Die Nachfolge in kleinen und mittelständischen Unternehmen als Alternative für den Existenzgründer


Diplomarbeit, 2007
99 Seiten, Note: 2.7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Bedeutung des Themas
1.2 Methodischer Aufbau der Arbeit

2 Die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland
2.1 Definition der kleinen und mittelständischen Unternehmen
2.2 Die Bedeutung der kleinen und mittelständischen Unter-nehmen für die deutsche Volkswirtschaft
2.3 Entwicklung der kleinen und mittelständischen Unternehmen

3 ursachen für die Nachfolgeproblematik
3.1 Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft
3.1.1 Demografischer Wandel in Deutschland
3.1.2 Bevölkerungsstruktur
3.1.3 Auswirkungen des Demografischen Wandels
3.2 Selbständigkeit in Deutschland
3.2.1 Definition der Selbständigkeit
3.2.2 Selbständigenquote in Deutschland
3.3 Die Nachfolgeproblematik aus der Sicht des Alteigentümers

4 Bestimmungsgründe für die Wahl der Selbständig- keit und Determinanten für den Gründungserfolg
4.1 Motive für die Gründung
4.2 Die Person des Gründers
4.2.1 Soziodemografische Merkmale
4.2.2 Schulische und berufliche Qualifikation
4.2.3 Persönlichkeitsmerkmale
4.2.4 Kapitalausstattung
4.3 Die Geschäftsidee als Grundlage der Unternehmung
4.4 Die Einflüsse und Bedingungen der Umwelt
4.4.1 Familie und Freundeskreis
4.4.2 Unterstützung durch Beratung und Förderung
4.4.3 Gründungsklima und Rahmenbedingungen

5 Der UnternehmensKauf als alternative Gründungsform
5.1 Der Unternehmenskauf im Vergleich mit der Neugründung
5.2 Die Suche nach einem geeigneten Unternehmen
5.3 Die Überprüfung und Bewertung des Unternehmens
5.3.1 Erste Eindrücke und Erkenntnisse des Käufers
5.3.2 Due-Diligence-Prüfung
5.3.3 Unternehmensbewertung im Rahmen der Due Diligence
5.3.4 Bewertungsmethoden zur Kaufpreisermittlung
5.4 Die Vertragsverhandlungen und der weitere Ablauf
5.4.1 Vertragsverhandlung, Einigung und Übergang
5.4.2 Neuausrichtung des Unternehmens
5.5 Finanzierungsmöglichkeiten

6 Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kapitel- und Themenübersicht

Abbildung 2: KMU-Definition des IfM Bonn

Abbildung 3: KMU-Definition der EU

Abbildung 4: Alterspyramide für das Jahr 1910, 2000 und 2050

Abbildung 5: Selbständigenquote in Deutschland (in % der Erwerbstätigen)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Bedeutung des Themas

Die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland befinden sich derzeit in einem tief greifenden Wandlungsprozess. Dieser Prozess findet vor allem im Bereich der Eigentümerstruktur und der Leitung der Unternehmen statt. Maßgebliche Ursache für diese unvermeidlichen Veränderungen ist die in die Jahre gekommene Generation der deutschen Gründer, die ihren Ursprung überwiegend in den Wiederaufbaujahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat. Um die negativen Folgen des Wandlungsprozesses abzuwenden, ist es zwingend notwendig, dass der in vielen Unternehmen anstehende Generationenwechsel vollzogen wird. Dabei sind verschiedene Szenarien denkbar, den Wechsel in der Eigentümer- und Führungs-struktur des Unternehmens zu gestalten. Den wünschenswertesten Ansatz stellt dabei die direkte Nachfolge durch den eigenen Nachwuchs in der Familie dar. Dieser Schritt muss allerdings wohl überlegt und langfristig geplant sein. Eine andere Möglichkeit ist die Liquidation des Unternehmens, allerdings stehen dabei der Beschäftigungsabbau und die Zerstörung des hart erarbeiteten Unternehmertraumes im Vordergrund. Aus diesem Grund stellt die Unternehmensauflösung für ein wirtschaftlich gut positioniertes Unternehmen nur eine Notlösung dar.

Die nahe liegende Lösung für den Fall, dass kein natürlicher Nachfolger gefunden werden kann, ist daher der Verkauf des Unternehmens. In der Regel bedarf die familienexterne Nachfolgelösung einer langen und intensiven Vorbereitung, denn der Prozess der Suche nach einem geeigneten externen Nachfolger ist für ein übergabereifes Unternehmen erfolgsentscheidend. An diesem Punkt setzt die vorliegende Diplomarbeit an und geht folgender Frage nach: Stellt die Nachfolge in einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen eine Alternative für den Existenzgründer dar? Denn aus der Perspektive des Existenzgründers bestehen verschiedene Möglichkeiten den Weg in die Selbständigkeit zu bestreiten. Dabei ist die Neugründung nicht unbedingt die beste Option, seine eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Gerade in Bezug auf die zukünftige Unternehmensentwicklung und das Risiko des Scheiterns, kann die Übernahme eines bereits bestehenden Unternehmens die bessere Variante sein. Um zu erfahren, welche Existenz-gründungsform für den Gründer und sein Gründungsvorhaben am besten geeignet erscheint, werden die Motive bei der Wahl der selbständigen Tätigkeit betrachtet. Gleichzeitig werden die Determinanten, die den Gründungserfolg beeinflussen, analysiert. Hierbei steht die Person des Gründers im Focus, da die richtungs-weisenden Entscheidungen von ihm getroffen werden. Aber nicht nur sein individuelles Handeln, sondern auch die äußeren Rahmenbedingungen haben einen maßgeblichen Einfluss auf den Gründungserfolg. Um dieser Komplexität Herr zu werden, ist der Gründer auf die Hilfe externer Berater angewiesen. Bei der strategischen Neuausrichtung ‚seines’ Unternehmens steht dann die Realisierung der eigenen Vorstellungen und Ideen im Vordergrund.

1.2 Methodischer Aufbau der Arbeit

Die Arbeit beginnt mit der Einführung und Abgrenzung der kleinen und mittelständischen Unternehmen und der ihnen zukommenden zentralen Rolle auf der ‚Bühne’ der deutschen Volkswirtschaft. Ziel der Darstellung im zweiten Kapitel ist es, die Wichtigkeit dieser Unternehmen für die deutsche Volkswirtschaft aufzuzeigen, um so der Nachfolgeproblematik die ihr zustehende Aufmerksamkeit zu verleihen. Im daran anschließenden dritten Kapitel wird auf bestimmte Ursachen der Nachfolgeproblematik eingegangen. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf die demografische Entwicklung der deutschen Bevölkerung gelegt, und deren Risikoneigung im Hinblick auf das Ergreifen einer selbständigen Tätigkeit. Nach der Betrachtung der gesellschaftlichen Ursachen fokussiert sich die Analyse auf die individuellen Probleme des Alteigentümers. Das vierte Kapitel untersucht die Bestimmungsgründe, die dazu führen (können), dass sich ein Mensch für eine selbständige Tätigkeit entscheidet. Da allerdings die Entscheidung alleine noch nicht zu einer erfolgreichen Existenzgründung führt, werden anschließend die Determinanten für den Gründungserfolg beschrieben. Diese beziehen sich überwiegend auf die Person des Gründers, die Geschäftsidee und die Einflüsse der Umwelt. Im fünften Kapitel erfolgt ein Vergleich der Vor- und Nachteile beim Unternehmenskauf (Unternehmensnachfolge) mit denen der Existenz-Neugründung. Der weitere Verlauf der Arbeit führt dann die wichtigsten Handlungsabläufe im Zuge einer Unternehmensübernahme auf, um einem potentiellen Existenzgründer einen Überblick zu verschaffen. Abschließend erfolgen im Fazit die Zusammenfassung der Ergebnisse und die Auswertung hinsichtlich des Untersuchungsfeldes. Der Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der kleinen und mittelständischen Unternehmen hinsichtlich der Auswirkungen der Nachfolgeprobleme beendet dann diese Diplomarbeit.

Abbildung 1: Kapitel- und Themenübersicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

2 Die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland

Das zweite Kapitel befasst sich mit den kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Da diese Unternehmen ein wesentliches Element dieser Arbeit darstellen, gilt es, sie näher zu beleuchten. Zunächst (Unterkapitel 2.1) wird eine Abgrenzung der Begriffe vorgenommen, um den Gegenstand der Untersuchung gezielt betrachten zu können. Dies geschieht in der Definition der mittelständischen Unternehmen. Sie ist auch deshalb sehr wichtig für den weiteren Verlauf der Diplomarbeit, weil keine einheitliche Definition in der Fachliteratur bezüglich des genannten Begriffes existiert. Im zweiten Unterkapitel (2.2) wird auf die Rolle der kleinen und mittelständischen Unternehmen in der deutschen Volkswirtschaft eingegangen. Hierbei soll insbesondere die zentrale Stellung dieser Unternehmen herausgestellt und die Tragweite möglicher Fehlentwicklungen aufgezeigt werden. Das Scheitern einer schlecht vollzogenen Nachfolgeregelung, an dessen Ende womöglich die Insolvenz des Unternehmens steht, hat zwar keine gravierenden Auswirkungen für die Gesellschaft, aber bei der Menge, der in den nächsten Jahren anstehenden notwendigen Unternehmensnachfolgen, gilt es, die Sorgfalt, die für jede einzelne Übernahme notwendig ist, zugrunde zu legen, um somit ein Scheitern in größerem Ausmaß zu verhindern. In Unterkapitel 2.3 folgen dann noch ein Rückblick auf die vergangene und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der kleinen und mittelständischen Unternehmen.

2.1 Definition der kleinen und mittelständischen Unternehmen

Der Begriff des mittelständischen Unternehmens ist ausschließlich in der deutschen Sprache gebräuchlich. Im gesamten romanischen und anglo-amerikanischen Sprachraum spricht man von kleinen und mittleren Unternehmen und meint damit einen statistisch greifbaren Teil der Gesamtwirtschaft. In Deutschland geht der Begriff inhaltlich über diesen statistisch dokumentierbaren Bereich hinaus.[1] Daher folgt vorerst eine Abgrenzung des Begriffs des 'mittelständischen Unternehmens' zu den 'kleinen und mittleren Unternehmen', da diese Begriffe in Deutschland häufig synonym verwendet werden.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind durch bestimmte Größengrenzen festgelegt, also durch quantitative Kennzahlen geprägt. Allerdings existiert keine einheitliche Definition der KMU, sondern eine große Anhäufung verschiedener Definitionen. Im Gegensatz dazu sind mittelständische Unternehmen qualitativ definiert. Sie unterliegen keinen Größengrenzen, sondern sind vielmehr durch qualitative Bewertungskriterien wie z.B. der Einheit von Eigentum und Leitung geprägt, das bedeutet der Eigentümer (oder die Eigentümerfamilie) leitet das Unternehmen.[2] Daher nennt man mittelständische Unternehmen auch Familienunternehmen. Entscheidend ist hierbei, dass die strategischen Entscheidungen durch den/die Eigentümer getroffen werden, denn häufig werden auch Familienunternehmen schon von Fremdmanagern geleitet. Aber auch bei dem Begriff des Familienunternehmens (bzw. mittelständischen Unternehmens) liegt keine einheitliche Definition vor, sondern nur ein Grundgerüst von bestimmten qualitativen Merkmalen. Aufgrund der starken Überschneidung beider Begriffe folgen hier die geläufigsten Definitionen des mittelständischen Unternehmens sowie der kleinen und mittleren Unternehmen.[3]

Im Hinblick auf die qualitative Mittelstandsdefinition führt man traditionell vor allem die enge Verbindung von Unternehmen und Inhaber ins Feld. Diese zeigt sich idealtypisch in der Einheit von Eigentum und Haftung (Einschränkungen bei den Kapitalgesellschaften), d.h. der Einheit der wirtschaftlichen Existenz des Inhabers und seines Unternehmens, und in der Verantwortlichkeit des Unternehmers für die Unternehmensleitung und alle unternehmensrelevanten Entscheidungen. Die völlige bzw. weitgehende Konzernunabhängigkeit gilt als weiteres wichtiges Kriterium. Andere, eher sekundäre Merkmale sind z.B. das Finanzierungsverhalten, die Innovationstätigkeit, die betriebliche Organisation sowie die Produkt-, Beschaffungs- und Absatzpolitik.[4] Für die dieser Arbeit zugrunde gelegte Definition von mittelständischen Unternehmen zählen auch Kleinst- und Kleinunternehmen, da hier eine klare Abgrenzung nicht möglich erscheint und gerade diese Unternehmen zu den Familienunternehmen gehören.

Abbildung 2: KMU-Definition des IfM Bonn

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn

Bei der quantitativen Mittelstandsdefinition wird in einer Vielzahl von empirischen Untersuchungen die Unternehmensgröße als ausschlaggebendes Kriterium herangezogen. Dabei liegt der Schwerpunkt der Betrachtung zumeist auf quantitativen Größen wie etwa Umsatz, Gewinn, Beschäftigtenzahl, Gesamtkapital oder Bilanzsumme des Unternehmens.[5] Besondere Bedeutung haben die quantitativen Abgrenzungsmerkmale für statistische Zwecke, aber wichtig sind sie auch im Hinblick auf die immer bedeutender werdenden Fördermaßnahmen und Publizitäts- und Prüfungspflichten.[6] Daher folgen an dieser Stelle die in Deutschland gebräuchlichsten Definitionen von KMU:

Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn) definiert, dass mittlere Unternehmen weniger als 500 Mitarbeiter beschäftigen und weniger als 50 Millionen Euro pro Jahr umsetzen und dass kleine Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten weniger als 1 Million Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaften (siehe Abbildung 2).[7]

Die EU-Kommission definiert kleinste, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wie folgt (siehe Abbildung 3): Mittlere Unternehmen haben weniger als 250 Beschäftigte, erwirtschaften weniger als 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr oder weisen eine Bilanzsumme von weniger als 43 Millionen Euro aus. Kleine Unternehmen beschäftigten weniger als 50 Mitarbeiter, kommen auf einen Umsatz von weniger als 10 Millionen Euro pro Jahr und auf eine Bilanzsumme von weniger als 10 Millionen Euro. In Kleinstunternehmen arbeiten weniger als zehn Mitarbeiter, Umsatz und Bilanzsumme betragen weniger als 2 Millionen Euro. Maximal 25 Prozent der KMU dürfen in Besitz von Firmen sein, die ihrerseits dieser Definition nicht entsprechen.[8]

Eine Unterscheidung zwischen den Begriffen KMU und mittelständischen Unternehmen/Familienunternehmen ist nicht weiter notwendig, da sich die für den Existenzgründer in Frage kommenden Unternehmen aufgrund der beschränkten Finanzierbarkeit von der Größe (quantitativer Mittelstandsbegriff) her auf die KMU beschränken. Zudem ist der Untersuchungsgegenstand dieser Diplomarbeit die Nachfolge. Mit Nachfolge ist hierbei die Fortführung des Unternehmens gemeint, d.h. jemand folgt dem ehemaligen Unternehmenseigentümer hinsichtlich der Eigentümerfunktion sowie der Leitungsfunktion nach. Daher wird eine familiengeführte Eigentümerstruktur (qualitativer Mittelstandsbegriff) vorausgesetzt. Aus diesen beiden Gründen werden im weiteren Verlauf dieser Arbeit die Begriffe KMU, mittelständisches Unternehmen und Familienunternehmen synonym verwendet.

Abbildung 3: KMU-Definition der EU

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn[9]

2.2 Die Bedeutung der kleinen und mittelständischen Unter-nehmen für die deutsche Volkswirtschaft

"Es gibt Leute, die halten den Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse. Andere meinen, der Unternehmer sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken könne. Nur wenige sehen in ihm, was er wirklich ist, nämlich das Pferd, das den Karren zieht." (Winston Churchill)

Dieses Zitat Churchills beschreibt gut die gesellschaftliche Stellung des Unternehmers in Deutschland. Allerdings wird in letzter Zeit die enorme Bedeutung des Mittelstandes für die deutsche Volkswirtschaft immer wieder herausgestellt, so dass der Grundstein für ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft gelegt ist.

Der gewerbliche Mittelstand verkörpert den Kern der pluralistischen Wirtschaftsstruktur in Deutschland. Die Bedeutung der KMU geht über das Füllen von rentablen Marktnischen und von Angebotslücken großer Unternehmen hinaus. Ihre spezifischen Stärken liegen in der Nähe zum Markt, der hohen Flexibilität und der beträchtlichen Innovationsfähigkeit.[10] Damit tragen sie zum permanenten Struktur-wandel und Erneuerungsprozess der Marktwirtschaft bei. Familienunternehmen zeichnen sich insbesondere durch den Einsatz von Privatkapital, Mut zur privat-wirtschaftlichen Risikoübernahme und der Bereitschaft zu eigenverantwortlichem Handeln aus.[11] Aber auch gesellschafts- und ordnungspolitisch sind die KMU sehr bedeutsam. Denn innerhalb dieser Unternehmen treffen viele Menschen in mehr oder weniger großer Unabhängigkeit und mit einem Maximum an persönlicher Freiheit jeden Tag wichtige Entscheidungen. Diese Freiheit ermöglicht durch ihre permanente marktrelevante Verwirklichung gleichzeitig eine Verknüpfung von individuellem und gesamtgesellschaftlichem Nutzen. Dadurch bietet sie dem Individuum die Möglichkeit zur persönlichen Selbstverwirklichung und zur freien Entfaltung. Darüber hinaus stabilisiert sie die demokratischen Strukturen und Elemente regionaler und lokaler Selbstverwaltung. So stellt ein breiter Bereich von selbständigen Existenzen gleichzeitig eine Barriere gegen Dirigismus, Kollektivismus und Egalisierung dar.[12]

Eine ausreichende Anzahl kleiner und mittlerer Unternehmen garantiert die Erhaltung der freiheitlichen Wirtschaftsordnung und damit gleichzeitig auch die wesentlichen Elemente einer freiheitlichen und demokratischen Staatsverfassung, „denn die Vielzahl der wirtschaftlichen Einzelentscheidungen gewährleistet die Unabhängigkeit und Dezentralisation des Steuermechanismus einer Marktwirtschaft, wenn sie über den vielseitigen Austausch von Angebot und Nachfrage den produktiven Einsatz von Arbeit und Kapital sicherstellt."[13]

Der Anteil der Familienunternehmen stellt mit rund 95% das Gros der deutschen Unternehmen dar. Damit ist das Familienunternehmen in der Wirtschaft der Normalfall und nicht, wie durch die allgemeine Präsenz in den Medien anzunehmen, der Sonderfall. Der Anteil der KMU beträgt sogar 99,7% der gesamten Unternehmen, was die enorme Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen innerhalb Deutschlands aufzeigt. Da unter den KMU allerdings auch rechtlich abhängige Gesellschaften vorhanden sind, werden diese bei der weitergehenden Analyse vernachlässigt.[14]

Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn sind etwa drei Millionen aller deutschen Unternehmen (95,1%) Familienunternehmen. Sie be-schäftigen circa 57,3% (13,4 Millionen) aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und generieren rund 41,5% (1,9 Billionen Euro) der Umsätze aller Unternehmen.[15] Bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen lassen sich bestimmte volkswirtschaftliche Funktionen besonders hervorheben. Die Wichtigsten dieser Funktionen werden hier kurz erläutert.

a) Beschäftigungsfunktion

Mit einer Zunahme der Unternehmensanzahl erhöhen sich für die Arbeitnehmer die Beschäftigungsalternativen, d.h. ohne die große Anzahl der kleinen und mittel-ständischen Unternehmen wäre die Arbeitsplatzwahl viel eingeschränkter. Ebenso eröffnet in der Regel die Tätigkeit in kleineren, überschaubareren Einheiten mehr Spielraum für die Entfaltung von Fähigkeiten und Initiativen. Die in den meisten Fällen geringere Arbeitsteilung kleiner und mittlerer Unternehmen ermöglicht dem Einzelnen vielfach eine stärkere Identifikation mit seiner Aufgabe, dem Produkt und dem Unternehmen. Dies wiederum erhöht einerseits die Arbeitszufriedenheit und andererseits führt es zu einem erfolgsbezogeneren Handeln. Unterstützt werden diese Tendenzen zudem durch flachere Hierarchien und somit kürzeren Wegen für Information und Entscheidung.[16]

Der Hauptunterschied zu den großen Publikumsgesellschaften besteht darin, dass Familienunternehmen und KMU gerade in Krisen dazu neigen, an ihren Mitarbeitern soweit wie möglich festzuhalten. Einerseits liegt das an der eher familiären Struktur dieser Unternehmen, andererseits liegt es am gängigen Kalkül, dass, sollte ein entlassener Mitarbeiter später wieder ersetzt werden müssen, die Suche nach einem 'passenden' Mitarbeiter dann wieder mit enormen Aufwand, Zeit und erneuten Einarbeitungskosten verbunden ist. Ebenso tendieren kleinere Unternehmen dazu, die Beschäftigung in guten Zeiten schneller aufzubauen. In konjunkturell schlechten Zeiten können aber eben diese beiden Faktoren dazu führen, dass länger andauernde Krisen nicht überstanden werden. Allerdings werden durch den Zustrom neuer Unternehmen diese Abgänge im Normalfall ausgeglichen. Im Gegensatz dazu führt bei Großunternehmen der von den Aktionären ausgeübte Zwang zur Verbesserung der Profitabilität zu einem schnelleren Arbeitsplatzabbau und aufgrund der immer weiter steigenden Produktivität der Mitarbeiter auch zu weniger Neueinstellungen. Als Folge haben kleine und mittlere Unternehmen in der letzten Dekade mehr neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen als Großunternehmen.

b) Ausbildungsfunktion

Der Löwenanteil der beruflichen Ausbildung von Fachkräften in der deutschen Wirtschaft, dieser entspricht etwa 82,9% der Auszubildenden, erfolgt in kleinen und mittelständischen Unternehmen.[17] Mit wachsender Betriebsgröße verringert sich die spezifische Ausbildungsleistung. Dies beruht nicht zuletzt darauf, dass der Anteil von An- und Ungelernten an den Beschäftigten in größeren Betrieben eher zunimmt und damit die Ausbildungsstruktur nach Betriebsgrößen in gewisser Weise auch die Qualifikationsstruktur ihrer Beschäftigten widerspiegelt.[18]

c) Innovationsfunktion

In einem rohstoffarmen und mit hohen Arbeitskosten produzierenden Industrieland wie der Bundesrepublik Deutschland lassen sich ein hoher Lebens- und Sozialstandard nur durch eine hohe Exportquote und entsprechende Exportüberschüsse finanzieren. Sicherzustellen sind diese Exportüberschüsse meist nur durch technisch leistungsfähige, qualitativ hochwertige und im Vergleich zu den Mitbewerbern auf dem Weltmarkt preiswerte Produkte. Dazu notwendig sind neue und verbesserte Produkte sowie leistungsfähigere Fertigungsverfahren und Dienstleistungen. Diese sind die wichtigsten Garanten für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Insbesondere ist es dem technischen Fortschritt zu verdanken, dass, neben der abnehmenden Lebensarbeitszeit, Innovationen auch zu realen Einkommenssteigerungen und hohen sozialen Standards geführt haben.

Mittelständische Unternehmen verfügen in der Regel über die Voraussetzungen, Forschung und Entwicklung zu betreiben. Das Ergebnis dieser Aktivität ist aber nicht immer ein neues Produkt, sondern häufig ein neuer Prozess (z.B. in der Produktion) oder eine neue Organisationsform (z.B. eine neue Dienstleistung). Da Prozessinnovationen oder Organisationsformen meist schwieriger zu patentieren sind als Produktinnovationen ist es oft nicht möglich, das tatsächliche Ausmaß der Innovationsaktivität anhand der beantragten oder erteilten Patente zu erfassen. Oftmals arbeiten sie auch als Zulieferer in der Auftragsentwicklung mit großen Unternehmen zusammen und generieren so die notwendigen Innovationen. Diese sind im weltweiten Wettbewerb besonders für KMU wichtig, da sie nur so ihre Produktführerschaft (innovativeres Produkt) oder Kostenführerschaft (innovativere Produktion) verteidigen können.[19]

d) Wachstumsfunktion

Eng an die Innovationsfunktion gekoppelt ist die Wachstumsfunktion. Im Rückblick der letzten Jahrzehnte wiesen KMU im Schnitt ein höheres Wachstum aus als Großunternehmen. Zudem haben sie im Zuliefererbereich (B2B) eine unterstützende Funktion und tragen so einen nicht unwesentlichen Anteil am Wachstum ihrer Kunden.

e) Strukturanpassungsfunktion

Ein weiterer Vorteil der mittelständischen Struktur liegt in der Vielfalt. Das Risiko von Monostrukturen, in denen einige wenige Großunternehmen der gleichen Branche eine Region dominieren und von Unternehmen umgeben sind, deren Erträge überwiegend von ihnen abhängen, ist wesentlich geringer. Denn in der Regel gehören die KMU unterschiedlichen Branchen an und stellen einzeln betrachtet nur einen geringen Teil der Arbeitsplätze einer Region zur Verfügung.[20] Durch diese meist ausgewogene Struktur ist der Druck auf den regionalen Arbeitsmarkt, insbesondere in konjunkturell schlechteren Zeiten, wesentlich geringer.

2.3 Entwicklung der kleinen und mittelständischen Unternehmen

Die Weltwirtschaft und mit ihr das internationale ökonomische Beziehungsgeflecht befindet sich in einem rasanten Wandel. Der weltweite Wettbewerb hat eine neue Dimension angenommen. Neue Transport-, Informations- und Kommunikations-technologien, die Raum und Zeit als logistisches Problem überwinden, verstärken diesen Trend. Die Rahmenbedingungen und damit die Märkte verändern sich kontinuierlich. Ununterbrochen entstehen neue Unternehmen, neue Dienstleistungen und Produkte, deren Lebenszyklen wesentlich kürzer sind als früher. Mit der Globalisierung verlagern sich die Wachstumsmärkte in neue Regionen der Welt. Bestehende Strukturen und Verhaltensweisen der Wirtschaftssubjekte - gleich ob Unternehmen, private Haushalte oder Staat - bleiben davon nicht unberührt. Als Folge ist jedes Wirtschaftssubjekt gezwungen, sich dem immer rauer werdenden wirtschaftlichen und sozialen Umfeld anzupassen.[21] Denn die internationalen und hoch-kompetitiven Unternehmen agieren nicht nur auf dem 'anonymen' Weltmarkt, sondern dringen zunehmend auch auf die heimischen Märkte. Dabei profitieren die multinational operierenden Unternehmen besonders von ihren personellen und finanziellen Ressourcen. Folglich können sie neue Märkte erobern, am 'global sourcing' auf den internationalen Kapital-, Güter- und Dienstleistungsmärkten teilnehmen und so auch die angestammten heimischen Märkte leichter verteidigen.[22]

Für kleine und mittelständische Unternehmen ist es in dieser immer komplexer strukturierten Umwelt besonders schwierig, dem enormen Kosten- und Wettbewerbsdruck standzuhalten. Nicht nur ihre oft traditionelle und regionale Orientierung, sondern auch die geringe Eigenkapitalquote, und der damit verbundene geringe Finanzierungsspielraum, führen zu starken Einschränkungen. Zudem fehlt es häufig an den notwendigen Organisations- und Managementkapazitäten, Netzwerken, Vertriebssystemen und an qualifiziertem Personal. Trotz all der angesprochenen Schwierigkeiten und Ängste haben Familienunternehmen keine Wahl. Sie müssen die Herausforderung annehmen und nicht nur ihre lokale Präsenz verteidigen, sondern zeitgleich ihr Unternehmen global ausrichten. Dies bedeutet nicht nur durch Handelsaktivitäten in auswärtigen Märkten Fuß zu fassen, sondern auch durch die Produktion vor Ort von den günstigen Bedingungen zu profitieren und so die neuen Märkte optimal befriedigen zu können.[23] Natürlich unterscheiden sich die einzelnen KMU sehr stark, so dass es kein detailliertes Patentrezept gibt. Jeder Unternehmer muss die für sein Unternehmen individuellen Lösungswege finden und umsetzen. Dabei muss aber bewusst alles auf den Prüfstand gestellt werden, vor allem die interne Organisation, die Entwicklung der Lagerbestände wie die Umsatz-, Kosten-, Margen- und Liquiditätsentwicklung, die Arbeitsmotivation und die Kon-kurrenzsituation, um so die eigene Leistungsfähigkeit insbesondere die Stärken und Schwächen zu erkennen. Gefragt ist hierbei aber keine kurzfristige Lösung, sondern eine einheitliche Vision.[24]

Für viele kleine und mittlere Unternehmen bietet aber insbesondere der Dienstleistungssektor herausragende Perspektiven, denn die zunehmende Tertiarisierung der hochentwickelten Volkswirtschaften ist eine nicht aufzuhaltende Entwicklung. Mit der Tertiarisierung wird die Gewichtung der KMU in der Gesamtwirtschaft noch verstärkt, da die mindestoptimalen Betriebsgrößen im Dienstleistungsbereich deutlich niedriger sind als im Produzierenden Gewerbe. Diesem Trend folgend sind speziell wirtschaftsnahe Dienstleistungen das typische Angebot von mittelständischen Unternehmen und freien Berufen. Diese Entwicklung stellt einen idealen Nährboden für Existenzgründungen dar. Mit der Ausgliederung von Dienstleistungsfunktionen aus dem Produzierenden Gewerbe, neuen Dienstleistungssegmenten als Folge moderner Informations- und Kommunikations-technologien (IKT) und der Nachfrage nach gesellschafts- und haushaltsorientierten Dienstleistungen ist eine neue Wachstumsdynamik geschaffen worden. Gerade die Weiterentwicklung der IKT bietet kleinen und mittleren Unternehmen neue Marktchancen. Für sie bietet sich die Gelegenheit, auf globaler Ebene am internationalen Austausch teilzunehmen. Neue Verflechtungen mit vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen und neue Organisationsstrukturen helfen, schnell in neue Märkte hineinzuwachsen und mit neuen Ideen erfolgreich zu sein. Allerdings sind die neuen Informationstechnologien mehr als ein Marktsegment, denn sie verändern grundlegend die Märkte und die Unternehmen, indem sie neue interne Organisationsstrukturen ermöglichen und neue Distributionskanäle und Kooperations-chancen bieten. Es eröffnen sich neue Formen der internationalen Arbeitsteilung, die auch Mittelständler gezielt nutzen müssen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Es kommt zu einer Veränderung bzw. Relativierung der optimalen Unternehmensgröße, wenn das einzelne Unternehmen sich in wechselseitigen Allianzen und Netzwerken (Clustern) einfügt. Diese Cluster und Kooperationen stellen insbesondere für KMU einen wichtigen Schritt bei der Ausnutzung von Chancen und der gleichzeitigen Reduktion der Risiken dar.[25]

3 ursachen für die Nachfolgeproblematik

Im dritten Kapitel werden die Hauptursachen für die derzeitigen und zukünftigen Probleme bei der Suche eines Nachfolgers dargestellt. Diese Darstellung erfolgt aus verschiedenen Perspektiven. Im ersten Unterkapiteln (3.1) wird gezeigt, wie sich die Demografie und die Bevölkerungsstruktur innerhalb Deutschlands entwickeln und welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Gesamtanzahl der möglichen Nachfolger hat. Das zweite Unterkapitel (3.2) definiert den Begriff der Selbständigkeit und versucht die geringe Risikoneigung und die daraus resultierende geringe Selbständigenquote der Bundesbürger zu erklären. Im Unterkapitel 3.3 wird gezielt auf die direkten Probleme bei der Nachfolgeplanung des Alteigentümers eingegangen.

Durch die Darstellung der Hauptprobleme des Alteigentümers, seien sie persönlich und direkt oder einfach aufgrund einer allgemeinen Entwicklungstendenz innerhalb der Bevölkerung, soll auf die vorhandenen Problematik, nämlich einen geeigneten Nachfolger zu finden, hingewiesen werden. Kumuliert auf die große Masse, der in den nächsten Jahren anstehenden und altersbedingten Generationenwechsel, kann dieses individuelle Problem auch schnell zu einem Problem für die ganze Volkswirtschaft und Gesellschaft werden. Laut einer Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung liegt die Zahl der Unternehmen, die bis zum Jahr 2009 einen Nachfolger suchen bei etwa 350.000 Unternehmen. Die Zahl von Unternehmen, die das Nachfolgeproblem in dieser Zeit nicht lösen können, liegt laut derselben Studie bei circa 28.000 Betrieben.[26] Die Folgen dieser Entwicklung sind der Verlust von vielen Tausend Arbeits- und Ausbildungsplätzen, das Ausbleiben von Investitionen und der enorme Verlust von Erfahrungswissen, um nur einige wenige zu nennen. Daher betrifft die Problematik indirekt auch jeden einzelnen von uns. Darüber hinaus stellt dieser Mangel an Nachfolgern aber auch eine große Chance für eine Vielzahl von möglichen Existenzgründern dar. Diese oftmals bessere Alternative in Bezug auf die Existenzgründung wird in den nachfolgenden Kapiteln genauer erläutert.

3.1 Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft

3.1.1 Demografischer Wandel in Deutschland

Bevölkerungen ändern sich in ihrer Größe und Struktur. Menschen kommen zur Welt, sterben oder wechseln ihren Wohnort. Für die Untersuchung der demografischen Entwicklungen in Deutschland sind daher besonders die Geburtenraten, die Sterberaten sowie die Bilanz von Zu- und Abwanderungen von Bedeutung.[27] Diese drei Faktoren und die zukünftige Bevölkerungsprognose werden hier kurz erläutert:

a) Die Entwicklung der Geburtenrate (Fertilität)

In der Demografie wird für das Ereignis des Geborenwerdens der Begriff Fertilität verwendet. Fertilität im demografischen Sinn meint hierbei nicht die rein biologische Fähigkeit Kinder zu zeugen und auszutragen, sondern die tatsächliche Realisierung von Nachkommen. Als Ergebnis kommt es zu einer effektiven Populations-veränderung.[28] Die Fertilität gilt als treibende Kraft der demografischen Dynamik, allerdings ist festzustellen, dass kein westlicher Industriestaat gegenwärtig noch eine Fertilität oberhalb des Bestandserhaltungsniveaus hat. In einer Vielzahl anderer Länder hingegen lässt sich eine Fertilität feststellen, die über diesem Niveau liegt. Bedenkt man, dass die Erziehung von Kindern zunächst einmal mit erheblichen Kosten verbunden ist, so müssten wohlhabende Länder, da sie über mehr finanzielle Mittel verfügen, höhere Fertilitätsraten aufweisen. Diese Situation wird auch als demografisch-ökonomisches Paradoxon bezeichnet.[29] Für das Phänomen des Geburtenrückgangs gibt es eine Vielzahl möglicher Erklärungen. "Neben persön-lichen Gründen dürften eine geringere Kindersterblichkeit infolge verbesserter medizinischer Versorgung, die fortschreitende Emanzipation der Frau, besseres Wissen zur Empfängnisverhütung und die Verwendung von Antirezeptiva zumindest teilweise zur geringeren Fertilität beigetragen haben, da hierdurch wesentlich der soziokulturelle Zusammenhang zwischen Ehe, Sexualität und Reproduktion entkoppelt wurde."[30]

Weitere Erklärungsansätze liefert die ökonomische Theorie der Fertilität. Sie unterstellt, dass das Fertilitätsverhalten formal das Ergebnis einer Nutzen-maximierung bei gegebener Budgetrestriktion darstellt. Unter Vernachlässigung emotionaler Bindungen stiften Kinder sowohl Nutzen, als auch Kosten. Die Veränderung der Rahmenbedingungen hat nun dazu geführt, dass sich dieses Optimum, welches einst über dem Bestandserhaltungsniveau lag, verschoben hat.[31] Die wichtigsten Gründe hierfür sind zum einen die Übertragung sozialer Pflichten von der Familie auf den Staat, wodurch sich der Nutzen eigener Kinder als Absicherung für Not, Krankheit und Ruhestand erheblich verringert hat. Zum anderen haben sich die Einkommens- und Erwerbschancen für Frauen wesentlich verbessert, was die direkten Opportunitätskosten der Kindererziehung erhöht hat. Aber auch die nicht-monetären Opportunitätskosten sind gestiegen, da aufgrund des Wertewandels und der erhöhten Erwerbsbeteiligung der Frauen, die Geburt von Kindern die Freizeitgestaltung, sowie die Karriere- und Arbeitsgestaltung zusätzlich eingeschränkt hat. Einfach ausgedrückt kann man auch von einer Dichotomie zwischen Einkommen und Zeit sprechen: "Höheres Einkommen, wenn es denn konsumiert werden soll, verknappt und verteuert die einzig nicht vermehrbare Variable Zeit und erhöht somit die Opportunitätskosten der Beschäftigung mit Kindern."[32] Allerdings ist die Theorie der Fertilität nicht vollständig in der Lage, die Entscheidung für oder gegen Kinder zu erklären. Denn ein wesentlicher Aspekt ist hierbei der Einfluss der Liebe. Und dieser entzieht sich zweifellos dem ökonomischen Kalkül.[33]

b) Die Entwicklung der Sterberate (Mortalität) und der Lebenserwartung

Der Tod als das Ende des weltlichen Lebens ist für den Einzelnen eine unabwägbare Größe, betrachtet man aber eine große Gesamtheit, etwa die Bevölkerung eines ganzen Landes, dann erweist sich die Mortalität als ein perfekter Anwendungsfall des Gesetzes der großen Zahl. Mit dem Parameter Mortalität wird also das Eintreten von Sterbefällen anhand verschiedener Verfahren gemessen.[34]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählten in Deutschland noch parasitäre und infektiöse Krankheiten zu den häufigsten Todesursachen. Diese konnten aber durch Fortschritte in der Medizin und verbesserte hygienische Maßnahmen zurückgedrängt werden. Einerseits verringerte sich dadurch die Säuglingssterblichkeit und andererseits stieg die Überlebenswahrscheinlichkeit von Kleinkindern an. Damit sank aber nicht nur die Sterberate bei der jungen Bevölkerung, sondern auch die der älteren Bevölkerung.[35] In Deutschland und den meisten anderen industrialisierten Ländern ist die Lebenserwartung in den vergangenen 160 Jahren kontinuierlich gestiegen. Weitere Gründe dafür waren insbesondere auch steigender Wohlstand, bessere Bildung, gesündere Ernährung und humanere Arbeitsbedingungen mit geringerem körperlichem Verschleiß.[36]

Der Anstieg der Lebenserwartung in Verbindung mit der verringerten Sterblichkeitsrate hält voraussichtlich auch zukünftig noch weiter an. Die zu erwartenden medizinischen Entwicklungen in der Prävention, der Diagnose und der Therapie von tödlichen Alterskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs oder degenerativen Erkrankungen stützen nicht die verbreitete Annahme, dass sich die Zuwächse in der Lebenserwartung verlangsamen werden. Für das Jahr 2050 geht das statistische Bundesamt je nach Szenario von einer durchschnittlichen Lebenserwartung bei den Männern zwischen 78,0 und 83,9 Jahren aus. Bei den Frauen liegt die projektierte Lebenserwartung für dasselbe Jahr zwischen 84,8 und 87,9 Jahren.[37]

c) Die Entwicklung der Zu- und Abwanderungen (Migration)

Der dritte Parameter der demografischen Dynamik ist die Migration. Bei der Migration kann zunächst zwischen Binnen- und Außenwanderungen unterschieden werden. Die Außenwanderungen können seit Ende des zweiten Weltkrieges in vier Phasen eingeteilt werden. Zwischen 1945 und 1960 waren es zuerst die guten Zukunfts-aussichten und die Flüchtlingswelle, welche die Menschen nach Westdeutschland lockten. Die zweite Phase folgte dann zwischen 1961 und 1973 mit dem Wirtschaftswunder, denn der hohe Bedarf an Arbeitskräften führte zu einem enormen Zuzug an Gastarbeitern, die vornehmlich aus den südeuropäischen Ländern kamen. In Folge der ersten Ölkrise 1973 kam es zu einem Anwerberstopp und einem geringen, bisweilen sogar negativen Wanderungssaldo. Diese dritte Phase dauerte bis etwa 1987. Mit dem Umbruch der Ostblockstaaten im Jahre 1988 folgte die vierte Wanderungsphase. Hierbei waren es vor allem Übersiedler, Aussiedler und Bürgerkriegsflüchtlinge, die nach Deutschland kamen und zunächst zu sehr hohen, später abnehmenden Wanderungssalden führten. Mit der Verabschiedung des Asylverfahrensgesetzes im Jahr 1993 kam es zu erheblich geringeren Wanderungssalden, so dass hier von einer fünften Phase gesprochen werden kann. Die Betrachtung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass das Ausmaß der Migration in ganz starkem Maße von der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung beeinflusst wird.[38]

In Deutschland ist die Geburtenziffer bereits seit 1970 niedriger als die Sterbeziffer. Somit sterben jedes Jahr mehr Menschen als geboren werden. Dieser Bevölkerungsschwund war lange Zeit nicht wahrnehmbar, da Verluste durch Zuwanderung aus dem Ausland ausgeglichen wurden.[39] Seit 2004 konnte das Geburtendefizit jedoch nicht mehr durch den Überschuss an Zuwandernden kompensiert werden. Dadurch schrumpfte die Bevölkerung in Deutschland geringfügig und auch langfristig wird die Einwohnerzahl weiter sinken.[40] Neben der Wanderung über die Landesgrenzen hinweg besteht aber auch noch eine Wanderung innerhalb Deutschlands. Von Abwanderungen sind seit der Wende insbesondere die neuen Bundesländer betroffen. Dem Wirtschaftsgefälle folgend verlegten vor allem junge Menschen ihren Wohnsitz in die alten Bundesländer. Zwischen 1991 und 2004 verlor Ostdeutschland etwa 900.000 Einwohner an die meist angrenzenden, westdeutschen Bundesländer. Die Abwanderung von vor allem jungen und qualifizierten Menschen und dabei mehr Frauen als Männern wird die demografische Entwicklung in den strukturschwachen Regionen des Ostens weiter prägen.[41]

[...]


[1] Vgl. Gutmann, Joachim; Kabst, Rüdiger (Hrsg.): Internationalisierung im Mittelstand: Chancen - Risiken - Erfolgsfaktoren, 1. Auflage, Verlag Gabler, Wiesbaden 2000, S. 178

[2] Vgl. Wolter, Hans-Jürgen; Hauser, Hans-Eduard: Die Bedeutung des Eigentümerunternehmens in Deutschland - Eine Auseinandersetzung mit der qualitativen und quantitativen Definition des Mittelstands. Auszug aus dem "Jahrbuch zur Mittelstandsforschung 1/2001", Schriften zur Mittelstandsforschung Nr. 90 NF, Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 2001, S. 29-30

[3] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Der Mittelstand in der Bundesrepublik Deutschland: Eine volkswirtschaftliche Bestandsaufnahme, Dokumentation Nr. 561 (Februar 2007), S. 9-10

[4] Vgl. Welter, Friederike: Strategien, KMU und Umfeld: Handlungsmuster und Strategiegenese in kleinen und mittleren Unternehmen. RWI: Schriften (Heft 69), Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2003, S. 28

[5] Vgl. Setzer, Marcel: Institutionelle Marktanpassung deutscher KMU an veränderte Rahmenbedingungen in der EU. Merkur: Schriften zum Innovativen Marketing-Management, Band 3, 1. Auflage, Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2001, S. 18

[6] Vgl. Kußmaul, Heinz: Finanzwirtschaftliche und steuerliche Aspekte mittelständischer Unternehmen. In: Kußmaul, Heinz; Schleiter, Manfred; Liertz, Rolf; Müller, Ulrich; Kraus, Werner; Dettmering, Wilhelm; Wiesenhütter, Axel (Hrsg.): Aktuelle Aspekte mittelständischer Unternehmen, 1. Auflage, DIE-Verlag Schäfer, Bad Homburg 1990, S. 11

[7] Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen, Untersuchung Nr. 172, Stuttgart 2007, S. 17-18

[8] Vgl. Europäische Kommission: Empfehlung der Kommission vom 6. Mai 2003 betreffend die Definition der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen und Anhang, Artikel 2-3

[9] Vgl. Europäische Kommission: Die neue KMU-Definition: Benutzerhandbuch und Mustererklärung (2006), S. 14

[10] Vgl. Gutmann/Kabst (2000), S. 6

[11] Vgl. Kormann, Hermut: Grundfragen des Familienunternehmens. In: Scherer, Stephan; Blanc, Michael; Kormann, Hermut; Groth, Torsten; Wimmer, Rudolf (Hrsg.): Familienunternehmen - Erfolgsstrategien zur Unternehmenssicherung, 1. Auflage, Verlag Recht und Wirtschaft, Frankfurt am Main 2005, S. 20-21

[12] Vgl. Arbeitsgemeinschaft Mittelstand: Jahresmittelstandsbericht 2007: Den Aufschwung nutzen: Sanieren - Reformieren - Investieren!, S. 10-15

[13] Gruhler, Wolfgang: Wirtschaftsfaktor Mittelstand: Wesenselement der Marktwirtschaft in West und Ost, 2. Auflage, Deutscher Instituts-Verlag, Köln 1994, S. 92-93

[14] Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2007), S. 24

[15] Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2007), S. 24

[16] Vgl. Gruhler (1994), S. 95-96

[17] Vgl. De, Dennis A.: Entrepreneurship: Gründung und Wachstum von kleinen und mittleren Unternehmen, 1. Auflage, Pearson Studium, München 2005, S. 182-184

[18] Vgl. Gruhler (1994), S. 104

[19] Vgl. De (2005), S. 242-245

[20] Ebenda

[21] Vgl. Wimmer, Rudolf; Domayer, Ernst; Oswald, Margit; Vater, Gudrun: Familienunternehmen - Auslaufmodell oder Erfolgstyp?, 2. Auflage, Gabler Verlag, Wiesbaden 2005, S. 23-27

[22] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2007), S. 27-32

Vgl. Oetker, Arend: Mittelstand in Zeiten struktureller Umbrüche, 1. Auflage, Beck Verlag, München 1997, S. 1

[23] Vgl. Wimmer/Domayer/Oswald/Vater (2005), S. 27-33

[24] Vgl. Oetker (1997), S. 2-11

[25] Vgl. Welter, Friederike; Lageman, Bernhard: Neue Informationstechnologien und Wandel betrieblicher Strukturen - Renaissance der KMU?. In: Welter, Friederike (Hrsg.): Der Mittelstand an der Schwelle zur Informationsgesellschaft, Veröffentlichungen des Round Table Mittelstand, Band 3, 1. Auflage, Duncker & Humblot, Berlin 2005, S. 13-19

Vgl. Oetker (1997), S. 13-15

[26] Vgl. Arbeitsgemeinschaft Mittelstand (2007), S. 16-17

[27] Vgl. Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels (2007): ZDWA – Demografischer Wandel in Deutschland, HTML-Dokument vom 05.06.2007, www.zdwa.de

[28] Vgl. Baade, Daniel: Arbeitsmarkt für Akademiker: Folgen des demografischen Wandels, 1. Auflage, VDM Verlag, Berlin 2005, S. 23

[29] Vgl. Echterhoff, Veit: Kompetenzentwicklung Älterer im Kontext von Region, Bedarf und Demografie, 1. Auflage, Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2005, S. 17-18

[30] Baade (2005), S. 27

[31] Vgl. Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels: Deutschland im Demografischen Wandel - Fakten und Trends 2005, Dokument vom 05.06.2007, www.rostockerzentrum.de, S. 14-29

[32] Baade (2005), S. 27-28

[33] Vgl. Gürtler, Martin: Demographischer Wandel - Herausforderung für die Kommunen - Auswirkungen auf Infrastruktur und Kommunalfinanzen, TAURUS - Diskussionspapier Nr. 8 (2004), S. 4-7

[34] Vgl. Baade (2005), S. 29

[35] Vgl. Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels (2005), S. 30-40

[36] Vgl. Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels (2007), HTML-Dokument

[37] Vgl. Höpflinger, Francois; Stuckelberger, Astrid: Demografische Alterung und individuelles Altern, 1. Auflage, Seismo Verlag, Zürich 1999, S. 35

[38] Vgl. Baade (2005), S. 37

[39] Vgl. Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels (2005), S. 41-51

[40] Vgl. Echterhoff (2005), S. 20-21

[41] Vgl. Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels (2007), HTML-Dokument

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Die Nachfolge in kleinen und mittelständischen Unternehmen als Alternative für den Existenzgründer
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2.7
Autor
Jahr
2007
Seiten
99
Katalognummer
V86974
ISBN (eBook)
9783638010214
ISBN (Buch)
9783638915168
Dateigröße
971 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachfolge, Unternehmen, Alternative, Existenzgründer
Arbeit zitieren
Diplom-Ökonom Marco Balke (Autor), 2007, Die Nachfolge in kleinen und mittelständischen Unternehmen als Alternative für den Existenzgründer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86974

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