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Der Katteprozess – Justizmord oder Gesetzestreue? Eine strafrechtliche Interpretation der Urteile und deren Umsetzung in Bezug auf die preußischen Kriegsartikel

Title: Der Katteprozess – Justizmord oder Gesetzestreue? Eine strafrechtliche Interpretation der Urteile und deren Umsetzung in Bezug auf die preußischen Kriegsartikel

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 52 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Holger Skorupa (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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In der königlichen Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. entwickelte sich das preußische Offizierskorps zu einem der Fundamente des gesamtstaatlichen Ethos des frühmodernen Soldatentums. Unbedingte Treue zum preußischen König, eine exzellente Aus- und Fortbildung soldatischer Tugenden sowie ein gesteigertes soziales Ansehen – vor allem der Offiziere in der Öffentlichkeit – prägten den Wandel dieser Zeit. Dies wurde besonders in dem seit 1713 von König Friedrich Wilhelm I. forcierten Reformwerk in Bezug auf rationale Religiosität und funktionalistischem Staatsgebilde deutlich und ließ das Bild des preußischen Landesherrn als Soldatenkönig entstehen. An der Spitze jener soldatischen Ausprägungen stand das Regiment Gens d´Armes , dem der König selbst als Kommandeur vorstand. Stolz, Ehre und Kronloyalität bildeten die Basen des Gens d´Armes, in dem den Offizieren in besonderer Weise die Anerkennung der preußischen Gesellschaft anheim wurde.
Bekanntlich entsprang gerade diesem Regiment einer der Hauptschuldigen des Prozesses, der in erheblichem Maße den Konflikt Friedrich Wilhelms I. mit seinem Sohn und Thronfolger Friedrich verdeutlichte. Der Leutnant der Gens d´Armes Hans Hermann von Katte galt als engster Vertrauter Friedrichs und schon bald als Mitwisser und -täter der Pläne des Königssohnes. Denn der Kronprinz konnte und wollte die Erziehungsmethoden des preußischen Königs einerseits und die hohen Ansprüche der soldatischen Tugenden andererseits nicht internalisieren. Gleichsam entwickelte sich aus jenem familiären Konflikt die schwierigste innenpolitische Krise des jungen Preußen in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. Diese setzte mit dem gescheiterten Fluchtversuch des preußischen Kronprinzen am 5. August 1730 in Steinsfurth ein und gipfelte kaum drei Monate später in der Hinrichtung des Freundes des Thronfolgers – eben jenem Gardekürassier-Offizier Katte. Vor allem die Rolle des engsten Vertrauten Friedrichs in dem vermeintlichen Desertionskomplott sowie die juristische Umsetzung des preußischen Kriegsrechtes und die besondere Funktion Friedrich Wilhelms I. als oberster Gerichtsherr sollen daher im Folgenden betrachtet und interpretiert werden.
Vor diesem Hintergrund bricht die vorliegende Ausarbeitung die Ausprägung bisheriger Forschungsergebnisse in Bezug auf den Katteprozess.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Arrest der vermeintlichen Deserteure

2.1 Die königliche Untersuchungskommission und der Kronprinz in Küstrin

2.2 Die Verhöre des Hans Hermann von Katte in Berlin

3. Desertion oder Desertionskomplott – Das preußische Kriegsrecht

4. Das königliche Kriegsgericht und die Rolle des Königs

4.1 Verhandlungen – Die Urteile der Offiziere

4.2 Die Verschärfung des Katte-Urteils durch Friedrich Wilhelm I.

4.3 Die Hinrichtung Kattes als Mittel der Bekehrung?

5. Schlussteil

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Katteprozess von 1730 und analysiert, ob die Hinrichtung von Hans Hermann von Katte als Justizmord oder als rechtmäßige Ausübung der preußischen Kriegsartikel durch König Friedrich Wilhelm I. zu bewerten ist, wobei insbesondere die Rolle Kattes und die Funktion des Königs als oberster Gerichtsherr im Fokus stehen.

  • Die Rolle des Gardekürassier-Offiziers Hans Hermann von Katte im vermeintlichen Desertionskomplott.
  • Die strafrechtliche Interpretation der preußischen Kriegsartikel im 18. Jahrhundert.
  • Der Konflikt zwischen dem preußischen König und dem Kronprinzen Friedrich.
  • Die Analyse der königlichen Entscheidungsfindung und der Rolle des Kriegsgerichts.
  • Die Bedeutung von Exempel und Abschreckung für die Aufrechterhaltung soldatischer Kronloyalität.

Auszug aus dem Buch

Die Verhöre des Hans Hermann von Katte in Berlin

Der Gardekürassier-Offizier Hans Hermann von Katte war wenige Tage nach der Arretierung des Thronfolgers in Berlin in Gewahrsam genommen worden. Vor diesem Hintergrund ist zunächst zu hinterfragen, warum Katte, der wohl zum Zeitpunkt seiner Verhaftung von dem Scheitern der Flucht in Steinsfurth wusste, dennoch nicht geflohen war. Zweifellos hatte der Leutnant der Gens d´Armes damit zu rechnen, als Verschwörer gegen den preußischen König arretiert zu werden. Doch Katte floh nicht, vielmehr ließ sich der Gardeoffizier bereitwillig festnehmen. Wollte der Leutnant der Gens d´Armes seinem engen Vertrauten Friedrich damit symbolisch beistehen? Sollte Kattes Verbleib in Berlin dessen Loyalität gegenüber Friedrich Wilhelm I. signalisieren? Oder war es gar der Soldat der Gens d´Armes selbst, der die Flucht des Kronprinzen scheitern ließ?

Zu diesen Fragen wurde und wird in der historischen Forschung heftig diskutiert. De facto wurde in den ersten Verhören von Hans Hermann von Katte seit dem 27. August 1730 überaus deutlich, dass es der Gardekürassier-Offizier war, der den verzweifelten und vom Vater gedemütigten Friedrich stets ins Gewissen sprach – die Sanktionen im Falle einer gescheiterten Desertion immer vor Augen habend.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den historischen Kontext der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. ein und beschreibt den familiären Konflikt zwischen dem König und seinem Sohn Friedrich, der im gescheiterten Fluchtversuch 1730 gipfelte.

2. Der Arrest der vermeintlichen Deserteure: Es wird die Arretierung des Kronprinzen und die Einleitung der ersten Verhöre sowie die Situation des inhaftierten Hans Hermann von Katte in Berlin detailliert dargelegt.

3. Desertion oder Desertionskomplott – Das preußische Kriegsrecht: Dieses Kapitel erläutert die damalige Strafrechtspflege in Preußen und die juristische Einordnung des Tatbestandes des crimen laesae majestatis im Zusammenhang mit den Ereignissen.

4. Das königliche Kriegsgericht und die Rolle des Königs: Der Prozessverlauf vor dem Kriegsgericht, die verschiedenen Urteilssprüche und die anschließende Verschärfung des Urteils gegen Katte durch den König werden kritisch analysiert.

5. Schlussteil: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Maßnahmen Friedrich Wilhelms I. weniger als Justizmord, sondern als politisch-juristische Entscheidung zur Sicherung der Kronloyalität zu bewerten sind.

Schlüsselwörter

Katteprozess, Friedrich Wilhelm I., Kronprinz Friedrich, Desertion, Kriegsartikel, Justizmord, Hans Hermann von Katte, Preußen, Militärrecht, Staatsräson, Soldatenehre, Kronloyalität, Desertionskomplott, Gerichtsbarkeit, Exempel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Aufarbeitung des sogenannten Katteprozesses von 1730, bei dem der Freund des Kronprinzen Friedrich wegen Desertion zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?

Im Zentrum stehen das preußische Kriegsrecht, die Ausübung absolutistischer Macht durch den König und die juristische wie militärhistorische Bewertung der Ereignisse im Kontext des preußischen Offizierethos.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob das Todesurteil gegen Hans Hermann von Katte auf einer juristisch fundierten Anwendung der Kriegsartikel basierte oder ob es sich um einen willkürlichen Justizmord handelte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Verfasser nutzt eine quellenkritische Analyse, indem er zeitgenössische Protokolle, Kabinettsordren und Forschungsmeinungen vergleicht, um zu einer fundierten Interpretation der Motive Friedrich Wilhelms I. zu gelangen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Verhörsituationen, die Erläuterung der geltenden Gesetzgebung und eine detaillierte Untersuchung der Arbeit des königlichen Kriegsgerichts sowie der anschließenden Urteilsschärfung durch den Monarchen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Desertionskomplott, Gesetzestreue, crimen laesae majestatis und die absolutistische Herrschaftsausübung geprägt.

Wie reagierte der Kronprinz auf die Hinrichtung seines Freundes?

Katte wurde am 6. November 1730 vor den Augen Friedrichs hingerichtet, was diesen in schwere psychische und physische Krisen stürzte, die der König gezielt für eine religiöse Bekehrung des Sohnes auszunutzen versuchte.

Welche Rolle spielte der Eid der Offiziere im Prozess?

Die Richter waren vor dem Prozess auf ihr Gewissen vereidigt worden, was zu einem Konflikt führte, da ein Teil der Richter eine lebenslange Haft anstelle der Todesstrafe für Katte forderte, während der König auf ein hartes Exempel drängte.

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Details

Title
Der Katteprozess – Justizmord oder Gesetzestreue? Eine strafrechtliche Interpretation der Urteile und deren Umsetzung in Bezug auf die preußischen Kriegsartikel
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg  (Helmut-Schmidt-Universität)
Course
Friedrich II. oder Friedrich der Große?
Grade
1,3
Author
Holger Skorupa (Author)
Publication Year
2007
Pages
52
Catalog Number
V86752
ISBN (eBook)
9783638021746
ISBN (Book)
9783638923538
Language
German
Tags
Katteprozess Justizmord Gesetzestreue Eine Interpretation Urteile Umsetzung Bezug Kriegsartikel Friedrich Große
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Holger Skorupa (Author), 2007, Der Katteprozess – Justizmord oder Gesetzestreue? Eine strafrechtliche Interpretation der Urteile und deren Umsetzung in Bezug auf die preußischen Kriegsartikel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86752
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