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Friedrich II. von Preußen – Ein König, verschiedene Sichtweisen. Von der Notwendigkeit des multiperspektivischen Geschichtsunterrichtes

Title: Friedrich II. von Preußen – Ein König, verschiedene Sichtweisen.   Von der Notwendigkeit des multiperspektivischen Geschichtsunterrichtes

Research Paper (undergraduate) , 2007 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andy Schalm (Author)

Didactics - History
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Friedrich II. von Preußen, im Volksmund der „Alte Fritz“ genannt, erhielt den Beinamen „der Große“ nach seiner Rückkehr aus dem ersten Schlesischen Krieg. Am Ende seines Lebens war dieser Namenszusatz bereits fast allgemein üblich , doch seitdem ist sein öffentliches Bild wie das von nur wenigen historischen Figuren im Laufe der Jahrhunderte starken Wandlungen unterworfen gewesen.
Schon zu seinen Lebzeiten war Friedrich II. der Gegenstand zahlreicher Erzählungen und Anekdoten des Volkmundes, die ihn mehrheitlich glorifizierten. Nach seinem Ableben im Jahre 1786 jedoch scheint das Bild dieser historischen Gestalt bei der Nachwelt einem steten Wandel zu unterliegen. Die Darstellung seiner Person reicht vom „Mehrer des Reiches“, „Zerstörer des Reiches“ bis zum scheinbar diametral entgegen gesetzten „Gründer des Reiches“. Je nachdem wie die zeitgenössische politische Ausrichtung aussah, passte sich die Sicht auf den Preußenkönig entsprechend an, so dass er in den vergangenen zwei Jahrhunderten nicht nur eine historische Gestalt, sondern auch zu einem Politikum wurde. Der Historiker Walter Bußmann bemerkte diesbezüglich treffend: „Wer es unternimmt, eine Geschichte des Friedrich-Bildes zu schreiben, leistet einen Beitrag zur Geschichte des politischen Bewusstseins.“ Es scheint, als könnte der aufmerksame Beobachter aus der Friedrich-Rezeption Rückschlüsse auf Ideologien, Ideale, politische Ausrichtungen der konkreten Rezeptionszeit ziehen - oder mit den Begriffen der Geschichtsdidaktik: auf Standorte bzw. Perspektiven. Es soll das Ziel dieser Arbeit sein, zu zeigen, wie sehr Bilder von Friedrich II. zu unterschiedlichen Zeiten differieren und welche Schlussfolgerungen sich aus diesen Deutungen für das jeweils zeitgenössische Politikverständnis ergeben. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Standortverhaftetheit historischer Ereignisse

2. Multiperspektivität – Kontroversität – Pluralität

3. Das historische Bild Friedrichs II. von Preußen aus unterschiedlichen Perspektiven

3.1 Friedrich der Große im Urteil seiner unmittelbaren Nachwelt

3.1.1 Die absolutistische Herrschaft

3.1.2 Der „Reichsverderber“

3.2 Friedrich der Große in der NS-Zeit

3.2.1 Der Wandel der Ansichten und Ideologien

3.2.2 Instrumentalisierung des „Alten Fritz“ im nationalsozialistischen Deutschland

3.3 Friedrich der Große nach 1945

3.3.1 In der DDR

3.3.2 In der BRD

4. Ein Fazit: Multiperspektivität im Geschichtsunterricht

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der wandelnden Rezeption von Friedrich II. von Preußen die Notwendigkeit und Anwendung des Prinzips der Multiperspektivität im modernen Geschichtsunterricht. Dabei wird analysiert, wie politische Standorte und zeitgenössische Ideologien die Wahrnehmung historischer Figuren prägen und warum die kritische Auseinandersetzung mit diesen unterschiedlichen Deutungen zentral für den historischen Erkenntnisprozess ist.

  • Standortgebundenheit historischer Wahrnehmung
  • Multiperspektivität, Kontroversität und Pluralität als geschichtsdidaktische Prinzipien
  • Wandel des Friedrich-II.-Bildes von der Nachwelt bis zur Gegenwart
  • Instrumentalisierung historischer Figuren in der NS-Propaganda
  • Förderung sozialer Kompetenz durch multiperspektivisches historisches Lernen

Auszug aus dem Buch

3.2.2 Instrumentalisierung des „Alten Fritz“ im nationalsozialistischen Deutschland

1932 erklärte der damalige SA-Führer Wolf Heinrich Graf von Helldorf Friedrich II. bei einer Veranstaltung zum „ersten Nationalsozialisten“. Nicht ohne Grund, denn der Preußenkönig, der die Ideologie des Präventivschlages, des „Not kennt kein Gebot“, in die Geschichte einbrachte, diente den Nationalsozialisten, insbesondere Adolf Hitler, der ihn seit den zwanziger Jahren bei seinen Auftritten wiederholt als einen von dreien „wahrhaft großen deutschen Männern“ bezeichnete, als starke Identifikationsfigur. Das deutsche Volk und die Wehrmacht musste begeistert werden, sollte ein Vorbild haben, an dem es sich orientieren konnte, an dem die eigenen Erfolge messbar sein konnten. Wer lag da näher, als Friedrich der Große, jener König von Preußen, der der hohen Politik „die unheilvolle Tradition vom Vorteil der Angriffskriege“ hinterließ, dementsprechend Schlesien mit einem Präventivschlag gewinnen und später auch verteidigen konnte (wenn auch unter teils schweren Verlusten), „der das ganze Land als Feldlager benutzte“ und seinen Landsleuten im Sinne einer Großmachtspolitik große Opfer abverlangte.

Hitler behauptete, dass Friedrich „sieben Jahre lang …die unerhörten Ausgaben für seine Armeen zu decken“ wusste, „ohne sein Volk mit einem Pfennig Schulden zu beladen.“ In „Mein Kampf“ bezeichnet ihn Hitler als „Marathonläufer der Geschichte“, dessen „Leben und Wirken wird in rührend dankbarer Bewunderung verfolgt und vermag besonders in trüben Tagen gebrochene Herzen und verzweifelnde Seelen wieder zu erheben.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung stellt Friedrich II. als wandelbare historische Figur vor und führt in die zentrale Forschungsfrage ein, wie unterschiedliche Friedrich-Bilder Rückschlüsse auf zeitgenössische Ideologien und politische Standorte erlauben.

1. Die Standortverhaftetheit historischer Ereignisse: Das Kapitel erläutert, dass Geschichte stets eine geistige Konstruktion ist, die vom Standort und der Perspektive des Historikers abhängt, und betont die Notwendigkeit, zwischen der geschehenen Geschichte und ihrer Darstellung zu unterscheiden.

2. Multiperspektivität – Kontroversität – Pluralität: Hier werden die didaktischen Prinzipien für den Unterricht definiert, die besagen, dass historische Sachverhalte aus mehreren Perspektiven betrachtet werden müssen, um eine kritische Urteilsbildung zu ermöglichen.

3. Das historische Bild Friedrichs II. von Preußen aus unterschiedlichen Perspektiven: Dieser Hauptteil analysiert konkret die unterschiedlichen Deutungen von Friedrich II. in der direkten Nachwelt, während der NS-Zeit, in der DDR und der BRD.

4. Ein Fazit: Multiperspektivität im Geschichtsunterricht: Das Fazit führt die theoretischen Überlegungen mit den historischen Beispielen zusammen und unterstreicht den hohen Wert der Multiperspektivität für die Entwicklung sozialer Kompetenz und einer kritischen Orientierungsfähigkeit der Lernenden.

Schlüsselwörter

Friedrich II., Alter Fritz, Geschichtsdidaktik, Multiperspektivität, Standortverhaftetheit, NS-Propaganda, Historische Deutung, Preußen, Instrumentalisierung, Geschichtsbild, historisches Lernen, Kontroversität, Pluralität, Sozialkompetenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die geschichtsdidaktische Bedeutung von Multiperspektivität am Beispiel des wandelnden historischen Bildes von Friedrich II. von Preußen über verschiedene Epochen hinweg.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Standortabhängigkeit historischer Erkenntnis, die Instrumentalisierung historischer Figuren für politische Ideologien sowie die Förderung kritischer Urteilsbildung im Geschichtsunterricht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie sehr Deutungen historischer Figuren von zeitgenössischen Ideologien geprägt sind und welche Bedeutung dies für den Erwerb von Sozial- und Handlungskompetenz im modernen Unterricht hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-didaktische Analyse, bei der verschiedene Rezeptionsstufen der Figur Friedrichs II. vergleichend gegenübergestellt und mit geschichtstheoretischen Grundsätzen reflektiert werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die unterschiedliche Darstellung von Friedrich II.: Von der kritischen Nachwelt und dem Wandel im 19. Jahrhundert über die ideologische Vereinnahmung im Nationalsozialismus bis hin zur differenzierten Betrachtung in der DDR und BRD.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Multiperspektivität, Standortverhaftetheit, Instrumentalisierung, Friedrich II., NS-Propaganda und historische Urteilsbildung.

Wie wurde Friedrich II. von den Nationalsozialisten instrumentalisiert?

Die Nationalsozialisten stilisierten ihn als "ersten Nationalsozialisten" und starkes Identifikationsvorbild für den "Führer", wobei insbesondere sein vermeintlicher Erfolg in Angriffskriegen und seine Standhaftigkeit im Siebenjährigen Krieg propagandistisch genutzt wurden.

Wie hat sich das Bild Friedrichs II. in der DDR und BRD unterschieden?

Während in der DDR das Bild aufgrund des marxistischen Geschichtsverständnisses zunächst negativ war und sich erst ab den 1970er Jahren allmählich und ambivalenter rehabilitierte, war die Rezeption in der BRD stärker von der Aufarbeitung des NS-Erbes und einer kritischen Hinterfragung der preußischen Tradition geprägt.

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Details

Title
Friedrich II. von Preußen – Ein König, verschiedene Sichtweisen. Von der Notwendigkeit des multiperspektivischen Geschichtsunterrichtes
College
University of Rostock  (Historisches Institut)
Course
Geschichtsdidaktik im Spezialkurs
Grade
1,0
Author
Andy Schalm (Author)
Publication Year
2007
Pages
30
Catalog Number
V86847
ISBN (eBook)
9783638022002
ISBN (Book)
9783638925167
Language
German
Tags
Friedrich Preußen König Sichtweisen Notwendigkeit Geschichtsunterrichtes Geschichtsdidaktik Spezialkurs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andy Schalm (Author), 2007, Friedrich II. von Preußen – Ein König, verschiedene Sichtweisen. Von der Notwendigkeit des multiperspektivischen Geschichtsunterrichtes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86847
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