Möglichkeiten und Probleme bei der Früherkennung von ADHS


Seminararbeit, 2007
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Probleme bei der Früherkennung von ADHS

3. ADHS im Kleinkindalter
3.1 Auffälligkeiten von ADHS-Kindern im Kindergarten
3.2 Entwicklungsdiagnostik und Schulfähigkeit
3.3 Maßnahmen im Kindergarten
3.4 Kooperationen zwischen Kindergarten und Eltern

4. Prävention durch Früherkennung

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Diagnose von ADHS wird im ICD-10[1] erst ab einem Alter von sieben Jahren für zuverlässig gehalten, im DSM-IV[2] ab einem Alter von sechs Jahren, da auch normal entwickelte Klein- und Vorschulkinder sehr aktiv, impulsiv und unaufmerksam sein können.

Ein möglichst frühes Erkennen der Symptome würde eine frühzeitige Intervention ermöglichen und den Leidensdruck für die Eltern und das betroffenen Kind reduzieren.

Daher stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten es für eine Früherkennung von ADHS gibt und welche Probleme damit verbunden sind.

2. Probleme bei der Früherkennung von ADHS

Eine Diagnose von ADHS bei Kindern unter fünf Jahren ist deshalb schwierig, weil das Verhalten von Kleinkindern variabler ist als das von älteren Kindern , d.h. Verhaltensweisen, die im Rahmen einer ADHS-Diagnostik als Symptome für eine ADHS gelten, sind bei Kleinkindern völlig normal, z.B. ein ausgesprochener Bewegungsdrang, nicht abwarten können, leicht ablenkbar sein, Begonnenes nicht zu beenden etc.

Besondere Schwierigkeiten treten bei der Diagnostik des Symptoms Unaufmerksamkeit auf, da Kleinkinder kaum gefordert sind, ihre Aufmerksamkeit für eine längere Zeit auf eine Aufgabe zu fokussieren.[3]

Da sich viele der Symptombeschreibungen im ICD-10 und DSM-IV ausdrücklich auf das Schulalter und den schulischen Kontext beziehen, erschwert dies die Diagnose von ADHS im Kleinkindalter, weil diese beiden Klassifikationssysteme die Grundlage einer professionellen Diagnostik bilden.

Aber dennoch gibt es Kleinkinder, bei denen Eltern und Erzieher ein ‚schwieriges’ Verhalten feststellen und bei denen dann diagnostisch abgeklärt werden muss, ob es sich um ADHS oder um ein vorübergehendes Anpassungsproblem, um persönliche Verhaltensmuster in einer speziellen Umgebung oder einfach um das Temperament des Kindes handelt. Dies zeigt sich daran, dass es sich bei ca. 2/3 der Verdachtsdiagnosen nicht um ADHS handelt.[4]

Ein weiteres Problem bei der ADHS-Diagnostik besteht darin, dass diese Störung mit vielen anderen Begleitstörungen verbunden ist, z.B. Aggressivität, motorische Schwierigkeiten, mangelnde soziale Fähigkeiten, Risikobereitschaft, Lern- und Gedächtnisprobleme etc.

Des Weiteren gibt es viele andere Störungsbilder, die als Symptome ebenfalls Impulsivität, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität haben, z.B. geistige Behinderung, Depression, Angststörungen, Hör- und Sehprobleme etc. So dass vor der endgültigen Diagnosestellung ADHS zunächst eine Differentialdiagnostik durchgeführt werden muss und andere körperliche und psychische / psychiatrische Krankheiten ausgeschlossen werden müssen

Das Ziel einer vorschulischen ADHS-Diagnostik sollte es daher sein, die Fälle herauszufinden, in denen tatsächlich eine ADHS vorliegt.

3. ADHS im Kleinkindalter

Es gibt verschiedene Merkmale, die auf das Vorliegen einer ADHS bereits im Kleinkindalter hindeuten. Nachfolgend werden einige von ihnen dargestellt.[5]

Im ersten Lebensjahr können als Merkmale eines Vorliegens einer ADHS u.a. auftreten:

- Das Kind scheint über unerschöpfliche Energien zu verfügen.
- Es beruhigt sich im Wachzustand schwer.
- ‚Kolik- / Schreibabys’
- Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen, Gerüchen, Geräuschen und Kleidung
- heikle Esser
- Das Kind schläft oft kurz und unruhig.
- früher Beginn des Krabbelns
- in Interaktionen sehr aktiv und kommunikativ
- lassen sich manchmal schwer halten und liebkosen

Merkmale im zweiten Lebensjahr sind u.a.:

- Das Kind ist dauernd in Bewegung.
- Es ist außergewöhnlich neugierig.
- Es ist jederzeit zu überraschenden, auch haarsträubenden Aktionen fähig.
- werden als extrem anstrengend beschrieben
- sind furchtlos und besonders wagemutig, wodurch ein erhöhtes Unfallrisiko gegeben ist
- reagieren schwer auf Signale

Im dritten Lebensjahr können u.a. folgende Merkmale erkennbar sein:

- Lust an heftigen Bewegungen
- manchmal heftige Wutanfälle bis zu Affektkrämpfen
- affektlabil und ausgeprägte Trotzphasen
- motorisch eher ungestüm und ungeschickt
- Zerstörung von Spielsachen
- hohe Ablenkbarkeit
- Verwandelt in kurzer Zeit einen geordneten Raum in Chaos.

3.1 Auffälligkeiten von ADHS-Kindern im Kindergarten

Im Kindergarten kommt das Kleinkind häufig zum ersten Mal mit Bezugspersonen außerhalb der Familie in Kontakt und es hält sich meist auch erstmals in einer Gruppe auf.

Durch die vielen neuen und ablenkenden Reize, die auf das Kind einströmen, können die Auffälligkeiten des Kindes viel stärker und ausgeprägter sein als innerhalb der Familie.

Kinder mit einer ADHS können in zwei Haupterscheinungstypen unterschieden werden.[6] Einerseits in den Hypertonen Typ und andererseits in den Hypotonen Typ.

Je nach Erscheinungstyp können bei Kleinkindern im Kindergarten unterschiedliche Verhaltensweisen bzw. Symptome beobachtet werden.

Kinder mit einer ADHS, die dem Hypertonen Typ entsprechen fallen dadurch auf, dass sie ständig angespannt sind, einen erhöhten Muskeltonus haben und ihre Bewegungen meist ruckartig und eilig ausführen. Aufforderungen werden von diesen Kindern häufig ungenau ausgeführt.

[...]


[1] Die ICD-10 ist ein internationales Klassifikationssystem psychischer Störungen, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO 1991 herausgegeben wurde.

[2] Das DSM-IV ist das ‚Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fourth Edition’, herausgegeben von der American Psychiatric Association, 1994.

[3] Vgl. Brandau, Pretis & Kaschnitz: ADHS bei Klein- und Vorschulkindern, 2003, S. 12.S. 12.

[4] Vgl. Brandau, Pretis & Kaschnitz: ADHS bei Klein- und Vorschulkindern, 2003, S. 14.

[5] Ebd. S. 57f.

[6] Vgl. BV-AH e.V. (Hrsg.): Von Anfang an anders! Früherkennung der ADHS was tun?, 2003, S. 23 ff.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Probleme bei der Früherkennung von ADHS
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
ADHS – Erscheinungsbild, Diagnostik und Intervention
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V86805
ISBN (eBook)
9783638021913
ISBN (Buch)
9783638925372
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Probleme, Früherkennung, ADHS, Erscheinungsbild, Diagnostik, Intervention
Arbeit zitieren
Anja Schlepütz (Autor), 2007, Möglichkeiten und Probleme bei der Früherkennung von ADHS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86805

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