Sowohl im alltäglichen Leben als auch in der Literatur ist das Phänomen der Wiederholung weit verbreitet und allgegenwärtig. Immer wieder kann man feststellen, dass Sprecher in sogenannten face-to-face Gesprächen nicht nur ihre eigenen Wörter oder Phrasen wiederholen, sondern auch Wörter, Phrasen, Ausdrücke oder gar den Rhythmus einer Aussage ihres Gesprächspartners.
Schon seit der klassischen Antike wurden Wiederholungen aus rhetorischer und poetischer Sicht studiert. In den letzten Jahren beschäftigten sich Wissenschaftler mehr und mehr unter anderen Analysepunkten mit dem Phänomen der Wiederholung. Das linguistische Interesse für Wiederholungen in der gesprochenen Sprache und in Dialogen ist dabei stark gestiegen.
Aber warum wiederholen wir das, was unser Gesprächspartner gesagt hat, oder uns selbst immer und immer wieder in Konversationen? Verfolgen wir wirklich eine gewisse Absicht mit Wiederholungen und legen damit eine bestimmte Funktion zugrunde oder wiederholen wir nur, um die Verständnissicherung zu erhöhen? Warum ist gerade die Wiederholung ein so weit verbreitetes Phänomen in der gesprochenen Sprache bzw. wird als ein Charakteristikum der Mündlichkeit angesehen? Welche Formen der Wiederholung gibt es und kann man bestimmte Funktionen mit ihnen verbinden? Wie können Wiederholungen in einer Konversation verstanden werden?
Im Folgenden möchte ich mich diesen Fragen widmen und die “Formen und Funktionen von Wiederholungen in Gesprächssituationen” darstellen und erläutern. Unter Gesprächssituationen sind allerdings nicht nur Dialoge oder Diskurse zweier oder mehrerer Gesprächspartner zu verstehen, sondern es sollen auch Untersuchungsobjekte einbezogen werden, die nicht direkt in einem begrenzten Sinn das alltagssprachliche Gespräch betreffen: z. B. Talkshows, Vorträge etc.
Zur Erläuterung der einzelnen Themen werde ich mich unter anderem auf drei Sprachbeispiele beziehen.
Im ersten Abschnitt meiner Arbeit möchte ich verschiedene Skalen erläutern, mit deren Hilfe die Formen der Wiederholung charakterisiert werden können. Anschließend werde ich auf “Die Formen und Funktionen der Wiederholung” eingehen. An die Erläuterung der drei Formen der Wiederholung möchte ich abschließend die Bearbeitung der Thematik “Die Funktionen der Wiederholung und ihr Verständnis im Gespräch” anschließen. In diesem Zusammenhang werde ich mich auf die dialogische Wiederholung beziehen, weil diese die Unterhaltungs- bzw. Gesprächsebene genau betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Eine Charakterisierung der Formen der Wiederholung in Skalen
2.2. Die Formen und Funktionen der Wiederholung
2.2.1. Die monologische Wiederholung
2.2.2. Die dialogische Wiederholung
2.2.3. Gemeinsamkeiten der monologischen und der dialogischen Wiederholung
2.2.4. Die polyphone Wiederholung
2.3. Die Funktionen der Wiederholung und ihr Verständnis im Gespräch
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der sprachlichen Wiederholung in verschiedenen Gesprächssituationen. Dabei wird analysiert, welche Formen der Wiederholung existieren, welche Funktionen sie im Dialog erfüllen und wie sie wesentlich zum Verständnisprozess zwischen Gesprächspartnern beitragen.
- Charakterisierung von Wiederholungsformen mittels theoretischer Skalen
- Unterscheidung zwischen monologischen, dialogischen und polyphonen Wiederholungen
- Analyse der kommunikativen Makro-Funktionen von Wiederholungen
- Die Rolle von Wiederholungen für den Erkenntniserwerb und die Verständnissicherung
- Vergleich zwischen menschlicher Interaktion und Mensch-Maschine-Dialogen
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Die monologische Wiederholung
Unter der monologischen Wiederholung (oder auch “auto-ripetizione” oder “ripetizione dello stesso parlante”) versteht man eine Wiederholung, bei der das selbe formale Element im Diskurs des Sprechers wiederholt wird. Also, anders ausgedrückt: der Sprecher “in corso” wiederholt ein von ihm geäußertes linguistisches Element.
Mit Hilfe der temporalen Distanz lassen sich “l`auto-ripetizione intra-turno” und “l`auto ripetizione inter-turno (o a distanza)” unterscheiden:
L`auto-ripetizione intra-turno: Hierbei handelt es sich um Wiederholungen, die direkt und unmittelbar (immediata) im selben Turnus und vom selben Sprecher gebraucht werden. Diese können Unsicherheit (Früh- / Fehlstart) ausdrücken oder genau im Gegenteil Nachdruck, um z. B. eine Verneinung zu unterstreichen. Hier wird das Element der Polyvalenz deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das linguistische Phänomen der Wiederholung ein, betont deren Multifunktionalität und legt die Forschungsfrage sowie die methodische Ausrichtung fest.
2. Hauptteil: Der Hauptteil systematisiert Wiederholungen anhand von Skalen und analysiert detailliert die verschiedenen Formen (monologisch, dialogisch, polyphon) sowie deren spezifische Funktionen im Gesprächsverlauf.
2.1. Eine Charakterisierung der Formen der Wiederholung in Skalen: Dieses Kapitel erläutert theoretische Kriterien wie temporale Distanz, Einheitsdimension, Intentionalität, Optionalität und Polyvalenz, um Wiederholungsphänomene präzise einzuordnen.
2.2. Die Formen und Funktionen der Wiederholung: Hier erfolgt die detaillierte Klassifikation in die drei Hauptformen der Wiederholung unter Einbeziehung linguistischer Beispiele und funktionaler Aspekte.
2.2.1. Die monologische Wiederholung: Dieses Unterkapitel konzentriert sich auf die Selbstwiederholung des Sprechers innerhalb eines Turnus oder über Turnusgrenzen hinweg.
2.2.2. Die dialogische Wiederholung: Es wird die Wiederholung durch einen Gesprächspartner beleuchtet, insbesondere deren Bedeutung für Interaktion und Textkohärenz.
2.2.3. Gemeinsamkeiten der monologischen und der dialogischen Wiederholung: Dieses Kapitel arbeitet fundamentale Gemeinsamkeiten wie Produktionsvorteile und Zeitersparnis heraus, die beiden Wiederholungsformen zugrunde liegen.
2.2.4. Die polyphone Wiederholung: Die Analyse konzentriert sich hier auf die Wiederaufnahme fester syntagmatischer Elemente, wie Stereotype oder kulturelle Zitate, die ein gemeinsames Wissen der Sprachgemeinschaft voraussetzen.
2.3. Die Funktionen der Wiederholung und ihr Verständnis im Gespräch: Dieses Kapitel untersucht die zentrale Rolle von Wiederholungen für den Prozess des Verstehens, der Korrektur und der interaktiven Aushandlung von Bedeutung.
3. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und reflektiert die soziolinguistische Bewertung von Wiederholungen.
Schlüsselwörter
Wiederholung, Linguistik, Gesprächsanalyse, Monologische Wiederholung, Dialogische Wiederholung, Polyphone Wiederholung, Interaktion, Verständnissicherung, Bazzanella, Sprachgebrauch, Gesprächssituationen, Kommunikation, Redundanz, Pragmatik, Auto-ripetizione.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Wiederholung in der gesprochenen Sprache und ihre vielfältigen Funktionen im sozialen Miteinander.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systematisierung von Wiederholungsformen, deren Einordnung in interaktive Kontexte sowie ihre Bedeutung für das Verständnis und die Steuerung von Dialogen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die "Formen und Funktionen von Wiederholungen in Gesprächssituationen" theoretisch fundiert darzustellen und zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer linguistischen Analyse von Gesprächsausschnitten, unter Anwendung der von Bazzanella definierten Kategorien von Makro- und Mikro-Funktionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der Wiederholung mittels Skalen, die Unterteilung in monologische, dialogische und polyphone Formen sowie die Untersuchung ihrer Rolle im Verständnisprozess.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Wiederholung, Pragmatik, Interaktion, auto-ripetizione, etero-ripetizione und Verständnissicherung.
Wie unterscheidet sich die monologische von der dialogischen Wiederholung?
Während die monologische Wiederholung die Wiederaufnahme eigener linguistischer Elemente durch denselben Sprecher beschreibt, findet bei der dialogischen Wiederholung eine Aufnahme durch den Gesprächspartner statt.
Was macht eine Wiederholung zur "polyphonen Wiederholung"?
Eine polyphone Wiederholung zeichnet sich durch die Aufnahme von festen Elementen wie Sprichwörtern, Zitaten oder Slogans aus, die ein geteiltes kulturelles Wissen voraussetzen und auf eine bestimmte Gemeinschaft verweisen.
Warum spielt die Wiederholung eine Rolle bei der Verständnissicherung?
Wiederholungen dienen oft dazu, den Erkenntniserwerb zu signalisieren, das eigene Verständnis zu kontrollieren oder Korrekturen anzustoßen, um Missverständnisse im Diskurs aufzulösen.
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- Katharina Meyer (Author), 2006, Formen und Funktionen von Wiederholungen in Gesprächssituationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87028