Unterrichtseinheit: Multiculturalism in Great Britain

Swapping point of view – four role plays based on the topic 'arranged marriage'


Unterrichtsentwurf, 2006
27 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Aufbau der Unterrichtsreihe

2. Bedingungsanalyse

3. Sachanalyse

4. Didaktische Begründung des Unterrichtsgegenstandes und Reduktion

5. Lernziele

6. Begründung der methodischen Entscheidungen

7. Verlaufsplanung

8. Literatur

9. Anhang

1. AUFBAU DER UNTERRICHTSREIHE (Sequenzplanung)

1. Aufbau der Unterrichtsreihe: Multiculturalism in Great Britain (ca. 18 Stunden)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. BEDINGUNGSANALYSE

Allgemeine Voraussetzungen:

Im Grundkurs Englisch 12/I des Evangelischen Gymnasiums X. lernen 17 Schüler[1], davon 7 Mädchen und 10 Jungen. Ich unterrichte den Kurs seit Ende August dieses Schuljahres, nachdem eine Kollegin plötzlich die Schule verlassen hatte und die stellvertretende Schulleiterin einen Ersatz für diesen Kurs gesucht hatte.

Eine Schülerin, T., ist derzeit für mehrere Wochen zur Kur.

Meine Zusammenarbeit mit dem Kurs empfinde ich als fruchtbar und das Arbeitsklima als offen, angeregt und angenehm. Einer Tendenz mancher Schüler zu Passivität und Zurückhaltung versuche ich verstärkt mit Schüler aktivierenden und handlungsorientierten Phasen zu begegnen, in denen jeder Schüler tätig werden soll (und muss). Die Schüler haben sich an den einsprachigen Unterricht gut gewöhnt und sprechen teilweise auch in der Pause Englisch mit mir.

Personelle Bedingungen:

Das Leistungsniveau des Kurses ist als eher niedrig einzustufen. Sogar Anke und Luise, die jeweils mehrere Monate im englischsprachigen Ausland verbracht haben, zeigen Probleme im mündlichen und schriftlichen Ausdruck, obwohl sie im Bereich der quantitativen und inhaltlichen mündlichen Beteiligung zu den besseren Schülern des Kurses gehören.

Zur Leistungsspitze des Kurses gehören W. und L., die beide gerne längere freie Redebeiträge einbringen und dabei inhaltlich wie sprachlich oft die besten Leistungen des Kurses bringen. Dabei sind W.s Redebeiträge oft recht lang, da er sich nicht scheut, sich auszudrücken. Hier muss auf Verhältnismäßigkeit zu den Äußerungen zurückhaltender Schüler geachtet werden. Ebenfalls regelmäßig leisten A., M. und C. weiterführende Beiträge in allen Phasen des Unterrichts. T. hat in letzter Zeit einen Hang zu ausbruchsartigen Trotz-, Wut- oder Panikanfällen, die sie deutlich nach außen trägt. Dabei scheint sie der Situation nicht mehr Herr (Frau) zu sein und teilweise hält sich eine solche Stimmung die ganze Stunde. Dieses Verhalten scheint aber eher von hohem inneren Leistungsanspruch gesteuert zu sein, denn sie ist immer bemüht, die Aufgaben richtig zu erfüllen; dabei setzt sie sich selbst stark unter Druck. Gerade im Fach Englisch ist aber eine Besserung von T.s Leistungen deutlich sichtbar, so dass ich sie regelmäßig bestärke, dieses Bemühen aufrecht zu erhalten. K. ist oft etwas unsicher und ihre Beteiligung am Unterricht schwankt, was die Häufigkeit angeht. Aus Angst vor Fehlern sind ihre Beiträge oft eher kurz und nicht sehr komplex angelegt. Im unteren Mittelfeld mündlicher Beteilung bewegen sich N., der aber durchaus gute schriftliche Leistungen bringt, C. und R. M. ist sehr motiviert, lässt sich aber durch die vielen Fehler, die sie macht (und entsprechende schriftliche Ergebnisse) leicht wieder entmutigen. J. und F. sind beides sehr aufmerksame Schüler, die oft rege am Unterrichtsgeschehen teilnehmen und z.B. in Phasen freier Produktion zeigen, dass sie sich bemühen, vielschichtig und kritisch auch auf Englisch zu reflektieren. Auch sie tragen in manchen Phasen entscheidend zum Unterrichtsgeschehen bei. D. und T. sind sehr still im Unterricht. Beide reagieren auf Ansprache, halten sich aber im Unterrichtsgeschehen zu sehr zurück.

Lernspezifische Voraussetzungen

Die Schüler arbeiten regelmäßig in verschiedenen Sozialformen wie Partner- oder Gruppenarbeit sowie Stationenlernen. Ich habe bei der Arbeit mit dem Kurs festgestellt, dass die Schüler fast immer positiv auf Handlungsmuster reagieren, in denen sie in Eigenregie in Gruppen tätig werden.

Um ständigen Korrekturen durch den Lehrer (und dem damit unterbrochenen Redefluss der Schüler) vorzubeugen, habe ich verschiedene Schilder angefertigt, auf denen die häufigsten Fehlerarten, die viele Schüler leider immer noch regelmäßig machen, signalisiert sind. Diese beziehen sich auf die das –s der 3. Person Singular Präsens, eine falsche Verwendung einer Zeitform sowie fehlende Hilfsverben. Die Schilder hebe ich im Bedarfsfall kurz und weise damit den Schüler darauf hin, dass er sich selbst korrigieren sollte. Bevor ich als Lehrer einschreite, gebe ich bei komplexeren Fehlern noch den anderen Schülern die Möglichkeit zur Fehlerkorrektur. Trotz aller Fehlerhaftigkeit ist eine Tendenz zu größerem Mut bei mündlicher Beteiligung bei vielen Schülern spürbar.

In letzter Zeit haben sich die Aussprache und die grammatische Sicherheit einiger Schüler bereits leicht verbessert, jedoch ist ein grammatikalisch sicherer Umgang mit der englischen Sprache besonders in freien Konversationssituationen noch nicht in näherer Sicht.

Das Handlungsmuster „Rollenspiel“ wurde in der letzten Doppelstunde bereits in seinen theoretischen Grundlagen eingeführt. Einige Schüler haben bereits früher in anderen Kontexten Erfahrungen mit Rollenspielen gemacht, jedoch ist der Kenntnisstand diesbezüglich nicht homogen. Daher besteht Übungsbedarf bezüglich dieses Handlungsmusters. Weiterhin habe ich als Lehrer in diesem Kurs noch nicht mit dem Handlungsmuster Rollenspiel gearbeitet.

Inhaltliche Voraussetzungen:

In der Sequenz „Multiculturalism in Great Britain“ näherten wir uns über das Beschreiben und das kritische Hinterfragen von Vorurteilen (gegenüber Nationen wie auch gegenüber uns fremd scheinenden Kulturen) dem Thema über allgemeine Definitionen. Dann wurde verortet, wie sich die Bevölkerung Großbritanniens zusammensetzt und welche ethnischen Gruppen in welcher Stärke vertreten sind. Es wurde auf der Basis eines Textes jeweils betrachtet, wie diese Bevölkerungsgruppen das öffentliche Leben in Großbritannien prägen.

In Gruppenarbeit wurden drei Gedichte, die aus der Sicht je eines Immigranten Ungerechtigkeiten, Wünsche nach Integration und das Gefühl des Anders-Seins thematisieren, von den Schülern analysiert; später wurden die Gedichte vorgetragen und die Analysen präsentiert. In einer Höraufgabe sollten sich die Schüler in einen karibisch geprägten Dialekt einhören und die sprachlichen Besonderheiten dieses Dialektes herausarbeiten. Auf der inhaltlichen Ebene wurde die Sichtweise des Sängers auf seine englische Heimat thematisiert. In der vergangenen Doppelstunde wurde ein einführender Sachtext zum Thema „arranged marriages“ behandelt und das Thema anhand einer Fallschilderung vertieft. Der Text ist den Schülern nur bis zu dem Punkt bekannt, als das Brautpaar kurz davor steht, sich zu treffen. Den Schülern ist aber das Prozedere bei der Braut-/Bräutigamsuche geläufig. Weiterhin wurden einige matrimonial ads analysiert und die Darstellung des dort verwendeten Frauen- bzw. Männerbildes thematisiert.

Räumliche Bedingungen:

Die heutige Stunde findet in einem Raum statt, in dem der Kurs gewöhnlich keinen Unterricht hat. Während der Probenphase zum Rollenspiel steht ein weiterer Raum (3.14) zur Verfügung, damit die Schüler ausreichend Platz haben und sich nicht gegenseitig ablenken.

3. SACHANALYSE

Arranged / Forced Marriages

Das Thema arrangierte Ehe […] bietet einen lohnenden und motivierenden Einstieg in Probleme interkulturellen Verstehens“ (Wandel 2005, S.45).

In vielen Kulturen der Welt, darunter auch in der indischen, sind von den Eltern für ihre Kinder arrangierte Hochzeiten an der Tagesordnung und gleichzeitig die einzige Möglichkeit, ohne Verlust des sozialen Ansehens zu heiraten[2]. Diese traditionell ritualisierte Form der fremd gesteuerten „Partnerwahl“ stößt aber in den entsprechenden Kulturen nicht unbedingt auf Widerstand. In vielen Kulturen wird diese Praxis auch von der jüngeren Generation keineswegs angezweifelt und sogar unterstützt.

Probleme ergeben sich vor allem dann, wenn Immigranten die ihnen vertrauten Riten und Traditionen in der neuen Kultur, in die sie als Fremde kommen, weiter pflegen wollen, diese aber in krassem Gegensatz zu dort üblichen Verhaltensweisen steht. Hier entsteht der Zwiespalt zwischen dem Ruf nach Eingliederung der fremden Kultur in das „Gastland“ oder der Wunsch des Gastlandes, die Immigranten mögen den örtlichen Lebensstil mehr respektieren und auch in ihre Kultur einfließen lassen. Die Bandbreite der möglichen Lösungen ist sehr breit: aus dem multikulturellen Umfeld von z.B. Berlin kennt man einerseits die Menschen der älteren Generation, die mit der Kultur des Landes, indem sie leben, nichts zu tun haben wollen bis hin zu jüngeren Menschen, die die Kultur des Landes, in dem sie leben, vollständig annehmen und dabei den traditionellen Werten der Kultur ihrer Eltern entsagen.

Bei einer arrangierten Hochzeit wird die „Kompatibilität“ der zukünftigen Partner in spe auf Übereinstimmungen untersucht. Neben dem sozialen sowie ökonomischem Status, der beruflichen Situation und damit verbundenen materiellen Absicherung und dem religiösen Glauben nicht nur der Brautleute, sondern auch der Familien, spielen beispielsweise in Indien auch die Sternzeichen eine bedeutende Rolle. Als Grundlage einer geplanten Hochzeit wird gewöhnlich auch das Partnerhoroskop zur Erwägung herangezogen; in den Partnersuchanzeigen indischer Zeitungen gehören die Horoskopdaten zu den preisgegebenen persönlichen Daten.

Studien zeigen, dass arrangierte Hochzeiten eine statistisch niedrigere Scheidungsrate aufweisen als Liebesheiraten, wie sie in unserer Kultur üblich sind. Damit wird aber noch keine Aussage über die Qualität der Beziehung getroffen.

Das Rollenspiel als Handlungsmuster (im Englischunterricht)

Das Wort „Rolle“ stammt vom lateinischen „rotulus“ (=Gedrehtes). Erst seit dem 17. Jahrhundert wird der Begriff auch für die Theaterrolle verwendet. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts wurde der Rollenbegriff in den Mittelpunkt der soziologischen Theoriebildung gerückt und es wurden Rollentheorien entwickelt (vgl. Meyer 2000, S. 357 f.). Heute ist den meisten Menschen bewusst, dass sie in verschiedenen Bereichen ihres Lebens auch verschiedene Rollen spielen.

Meyer unterscheidet zwei Formen des Rollenspiels:

Im gelenkten [kursiv im Original, A.K.] Rollenspiel sind die Vorgaben für das Handeln präzis und weitgehend festgelegt; eine Rolle muß übernommen werden (= role taking); im „ offenen “ oder „ freien“ Rollenspiel [s.o.] gibt es keine genauen Festlegungen der Handlungsalternativen, vielmehr kommt es darauf an, die zugewiesene Rolle kreativ und konstruktiv auszufüllen (= role making)“ (Meyer 2000, S. 357). Taubenböck stellt fest, dass das Rollenspiel grundsätzlich die Verbesserung der mündlichen Ausdrucksfähigkeit der Schüler fördert. „Diese Übungsform zwingt Schüler dazu, über einen längeren Zeitraum weitgehend spontane Äußerungen in einer realistischen Sprechsituation zu produzieren. Daneben dienen Rollenspiele in erheblichem Maße dem Ziel, die Interaktionsfähigkeit zu fördern. Zudem trägt der bei Rollenspiel erforderliche Perspektivenwechsel zum Aufbau sozialer Handlungskompetenz bei; dieser kann aber auch im Sinne interkulturellen Lernens genutzt werden“ (Taubenböck 2005, S. 105).

Im Rollenspiel sind zwei Parameter bedeutend: der Umfang der Rollenvorgaben, die den Schülern Freiraum lassen oder ihnen bereits große Teile der Rolle vorgeben.
Das Rollenspiel besteht aus drei Phasen, die erforderlich zum Gelingen des Handlungsmusters sind: der Vorbereitungsphase, der Präsentation (dem eigentlichen Spiel) sowie der Reflexion (der Besprechung des Spiels in der Gruppe) (vgl. Mattes 2002, S. 46).

Eine besondere Herausforderung stellt es […] dar, sich auf die Perspektive der angenommenen Rolle einzulassen und diese in nur teilweise vorhersehbaren Interaktionssituationen durchzuhalten. Hierin liegt auch gerade der Reiz des Rollenspiels, das Schüler in der Regel als sehr motivierende Übungsform wahrnehmen“ (Taubenböck 2005, S. 105).

[...]


[1] Die Bezeichnung „Schüler“ bezieht sich auf Schülerinnen und Schüler.

[2] Es existieren zwar auch Hochzeiten ohne die Mitwirkung und die Einwilligung der Eltern, doch diese sind in vielen Kulturen gleichbedeutend mit dem Verlust jeglichen sozialen Ansehens der Familienmitglieder. Deshalb fliehen Heiratsunwillige oft sogar aus ihrem Heimatland.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Unterrichtseinheit: Multiculturalism in Great Britain
Untertitel
Swapping point of view – four role plays based on the topic 'arranged marriage'
Veranstaltung
Referendariat
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V86743
ISBN (eBook)
9783638033701
ISBN (Buch)
9783638932578
Dateigröße
794 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Anhang befinden sich die Rollenkarten zum Rollenspiel. Wurde von den Dozenten (auch in der Durchführung) sehr gelobt.
Schlagworte
Unterrichtseinheit, Multiculturalism, Great, Britain, Referendariat
Arbeit zitieren
Andreas Krumwiede (Autor), 2006, Unterrichtseinheit: Multiculturalism in Great Britain, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86743

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