einer Kritikervereinigung, „Beschreibungsimpotenz“ vorgeworfen hatte. Diese Beschuldigung war sogar wahrscheinlich Schuld an der Auflösung eben jener Gruppe.

Peter Handke heiratete 1966 Lipgart Schwarz und bekam mit ihr eine Tochter, Amina. Diese Ehe endete allerdings 1972 mit der Scheidung.

Ein sehr viel prägenderes Ereignis für Handke war der Selbstmord seiner Mutter im Jahr 1971. In ihrem Abschiedsbrief an ihren Sohn, legte sie dar, dass es für sie unvorstellbar sei zu leben. Dieses Ereignis veranlasste ihn im selben Jahr „Wunschloses Unglück“ zu verfassen. Dieses Werk ist eine Art Biografie des tragischen Lebens seiner Mutter.

Nach der Scheidung von seiner Frau zog Handke die gemeinsame Tochter alleine auf. Die Erfahrungen und Probleme als allein erziehender Vater legte er in seinem 1981 entstandenen Werk „Kindergeschichte“ dar.

Peter Handkes Reisen führten ihn schon früh nach Jugoslawien, Rumänien und in die USA. In „Der kurze Brief zum langen Abschied“ von 1972 spiegeln sich seine Erfahrungen in den USA wieder.

Nach mehreren Wohnortswechseln ließ Handke sich 1979 in Salzburg nieder.

Ausgedehnte Reisen und Wanderungen führten ihn Ende der achtziger Jahre nach Alaska und Japan und durch Europa.

Seit 1991 legt Peter Handke bei Paris. Dort heiratete er auch erneut und wurde zum zweiten Mal Vater einer Tochter.

Peter Handke erhielt 1973 den Georg-Büchner-Preis, 1979 den Franz-Kafka-Preis und 1998 den serbischen Literaturpreis.

[...]


[1] Deichmann 1999, S. 10.

[2] Vgl. ebd., S. 11.

[3] Becker 2006

[4] Becker 2006.

[5] Ebd.

[6] Die Daten und Fakten beziehen sich auf Kezeric 2006., Holzinger 1985., http://www.peterhandke.at/DesktopDefault.aspx?tabindex=1&tabid=2.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Gerechtigkeit für Serbien? Gerechtigkeit für Peter Handke?
Untertitel
Peter Handkes "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morava und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" in der Kritik
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Zum Verhältnis von Philosophie und Literatur
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V86681
ISBN (eBook)
9783638027052
ISBN (Buch)
9783638925082
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gerechtigkeit, Serbien, Peter, Handke, Verhältnis, Philosophie, Literatur
Arbeit zitieren
Marie-Christin Pollak (Autor), 2007, Gerechtigkeit für Serbien? Gerechtigkeit für Peter Handke?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86681

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