Hamas als politische Organisation


Seminararbeit, 2007

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund der Hamas
2.1 Die Wurzeln der Hamas
2.2 Gründung der Hamas
2.3 Ideologie und Ziele
2.3.1 Ziele
2.4 Die Organisationsstruktur der Hamas

3. Die Flügel der Hamas
3.1 Wohlfahrtswesen (Da’wa)
3.2 Militärische Aktivitäten
3.3 Politische Aktivitäten

4. Auswertung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen:

1. Einleitung

In der westlichen Welt ist die radikal-islamische Widerstandsbewegung Hamas, deren Ziel die Errichtung eines palästinensischen Staates auf israelischem Gebiet ist, vor allem durch ihre zahlreichen Selbstmordanschläge gegen Israelis bekannt geworden. Viele sehen die Hamas deshalb als eine Gruppe an, die ihre Ziele mit Terror und Gewalt durchzusetzen versucht. Diese Perspektive ist jedoch nicht richtig: Denn auch politisches Engagement und soziale Aktivitäten zeichnen diese Bewegung aus.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll nun dargestellt werden, wie die Organisation aufgebaut ist und mit welchen Mitteln sie ihre Ziele zu verwirklichen versucht.

Die Analyse basiert auf der inhaltlichen Auswertung von Sekundärliteratur. Dabei muss erwähnt werden, dass die Autoren, auf die ich zurückgreifen konnte, ihre Erkenntnisse und ihr Wissen über die Hamas nur bedingt aus Originaldokumenten dieser Bewegung ziehen konnten. Es gibt nicht viele öffentlich zugängliche Quellen (zu nennen sind u. a. die Flugblätter, die Charta von 1988 oder das Wahlprogramm aus dem Jahr 2005), da die Hamas, wie viele Organisationen mit terroristischem Hintergrund, kein Interesse daran hat, zu viele Informationen über ihre Aktivitäten oder ihre Strukturen preiszugeben. So haben die Autoren, die sich mit Hamas beschäftigt haben, v. a. auf Analysen von israelischen und amerikanischen Geheimdiensten oder anderen Institutionen dieser Länder (CIA, FBI, Israel Security Agency (ISA)), auf persönliche Interviews mit Hamas-Mitgliedern oder auf Mediendokumente zurückgreifen müssen (vgl. u. a. LEVITT 2006: 7).

Um die Hamas hinsichtlich ihrer Motive und ihres Charakters darzustellen, werden zunächst die Entstehungsgeschichte der Organisation, ihre Ideologie, ihre Ziele und ihre Organisationsstruktur skizziert.

Im zweiten Teil der Arbeit wird es darum gehen, die drei Flügel der Hamas, den politischen, den militärischen und den sozialen, zu untersuchen. Diese werden als die Instrumente der Hamas angesehen, mit denen sie ihre Ziele zu erreichen versucht. Daran anschließend soll versucht werden, einen Zusammenhang zwischen diesen verschiedenen Zweigen der Hamas und ihren Zielen herzustellen.

2. Hintergrund der Hamas

2.1 Die Wurzeln der Hamas

Die Wurzeln der Hamas sind in der Muslimischen Bruderschaft zu finden, die bereits 1928 in Ägypten gegründet worden ist und in den 1930er Jahren ihre Aktivitäten in die palästinensischen Gebiete ausweitete (CROITORU 2007: 22). 1967 ist die ihre erste eigene Gemeinde in Gaza, im Westjordanland und in Jordanien („Gemeinde der Muslimbrüder in Jordanien und Palästina“) errichtet worden (BAUMGARTEN 2006: 31).

Die von Hassan al-Banna gegründete Bruderschaft hat vorrangig eine „islamische Umerziehung der Gesellschaft und die Stärkung der Solidarität unter Muslimen“ (CROITORU 2007: 13) zum Ziel. Ihre Weltanschauung richtet sich gegen den Säkularismus und die Moderne, die ihrer Ansicht nach aus dem Westen importiert worden seien (BAUMGARTEN 2006: 10). Um ihre Interessen umzusetzen, haben sie ein übergreifendes Sozialsystem aufgebaut, das Krankenhäuser, Erziehungszentren, Schulen etc. umfasste. Diese Institutionen ermöglichen ihnen die Einflussnahme v. a. auf die jüngere Generation (MISHAL & SELA 2000: 23).

Auch Scheich Ahmad Yassin, der spätere Hamas-Führer, hat sich bereits in jungen Jahren der Bruderschaft angeschlossen. 1976 hat er als Führer der Muslimbrüder im Gaza-Streifen das „Islamische Zentrum“ (al-mudschammaa al-islami) etabliert, das 1978 offiziell von der israelischen Besatzung anerkannt worden ist. Mit der Zeit ist das Zentrum zu einer Art Hauptquartier für die gesamte Arbeit der Muslimbrüder (BAUMGARTEN 2006: 33) geworden. Es umfasste zunächst eine Moschee, eine Poliklinik, einen Jugendsportclub, einen Kindergarten, eine Festhalle für muslimische Feierlichkeiten“ etc. (ebd.). Nach und nach wurden von hier aus immer mehr Moscheen und andere Institutionen der Bruderschaft kontrolliert und koordiniert (ebd.).

Im Gegensatz zu anderen palästinensischen bzw. islamischen Organisationen (z. B. der PLO) ist die Muslimische Bruderschaft von der israelischen Besatzung von Anfang an akzeptiert und unterstützt worden, da sie Konfrontationen mit den Besatzern vermied und sich um die palästinensischen Flüchtlinge kümmerte (LEGRAIN 1997: 163).

2.2 Gründung der Hamas

Im Dezember 1987 hat sich durch einen Verkehrsunfall, der von einem Israeli verursacht worden ist und durch den mehrere palästinensische Arbeiter ums Leben gekommen sind, der angestaute Hass der Palästinenser gegenüber den israelischen Besatzern in „explosionsartigen Unruhen“ entladen (vgl. HOFFMANN 2006: 231).

Der als „erste Intifada“ (1987–1993) bekannt gewordene Aufstand gegen die Besatzung Israels ist als eine Zäsur in der Geschichte der palästinensischen Muslimbruderschaft zu sehen. Bereits mit der Abspaltung fanatischer Mitglieder und der Gründung des „Islamischen Dschihad“ 1981, einer radikalen Gruppe, die ab 1984 militärisch gegen die Besatzung agierte (vgl. BAUMGARTEN 2006: 35, 45; JOHANNSEN 2004: 198), sahen sich die Muslimischen Brüder der Gefahr ausgesetzt, dass sie „durch die aktivistischen Dschihad-Kämpfer mit ihrer enormen Anziehungskraft v. a. auf die Jugend in Gaza zusehends marginalisiert würden“ (BAUMGARTEN 2006: 48). Dieser Druck auf die Bruderschaft hat sich mit dem Ausbruch der Intifada verstärkt, so dass sich die Führungsspitze, u. a. Scheich Yassin, am 09.12.1987[1] dazu entschied, „ihre in den achtziger Jahren im Rahmen der Aktivitäten des Islamischen Zentrums entwickelten politischen Überzeugungen in die Praxis umzusetzen“ (ebd.: 38) und eine neue Organisation zu gründen. Zu dieser Neugründung hat man sich entschlossen, da die neue Bewegung einen aktiven Widerstand gegen die israelische Besatzung anstrebte. Dies bedeutete einen tief greifenden Kurswechsel der bisherigen Arbeit der Muslimbruderschaft (vgl. NÜSSE 1998: 3 und BAUMGARTEN 2006: 35). Mit dem neuen Konzept und dem neuen Namen sollte der Muslimbruderschaft eine Türe offen gehalten werden, damit sie, falls die neue Organisation scheitern würde, weiter in den Palästinensergebieten agieren konnte.

Erstmals in Erscheinung ist die Organisation am 14. Dezember mit einem Flugblatt, das noch mit dem Namen „Bewegung des Islamischen Widerstandes“ unterzeichnet ist. In diesem wird die antisemitische Ideologie und der palästinensische Nationalismus propagiert (MISHAL & SELA 2000: 36). Diese werden von der Hamas in ihren späteren Flugblättern und in ihrer Propaganda immer wieder aufgenommen (vgl. Kapitel 2.2). Der Name „Hamas“ ist erstmals Mitte Februar 1988 auf dem 5. Flugblatt zu sehen. Es handelt sich um ein Akronym (steht als Abkürzung für harakat al-Muqawama al-islamiyya) und bedeutet auf Arabisch „Eifer“ (BEAUPAIN 2005: 83).

Am 18. August 1988 veröffentlichte die Hamas ihre Gründungscharta, die die politischen Ziele und die Ideologie der Hamas umfasst. In dieser bezeichnet sie sich selbst als „Flügel der Muslimbruderschaft“ (Hamas Covenant, Art. 2).

Am Anfang der Intifada beschränkt sich die Aktivität der Hamas hauptsächlich auf das Verteilen von Flugblättern mit propagandistischem Inhalt (BEAUPAIN 2005: 89). Während die militärischen Aktivitäten sich im ersten Jahr der Intifada noch in Grenzen hielten (nach MISHAL und SELA hat es zehn Anschläge gegeben), weiten sie sich im zweiten Jahr aus: Insgesamt 32 militärische Operationen können der Hamas zugeordnet werden (vgl. 2000: 57).

2.3 Ideologie und Ziele

2.3.1 Ziele

Das primäre Ziel der Hamas ist die Befreiung Palästinas von der israelischen Besatzung und die Errichtung eines palästinensischen Staates auf dem Gebiet Israels. Dabei ist die maximale, historische Lösung die Herstellung des Status quo ante, also ein Palästina in den Grenzen vor dem Jahr 1948 (LEVITT 2006: 8). Seit den neunziger Jahren diskutiert die Hamas eine weitere Lösungsmöglichkeit, die so genannte „Interimslösung“ (BAUMGARTEN 2006: 102). Hier zeigt die Hamas gegenüber Israel die Bereitschaft zur Konfliktlösung, indem sie ihre Forderung insofern reduziert, dass sie nun einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 beansprucht.

Eine Zweistaatenlösung, wie sie von der PLO anerkannt würde, lehnt die Hamas ebenso ab wie direkte Verhandlungen mit den israelischen Besatzern, da dies nach ihrer Interpretation eine Kapitulation bedeuten würde (ebd.: 70). Auch eine Anerkennung Israels wird von der Hamas ausgeschlossen.

Ein weiteres Ziel der Hamas ist die Re-Islamisierung der palästinensischen Gesellschaft (MISHAL & SELA 2000: vii). In ihrem Wahlprogramm von 2005/2006 propagieren sie deshalb eine völlige Abkehr vom Westen und die Hinwendung zu den radikalen Kräften der islamischen Staaten wie beispielsweise dem Iran (CROITORU 2007: 10).

2.3.2 Ideologie

Die Ideologie der Hamas ist islamistisch geprägt, was bedeutet, dass sie politische Forderungen mit religiös motivierten Argumenten untermauert (BEAUPAIN 2005: 73).

Wie bereits geschildert, hat die Hamas die Zerstörung Israels und die Errichtung eines palästinensischen Staates zum Ziel. Um Palästina von der israelischen Besatzung zu befreien, sehen die Islamisten keinen anderen Weg als den Dschihad, den Kampf gegen Israel (ebd.: 77). Denn Israel würde nur die Sprache der Gewalt kennen und weder an Verhandlungen noch an Frieden glauben (Flugblatt 28 in: MISHAL & SELA 2000: 52).

Dschihad hat im Arabischen mehrere Bedeutungen. Im Zusammenhang mit dem palästinensischen Kampf gegen Israel bedeutet Dschihad „Kampf mit der Bereitschaft, in diesem Kampf zu sterben und ein Märtyrer zu werden“ (BAUMGARTEN 2006: 13).

Die Befreiung Palästinas von den israelischen Besatzern sieht die Hamas als Pflicht jedes Muslim an: „The day that enemies usurp part of Moslem land, jihad becomes the individual duty of every Moslem“ (Hamas Covenant, Art. 15).

Auch den Nationalismusgedanken, der im Islam eigentlich unbekannt ist, hat die Hamas zu einer wichtigen Grundlage ihrer Ideologie gemacht (NÜSSE 2006): „Nationalism (...) is part of the religious creed. Nothing in nationalism is more significant or deeper than in the case when an enemy should tread Moslem land. Resisting and quelling the enemy become the individual duty of every Moslem ...“ (Hamas Covenant, Art. 12). So ist Nationalist im Sinne der Hamas, „wer dazu beiträgt, dass das „Heilige Land“ Palästina von den „Feinden des Islam“ befreit wird“ (BEAUPAIN 2005: 98).

Ihre Ideologie ist zudem antijüdisch. Koran- und Hadithtextstellen sollen ihre Propaganda gegen die Juden unterstützen (ebd.: 97).

[...]


[1] Dieser Tag wird von der Hamas als offizieller Gründungstag verstanden.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Hamas als politische Organisation
Hochschule
FernUniversität Hagen  (LG Internationale Politik und Systemvergleich)
Veranstaltung
Modul 3.3
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V86772
ISBN (eBook)
9783638021784
ISBN (Buch)
9783640137435
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hamas, Organisation, Modul, FernUni, FernUniversität
Arbeit zitieren
Denise Fritsch (Autor), 2007, Hamas als politische Organisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86772

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