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Gewalt - Definitionshoheit und Legitimationsmonopol

Title: Gewalt - Definitionshoheit und Legitimationsmonopol

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Bruno Gransche (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Häufige spontane Affirmationen zum Begriff der Gewalt, die man zunächst intuitiv als zutreffend und selbstverständlich ansieht, erweisen sich als gerade kontraintuitiv und rätselhaft. Gewalt kann beispielsweise durchaus zu Recht als positives Phänomen gelten. Gewalt kann strukturell, latent, oder legitim sein und bleibt dennoch Gewalt, auch wenn sie in solchen Fällen oft als Ordnung oder eben gar nicht wahrgenommen wird.
„Es handelt sich um ein merkwürdiges Spiel, in dem die Regeln und Ziele selbst den primären Spieleinsatz darstellen.“
Warum sich also auf solch sumpfiges und oft sehr abstoßendes Terrain begeben, wenn von vorneherein klar ist, dass weder abschließende, allgemeingültige Aussagen gefunden, noch eine wie auch immer wünschenswerte Einschränkung von Gewalt erreicht werden kann?
Die Antwort könnte lauten: Um sich im Spielraum der Gewalt mit dem richtigen Maß und den richtigen Formen der Gewalt bewegen zu können.
In der Gemeinschaft der Gewalttätigen hat der Kampf um Rechtfertigung oberste Priorität. Jede Seite erhebt das Recht zu definieren, was legitime Gewalt ist.
Wie heikel dieser Kampf um Legitimation aber ist, zeigen unzählige Beispiele der Geschichte und der Gegenwart. Denn was eben noch als notwendige oder legitime Ordnung verstanden wurde, kann sehr leicht als illegitimer Zwang, als Gewalt empfunden werden.
Es ist nicht möglich den Gesamtgehalt an Gewalt zu einer Zeit zu bestimmen, es ist auch nicht sinnvoll. Es lässt sich nicht sagen, ob wir uns in einer Zeit zunehmender oder abnehmender Gewalt befinden. Auch wenn eine Instanz wie beispielsweise der UN Sicherheitsrat nur mit Gewalt gegen Gewalt agieren kann, so ist die Form und die Aufteilung der Gewalt doch essenziell. Je institutionalisierter und je ritualisierter Gewalt daherkommt, umso weniger wird sie als Gewalt, sondern als gewohnter Teil des alltäglichen Lebens aufgefasst.
Wir brauchen also nicht mehr oder weniger Gewalt, wir brauchen die richtige Gewalt und einen wirksamen Schutz davor, dass die Beurteilung dessen, was die richtige Gewalt ist, unter ein Definitionsmonopol gerät.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Begriff der Gewalt

2. Der Kampf um Legitimität

2.1 Legitimierung von Krieg

2.2 Der bellum justum

2.3 Das jus in bello und die Diskriminierung

3. Globale Legitimationshoheit?

4. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Beziehung zwischen Gewalt und dem Kampf um deren Legitimation. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Gewalt definiert wird, welche Rolle die Macht bei der Besetzung dieser Definitionshoheit spielt und inwiefern moralische sowie rechtliche Diskurse zur Rechtfertigung von Gewaltphänomenen, insbesondere im Kontext des Krieges, genutzt werden.

  • Strukturierung und Differenzierung des Begriffsfeldes der Gewalt mittels Dichotomien.
  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen rechtlicher Legalität und moralischer Gerechtigkeit.
  • Untersuchung der Legitimierungsstrategien bei der Kriegsführung (bellum justum).
  • Kritische Betrachtung der Diskriminierung von Konfliktparteien durch Machtasymmetrien.
  • Reflexion über die globale Definitionshoheit von Gewalt und die Rolle der Weltöffentlichkeit.

Auszug aus dem Buch

1. Der Begriff der Gewalt

Allgemein und alltagssprachlich lässt sich Gewalt als physisches oder psychisches Einwirken auf Menschen, Tiere, Pflanzen oder Gegenstände beschreiben. Wobei die Adressaten der Gewalt in ihrer körperlichen Integrität verletzt werden bzw. zu einem Verhalten gezwungen werden, das nicht ihrem Willen entspringt. Das Englische hat hierfür den speziellen Begriff violence, das Lateinische violentia. Power bzw. potestas hingegen bezeichnet eher Gewalt auf staatlicher Ebene, etwa als Durchsetzungsvermögen in Machtkämpfen und von Herrschaftsansprüchen.

An den Unterschieden dieser beiden Formen, der Gewalt auf individueller Ebene und der Gewalt auf institutionalisierter Ebene, kann man bereits einige Kategorien der Gewalt ablesen. So ist erstere meist manifest, individuell, personal und illegal und letztere meist latent, kollektiv, strukturell und legal. Die hier durchscheinende Klassifizierung des Begriffes der Gewalt geschieht anhand sogenannter Dichotomien, also durch Einteilung des Begriffs in zweiteilige Unterbegriffe.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung führt in die Aporie des Gewaltbegriffs ein und verdeutlicht, dass jede wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Gewalt an der Schwierigkeit scheitert, eine allgemeingültige und widerspruchsfreie Definition zu finden.

1. Der Begriff der Gewalt: Dieses Kapitel systematisiert das enorme Begriffsfeld der Gewalt anhand verschiedener Dichotomien wie aktuell/potenziell, physisch/psychisch oder legal/illegal, um die Vielschichtigkeit und Dynamik des Phänomens greifbar zu machen.

2. Der Kampf um Legitimität: Hier wird der kritische Unterschied zwischen rechtlicher Legalität und moralischer Legitimität beleuchtet, wobei aufgezeigt wird, dass Mächtige die Definitionsmacht über das, was als legitime Gewalt gilt, aktiv steuern.

2.1 Legitimierung von Krieg: Dieses Unterkapitel untersucht, wie Feindbilder konstruiert werden und wie durch die Rechtfertigung der eigenen Partei und die Diskriminierung des Gegners gewaltsame Konflikte legitimiert werden.

2.2 Der bellum justum: Es wird das historische und aktuelle Konzept des gerechten Krieges analysiert, das formale Bedingungen für die Anwendung von Gewalt festlegt, um diese moralisch zu rechtfertigen.

2.3 Das jus in bello und die Diskriminierung: Dieses Kapitel widmet sich der technologischen Komponente der Kriegsführung und zeigt auf, wie durch die technokratische Sprache und die Diskriminierung von Gegnern der Anspruch auf die Einhaltung internationaler Standards umgangen wird.

3. Globale Legitimationshoheit?: Hier wird die Frage aufgeworfen, ob eine globale Kontrollinstanz notwendig ist und welche Problematiken mit einem Definitionsmonopol über das, was "gerechte Gewalt" ist, verbunden sind.

4. Schlusswort: Das Schlusswort betont, dass der Schutz vor Willkür nicht in einer Minderung oder Steigerung von Gewalt liegt, sondern in der Förderung von Bildung und der Freiheit der Meinungsäußerung als Bollwerk gegen ein totalitäres Definitionsmonopol.

Schlüsselwörter

Gewalt, Legitimität, Definitionshoheit, bellum justum, Menschenrechte, strukturelle Gewalt, Macht, Recht, Moral, Diskriminierung, Krieg, Kriegsführung, Souveränität, Gewaltmonopol, Rechtfertigungszwang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen und politischen Analyse des Gewaltbegriffs und der Frage, wie Gewalt innerhalb von Gesellschaften und im internationalen Kontext legitimiert wird.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Legitimationsstrategien von Gewalt, die Dichotomie zwischen Recht und Gerechtigkeit sowie die Machtasymmetrien, die über die Definition von Gewalt entscheiden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den "Kampf um die Legitimität" offen zu legen und aufzuzeigen, wie durch Definitionsmacht Gewaltakte als notwendig oder moralisch "gerecht" gerahmt werden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Der Autor verwendet eine begriffsanalytische Vorgehensweise, kombiniert mit einer strukturierten Kategorisierung mittels Dichotomien und einer diskursiven Analyse aktueller politischer Beispiele.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Gewalt, die Analyse des Legitimationskampfes, das Konzept des gerechten Krieges (bellum justum) und das Recht im Krieg (jus in bello).

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?

Zentrale Begriffe sind Legitimation, Definitionshoheit, strukturelle Gewalt, das Spannungsfeld zwischen Recht und Moral sowie die Rolle des Rechts im Krieg.

Wie unterscheidet der Autor zwischen legaler und legitimer Gewalt?

Die Arbeit stellt dar, dass Legalität den Gesetzen der etablierten Macht entspricht, während Legitimität moralisch durch universelle Werte begründet wird, wobei die Übereinstimmung beider Bereiche keineswegs garantiert ist.

Warum spielt die Sprache in der Gewaltdebatte eine solche Rolle?

Der Autor argumentiert mit Bauman, dass die Benennung einer Tat als "Gewalt" oder "Schutzmaßnahme" ein Machtakt ist, der den Tätern die Deutungshoheit über ihr Handeln zuspricht oder abspricht.

Welches Fazit zieht der Autor zur globalen Sicherheitsinstanz?

Der Autor warnt davor, dass auch globale Instanzen zur gewaltbasierten Ordnungssicherung beitragen und dass der wirksamste Schutz gegen Gewaltmissbrauch in einer informierten Öffentlichkeit und der Wahrung von Freiheitsrechten liegt.

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Details

Title
Gewalt - Definitionshoheit und Legitimationsmonopol
College
University of Heidelberg  (Philosophische Fakultät)
Course
Gewalt
Grade
1,0
Author
Bruno Gransche (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V86711
ISBN (eBook)
9783638021685
ISBN (Book)
9783638924672
Language
German
Tags
Gewalt Definitionshoheit Legitimationsmonopol Gewalt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bruno Gransche (Author), 2007, Gewalt - Definitionshoheit und Legitimationsmonopol, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86711
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