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Hooliganismus und der Prozess der Zivilisation

Title: Hooliganismus und der Prozess der Zivilisation

Thesis (M.A.) , 2007 , 93 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: David Holzheimer (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Meine Arbeit gliedert sich in drei große Abschnitte: es wird die Gewaltforschung der letzten Jahre analysiert und sich dann ausführlich mit den Theorien von Norbert Elias´und seines Schülers Eric Dunning über den Hooliganismus und der Zivilisationsprozess auseinander gesetzt und diese Theorien sodann empirisch überprüft. Die Übertragung der Zivilisationstheorie von Dunning auf das Phänomen Hooliganismus ist noch immer der international bekannteste und zugleich umstrittenste Erklärungsversuch der Gewalt beim Fußball. Man kann Dunning zustimmen in der Feststellung, dass das Phänomen des Hooliganismus als folge der kommunikativen Verdichtung und der staatlichen Kontrolle entstand. Aber diese Gewalt war, wie kein Phänomen des Zivilisationsprozesses.
Für mich stellte sich immer die Frage, die eigentümlicherweise bisher stets umgangen wurde: was denn nun eigentlich bei einem Kampf passiert und warum bisher noch niemand darüber geschrieben hatte. Gerade die Erforschung und die dichte Beschreibung von Gewalthandlungen, so der Tenor in der neueren Gewaltforschung, helfen besser zu verstehen, was Menschen tun. Für die Darstellung eines Kampfes wird auf die Methode der Dichten Beschreibung zurückgegriffen, deren Problematik reflektiert wird. Am Beispiel der Erinnerungen eines ehemaligen Hooligans aus der Berliner Fußballszene der Wendezeit wird beschrieben, wie man sich eine Auseinandersetzung vorstellen muss: als Kampf, der keinen Regeln folgt und in dem jeder Beteiligte mit dem Schlimmsten rechnen muss. Das ist auch der Grund für die hemmungslose Gewalt, die die Hooligans einander antun, denn sie müssen damit rechnen, dass die Gegner ihnen Schmerzen zufügen oder sie schwer verletzen. Das allein bestimmt den Ablauf der Gewalt, der weder vorhersehbar noch steuerbar ist.
Im dritten Teil der Arbeit wird der Frage nachgegangen, ob es diese Gewaltform auch in früheren Gesellschaften gab und man in ihr eine anthropologische Konstante erkennen kann. Hierfür greife ich auf Beispiele aus der Antike zurück und gehe auf gewalttätige Jugendgruppen in der Frühen Neuzeit auf dem Land und in der Stadt ein. Zu jeder Zeit hätten Menschen anlässlich von Sportereignissen Gewalt ausgeübt, hätten Jugendliche verschiedener Dörfer, ethnischer Gruppen oder Berufe Schlachten gegeneinander ausgetragen. In diesem Sinn unterscheidet sich, was in der Antike oder in der frühen Neuzeit geschah, nicht von den Auseinandersetzungen zwischen Hooligans unserer Tage.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Arbeit von Eric Dunning

Die Soziogenese des Hooliganismus

Die Psychogenese der Hooligans

Kritik

Ein neuer Ansatzpunkt in der Hooliganforschung

Dichte Beschreibung der Hooligangewalt

Vergleich der untersuchten Gewaltform

Olympia und Delphi

Tacitus und Pompeji

Factiones

Gewalttätige Jugendgruppen in der Frühen Neuzeit

Auf dem Land

In der Stadt

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Zivilisationstheorie eine geeignete analytische Schablone zur Erklärung des Hooliganismus darstellt, wobei der Fokus insbesondere auf dem konkreten Ablauf der Gewalthandlungen anstelle rein soziologischer Motivforschung liegt.

  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Forschungsansatz von Eric Dunning.
  • Einsatz der Methode der "Dichten Beschreibung" zur Analyse von Hooligangewalt.
  • Historischer Vergleich des Phänomens Hooliganismus mit anderen Gewaltformen.
  • Untersuchung von Gewaltphänomenen in der Antike und der Frühen Neuzeit.
  • Hinterfragung der Anwendbarkeit des Zivilisationsprozesses auf moderne Fangewalt.

Auszug aus dem Buch

Dichte Beschreibung der Hooligangewalt

Der eigentliche Zeitpunkt des Kampfes spielt an sich keine Rolle. Ein Kampf kann vor, während oder nach einem Spiel stattfinden. Der Augenblick ist nicht von Bedeutung, weil er am Ablauf der Gewalt nichts ändert. Bevor sich die beiden Hooligangruppen überhaupt gegenüberstehen heißt es zunächst, den Gegner ausfindig machen und die anwesende Polizei abzuschütteln. Zur Ankurbelung des Adrenalinspiegels dienen der Gruppe Schramms sowohl reichlicher Alkoholkonsum als auch die scheinbar endlosen Jagden und Ruhephasen durch die Stadt auf der Suche nach den Gegnern.

"... und wir fühlen uns großartig. irre, dieses kribbeln im bauch. die stimmung steigt proportional zur spannung und ist kurz vor dem überkochen. alles reckt die Faust in die Luft, irgendein schlachtruf ertönt, und dann sind wir da."

Die Schilderungen von Schramm spiegeln dabei die Situation der späten 80er und frühen 90er Jahre in Deutschland wider. Heute stellt sich ein zustande kommen eines Treffens zwischen Hooligangruppen schwieriger dar. Durch die Strategien der Ordnungskräfte ein Aufeinandertreffen von zwei Hooligangruppen zu verhindern sind diese gezwungen worden, sich gründlich, beinahe konspirativ, vorzubereiten. Damit entstand die Notwendigkeit, Hooligankämpfe durch eine strategische Planung herbeizuführen, die meistens beide Gruppen mit einbezieht. Das heißt nichts anderes, als dass ein Kampf von der Gruppe ein beträchtliches Maß an Planung, Organisation und vom einzelnen Hooligan einen entsprechenden Vorsatz zur Schlägerei erfordert. Schon allein aufgrund dieser Voraussetzung ist die noch immer teilweise vertretene Annahme nicht haltbar, dass die Gewalt der Hooligans allein auf Frustrationserlebnisse, wie Monotonie, Langeweile, Alkoholkonsum und Deprivation als Motivgrundlage zurückgeführt werden kann. Für einfache Formen des Vandalismus mag dies zwar gelten, aber für ein bewusstes Treffen an dessen Endpunkt eine Schlägerei steht, in der man selbst Opfer werden kann, ist dies nicht plausibel.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation, das Phänomen Hooliganismus über soziologische Standarderklärungen hinaus durch eine Analyse des tatsächlichen Gewaltablaufs zu erforschen.

Die Arbeit von Eric Dunning: Dieses Kapitel analysiert Dunnings Anwendung der Zivilisationstheorie auf das Fußballphänomen und seine daraus abgeleiteten Erklärungsmodelle für Hooligangewalt.

Ein neuer Ansatzpunkt in der Hooliganforschung: Der Autor plädiert für einen Methodenwechsel weg von rein deduktiven Ursachenanalysen hin zu einer "Dichten Beschreibung" der konkreten Gewalthandlung.

Vergleich der untersuchten Gewaltform: Historische Beispiele, von antiken Wagenrennen bis zu frühneuzeitlichen Burschenschaften, werden herangezogen, um den Gewalttypus des Hooliganismus einzuordnen.

Fazit: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Hooliganismus keinem einfachen Zivilisationsprozess folgt und dass Gewalt in Gruppen als konstantes historisches Phänomen betrachtet werden muss.

Schlüsselwörter

Hooliganismus, Gewaltforschung, Zivilisationstheorie, Eric Dunning, Dichte Beschreibung, Fußballgewalt, Männlichkeit, Fan-Kultur, Soziogenese, Psychogenese, Kampf, Jugendgruppen, Geschichte, Gewaltpraxis, Interdependenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Hooliganismus als Gewaltphänomen unter besonderer Berücksichtigung des tatsächlichen Ablaufs von Auseinandersetzungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kritik an soziologischen Erklärungsmodellen, die Erforschung der Gewaltpraxis und der historische Vergleich mit früheren Formen kollektiver Gewalt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu prüfen, ob die Zivilisationstheorie nach Elias und Dunning zur Erklärung des Hooliganismus taugt, indem eine "Dichte Beschreibung" des Gewaltgeschehens angewandt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine induktive Vorgehensweise, gestützt auf die Methode der "Dichten Beschreibung" nach Clifford Geertz, sowie historische Vergleiche.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das theoretische Konstrukt von Eric Dunning, kritisiert dessen Schwächen und untersucht gewalttätige Auseinandersetzungen in der Antike und der Frühen Neuzeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Hooliganismus, Zivilisationstheorie, Gewaltpraxis, Männlichkeit und historische Kontinuität.

Warum wird die Quelle von Jochen Schramm genutzt?

Da eine teilnehmende Beobachtung bei heutigen Hooligans kaum möglich ist, liefert Schramms zeitnaher, authentischer Bericht eine seltene empirische Basis für eine "Dichte Beschreibung".

Wie unterscheidet sich die Gewalt von Hooligans von den historischen Beispielen?

Obwohl der Kampfmodus (zwei Gruppen ohne Waffen) historisch ähnlich ist, ist der heutige Hooliganismus in eine spezifische subkulturelle, durch Massenmedien geprägte Struktur eingebettet.

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Details

Title
Hooliganismus und der Prozess der Zivilisation
College
Humboldt-University of Berlin  (Philosophische Fakultät)
Grade
1,3
Author
David Holzheimer (Author)
Publication Year
2007
Pages
93
Catalog Number
V86756
ISBN (eBook)
9783638003940
ISBN (Book)
9783638911689
Language
German
Tags
Hooliganismus Prozess Zivilisation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Holzheimer (Author), 2007, Hooliganismus und der Prozess der Zivilisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86756
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