Factoring, also der ständige Verkauf von Forderungen, wird mehr und mehr interessant als Finanzierungsform für Unternehmen. Mittelständische Unternehmen verkaufen zunehmend selbstbewusst ihre Forderungen als Assets (Begriff für eine Ware oder für ein Gut das einem Termingeschäft zugrunde liegt.) am Markt, um ihre Liquidität – bankenabhängig – sicherzustellen . Konnte das Factoringgeschäft bei führenden Instituten im vergangenen Jahr Umsatzsteigerungen von mehr als 30 Prozent verbuchen, so brachte es die Siemens Financial Services GmbH (SFS) auf eine Steigerung von mehr als 43 Prozent mit Ihrem Produkt „ABS-Light“ . ABS bedeutet in diesem Fall: Asset Backet-Securities. Damit ist die Refinanzierung der verkauften Forderungen über z. B. Wertpapiere an Geld- und Kapitalmärkten zu verstehen .
Factoring gibt es in Deutschland seit über 30 Jahren. Richtig attraktiv ist der Forderungsverkauf aber erst, seit die neuen Eigenkapitalrichtlinien für Banken, kurz Basel II, auf die Unternehmen durchschlagen. Basel II wurde Anfang des Jahres in Europa verbindlich eingeführt. Diese neuen Regeln belasten Mittelständler sehr stark. Durch die Anwendung dieser Richtlinien bei Banken werden Kredite gerade für solche Unternehmen u. U. sehr teuer. Genau hier kommt Factoring zum Zug als echte Ausweichmöglichkeit zum klassischen Kredit bei der Bank.
Diese Entwicklung wurde als Grundlage für das Thema dieser Semesterarbeit herangenommen. Ist der Verkauf von Forderungen tatsächlich so interessant? In dieser Semesterarbeit soll herausgearbeitet werden, inwieweit es sich aus finanzieller Sicht lohnt Factoringgesellschaften in Anspruch zu nehmen. Im speziellen soll die Ermittlung des Preises im eigenen Unternehmen eingegangen werden. Um dies zu beurteilen muss klar sein was diese Dienstleistung für ein Unternehmen Wert ist. Daher soll in dieser Arbeit die „Ermittlung des Factoringpreises – aus Sicht des Verkäufers“ also des Unternehmers, welcher den Verkauf seiner Forderungen als Finanzierungsform nutzen möchte erarbeitet werden. Es soll nicht auf die Platzierung der verkauften Forderungen an Geld- und Kapitalmärkten (ABS-Produkte) eingegangen werden. Schwerpunkt dieser Ausarbeitung soll nur die Ermittlung des Factoringpreises aus Unternehmer bzw. Verkäufersicht sein. Mit dem Begriff Factoringpreis werden erst mal alle Gebühren oder Entgelte zusammen gefasst, welche im Zusammenhang mit dem Forderungsverkauf entstehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Was versteht man unter Factoring?
- Die verschiedenen Funktionen des Factoring
- Finanzierungsfunktion
- Delkrederefunktion
- Service- und Dienstleistungsfunktion
- Die Formen des Factoring
- Echtes Factoring
- Unechtes Factoring
- Offenes / Stilles Factoring
- Standardfactoring
- Inhouse-Factoring (auch Bulk-Factoring)
- Weitere Vorteile des Factoring
- Ablauf des Factoring
- Der Factoringpreis?
- Factoringgebühr
- Finanzierungskosten / Zinsen
- Bonitätsprüfungskosten
- Beispielrechnung
- Lohnt sich Factoring nun?
- Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Semesterarbeit befasst sich mit der Ermittlung des Factoringpreises aus Sicht des Verkäufers. Ziel ist es, die finanziellen Aspekte des Factoring zu analysieren und herauszufinden, unter welchen Bedingungen sich die Inanspruchnahme von Factoringgesellschaften für Unternehmen lohnt.
- Die verschiedenen Funktionen des Factoring und deren Auswirkungen auf den Factoringpreis
- Die verschiedenen Formen des Factoring und deren Kostenstruktur
- Die Ermittlung des Factoringpreises und die relevanten Einflussfaktoren
- Die Vorteile und Nachteile des Factoring im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen
- Die Relevanz von Factoring im Kontext der Basel II-Regulierung
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Diese Einleitung erläutert die steigende Bedeutung des Factoring als Finanzierungsform für Unternehmen, insbesondere im Kontext der Basel II-Regulierung.
- Was versteht man unter Factoring?: Dieses Kapitel definiert den Begriff Factoring und erläutert die verschiedenen Funktionen und Formen des Factoring. Es werden auch die Vorteile und der Ablauf des Factoringprozesses beschrieben.
- Der Factoringpreis?: Dieses Kapitel behandelt die verschiedenen Kostenkomponenten des Factoringpreises, wie z. B. Factoringgebühr, Finanzierungskosten und Bonitätsprüfungskosten. Es wird auch eine Beispielrechnung zur Veranschaulichung der Preisgestaltung vorgestellt.
Schlüsselwörter
Factoring, Factoringpreis, Finanzierungsfunktion, Delkrederefunktion, Service- und Dienstleistungsfunktion, echtes Factoring, unechtes Factoring, offenes Factoring, stilles Factoring, Standardfactoring, Inhouse-Factoring, Bonitätsprüfung, Basel II, Liquidität, Umsatzsteigerung, Asset Backed Securities (ABS), Mittelstand, Unternehmen.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Factoring?
Factoring ist der ständige Verkauf von Forderungen eines Unternehmens an einen Factor, um sofortige Liquidität zu generieren und das Ausfallrisiko zu minimieren.
Wie setzt sich der Factoringpreis zusammen?
Der Preis umfasst die Factoringgebühr für die Dienstleistung, die Finanzierungskosten (Zinsen) für die Vorfinanzierung sowie Kosten für die Bonitätsprüfung der Debitoren.
Welchen Einfluss hat Basel II auf die Beliebtheit von Factoring?
Durch die strengeren Eigenkapitalrichtlinien von Basel II werden Bankkredite oft teurer. Factoring bietet hier eine echte Ausweichmöglichkeit zur bankenunabhängigen Finanzierung.
Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?
Beim echten Factoring übernimmt der Factor das volle Delkredererisiko (Zahlungsausfallrisiko). Beim unechten Factoring verbleibt dieses Risiko beim Verkäufer der Forderung.
Wann lohnt sich Factoring aus Sicht des Verkäufers finanziell?
Es lohnt sich, wenn die Kosten des Factoring durch Vorteile wie verbesserte Liquidität, Einsparungen beim Mahnwesen und den Schutz vor Forderungsausfällen aufgewogen werden.
- Quote paper
- Hans Schätzle (Author), 2007, Die Ermittlung des Factoringpreises aus Sicht des Verkäufers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86708