Frauen des Mittelalters und ihr Stellenwert als Produzentinnen von Kunst


Seminararbeit, 2007

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Präzisierung der Fragestellung
1.2. Forschungslage

2. Stellung der Frau
2.1. in Edith Ennens Verständnis
2.2. im Verständnis von Hans-Werner Goetz
2.3. Zusammenfassung

3. Frauen als Kunstproduzentinnen
3.1. Auseinandersetzung mit der Literatur
3.2. Frauen und die Bildenden Künste

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Präzisierung der Fragestellung

In dieser Hausarbeit soll die Frage geklärt werden, ob und inwieweit Frauen des Mittelalters als Kunstproduzentinnen verstanden werden können. Vor dem Hintergrund der Stellung der Frau soll erläutert werden, dass den Frauen diesbezüglich eine gewichtigere Rolle zugesprochen werden muss, als dies bisher getan wurde.

1.2. Forschungslage

Die Frage nach der Forschungslage lässt sich relativ einfach klären, wenn man seinen Blick durch die Bücherregale der Bibliotheken schweifen lässt. Dort findet man eine große Anzahl von Monographien und Sammelbänden zur Thematik „Frauen im Mittelalter“. Shulamith Shahars[1] und Edith Ennens[2] Monographien scheinen mir hierbei am gelungensten, auch wenn sie weit weniger Verkaufszahlen verzeichnen als manche populärwissenschaftliche Darstellung. Trotzdem sei darauf hingewiesen, dass vor allem Shahar eine sehr streitbare These vertritt, wenn sie sagt, dass „der Beitrag der Frau zur mittelalterlichen Kultur quantitativ äußerst gering“[3] war. Dementgegen steht etwa Albrecht Classens Ansicht, dass den „Frauen früherer Zeitstufen keineswegs allgemein der Zugang zur Dichtung bzw. zum literarischen Diskurs verwehrt war“[4].

Erstaunlich ist weiterhin, dass viele Darstellungen zur Thematik, seien es Wissenschaftliche oder eben auch Populärwissenschaftliche, erst in den letzten 15 Jahren entstanden sind und somit wohl als Produkt des „modernen Feminismus“ verstanden werden können.

Ich will versuchen den weitverbreiteten Vorurteilen entgegenzuwirken, in denen die Frauen des Mittelalters „unter völliger Unterdrückung litten“[5] und auch sonst nichts zum kulturellen Leben beigetragen haben. Diese recht negative Ansicht vertritt eben auch Shulamith Shahar und wenngleich ich ihre Ansicht nicht teile, so räume ich doch ein, dass es ein schwieriges Unterfangen ist, die Frauengeschichte neu aufzurollen. Denn auch heute noch sehen wir uns mit einem Berg von Vorurteilen gegen das vermeintlich schwächere Geschlecht konfrontiert. Ich will mit meiner Arbeit aufzeigen, dass es den Frauen des Mittelalters lange nicht so schlecht erging, wie in den meisten Populärwissenschaften propagiert wird und das sie einen großen Beitrag zur Produktion von beispielsweise Literatur oder den Bildenden Künsten leisteten.[6]

2. Stellung der Frau

Mit der Stellung der Frau haben sich vor allem Edith Ennen und Hans-Werner Goetz[7] intensiv auseinandergesetzt[8]. Im Folgenden sollen beide Ansätze kurz vorgestellt werden, da sie als Grundlage für das weitere Verständnis sehr hilfreich sind. Beide haben ganz unterschiedliche Herangehensweisen an die Thematik. Während sich Goetz ganz detailliert mit der Situation der Frau auseinandersetzt, steht bei Ennen eher die Einbindung der Frauen in den historischen Kontext im Vordergrund.

2.1. in Edith Ennens Verständnis

Die Darstellungen von Ennen sind chronologisch geordnet und beziehen sich nicht nur auf Frauen allein, sondern auch auf ihr dazugehöriges Umfeld. In einer Episode beschreibt sie die „Ehefrauen der Merowinger“, ihre Stellung in der Gesellschaft und greift als Belege die Erzählungen von Gregor von Tours auf. Am Beispiel von Galsvintha und Brunichilde macht sie die Stellung der Frau als „Herrscherin und Regentin“[9] deutlich. Schließlich fast sie über diese Frauen folgendes zusammen: „alle waren sie herausgehoben aus der Mühsal eines Lebens in […] Arbeit, geschützt vor Hunger […] und Kälte, respektiert, bewundert; sie hatten Dienerschaft, waren kostbar gekleidet und trugen viel Schmuck, […], sie waren selbst sprachkundig, literarisch interessiert, gebildet, kannten […] das Altertum; sie genossen ihren Besitz, ihr Dotalgut, fast alle liebten sie die Macht; sie waren fromm, […], gingen zur Kirche, gründeten und beschenkten Klöster.“[10] Ennen vertritt eine sehr positivistische Ansicht, die wohl als Gegenposition zu der von beispielsweise Shulamith Shahar verstanden werden kann.

Im nächsten Abschnitt widmet sich Ennen den „Frauen des Hochadels in der Welt und in Kloster und Stift“[11] und macht in diesem Zusammenhang auf eine wichtige Neuerung aufmerksam, nämlich auf die neuen Regeln für das Kloster, die durch Columban und seine Gefährten initiiert worden waren. Über Gertrud von Nivelles und Lioba bringt sie dem Rezipienten das damalige Klosterleben näher und macht auch auf Vorzüge der Frauen des Adels deutlich, wenn sie sagt: „In einem adligen Stift brauchten die Damen die Ordensgelübde der Armut und der lebenslänglichen Ehelosigkeit nicht abzulegen. Das Stift bzw. Kloster bot ihnen die Möglichkeit eines erfüllten Lebens […] in karitativen Werken und in der Erziehung und Unterrichtung junger Mädchen.“[12] Als nächsten könnte man sich fragen, wie es mit den zwischenmenschlichen Beziehungen in der Klosterwelt ausgesehen hat und da kann man für das Mittelalter folgende Regeln konstatieren: Als Kleriker sollte Gott die höchste Liebe darstellen und natürliche Liebe war verboten. Bei den Nonnen gab es durchaus Vergehen in dieser Hinsicht und wer mit einer Nonne Liebe teilte, der sollte verachtet werden. War man Nonnen vielleicht sogar besonders misstrauisch gegenüber und „sperrte“ sie deshalb ins Kloster ein? Mir ist durchaus bewusst, dass diese These sehr zugespitzt ist, aber sie soll provozieren und konfrontieren.

[...]


[1] Shulamith Shahars: Die Frau im Mittelalter. Athenäum, 1981.

[2] Edith Ennen: Frauen im Mittelalter. Zweite, überarbeitete Aufl. München 1985.

[3] Vgl. Shulamith Shahar.

[4] Vgl. Albrecht Classen: … und sie schrieben doch: Frauen als Schriftstellerinnen im deutschen Mittelalter. In: Wirkendes Wort. 1994, S. 7

[5] Ebd. S. 7.

[6] Um den Bogen zum Seminar zu schlagen soll in der Hausarbeit vor allem die Zeitspanne des Frühmittelalters behandelt werden, wenngleich einige Darlegungen diesen zeitlichen Rahmen unberücksichtigt lassen.

[7] Hans- Werner Goetz: Frauen im frühen Mittelalter. Frauenbild und Frauenleben im Frankenreich. Weimar 1995.

[8] In diesem Zusammenhang sei auch auf Claudia Opitz „Frauenalltag im Mittelalter“ (Weinheim 1991) hingewiesen, da es ein intensiven Einblick in das Leben der Frauen gibt und sich darüber hinaus mit Problemen beschäftigt, die sonst nur selten thematisiert werden, wie z.B.: „Die Last mit der Lust: Eheliche und Außereheliche Sexualität“. Vgl. ebd. S. 6.

[9] Siehe dazu Edith Ennen. S. 45 ff.

[10] Ebd. S. 74-75.

[11] Ebd. S 75 ff.

[12] Ebd. S. 78.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Frauen des Mittelalters und ihr Stellenwert als Produzentinnen von Kunst
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Das Frankenreich
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V86691
ISBN (eBook)
9783638027229
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Mittelalters, Stellenwert, Produzentinnen, Kunst, Frankenreich
Arbeit zitieren
Désirée Borchert (Autor), 2007, Frauen des Mittelalters und ihr Stellenwert als Produzentinnen von Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86691

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Frauen des Mittelalters und ihr Stellenwert als Produzentinnen von Kunst



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden