Seit Jahren häufen sich Berichte und Statistiken, die belegen, dass Jugendliche immer früher beginnen, Alkohol und Cannabis zu konsumieren. Es stellt sich die Frage, was eigentlich die Ursachen für dieses Phänomen sind. Die vorliegende Arbeit versucht genau das in seiner Essenz zu erfassen, indem sie dabei die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt, einer Frage, die in einer rational-wissenschaftlich orientierten und pluralistischen Gesellschaft mehr denn je Antworten bedarf und untersucht werden muss. Es wird dabei ein Überblick über den aktuellen Stand der Lebenssinn-Forschung in der Psychologie gegeben. Außerdem wurden aus einer humanistischen Grundhaltung heraus Persönliche Gespräche mit suchtkranken Jugendlichen geführt, die sich zu diesem Zeitpunkt im COME IN, einer speziellen rehabilitativen Einrichtung in Hamburg befanden. Die Jugendlichen geben einen faszinierenden Einblick in ihre Erlebenswelt und sprechen über Lebenssinn, persönliche Lebensziele und ihre Wertvorstellungen. Vor dem Hintergrund ihrer Biographien bekommt nicht nur der fachkundige Leser eine sehr bewegende Idee davon, wo der eigentliche Kern dieser Problematik liegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sinnforschung in der Psychologie
2.1. Theorie
2.2. Qualitative und quantitative Studien
2.3. Empirie der Lebensziele
2.4. Sucht und Adoleszenz
2.5. Das Persönliche Gespräch als alternativer Ausweg
3. Meine persönliche „Nicht-Sinn“ „Nicht-Theorie“ Theorie
4. Methode
4.1. „Stichprobe“
4.1.1. Das COME IN
4.1.2. Die Klienten
4.2. Das Persönliche Gespräch
4.3. Wissenschaftstheoretische Einbettung der Methode
4.4. Persönliche Umsetzung der Metaphysik Sterns im Persönlichen Gespräch
4.5. Entwicklung der Einstiegsfrage
4.6. Hintergrundleitfaden
4.7. Darstellung der Verdichtungen
5. Gesprächsverdichtungen
5.1. Verdichtungsprotokoll Kevin
5.2. Verdichtungsprotokoll Mark
5.3. Verdichtungsprotokoll Uwe
5.4. Verdichtungsprotokoll Patrick
5.5. Verdichtungsprotokoll Karl
5.6. Verdichtungsprotokoll Sina
5.7. Verdichtungsprotokoll Janine
5.8. Verdichtungsprotokoll Igor
6. Auswertung
7. Das Panorama der Lebenswirklichkeiten zum Erleben von Lebenssinn - Aussagen aufgrund aller Gespräche
7.1. Lebenssinn
7.1.1. Angenehme Aktivitäten
7.1.1.1. Aussagen
7.1.1.2. Diskussion der Aussagen
7.1.2. Lebensgeschichtlich bedingte suchtspezifische Sinnorientierungen
7.1.2.1. Aussagen
7.1.2.2. Diskussion der Aussagen
7.1.3. Ziel– und Erfolgsorientierung
7.1.3.1. Aussagen
7.1.3.2. Diskussion der Aussagen
7.1.4. Verantwortung innerhalb der Gesellschaft
7.1.4.1. Aussagen
7.1.4.2. Diskussion der Aussagen
7.1.5. Exkurs: Schwierigkeiten bei der Beantwortung der Frage nach Lebenssinn
7.2. Lebensziele
7.2.1. Soziale Beziehungen
7.2.1.1. Aussagen
7.2.1.2. Diskussion der Aussagen
7.2.2. Arbeit
7.2.2.1. Aussagen
7.2.2.2. Diskussion der Aussagen
7.2.3. Geld und materielle Werte
7.2.3.1. Aussagen
7.2.3.2. Diskussion der Aussagen
7.2.4. Urlaub
7.2.4.1. Aussagen
7.2.4.2. Diskussion der Aussagen
7.2.5. Wünsche und Träume
7.2.5.1. Aussagen
7.2.5.2. Diskussion der Aussagen
7.2.6. Alternativen
7.2.6.1. Aussagen
7.2.6.2. Diskussion der Aussagen
7.2.7. Exkurs: Vorstellungen vom Rentenalter
7.2.7.1. Aussagen
7.2.7.2. Diskussion der Aussagen
7.2.8. Diskussion aller Aussagen zum Thema Lebensziele
7.3. Glaube
7.3.1. Aussagen
7.3.2. Diskussion der Aussagen
7.4. Beziehung zu Eltern und anderen wichtigen Bezugspersonen
7.4.1. Aussagen zu strukturellen Merkmalen der familiären Geschichte
7.4.2. Aussagen zu bedeutsamen durch Erzieher vermittelten Werten
7.4.3. Diskussion der Aussagen
7.5. Sucht und Vergangenheit
7.5.1. Aussagen zu Suchtentwicklung und Drogenalltag
7.5.2. Aussagen zu subjektiven Ursachen für die Suchtentwicklung
7.5.3. Aussagen zur Bewertung und Einordnung der Drogenerfahrung aus heutiger Perspektive
7.5.4. Diskussion der Aussagen
7.6. Erleben und Lernen im COME IN
7.6.1. Aussagen zu aktuellem Erleben und Probleme im COME IN
7.6.2. Aussagen zu Gelerntem im COME IN
7.6.3. Diskussion der Aussagen
7.6.4. Exkurs: Geschlechtsunterschiede und Vergleich von Phase 1 und Phase 2-Klienten
7.7. Gesprächsbilanz
7.7.1. Aussagen der Klienten zum Erleben während des Gespräches sowie dessen Bewertung
7.7.2. Diskussion der Aussagen
8. Zusammenfassung
9. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die subjektiven Vorstellungen von Lebenssinn und Lebenszielen suchtkranker Jugendlicher in einer Rehabilitationsmaßnahme. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie diese Jugendlichen Sinn in ihrem Leben konstruieren und welche Bedeutung ihre Suchtbiografie sowie das therapeutische Umfeld für diesen Prozess haben, wobei die Methode des „Persönlichen Gesprächs“ genutzt wird, um einen tiefen Einblick in die individuelle Lebenswelt zu gewinnen.
- Phänomenologische Untersuchung von Sinnquellen suchtkranker Jugendlicher
- Einfluss der Suchtvergangenheit auf die Sinnstiftung und Lebensplanung
- Die Rolle von Familie, Freunden und Therapie für die psychische Stabilität
- Methodische Anwendung des „Persönlichen Gesprächs“ in der qualitativen Forschung
- Zukunfts- und Berufsperspektiven der Jugendlichen in der Rehabilitation
Auszug aus dem Buch
4.5. Entwicklung der Einstiegsfrage
Die gewählte Einstiegsfrage für die Gespräche ist stark abhängig von der jeweiligen Definition von Lebenssinn. Da dieser sowohl im operationalisierten wissenschaftlichen Kontext, als auch in meinem subjektiven Konstrukt verschiedene Aspekte beinhaltet, kann diese Einstiegsfrage natürlich nicht alles abdecken. Vielmehr hoffe ich mit der Ganzheit der Gespräche der im Gesprächsfluss beantworteten Fragen einen großen Teil der Bedeutung „Lebenssinn“ für meine Gesprächspartner zu erhalten. Da das Gespräch in seiner Totalität einen Einblick in die Thematik schaffen soll, bestehen hier Freiheitsgrade bezüglich der Einstiegsfrage, die von mir genutzt wurden.
So hat sich die Einstiegsfrage im Laufe der Gespräche immer ein wenig geändert. Diese Entwicklung basierte auf den Reflektionen und Erfahrungen, die ich nach jedem Gespräch mit der Frage gemacht habe. Aus Diskussionen mit meinen Diplomarbeitsbetreuern sowie mit Kommilitonen zog ich zu Beginn den Schluss, dass möglicherweise die direkte Frage nach dem Lebenssinn zu schwierig für die Klienten sei. Ich entschloss mich bei meinem ersten Gesprächspartner nach Lebenszielen zu fragen, da diese zum Einstieg vermeintlich leichter zu beantworten wären.
Meinen nächsten Gesprächspartner fragte ich zum Einstieg, was es denn für ihn bedeute, wenn jemand sage, er habe keinen Sinn mehr im Leben. Damit wollte ich etwas näher an das Thema Lebenssinn herankommen und gleichzeitig die Schwierigkeit der Reflektion über den Sinn des Lebens etwas erleichtern, in dem ich ein lebenspraktisches Beispiel vorgab. Ich nahm an, dass die Aussage „ich habe keinen Sinn mehr im Leben“ jedem Menschen in irgendeinem Kontext schon einmal begegnet ist. Diese Frage führte meinem Eindruck nach auch zu dem erhofften Ergebnis und brachte mich näher an die Thematik heran, was allerdings auch hier viel mit der Persönlichkeit des Klienten zu tun hatte. Ein Aspekt dieser Frage war nun aber, dass mein Gesprächspartner erstmal über eine andere Person sprach, wobei die Überleitung auf das eigene Sinnerleben recht schnell erfolgte und auch das Sprechen über die dritte Person brachte Interessantes mit sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Lebenssinns bei suchtkranken Jugendlichen und Begründung der Relevanz qualitativer Forschung in diesem Bereich.
2. Sinnforschung in der Psychologie: Überblick über theoretische Grundlagen (Frankl, Maslow, Yalom, Jung) sowie bisherige qualitative und quantitative Studien zur Sinnforschung.
3. Meine persönliche „Nicht-Sinn“ „Nicht-Theorie“ Theorie: Darstellung des persönlichen philosophischen Hintergrunds des Autors (Zen-Buddhismus) und dessen Einfluss auf die Forschungsarbeit.
4. Methode: Beschreibung der gewählten Forschungsmethode, der Institution „COME IN“, der Auswahl der Klienten und der theoretischen Einbettung in den kritischen Personalismus.
5. Gesprächsverdichtungen: Detaillierte Wiedergabe der qualitativen Interviews mit den acht Klienten, aufbereitet in verdichteten Protokollen.
6. Auswertung: Erläuterung des angewandten Auswertungsverfahrens, basierend auf Inghard Langer und Mayring.
7. Das Panorama der Lebenswirklichkeiten zum Erleben von Lebenssinn - Aussagen aufgrund aller Gespräche: Synthese und Diskussion der Interviewergebnisse unterteilt in inhaltliche Kategorien wie Lebenssinn, Lebensziele, Glaube und Suchterfahrung.
8. Zusammenfassung: Abschließende Reflexion der wichtigsten Ergebnisse der Studie.
9. Schlussbetrachtung: Kurzer persönlicher Ausklang des Autors.
10. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Lebenssinn, Lebensziele, Sucht, Rehabilitation, Jugend, Qualitative Forschung, Persönliches Gespräch, Psychologie, Sinnstiftung, Identität, Suchtverlauf, Therapieverlauf, Selbstwert, Zukunftsperspektiven, Adoleszenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Sinnfindung und den Lebenszielen von suchtkranken Jugendlichen, die sich in einer stationären Rehabilitation im „COME IN“ befinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Untersuchung beleuchtet die Themenbereiche Lebenssinn, Lebensziele, den Einfluss der familiären Vergangenheit, Suchtursachen sowie das Erleben und Lernen innerhalb der therapeutischen Einrichtung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, tiefgreifende Einblicke in die subjektiven Sinnwelten suchtkranker Jugendlicher zu erhalten und zu verstehen, wie diese ihre Vergangenheit bewerten und welche Rolle konkrete Lebensziele für ihre psychische Stabilität spielen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt das „Persönliche Gespräch“ nach Inghard Langer, einen qualitativen Forschungsansatz, der auf den Prinzipien der humanistischen Psychologie basiert und eine authentische, wertschätzende Begegnung zwischen Forscher und Klient anstrebt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil besteht aus den „Gesprächsverdichtungen“, einer intensiven, narrativen Aufbereitung der Einzelinterviews mit acht Jugendlichen, gefolgt von einer analytischen Auswertung und Diskussion dieser Inhalte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Sucht, Rehabilitation, Adoleszenz, Lebenssinn, qualitative Interviews, Selbsttranszendenz und psychische Gesundheit.
Warum ist das Thema der familiären Gewalt bei Igor so präsent?
Igor berichtet über eine sehr belastete Kindheit, in der Gewalt durch den Stiefvater und kriminelle Einflüsse des Vaters prägend waren. Die Arbeit arbeitet diese traumatischen Erfahrungen auf, um Igors Entwicklung vom Täter zur Reflexion über sein eigenes Leben nachzuvollziehen.
Welche Rolle spielt die „Nicht-Sinn“-Theorie für den Autor?
Der Autor, der Zen-Praktizierender ist, nutzt seine eigene Philosophie, um den starren wissenschaftlichen Blick auf „Sinn“ zu hinterfragen. Er argumentiert gegen ein rein dualistisches Verständnis von Sinn und Nicht-Sinn, um so offener und unvoreingenommener in die Gespräche mit den Jugendlichen zu gehen.
- Quote paper
- Diplom Psychologe Michael Terneß (Author), 2007, "Warum bin ich nicht weg und dafür jemand anders da?" - Eine qualitative Studie über Lebenssinn und Lebensziele suchtkranker Jugendlicher in der Rehabilitation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86694