Ich habe diese Arbeit im Rahmen des Seminars „Der Teenie-Roman als moralische Anstalt - Moral und Weltanschauung bei klassischen und modernen Kinderbüchern“ verfasst, in dessen Verlauf viele ältere aber auch modernere Adoleszenzromane im Zentrum des Interesses standen und kritisch untersucht wurden. Im Laufe der Zeit tauchte auch immer wieder der Begriff „Mädchenbuch“ in unterschiedlichen Kontexten auf. Es wurde der Frage nachgegangen, was das Spezielle an Mädchenbüchern ist, warum sie nach wie vor so beliebt sind und aus welchen Gründen Jungen in der Regel Mädchenbücher kategorisch ablehnen, während Mädchen mit großer Begeisterung auch „Jungenbücher“ lesen. All diese Fragen werden auch Teil der vorliegenden Hausarbeit sein, wobei der Schwerpunkt auf der vergleichenden Darstellung von zwei ausgewählten Mädchenbüchern liegen wird: Emmy von Rhodens "Der Trotzkopf" als Prototyp der „Backfischliteratur“ und Christine Nöstlingers "Gretchen Sackmeier" als moderne Mädchenbucherscheinung. Diese beiden Werke sollen unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert werden: Wer sind die Hauptfiguren und welche Entwicklung machen sie durch? In welchen familiären Bedingungen wachsen sie auf und wie wird ihre Wirkung auf das andere Geschlecht beschrieben? Wo liegen Gemeinsamkeiten und wo sind deutliche Unterschiede erkennbar?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition und geschichtliche Einordnung des Mädchenbuches
3. Inhaltsangabe der beiden Werke
4. Analyse der beiden Werke
4.1. Vergleichende Betrachtung der Protagonistinnen Ilse und Gretchen: Charakter und Familiensituation
4.2. Ilses und Gretchens Wirkung auf Männer/ Vergleichende Darstellung des Frauen- und Männerbildes
5. Auswertung: Welche Schlüsse können aus den Beobachtungen gezogen werden?
6. Versuch einer Deutung: Der Reiz des Mädchenbuches und die Scheu der Jungen vor dieser Gattung
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Genre des Mädchenbuchs anhand einer vergleichenden Analyse von Emmy von Rhodens „Der Trotzkopf“ als klassischem Prototyp und Christine Nöstlingers „Gretchen Sackmeier“ als moderner Mädchenbucherscheinung. Dabei stehen die Charakterentwicklung der Protagonistinnen, ihr familiäres Umfeld sowie ihre Wirkung auf das andere Geschlecht im Zentrum der Betrachtung, um die Wandlung des Mädchenbildes und die gesellschaftliche Funktion dieser Gattung zu hinterfragen.
- Historische Einordnung und Wandel des Mädchenbuchbegriffs
- Charakteranalyse und familiäre Bedingungen der Protagonistinnen
- Darstellung von Frauen- und Männerbildern im zeitlichen Vergleich
- Die Rolle der Mädchenliteratur als Prozess der Identitätsfindung
- Ursachen für die geschlechtsspezifische Rezeption des Genres
Auszug aus dem Buch
4.1 Vergleichende Betrachtung der Protagonistinnen Ilse und Gretchen: Charakter und Familiensituation
Die 15-jährige Ilse wird am Anfang des Buches als junges, schlankes Mädchen mit wirrem Lockenhaar und fröhlichen braunen Augen beschrieben. Sie macht sich jedoch nichts daraus, ihre weibliche Seite zu unterstreichen. Auf Äußerlichkeiten legt sie keinen Wert. Sie ist temperamentvoll, energiegeladen und liebt es herumzutollen.
Ilses verwaschenes, dunkelblaues Kattunkleid, blusenartig gemacht und mit einem Ledergürtel gehalten, mochte wohl recht bequem sein, aber kleidsam war es nicht und einige Flecken und Risse darin dienten ebenfalls nicht dazu, die Eleganz desselben zu heben. (von Rhoden 2005, S. 5)
Ilse ist es egal was andere Menschen von ihr denken. Sie macht das wozu sie gerade Lust hat und sieht auch keinen Grund, ihr Verhalten zu ändern, denn seitens ihres Vaters musste sie auch noch nie einen Widerspruch hinnehmen. Ilse ist für ihn nämlich sein Ein und Alles; in ihr erkennt er Merkmale seiner längst verstorbenen Frau wieder:
Es hatte die schönen, frohen Augen der früh Verstorbenen geerbt, und blickte sie ihn an, war es ihm, als ob die Gattin, die er so geliebt hatte, ihn anlächelte. (von Rhoden 2005, S. 7)
Es hat den Anschein als ob Ilse dies geschickt zu nutzen weiß und ihn bezirzt, wann immer es ihr nötig scheint. Ihr Vater ist für sie keine Autoritätsperson, und versucht er doch einmal, in ernstem Ton mit ihr zu sprechen, kann sie dies ganz und gar nicht ernst nehmen und findet dies äußerst amüsant.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab, definiert das Forschungsinteresse am Mädchenbuch als moralische Anstalt und benennt die zu analysierenden Werke.
2. Definition und geschichtliche Einordnung des Mädchenbuches: Dieses Kapitel erläutert die Schwierigkeiten einer eindeutigen Begriffsbestimmung und skizziert die historische Entwicklung von den pädagogisch belehrenden Schriften des 18. Jahrhunderts bis hin zur modernen Mädchenliteratur.
3. Inhaltsangabe der beiden Werke: Es erfolgt eine knappe Zusammenfassung der Handlungslinien von „Der Trotzkopf“ und „Gretchen Sackmeier“ zur Vorbereitung der detaillierten Analyse.
4. Analyse der beiden Werke: In zwei Unterkapiteln werden Ilse und Gretchen hinsichtlich ihrer Charakterentwicklung, familiären Prägung sowie ihrer Wirkung auf das Männerbild und die gesellschaftliche Rollenverteilung miteinander verglichen.
5. Auswertung: Welche Schlüsse können aus den Beobachtungen gezogen werden?: Das Kapitel zieht ein Fazit aus den Analysen und arbeitet die Unterschiede im Reifungsprozess der Protagonistinnen sowie den Einfluss der jeweiligen Zeitumstände heraus.
6. Versuch einer Deutung: Der Reiz des Mädchenbuches und die Scheu der Jungen vor dieser Gattung: Hier wird der Frage nachgegangen, warum Mädchen sich intensiv mit diesen Büchern identifizieren und warum Jungen das Genre aufgrund rigider Rollenvorstellungen kategorisch ablehnen.
7. Fazit: Die Autorin reflektiert ihre eigenen Erfahrungen mit der Mädchenliteratur und bewertet die Kritik am Genre als teils überzogen, wobei sie die universelle Bedeutung von Themen wie Freundschaft hervorhebt.
Schlüsselwörter
Mädchenbuch, Trotzkopf, Gretchen Sackmeier, Backfischliteratur, Rollenverteilung, Identitätsfindung, Adoleszenz, Mädchenbild, Literaturrezeption, Geschlechterrollen, Pubertät, Mädchenliteratur, Selbstfindung, Sozialisation, Erziehungsroman.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Genre des Mädchenbuchs und dessen Wandlung anhand von zwei exemplarischen Werken: „Der Trotzkopf“ und „Gretchen Sackmeier“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Mädchenbild, der Reifungsprozess zur Frau, familiäre Rollenmodelle und die geschlechtsspezifische Rezeption von Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine vergleichende Analyse der beiden Romane, um aufzuzeigen, wie sich die Darstellung weiblicher Adoleszenz und gesellschaftlicher Erwartungen über ein Jahrhundert hinweg verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche, vergleichende Textanalyse, gestützt auf fachliche Sekundärliteratur zur Geschichte der Mädchenlektüre.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Protagonistinnen Ilse und Gretchen hinsichtlich ihres Charakters, ihrer familiären Situation sowie ihrer Interaktion mit dem anderen Geschlecht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mädchenbuch, Adoleszenz, Geschlechterrollen, Selbstfindung und Sozialisation charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Wirkung der Protagonistinnen auf Männer?
Während Ilses „Trotzkopf-Art“ als unweiblich gilt und durch eine Wandlung zur angepassten Ehefrau belohnt wird, spiegelt Gretchens Umgang mit Jungs eine moderne Offenheit wider, in der sie selbst aktiv entscheidet.
Welches Fazit zieht die Autorin zum Erfolg des Trotzkopfs?
Die Autorin sieht den Erfolg trotz veralteter Klischees in universellen Werten wie Freundschaft und Loyalität begründet, mit denen sich junge Mädchen nach wie vor identifizieren können.
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- Alexandra Stoichita (Author), 2005, Das Mädchenbild in Emmy von Rhodens "Der Trotzkopf" und Christine Nöstlingers "Gretchen Sackmeier", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87032