Das Unheimliche in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

18 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. E.T.A. Hoffmann – Biographie

3. Der Sandmann: Inhaltsangabe

4. Allgemeine Analyse des Werkes
4.1. Die Figuren
4.2. Aufbau der Handlung
4.3. Erzählstrategie/Sprachliche Mittel

5. Die unheimlichen Aspekte der Novelle
5.1. Das Motiv der Augen
5.2. Das Automatenmotiv
5.3. Verrätselungstechnik und Polyperspektivismus
5.4. Dramenstruktur und Zeitfixierung
5.5. Behagliche Orte als Schreckensorte
5.6. Entfremdung des Alltäglichen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich verfasse diese Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Das Unheimliche in literarischen Texten“ und werde mich im Folgenden mit E.T.A. Hoffmanns Novelle „Der Sandmann“ beschäftigen.

Ich habe mich für dieses Buch entschieden, da ich die Thematik sehr spannend finde und auch schon während der Schulzeit Gelegenheit hatte, mich näher mit der Erzählung auseinanderzusetzen.

Im Folgenden werde ich zunächst kurz einige Angaben zum Autor machen und den Inhalt des Buches darstellen, bevor ich dann zum Hauptteil komme, in dem ich eine allgemeine Analyse der Figuren, der Handlung sowie der Sprache des Werkes vornehme und schließlich die unheimlichen Aspekte der Novelle untersuche. Am Ende soll ein Fazit stehen, in dem ich eine abschließende Betrachtung der Ergebnisse vornehme.

2. E.T.A. Hoffmann- Biographie

E.T.A. Hoffmann wird 1776 in Königsberg als Sohn eines Rechtsanwalts geboren. Im Alter von zwei Jahren trennen sich die Eltern und Hoffmann wächst fortan bei seiner Mutter auf und genießt eine strenge Erziehung. Schon relativ früh bekommt er Zeichen- und Musikunterricht.

Nach dem Gymnasium beginnt er 1792 ein Jurastudium an der Universität Königsberg, nach dessen erfolgreichem Abschluss er 1798 bis 1806 als Jurist im preußischen Staatsdienst arbeitet. Nach dem Zusammenfall Preußens wird Hoffmann 1806 stellungslos und ist in den Folgejahren als Kapellmeister, Komponist, Bühnenbildner und Musikdirektor in Bamberg, Dresden und Leipzig tätig.

1814 kehrt Hoffmann nach Berlin in seinen bürgerlichen Beruf zurück und führt fortan eine Art Doppelexistenz: Er ist gewissenhafter Beamter und leidenschaftlicher Künstler zugleich.

In dieser Zeit entfaltet er mehr und mehr seine dichterischen Begabungen und schreibt nur noch wenige kleine Kompositionen. 1815 veröffentlicht er sein erstes Werk „Die Elixiere des Teufels“. In den Folgejahren erscheinen u. a. „Nachtstücke“, eine Sammlung von Erzählungen, darunter auch „Der Sandmann“ (1817). Ein Jahr später erscheint „Das Fräulein von Scuderi“, 1819 „Lebensansichten des Kater Murr“.

Hoffmann gilt als einer der bedeutendsten Autoren der Spätromantik, einer Zeit, die geprägt war von der Flucht aus dem Alltäglichen bzw. der Desillusionierung des Alltags. Es wurden vermehrt die Abgründe des menschlichen Seins bzw. der Kampf mit den dunklen Mächten thematisiert.

So beschreibt auch Hoffmann in vielen seiner Werke unheimliche Begebenheiten, Begegnungen mit dem Teufel oder schicksalhafte Wendungen im Leben eines Protagonisten, denen dieser sich nicht entziehen kann. Seine Werke thematisieren viel Zeitnahes, z. B. auch die damaligen Ängste der Gesellschaft angesichts der technischen Entwicklung, insbesondere dem Erscheinen von Automaten.

Hoffmann stirbt am 25. Juni 1822 in Berlin an den Folgen einer Rückenmarkserkrankung.

3. Der Sandmann: Inhaltsangabe

In der Erzählung „Der Sandmann“ geht es um den jungen Studenten Nathanael, der- ausgelöst durch eine Begegnung mit dem Wetterglashändler Coppola- an einige für ihn traumatische Kindheitserlebnisse erinnert wird: Nathanael glaubt in Coppola den Advokaten Coppelius, einen rätselhaften Freund seines Vaters, wieder zu erkennen, der manchmal in Nathanaels Elternhaus zu Mittag aß und in regelmäßigen Abständen den Vater zur Nachtzeit aufsuchte, um mit diesem alchemistische Experimente durchzuführen. Bei einem dieser Experimente kommt der Vater ums Leben und in Nathanaels Erinnerungen verbindet sich der Tod des Vaters untrennbar mit dem Bild des gefürchteten Coppelius. Aufgrund der Tatsache, dass Nathanael vor den nächtlichen Besuchen des Advokaten stets zügig von seiner Mutter aus dem Zimmer geschafft wird mit der Begründung, dass nun der Sandmann komme und begünstigt durch die erschreckende Beschreibung seiner Amme, der Sandmann sei ein böser Mann, der kleinen Kindern die Augen stiehlt, entwickelt Nathanael eine panische Angst vor dem Sandmann, den er fortan mit dem Advokaten Coppelius assoziiert. Durch die Begegnung mit Coppola werden die verdrängten Kindheitserlebnisse wieder gegenwärtig und für Nathanael besteht kein Zweifel daran, dass es sich bei Coppelius und Coppola um ein und dieselbe Person handeln muss.

Clara, Nathanaels Verlobte, versucht ihn zu beruhigen und ihm klarzumachen, dass es für alles eine gewöhnliche und plausible Erklärung geben muss.

Zunächst scheint Nathanael von der Verschiedenheit von Coppola und Coppelius überzeugt zu sein, doch nach und nach fühlt er sich wieder von dunklen Mächten verfolgt und nur mit viel Mühe kann Clara ihn wieder beruhigen.

Schon bald taucht Coppola jedoch wieder auf um ihm Ware anzubieten. Nathanael kauft ihm ein Perspektiv ab, mit dem er fortan Olimpia, die „Tochter“ des im gegenüberliegenden Haus wohnenden Professors Spalanzani beobachtet, die aber eigentlich nichts anderes als ein lebloser Automat ist, der in einer Zusammenarbeit von Spalanzani und Coppola angefertigt worden ist. Nathanael ist fasziniert von Olimpias Schönheit und durch das von Coppola erworbene Fernglas scheint die leblose Puppe lebendig zu wirken.

Auf einem von Spalanzani veranstalteten Fest, wo er Olimpia zum ersten Mal offiziell als seine Tochter vorstellen will, scheinen alle, außer Nathanael, das seltsam mechanische, geistlose Verhalten der Puppe zu erkennen. Nathanael hingegen wird durch das Perspektiv immer mehr in Olimpias Bann gezogen. Als er ihr schließlich einen Heiratsantrag machen will, gerät er in einen Streit zwischen Spalanzani und Coppola, die um Olimpias Körper kämpfen. Coppola kann mit der Puppe entkommen, doch Spalanzani, der leidenschaftlich an seiner Kreation hängt, hat die Augen. Ausgelöst durch diese Bilder wird Nathanael vom Wahnsinn gepackt und schließlich in ein Geisteshaus eingeliefert. Als er wieder genesen scheint, beabsichtigt er Clara zu heiraten und mit ihr aufs Land zu ziehen, doch als sie gemeinsam auf einen Turm steigen und Nathanael zum letzten Mal sein Perspektiv benutzt, versucht er, von Wahnsinn gepackt, Clara, die er für eine Puppe hält, vom Turm zu stoßen. Diese kann noch in letzter Sekunde von ihrem Bruder Lothar gerettet werden, doch als Nathanael glaubt, in der Menschenmenge Coppelius wieder zu erkennen, stürzt er sich selber in den Tod.

4. Allgemeine Analyse des Werkes

4.1. Die Figuren

In der Novelle „Der Sandmann“ ist der gesamte Handlungsverlauf auf die Hauptperson Nathanael ausgerichtet. Von entscheidender Bedeutung sind dabei vor allem die folgenden drei Figurenkonstellationen: Nathanael – Clara, Nathanael – Coppola (Coppelius) und Nathanael – Olimpia. Auch Professor Spalanzani spielt im Gesamtgefüge eine nicht unerhebliche Rolle. Neben den genannten Personen, gibt es noch einige „Nebencharaktere“, wie z. B. Claras Bruder Lothar, auf die ich jedoch nicht näher eingehen werde. Im Folgenden sollen nur die oben erwähnten Hauptpersonen jeweils näher vorgestellt werden:

Nathanael als Protagonist der Novelle ist ein sehr vielschichtiger und widersprüchlicher Charakter. Durch die Erlebnisse in seiner Kindheit ist er von tiefer Unsicherheit zerrissen und wankt zwischen der dunklen Welt von Coppelius (Coppola) und der klaren Welt seiner Verlobten Clara. Er wird vom Erzähler als phantasievoller, schöpferischer Mensch gezeichnet mit besonderer Stärke in anmutigen, lebendigen Erzählungen (vgl. Hoffmann 1991, S. 22), wobei diese im Laufe der Zeit immer stärker von düsteren Eindrücken und dem Glauben an dämonische Mächte bestimmt werden. Nathanael als träumerische Natur mit einer Vorliebe für die phantastische Sphäre könnte man somit als typischen Vertreter der romantischen Epoche verstehen, der in seinen Gedichten, seine Gefühle auszuleben versucht. Im Verlauf der Erzählung entfremdet er sich zunehmend von Clara, die eine gänzlich andere Weltansicht vertritt, und zieht sich mehr und mehr in seine eigene Welt zurück. Erst in Olimpia glaubt er die ideale Partnerin gefunden zu haben: Anders als Clara, hört sie ihm stundenlang zu, ohne ihm etwas entgegenzusetzen und verkörpert somit die ideale Zuhörerin, woran deutlich wird, dass Nathanael im Grunde genommen keine Liebespartnerin sucht, mit der er ernsthafte Gespräche führen kann, sondern nur eine Projektionsfläche für sein eigenes Ich. So spricht er zu Olimpia: „O du herrliche, himmlische Frau! – Du Strahl aus dem verheißenen Jenseits der Liebe – Du tiefes Gemüt, in dem sich mein ganzes Sein spiegelt“ (Hoffmann 1991, S. 31).

Clara wird als gemütvolles, verständiges, kindliches Mädchen mit einem hellen, scharf sichtenden Verstand beschrieben, die von vielen jedoch auch als kalt und gefühllos empfunden wird (vgl. Hoffmann 1991, S. 20). Sie ist von eher schweigsamer Natur und repräsentiert als mütterlich-häuslicher Typ das typisch bürgerliche Leben. Anders als Nathanael, vertritt Clara aufgeklärte Gedanken (was schon allein an ihrem Namen deutlich wird), ist fest im Irdischen verwurzelt und hält nichts von mystischen Schwärmereien. Durch ihre Besinnung auf rationale Erklärungen, glaubt sie auch, dass all das Entsetzliche, vor dem Nathanael sich fürchtet, nur in seinem Inneren stattfindet. Auch an Nathanaels düsteren Dichtungen findet sie keinen Gefallen, was schließlich dazu führt, dass Clara ihm als gefühlskalt erscheint und er sie als „lebloses, verdammtes Automat“ bezeichnet (vgl. Hoffmann 1991, S. 24).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Unheimliche in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Veranstaltung
Das Unheimliche in literarischen Texten
Note
2.0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V87041
ISBN (eBook)
9783638059312
ISBN (Buch)
9783638949903
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar der Dozentin: Die Hausarbeit ist insgesamt gut lesbar und sinnvoll gegliedert. Forschungsliteratur wurde einbezogen und der Schwerpunkt des Seminars angemessen berücksichtigt.
Schlagworte
Unheimliche, Hoffmanns, Sandmann, Unheimliche, Texten
Arbeit zitieren
Alexandra Stoichita (Autor), 2004, Das Unheimliche in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87041

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