Welchen Beitrag können NGOs zur Entwicklungszusammenarbeit leisten?


Essay, 2007

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Die internationale Entwicklungszusammenarbeit wird vor allem von zwei Akteuren geprägt, den staatlichen Institutionen und den privaten Organisationen. Besonders in den 1990er Jahren wurden private Organisationen zu den neuen Hoffnungsträgern in der Entwicklungszusammenarbeit stilisiert, wobei sie den zum Teil großen Erwartungen oftmals nicht gerecht werden konnten und die anfängliche Euphorie bald einer eher nüchternen Bewertung wich.

Dieses Essay geht nun der Frage nach, inwiefern Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) relevant für die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) sind. Dazu gehört natürlich eine kurze definitorische Klärung des Begriffes ebenso wie die geschichtliche Einordnung bzw. Entstehung von Entwicklungs-NGOs. Außerdem erwartet den Leser ein kurzer Vergleich zwischen staatlichen und privaten Trägern von EZA, mit dem Ziel, eventuelle Synergieeffekte offen zulegen. Es folgt die Diskussion der Rolle von NGOs anhand ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Defizite. Einführend ist weiterhin zu bemerken, dass bei der Verwendung des Begriffs NGO zwischen unterschiedlichen Funktionen und Schwerpunkten wie Entwicklung oder Umwelt unterschieden wird. Der hier verwendete NGO-Begriff bezieht sich auf so genannte Entwicklungs-NGOs, die sich weiter in Nord-NGOs der Industrieländer und Süd-NGOs der Entwicklungsländer gliedern.

Im Allgemeinen stellt die Entwicklungszusammenarbeit eine von vielen öffentlichen Aufgaben dar, die in Industriestaaten nicht nur durch staatliche, sondern auch durch private gemeinnützige Träger wahrgenommen wird. Dabei reicht der Umfang der Aktivitäten von Einzelhilfe im Rahmen von Projekten bis hin zur Unterstützung im Aufbau von Systemen sozialer Sicherung[1].

Die Aufgabe der privaten EZA haben in erster Linie so genannte NGOs übernommen. Als erstes sei an dieser Stelle vermerkt, dass der Begriff NGO vor allem durch Unkonkretheit gekennzeichnet ist[2]. Es gibt keine einheitlich anerkannte Definition. Manche Ansätze schließen unterschiedliche Organisationsformen ein, die andere wiederum ausklammern. Allein die Minimalbestimmung der „Nicht-Staatlichkeit“ eint die verschiedenen Definitionen. Marcus Lenzen fasst ihren kennzeichnenden Charakter dadurch zusammen, dass sie sich normativ-idealistisch durch ihre Nicht-Profitorientierung abgrenzen, sich altruistisch-solidarischen Werthaltungen verschreiben, gemeinnützige Ziele verfolgen und unentgeltlich öffentliche Güter und Dienstleistungen anbieten[3].

Die ersten Vorläufer der Entwicklungs-NGOs können bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Hier liegt auch der Ursprung des klassischen funktionellen Aufgabenschwerpunktes der Wohlfahrts- und Nothilfe. Kirchliche Missionsbestrebungen waren der Ausgangspunkt für eine Reihe von NGOs wie Caritas oder World Vision. Früher wurden diese oft wegen ihrer so genannten „rice-bowl Christianity“[4] kritisiert, wobei die Konvertierung zum Christentum mit Nahrungsmitteln belohnt wurde. Heute gelten diese Stereotypen meist nicht mehr, zumal sich die kirchlichen Verbände seit dem zweiten Vatikanischen Konzil von „Nahrungsmittelverteilern“ zu Hauptakteuren sozialer Veränderung und Gegnern autoritärer Regime gewandelt haben.

Neben der religiös inspirierten Entwicklungszusammenarbeit gibt es eine Reihe von weltlichen Organisationen, die die kirchlichen längst in ihrer Anzahl und in ihrem finanziellen Volumen überholt haben[5].

Weltliche Entwicklungs-NGOs haben ihren Ursprung ebenfalls in der humanitären Nothilfe. Exemplarisch dafür ist die älteste humanitäre Organisation der Welt, das Rote Kreuz. Im Zuge des Ersten und Zweiten Weltkrieges traten dann mehr und mehr Hilfsorganisationen für arme und Not leidende Bevölkerungsgruppen in Erscheinung.

Mittlerweile haben staatliche und multilaterale Entwicklungsinstitutionen wie die Weltbank, OECD und UNDP der steigenden Bedeutung von NGOs Rechnung getragen. So gibt es beispielsweise seit 1981 bei der Weltbank ein NGO Komitee[6], die OECD bezeichnet NGOs als „Stützen der Entwicklung“[7] und als unverzichtbare Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit, bei der UN genießt eine Vielzahl von NGOs Konsultativstatus und beteiligt sich an Weltkonferenzen.

Der Dialog mit Nicht-Regierungsorganisationen kann für staatliche Institutionen vielfältige Vorteile haben, insbesondere durch die zunehmende Spezialisierung und Professionalisierung der finanzstarken Nord-NGOs. So gilt beispielsweise die Abschöpfung von Expertise und Problemlösungskompetenz sowie die Legitimierung der eigenen Politik durch Öffentlichkeitsarbeit von NGOs als Synergieeffekt[8].

[...]


[1] Vgl. Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit, digitalisiert im Netz, www.frauensolidaritaet.org/news/2006/agez_ngos-eza.doc, letzter Zugriff 22.02.2007

[2] Vgl. Lenzen, M. (2001): Die Rolle der NGOs in der Entwicklungszusammenarbeit, Münsteraner Diskussionspapiere zum Nonprofit-Sektor – Nr. 17 September 2001 (S. 4)

[3] Vgl. Lenzen, M. (2001): Die Rolle der NGOs in der Entwicklungszusammenarbeit, Münsteraner Diskussionspapiere zum Nonprofit-Sektor – Nr. 17 September 2001 (S. 3)

[4] Vgl. Van Rooy, A. (2000): Good News! You may be out of a job: reflections on the past and future 50 years for Northern NGOs, Development in Practice, Volume 10, Numbers 3 & 4, August (S. 301)

[5] Vgl. Van Rooy, A. (2000): Good News! You may be out of a job: reflections on the past and future 50 years for Northern NGOs, Development in Practice, Volume 10, Numbers 3 & 4, August (S. 302)

[6] Vgl. Bundestag, digitalisiert im Netz, http://www.bundestag.de/gremien/welt/glob_end/10_3_3.html, letzter Zugriff 20.02.2007

[7] Vgl. Nuscheler, F. (2004): Entwicklungspolitik. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006

(S. 564)

[8] Deutscher Bundestag, digitalisiert im Netz, http://www.bundestag.de/gremien/welt/glob_end/10_3_3.html, letzter Zugriff 22.02.2007

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Welchen Beitrag können NGOs zur Entwicklungszusammenarbeit leisten?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Entwicklungspolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
8
Katalognummer
V86971
ISBN (eBook)
9783638059275
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Welchen, Beitrag, NGOs, Entwicklungszusammenarbeit, Entwicklungspolitik
Arbeit zitieren
BA of Arts Andreas Becker (Autor), 2007, Welchen Beitrag können NGOs zur Entwicklungszusammenarbeit leisten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86971

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Welchen Beitrag können NGOs zur Entwicklungszusammenarbeit leisten?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden