In deutschen Wohnungen finden sich Wohnküchen, Arbeitsküchen, Küchennischen und keine Form davon ist die einzig Richtige. Wie kommt es nun zu dieser Vielfalt und in welche Richtung geht der Trend? Warum sehen Küchen heute so aus, wie sie aussehen und welche sozialen und arbeitstechnischen Funktionen erfüllen und erfüllten sie in Haushalt und Familie? Um diese Fragen zu beantworten, mache ich nun eine kleine Zeitreise durch die Entstehungsgeschichte und den Funktionalitätswandel der Küche.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht der Gegensatz von Küchengemütlichkeit und der Küche als reiner Arbeitsküche, mit ihren sozialen und räumlichen Funktionen. Ich betrachte den Zeitraum von 1890, als der Rückgang der Küchengemütlichkeit begann, bis heute. Als Literatur nutze ich auf der einen Seite aktuelle Forschungsliteratur darüber, wie es damals war, auf der anderen Seite Literatur über die Küche aus der jeweiligen Zeit selbst. Ich beziehe mich ausschließlich auf die deutsche Küche. Für den Zeitraum des geteilten Deutschlands beschränke ich mich auf die BRD.
Die Küchen unterschieden sich früher in den verschiedenen gesellschaftlichen Schichten und in ihren jeweiligen Entwicklungsstufen wesentlich. Meine Arbeit bezieht sich auf die Küchen in Arbeiter- und Kleinbürgerwohnungen.
Die Arbeitserleichterung für die Hausfrau hat in der Entwicklungsgeschichte der Küche eine wichtige Rolle gespielt und fließt deshalb in meine Hausarbeit ein. Es gab das Ziel „Die Leistung der Hausfrau zu erleichtern, (dies sei die)... absolute Voraussetzung dafür, dass sie als Frau und Mutter ihre unerlässliche und heilsame Aufgabe (soziale Beziehungsarbeit und Kindererziehung, Anm. K.Grebing) noch erfüllen kann: zumal wenn sie selber berufstätig mitverdient.“ (1)
Am Rande gehe ich auch auf die Entwicklung des Wohnzimmers ein, denn sie ist mit der Küchenentwicklung eng verbunden. So zog z.B. die Gemütlichkeit der Küche in den Repräsentationsraum Stube oder Wohnzimmer ein und veränderte auf diese Weise gleichzeitig die Bedeutung dieses Raumes.
(1) AMK 1, Schriften der Arbeitsgemeinschaft DIE MODERNE KÜCHE e.v.: Die Küche in der
Wohnungsplanung. Darmstadt: Verlag DIE PLANUNG (1958/59?) S.2
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
2. Eingrenzung des Themas
3. Der Niedergang der Küchengemütlichkeit
3.1. Die wichtigsten Gründe für die Küchenweiterentwicklung
3.2. Abeiterküchen um 1901
3.3. Die Richtung der Küchenentwicklung
4. Die Entwicklung der Küche bis zum Beginn des 2. Weltkrieges
4.1. Rationalisierung und Zeitersparnis
4.2. Die Küchenmodelle der Rationalisierung
5. Die Küchenentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkrieges
5.1. Die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges
5.2. DIN 18022 und die Anbauküche
5.3. Das Bedürfnis nach Küchengemütlichkeit
6. Die moderne Küche heute
6.1. Die Größe und Bedeutung der Küche
6.2. Die Multifunktionalität der Küche
6.3. Die Rückkehr zur Küchengemütlichkeit?
7. Resümee und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Funktionswandel deutscher Küchen von 1890 bis zur Gegenwart, wobei der Fokus insbesondere auf dem Spannungsfeld zwischen der emotionalen "Küchengemütlichkeit" und der rationalisierten "Arbeitsküche" liegt. Ziel ist es aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Veränderungen, technischer Fortschritt und wohnungswirtschaftliche Krisen das Bild und die Nutzung der Küche über das letzte Jahrhundert geprägt haben.
- Historische Entwicklung der Küche als sozialer Ort versus Arbeitsplatz
- Einfluss von Industrialisierung und Rationalisierung auf die Küchenarchitektur
- Auswirkungen der Weltkriege und des sozialen Wohnungsbaus auf die Küchengestaltung
- Die Entstehung und Etablierung der "modernen" Anbauküche
- Aktuelle Trends zu Multifunktionalität, Individualisierung und der Rückkehr der Gemütlichkeit
Auszug aus dem Buch
3.1. Die wichtigsten Gründe für die Küchenweiterentwicklung
„Das ideale Küchenbild über die Jahrhunderte hinweg war die ´Lebendigkeit, Speisenfülle und Geräteausstattung der Feudalküchen, waren die gemütlichen Bauernküchen mit dem Spinnrad am offenen Kamin.` “ Das Wort Küchengemütlichkeit ist also wörtlich zu nehmen. Die Küche war ein gemütlicher Ort, an dem nicht nur gearbeitet sondern auch gewohnt wurde. Sie hatte eine wichtige soziale Funktion, denn in ihr spielte sich ein großer Teil des Alltags der Familien ab. Hierzu trug vor allem der Herd als wichtigster Ort im Haus bei.
Ab ca. 1890 begann sich dieser Zustand zu ändern. Es startete eine Entwicklung zur „modernen Küche“. Diese neue Küchenart zeichnete sich durch die Kombination von Möbeln, Küchengeräten und Zubehör, welche in Form, Abmessung und Farbe abgestimmt und einander zugeordnet sind, aus. Dies war davor nicht der Fall. Außerdem ist sie auf Zeit und Arbeitsersparnis ausgelegt.
Für diese Richtung der Weiterentwicklung der Küche gab es zwei große Hintergrundkomplexe. Einer davon war der Beginn des Industriezeitalters. Durch diesen hielt die Technik Einzug in den Haushalt. Ab ca. 1890 konkurrierte der elektrische Strom mit dem Gas als Energiequelle für den Haushalt. Er ermöglichte später die Verwendung von immer mehr elektrischen Haushaltsgeräten. Zur gleichen Zeit gab es den ersten Eisschrank in der Küche. Bereits seit 1870 fand man Wasserhähne in den Küchen und schon ab 1900 waren sie, außer bei armen Arbeitern, selbstverständlich geworden. So entfiel der Weg zum Brunnen und in der Küche wurde der Platz eingespart, an dem davor das Wasser in großen Gefäßen gelagert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Küche als Alltagsobjekt und Aufwerfen der Fragestellung nach ihrem sozialen und technischen Wandel.
2. Eingrenzung des Themas: Definition des Untersuchungszeitraums (ab 1890), der geografischen Beschränkung (Deutschland/BRD) und des Fokus auf Arbeiter- und Kleinbürgerwohnungen.
3. Der Niedergang der Küchengemütlichkeit: Analyse des Übergangs von der sozialen Wohnküche hin zur technisierten Arbeitsküche unter dem Einfluss der Industrialisierung.
4. Die Entwicklung der Küche bis zum Beginn des 2. Weltkrieges: Untersuchung der rationalisierten Küchenkonzepte, getrieben durch Zeitmangel und den Wunsch nach wirtschaftlicher Effizienz.
5. Die Küchenentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkrieges: Darstellung des Wiederaufbaus unter Platzmangel, der Etablierung von Miniküchen und der Durchsetzung der Anbauküche.
6. Die moderne Küche heute: Analyse aktueller Trends wie Multifunktionalität, Individualisierung und des Wiedererwachens des Bedürfnisses nach Gemütlichkeit.
7. Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung und Prognose einer zukünftigen Koexistenz von rationalen Miniküchen und individuellen Wohnküchen.
Schlüsselwörter
Küchengeschichte, Küchengemütlichkeit, Arbeitsküche, Rationalisierung, Anbauküche, Wohnküche, Industrialisierung, Funktionalität, Sozialgeschichte, Haushaltstechnik, Lebensraum, Raumplanung, Architektur, Wohnungsbau, Multifunktionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Funktionswandel der Küche in Deutschland über einen Zeitraum von mehr als 110 Jahren, wobei die Entwicklung vom sozialen Zentrum des Familienlebens hin zum spezialisierten Arbeitsraum im Mittelpunkt steht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die historische Küchenarchitektur, der Einfluss von Rationalisierungsbestrebungen auf die Hausarbeit, der Stellenwert der Küche im sozialen Gefüge sowie aktuelle Trends im modernen Wohnungsbau.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage befasst sich mit den Gründen für den Wandel der Küche und der Frage, welche sozialen und arbeitstechnischen Funktionen die Küche im Laufe der Zeit in Haushalt und Familie eingenommen hat und heute einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die sowohl aktuelle Forschungsliteratur als auch zeitgenössische Quellen aus den jeweiligen Epochen heranzieht, um die Küchenentwicklung zu rekonstruieren.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von 1890 über die Zeit der Weltkriege bis in die heutige Zeit und untersucht dabei technische Meilensteine, DIN-Normen und gesellschaftliche Veränderungsprozesse, die die Küchengestaltung beeinflussten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Küchengemütlichkeit, Rationalisierung, Wohnküche, Anbauküche, Multifunktionalität und Sozialgeschichte geprägt.
Was unterscheidet die „Frankfurter Küche“ von anderen Modellen?
Die „Frankfurter Küche“ von 1923 war eine reine, streng funktionale Arbeitsküche. Sie zeichnete sich durch eine schlauchartige Grundform, strikte Arbeitsabläufe und eine konsequente Entscheidung gegen die gemütliche Wohnküche aus.
Wie hat sich die Bedeutung des Wohnzimmers im Vergleich zur Küche verändert?
Während die Küche früher oft der Hauptaufenthaltsraum war, wurde das Wohnzimmer (die "gute Stube") zum Ort der Repräsentation. Im Zuge der Rationalisierung der Küche verlagerte sich soziale Gemütlichkeit teilweise in den Wohnbereich, wobei heute wieder eine Rückbesinnung auf die Küche als sozialen Kommunikationsort stattfindet.
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- Katrin Grebing (Author), 2003, Der Funktionalitätswandel deutscher Küchen von 1890 bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86745