Betrachtet man sich die heutige Gesellschaft Europas, so lässt sich eine Zweiteilung in Bezug auf die Geschlechterunterscheidung erkennen. Denn wenn ein Kind in eine solche Gesellschaft hineingeboren wird, so wird diesem aufgrund des zur Geburt festgestellten Geschlechtes ein sexueller Status bzw. ein gender zugeordnet. Je nach Geschlecht werden mit dem Kind geschlechtsspezifische Eigenschaften in Verbindung gebracht. Ebenso erfolgt eine spezifische Erziehung, in der dem Kind entsprechende Normen und Sitten der Gesellschaft vermittelt werden. In diesem Prozess spiegelt sich am deutlichsten die dichotome Gesellschaft wieder, die keine Übergänge oder Zwischenstufen zwischen den beiden Geschlechtern Mann und Frau zulässt bzw. als „normal“ abtut.
Diese Geschlechterzuordnung erfolgt in jeder Gesellschaft auf unterschiedliche Weise, da jede Gesellschaft ihre Bevölkerung in anderer Form prägt. Schaut man jedoch auf die Gesellschaft Europas, so stößt man auf Probleme im Zusammenhang mit der Akzeptanz, wenn man Menschen begegnet, die einen „gender“-Wechsel bzw. einen Geschlechterwechsel vornehmen lassen oder vornehmen lassen wollen.
Diese Hausarbeit soll sich mit dieser Thematik des Geschlechterwechsels in Verbindung mit der Agnes-Studie von Harold Garfinkel und der Lebensgeschichte von Jin Xing, ein prominentes Beispiel für einen gender-wechsel, befassen. Hierbei soll es darum gehen die unterschiedlichen Aspekte und Erwartungen zu beleuchten, die eine Gesellschaft an einen Menschen stellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Geschlecht als soziales Konstrukt
3. Der Genderwechsel
3.1.Agnes-Studie nach Harold Garfinkel
3.2 Jin Xing – Das Leben einer Soldatin und Tänzerin
3.3 Die Gesellschaft im Angesicht der Transsexualität
4. Garfinkels ethnomethologische Sichtweise
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschlecht als soziales Konstrukt, indem sie die Fallbeispiele der Agnes-Studie von Harold Garfinkel sowie die Lebensgeschichte von Jin Xing analysiert. Ziel ist es, die gesellschaftlichen Erwartungen und Probleme im Kontext eines Genderwechsels aufzuzeigen und die Frage zu beantworten, inwiefern Transsexuelle in der Gesellschaft Anerkennung finden und ein Leben im gewählten Geschlecht führen können.
- Analyse des Geschlechts als soziales Konstrukt und "Doing Gender"
- Untersuchung des Phänomens der Transsexualität anhand der Agnes-Studie
- Biografische Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte von Jin Xing
- Reflexion über gesellschaftliche Normen und geschlechtliche Identität
- Anwendung der ethnomethodologischen Sichtweise nach Harold Garfinkel
Auszug aus dem Buch
3.1.Agnes-Studie nach Harold Garfinkel
Mit der bekannten Fallstudie „Agnes“ verfolgte Garfinkel die Absicht herauszufinden, was in einer Gesellschaft passiert, wenn die Normalität der Geschlechterunterscheidung verletzt wird. Aufgrund seiner Forschungen konnte er die Prozesse der Geschlechtszuweisung und der Darstellung vom Geschlecht beobachten, die beim Überwechseln zu einem anderen Geschlecht ablaufen. Garfinkels Erkenntnisse zur Fallstudie „Agnes“ aus den 50er Jahren basieren auf Tonbandmitschnitten, sowie auf Gesprächen zwischen der Mann-zu-Frau-Transsexuellen Agnes und einem Psychiater. Diesen Gesprächen durfte Garfinkel immer beiwohnen. Es handelt sich hier bei um eine sehr umfangreiche Studie. Garfinkel untersuchte in seiner Studie innerhalb der Alltagswirklichkeit wie Agnes die Kompetenzen einer Frau erwerben konnte und welche Mittel zur Wirklichkeitskonstruktion von Agnes unbemerkt genutzt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Geschlechterwechsels ein, stellt die Fallbeispiele Agnes und Jin Xing vor und definiert die Forschungsabsicht sowie den theoretischen Kontext.
2. Das Geschlecht als soziales Konstrukt: Dieses Kapitel verdeutlicht die Rolle des Geschlechts als soziales Gebilde und diskutiert Ansätze der Mikrosoziologie sowie das Konzept des "Doing Gender".
3. Der Genderwechsel: Hier wird der Prozess des Geschlechtswechsels theoretisch fundiert und durch die detaillierte Betrachtung der Fallbeispiele Agnes und Jin Xing sowie die gesellschaftliche Perspektive auf Transsexualität veranschaulicht.
3.1.Agnes-Studie nach Harold Garfinkel: Dieser Abschnitt widmet sich der Fallstudie Agnes, in der Garfinkel die Konstruktion der Geschlechtsidentität und die Anpassung an gesellschaftliche Normen untersucht.
3.2 Jin Xing – Das Leben einer Soldatin und Tänzerin: Dieser Teil beleuchtet die Biografie von Jin Xing und stellt eine persönliche Perspektive auf den Weg der Geschlechtsumwandlung dar.
3.3 Die Gesellschaft im Angesicht der Transsexualität: Das Kapitel analysiert, wie die Gesellschaft auf das Überschreiten geschlechtlicher Erwartungen reagiert und welche normativen Anforderungen an das Individuum gestellt werden.
4. Garfinkels ethnomethologische Sichtweise: Hier werden die methodologischen Grundlagen von Harold Garfinkels Ethnomethodologie und deren Anwendung auf die Analyse des Alltagsverhaltens dargelegt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und reflektiert über die Möglichkeiten und Grenzen der Anerkennung transsexueller Identitäten.
6. Literatur: Das Literaturverzeichnis listet die verwendeten Quellen für die theoretische und empirische Fundierung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Geschlecht, soziales Konstrukt, Agnes-Studie, Jin Xing, Transsexualität, Genderwechsel, Doing Gender, Ethnomethodologie, Harold Garfinkel, Gesellschaft, Identität, Mikrosoziologie, Rollenverhalten, Geschlechtszuweisung, Alltagshandeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Geschlecht als soziales Konstrukt anhand von Fallbeispielen und soziologischen Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Soziologie des Geschlechts, Transsexualität, gesellschaftliche Normen und Identitätskonstruktion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu zeigen, wie Transsexuelle die Herausforderungen einer Geschlechtsanpassung in einer zweigeschlechtlich geprägten Gesellschaft bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen mikrosoziologischen Ansatz, insbesondere die Ethnomethodologie nach Harold Garfinkel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Agnes-Studie und die Biografie von Jin Xing sowie die soziologischen Konzepte von "Doing Gender" und der Indexikalität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Geschlecht, soziales Konstrukt, Transsexualität, Doing Gender und Ethnomethodologie.
Warum wird Jin Xing als Fallbeispiel gewählt?
Jin Xing bietet eine einzigartige, selbst reflektierte Perspektive auf den Geschlechtswechsel im Gegensatz zur beobachtenden Perspektive von Garfinkel bei Agnes.
Welche Bedeutung hat der Begriff "Doing Gender" in diesem Dokument?
Der Begriff beschreibt Geschlecht nicht als feststehendes Merkmal, sondern als andauernden, sozial gesteuerten Herstellungsprozess im Alltag.
- Quote paper
- Doreen Gleissner (Author), 2007, Das Geschlecht als soziales Konstrukt am Beispiel der Agnes-Studie und am Beispiel Jin Xin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87060