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Eisenbahnmusik - Arthur Honeggers "Pacific 231" und Pierre Schaeffers "Étude aux chemins de fer" im Vergleich

Title: Eisenbahnmusik - Arthur Honeggers "Pacific 231" und Pierre Schaeffers "Étude aux chemins de fer" im Vergleich

Seminar Paper , 2004 , 32 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sabine Stölting (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Die Aufgabenstellung der vorliegenden Hausarbeit ist es, zwei sehr gegensätzliche Werke miteinander zu vergleichen. Ihr auf den ersten Blick einziger Berührungspunkt ist ihr Zusammenhang mit den Fahr- und Betriebsgeräuschen mit Dampf betriebener Eisenbahnen.
Auf der einen Seite steht Arthur Honeggers Komposition mit dem programmatischen Titel Pacific 231 von 1923, auf der anderen Seite Pierre Schaeffers konkrete Studie Étude aux chemins de fer aus dem Jahre 1948.
Außer der relativ großen Nähe ihrer Entstehungszeitpunkte verbindet die beiden Stücke auch die relative räumliche Nähe ihrer Urheber: Beide Komponisten sind in Frankreich, und v.a. in der Hauptstadt Paris anzusiedeln. Hier beginnen und enden alle Entsprechungen der beiden Biographien; die Komponisten gehören unterschiedlichen Generationen an, Arthur Honegger war 1892 in Le Havre als Sohn schweizerischer Eltern geboren worden, Pierre Schaeffer 1910 in Nancy.
Auffällig unterscheiden sich ihre Kompositionstechniken: Während der eine zwar deutlich beeinflußt von der harmonischen Entwicklung des 20. Jahrhunderts, aber doch im herkömmlichen Sinne komponierte, entwickelte der andere, indem er aus dem neuen Medium, dem Radio, und technischen Entwicklungen wie dem Mikrofon und der Schallplatte heraus produktiv wurde, eine vollkommen neue Art der Musikproduktion. – Die „konkrete Musik“.
Es wäre unsinnig, das Verhältnis der Komponisten auf das Gegensatzpaar ‚Traditionelles gegen Modernes’ zu reduzieren; Honegger hatte ein Interesse am Fortschritt, auch innerhalb der Musikkonventionen. Er schlug beispielsweise vor, die Notation von lästigen Traditionen wie der transponierenden Notierung mancher Instrumente oder überflüssigen Tonartvorzeich-nungen zu bereinigen.
Eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Stücken zeigt sich in ihrer Bedeutung im Gesamtschaffen ihrer Urheber. Sowohl in bezug auf Honegger als auch bei Schaeffer weisen Kritiker und Wissenschaftler immer wieder auf das entsprechende Stück als bedeutend im Œuvre der Komponisten hin. Während bei Honegger die Monumentalität und orchestrale Wirkung die Ursache dafür sein dürfte, ist es wohl in bezug auf Schaeffers Werk die exponierte Position als erster Komposition der konkreten Musik sowie im allgemeinen der Popularität der Dampfeisenbahn zu verdanken.
Während Honeggers Werk letztlich überwiegend als hervorragende Komposition gewürdigt wird, haftet der Étude aux chemins de fer der Ruf des Experimentellen an.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Relation Honegger – Schaeffer

3. These und Leitfragen

3.1 Legitimierung der These

3.1.1 Steht Pacific 231 zu Recht im Kontext der Programmusik?

3.1.2 Fazit

3.1.3 Schaeffers Absicht

3.1.4 Fazit

4. Technik

4.1 Die Pacific oder 231

4.2 Die Eisenbahnen der Étude

4.3 Uraufführung, Widmung und persönlicher Hintergrund

5. Analyse und Interpretation

5.1 Pacific 231

5.1.1 Harmonik

5.1.2 Metrum und Mathematik

5.1.3 Dynamik und Orchestrierung

5.1.4 Melodie und Tonmalerei

5.1.5 Fazit

5.2 Étude aux chemins de fer

5.2.1 Schaeffers Technik

5.2.2 Material

5.2.3 Die graphische Darstellung

5.2.4 Analyse

5.2.5 Zentren und Funktionen

5.2.6 Form

5.2.7 Komposition kontra Geräusch

6. Ergebnisse

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das gegensätzliche Verhältnis zwischen Arthur Honeggers "Pacific 231" und Pierre Schaeffers "Étude aux chemins de fer", die beide den technisierten Klang der Dampfeisenbahn als thematischen Ausgangspunkt nutzen. Die zentrale Fragestellung analysiert, wie diese beiden unterschiedlichen Ansätze – das klassische Orchester gegenüber der konkreten Musik mit ihren technischen Mitschnitten – jeweils ein musikalisches Ziel erreichen und inwieweit sich trotz der methodischen Diskrepanz Berührungspunkte in der künstlerischen Auseinandersetzung mit moderner Technik finden lassen.

  • Vergleich zwischen traditioneller sinfonischer Komposition und konkreter Musik.
  • Analyse der programmusikalischen Ambitionen und deren Wahrnehmung.
  • Untersuchung der technischen Umsetzung von Maschinengeräuschen in Musik.
  • Bewertung von Kompositionsformen, Rhythmik und harmonischen Strukturen.
  • Reflexion über den Stellenwert der Technik und den Einfluss auf das Hörerlebnis.

Auszug aus dem Buch

5.1.3 Dynamik und Orchestrierung

Die wenigen dynamischen Angaben verstärken den Verlauf der rhythmischen Steigerung: Das kontinuierliche Crescendo wird an einer Stelle (T. 144-147) unterbrochen, wo sich das Orchester auf ein piano reduziert. Ab T. 147 setzt wieder ein großes Crescendo ein, das sich bei T. 204 bis zum ff steigert und auch für die Bremsbewegung am Schluß beibehalten wird. Die Dynamik unterstützt zum Einen das stark auf einen Zielpunkt gerichtete Gesamtgeschehen und verstärkt zum anderen den Eindruck maschineller, diejenige des Menschen übersteigender fast grausamer Kraft.

Auch die Instrumentierung ist extrem zielgerichtet, hier lassen sich drei Abschnitte ausmachen, vom Einsatz relativ weniger Instrumente zum ganzen Orchester. Im ersten Abschnitt (T. 1-97) setzen die Instrumente im Block ein bzw. aus (z.B. in T. 11/12: Flöten, Hörner, Trompeten, Tuba, Violinen, Violas setzen fast zugleich aus; in T. 46 Flöten, Oboen, Englischhorn, Fagotte und Violinen setzen zugleich ein.).

Dem folgt ein dichterer Abschnitt, in dem Einsätze und Aussätze mehr miteinander verwoben sind und die Partien der einzelnen Instrumente einander eher überlappen. Ab circa T. 151 folgt eine zunehmende Verdichtung der Partitur, bis ab T. 195 das gesamte Orchester zu hören ist.

Die wohl beeindruckendste Eigenschaft der Dampfmaschine ist ihre Stärke, in der sie die des Menschen oder auch der Arbeitstiere und damit aller bisherigen Kraftmaschinen weit übertrifft. Diese Energie wird in der oben genannten instrumentalen Verdichtung, der dynamischen Zunahme bzw. dem hohen dynamischen Niveau, sowie der rhythmischen Beschleunigung wiedergegeben. Das relativ hohe Metrum und die Verzierungen (Triller, Tremolos, Flatterzunge) und besondere Spieltechniken, die den Instrumentalklang verfremden, wie z.B. schmetterndes Spiel der Trompeten, oder das Spiel am Frosch der Violinen, Marcato-Spiel und Akzente sind weitere Elemente, die einerseits das hohe Energieniveau unterstützen, andererseits den maschinellen Sound herstellen, indem sie den Instrumentalklang verfremden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definiert das Thema der Arbeit als Vergleich zweier unterschiedlicher Ansätze, den Klang einer Dampfeisenbahn musikalisch darzustellen.

2. Die Relation Honegger – Schaeffer: Beleuchtet die räumliche und zeitliche Nähe der Komponisten bei gleichzeitiger Differenz in ihren technischen Ansätzen zur Musikproduktion.

3. These und Leitfragen: Stellt das Gegensatzpaar zwischen klassischer Orchesterkomposition und konkreter Musik als zentrales Untersuchungsobjekt auf.

4. Technik: Analysiert den historischen und technischen Hintergrund beider Werke, inklusive des speziellen Lokomotivtyps bei Honegger und der Aufnahmebedingungen bei Schaeffer.

5. Analyse und Interpretation: Führt eine detaillierte musikalische Untersuchung beider Stücke hinsichtlich Harmonik, Rhythmik, Form und Umsetzung der Eisenbahngeräusche durch.

6. Ergebnisse: Zieht ein Fazit und bestätigt, dass beide Komponisten trotz gegensätzlicher methodischer Ausgangspunkte den traditionellen Spannungsverlauf auf einen Zielpunkt hin nutzen.

Schlüsselwörter

Arthur Honegger, Pierre Schaeffer, Pacific 231, Étude aux chemins de fer, konkrete Musik, Programmusik, Eisenbahnmusik, Dampflokomotive, Musik und Technik, Klangforschung, Kompositionstechnik, Geräuschmontage, Rhythmik, Tonmalerei, Musikalischer Spannungsverlauf

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit vergleicht zwei musikalische Werke, die sich mit dem Klang von Dampfeisenbahnen befassen: Arthur Honeggers "Pacific 231" und Pierre Schaeffers "Étude aux chemins de fer".

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit beleuchtet die Gegenüberstellung von traditioneller Orchestermusik und experimenteller konkreter Musik sowie die Ästhetik des Maschinellen in der Komposition.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie zwei gegensätzliche methodische Ansätze (Orchesterpartitur vs. Geräuschmitschnitt) ein ähnliches Ziel verfolgen und wie sie sich in ihrer musikalischen Konzeption unterscheiden oder überschneiden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende Analyse durchgeführt, die musikwissenschaftliche Fachtermini verwendet, Partituranalysen bei Honegger und eine grafische Auswertung der Tonaufnahmen bei Schaeffer einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte technische Analyse der Hintergründe, gefolgt von einer strukturierten Analyse der beiden Werke nach Harmonik, Metrum, Dynamik, Melodik und Formprinzipien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören konkrete Musik, Programm-Musik, Technisierung, Maschinengeräusche und die künstlerische Verarbeitung von Klang in der Musik des 20. Jahrhunderts.

Wie unterscheidet sich die "Pacific 231" von der "Étude aux chemins de fer"?

Honegger nutzt ein klassisches Orchester, um die Wirkung einer Lokomotive nachzuahmen ("Programmusik"), während Schaeffer mit Tonaufnahmen vom Bahnhof experimentiert und diese als Material für eine neue Form der Musikproduktion nutzt.

Warum gilt Schaeffers Etüde als "experimentell"?

Weil Schaeffer statt konventioneller Noten konkrete Geräuschaufnahmen montiert und verfremdet, um Musik aus dem Klang der Realität zu erzeugen, was damals eine radikale Neuerung gegenüber traditionellen Kompositionstechniken darstellte.

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Details

Title
Eisenbahnmusik - Arthur Honeggers "Pacific 231" und Pierre Schaeffers "Étude aux chemins de fer" im Vergleich
College
University of Freiburg  (Musikwissenschaftliches Seminar)
Course
Elektroakustische Musik
Grade
2,0
Author
Sabine Stölting (Author)
Publication Year
2004
Pages
32
Catalog Number
V86689
ISBN (eBook)
9783638027212
ISBN (Book)
9783656576525
Language
German
Tags
Eisenbahnmusik Arthur Honeggers Pacific Pierre Schaeffers Vergleich Elektroakustische Musik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Stölting (Author), 2004, Eisenbahnmusik - Arthur Honeggers "Pacific 231" und Pierre Schaeffers "Étude aux chemins de fer" im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86689
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