Diese Hauptseminarsarbeit beschäftigt sich mit den kommunikativen Prinzipien der Zeitungsoptimierung und ist demnach auch als Kritik an der Zeitungslandschaft zu sehen. Natürlich handelt es sich bei Zeitungen auch um Kommunikationsmedien.
Die Analyse aller Elemente einer Zeitung ist zu umfangreich und würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Aus diesem Grund will ich mich in dieser Hausarbeit auf die Analyse von Schlagzeilen konzentrieren, denen ja eine besondere kommunikative Funktion zukommt. Der Kritik an Zeitungstexten selbst wende ich mich nur kurz zu. Die Analyse geschieht mit verschiedenen Instrumenten, dazu gehören das Kommunikationsmodell von Shannon und Weaver, die Lasswell-Formel und als wesentlicher Bestandteil die Theorien des Logikers Paul Grice, denn diese geben die Richtlinien für erfolgreiche Kommunikation vor, und sie konstituieren sich aus den vier Konversationsmaximen, Implikatur und Kooperationsprinzip. Dieses wird aus verschiedenen Gründen getan: Wir gelangen mit Hilfe dieser Instrumente hinter den Zweck und die Funktion von Schlagzeilen. Wir können Kritik an Zeitungen üben und Vorschläge für eine Optimierung machen. Zur Funktion von Schlagzeilen gehört in erster Linie ihr kommunikativer Zweck, denn Kommunikation findet immer statt, wenn die Zeitungen beim Endverbraucher landen und auch aufgeschlagen werden.
Es handelt sich dabei um Massenkommunikation. Der kommunikative Zweck ausgewählter Schlagzeilen, die im Anhang dieser Arbeit beigefügt sind, wird mit Hilfe der Grice'schen Theorie analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Haupteil
2.1. Das Kommunikationsmodell von Shannon und Weaver
2.2. Die Lasswell-Formel
2.3. Paul Grice' Theorien
2.3.1. Implikatur
2.3.2. Das Kooperationsprinzip
2.3.3. Die Konversationsmaxime
2.4. Die Anwendung der Maxime auf Zeitungsschlagzeilen
2.5. Kritik an Zeitungstexten
3. Schluss
Zielsetzung und Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Analyse kommunikativer Prinzipien bei der Zeitungsoptimierung, wobei der Fokus gezielt auf die Funktion von Schlagzeilen gelegt wird. Unter Anwendung linguistischer und kommunikationstheoretischer Modelle soll untersucht werden, inwiefern Nachrichtentexte und Schlagzeilen den Regeln erfolgreicher Kommunikation folgen oder diese gezielt verletzen, um bestimmte Wirkungen bei den Lesern zu erzielen.
- Anwendung kommunikationswissenschaftlicher Modelle (Shannon/Weaver, Lasswell)
- Einsatz der Theorien von Paul Grice (Implikatur, Kooperationsprinzip, Konversationsmaxime)
- Analyse der sprachlichen Gestaltung von Zeitungsschlagzeilen
- Kritische Untersuchung des Einflusses von Boulevardisierung und politischer PR
- Differenzierung zwischen Qualitätspresse und Regenbogenpresse
Auszug aus dem Buch
2.4. Die Anwendung der Maxime auf Zeitungsschlagzeilen
Im Folgenden wollen wir uns einmal näher ansehen, wie unterschiedliche Zeitungen mit ein und demselben medienwirksamen Ereignis umgehen. Als Beispiel dient ein politisches Ereignis vom 31.10.2000, als der französische Staatschef Chirac den russischen Präsidenten Putin zu einem Gipfel in Paris empfing. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb „Putin will West-Europa mit Energie versorgen". Es gibt noch eine unterstrichene Dachzeile: „Gipfeltreffen in Paris“ und eine Unterschlagzeile „Russischer Staatschef und EU-Ratspräsident Jacques Chirac kündigen Partnerschaft für Gas, Öl und Strom an“ (siehe Anhang, Punkt 1.).
Das sind insgesamt drei Schlagzeilen für einen Artikel. Die „Berliner Zeitung“ schrieb „Russland will Europa mehr Öl und Gas liefern“ (2.) in der Hauptschlagzeile und in der Unterschlagzeile „Präsident Putin in Paris“. Hier bleibt offen, mit wem sich Putin treffen wird. Es taucht hier die Frage auf, welche der journalistischen W-Fragen (Wer? Wie? Wann? Was? Wo? Warum?) in einem begrenzten Raum wie eine einzelne Schlagzeile passen, das "Wer ?" und das "Was?" sind wohl obligatorisch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung der Arbeit ein, die kommunikativen Funktionen von Schlagzeilen mithilfe linguistischer Instrumente zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
2. Haupteil: Dieser Abschnitt vermittelt theoretische Grundlagen wie die Kommunikationsmodelle von Shannon und Weaver sowie die Lasswell-Formel und detailliert die Grice'schen Konversationsmaxime, um diese anschließend auf Zeitungsschlagzeilen und journalistische Textarbeit anzuwenden.
3. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer differenzierten Medienkritik sowie die Unterscheidung zwischen seriösem Journalismus und der Boulevardisierung durch den bewussten Bruch kommunikativer Maximen.
Schlüsselwörter
Zeitungsoptimierung, Schlagzeilenanalyse, Kommunikationsmodelle, Paul Grice, Implikatur, Kooperationsprinzip, Konversationsmaxime, Boulevardpresse, Qualitätspresse, Massenkommunikation, Journalismus, Sprachlogik, Presse Phonologie, Medienkritik, Nachrichtengestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die kommunikativen Prinzipien, die der Gestaltung von Zeitungsartikeln und insbesondere Schlagzeilen zugrunde liegen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Medienkommunikation, die Struktur von Zeitungsschlagzeilen sowie die kritische Reflexion über die Qualität und die manipulativen Aspekte von Printmedien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse von Schlagzeilen aufzudecken, wie Medien durch den bewussten Einsatz oder Bruch von Sprachregeln den Leser informieren oder beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden kommunikationstheoretische Ansätze, insbesondere das Modell von Shannon und Weaver, die Lasswell-Formel sowie die pragmatischen Theorien von Paul Grice verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Einführung in die Grice'sche Linguistik und deren Anwendung auf aktuelle Beispiele aus der Presselandschaft zur Analyse von Stilmitteln und bewussten Regelverstößen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Konversationsmaxime, Implikatur, Boulevardisierung und die journalistischen W-Fragen charakterisiert.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Pressetypen?
Die Arbeit differenziert zwischen der Qualitätspresse, die eher den Regeln der Kommunikation folgt, und der Regenbogenpresse, die für ihre reißerische Art den Bruch von Kommunikationsmaximen als Stilmittel einsetzt.
Welche Bedeutung haben die "W-Fragen" im Kontext der Analyse?
Die journalistischen W-Fragen dienen als Maßstab für den Informationsgehalt einer Schlagzeile; ihre Nichtbeachtung wird oft als Indiz für unzureichende journalistische Sorgfalt oder bewusste Manipulation gewertet.
Was schlussfolgert der Autor bezüglich der Boulevardisierung?
Der Autor warnt vor einem schleichenden Übergang mieser journalistischer Stilmittel von Boulevardmedien in die Qualitätspresse und plädiert für eine kritische Rezeption durch den Leser.
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- Dr. phil. Roland Scheller (Author), 2001, Kommunikative Prinzipien der Zeitungsoptimierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86957