Sprichwörtliche Redensarten und Sprichwörter

In ausgewählten einsprachigen Wörterbüchern


Forschungsarbeit, 2004
77 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Versuch der Abgrenzung
1.1 Veränderbare sprichwörtliche Redensart
1.2 Feste sprichwörtliche Redensart
1.3 Sprichwort

2. Wie sind Sprichwörter und Redensarten in einsprachigen Wörterbüchern aufzufinden?
2.1 Was wollen wir rausfinden?
2.2 Beschreibung von Methode und Vorgehensweise
2.3 Welche Abkürzungen haben wir verwendet?
2.4. Tabellen der untersuchten sprichwörtlichen Redensarten bzw. Sprichwörtern

3. Untersuchung der einzelnen Wörterbücher
3.1 Langenscheidts Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache und der Duden Deutsch als Fremdsprache im Vergleich
3.2 Duden: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
3.3 Redensarten im Bedeutungsduden
3.3 Das Stilwörterbuch: Einordnung hinsichtlich der stilistischen Bewertung
3.4 Duden Band 1- Die deutsche Rechtschreibung: Warum sind diverse Redensarten aufgeführt? Lässt sich ein Auswahlkriterium erkennen?

4. Duden 11: Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik

5. Reflexion

6. Literaturliste

1. Versuch der Abgrenzung

Der Duden 11: Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik weist in seiner Einleitung auf Bezeichnungen der Sprachwissenschaften hin, die bestimmte sprachliche Erscheinungen zu fassen versuchen, „die man als ‚vorgeformte’, nicht frei gebildete Wortketten, als eine Art ‚sprachliche Fertigbauteile’ umschreiben könnte.“[1] Die Bezeichnungen lauten: Redewendungen, feste Wendungen, feste Verbindungen, idiomatische Verbindungen, Idiome, Wortgruppenlexeme, Phraseologismus oder Phraseolexeme. Floskel, Phrasem, Vergleich, Formel, Zitat, Sentenz oder geflügelte Worte tauchen ebenfalls in der Literatur auf, wenn es um Definitionen im Zusammenhang mit Sprichwörtern und Redensarten geht. Viele Autoren weisen darauf hin, dass es bei der Abgrenzung der Ausdrücke fließende Übergänge und Zweifelsfälle gibt. Es ist bisher in der deutschen Sprachwissenschaft nicht gut gelungen, eine einheitliche Begriffssystematik zu entwickeln und auch international besteht keine verbindliche Terminologie.

Wir haben für diese Arbeit nun nicht den Anspruch, eine Terminologie zu entwickeln, die in der deutschen Linguistik als verbindlich angenommen werden kann. Uns ist jedoch aufgefallen, dass einige Autoren ähnliche Erklärungssysteme verwenden, die in einigen Bereichen Übereinstimmungen aufweisen, so dass ein Versuch zu Beginn unserer Arbeit darin bestehen soll, diese verschiedenen Begrifflichkeiten zu sammeln und zu ordnen und damit für uns gültige Definitionen zu schaffen.

Uns geht es vor allem um die Definition von Sprichwörtern und im Besonderen sprichwörtlichen Redensarten. Dabei unterscheiden wir die sprichwörtlichen Redensarten, die veränderbar sind oder in einer festen Fügung bestehen.

1.1 Veränderbare sprichwörtliche Redensart:

Sprachliche Erscheinungen, die im Sprechakt eher durch Mechanismen der „Reproduktion“ als der „Produktion“ zustande kommen werden in der Linguistik als Phraseologie bezeichnet (oder als phraseologische Erscheinungen) (vgl. Burger, S.1). Burger definiert weiter: „Phraseologisch sind solche Wortketten, deren Zustandekommen nicht oder nicht nur aufgrund von syntaktischen und semantischen Regeln erklärbar ist.“[2]

Bei vielen Redensarten handelt es sich „um zufällige Bildungen, und niemand vermag bei ihnen zu sagen, wer ihr Urheber ist. Sie sind mit der Zeit Allgemeingut geworden und haben sich – als Ganzes völlig umgedeutet, das heißt in einer neuen Gesamtbedeutung, die nicht mehr als Summe der Bedeutungen ihrer Glieder verstanden wird – bis in unsere Tage gehalten.“[3]

Röhrich schreibt in seinem Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, dass die Linguistik unter einer ‚phraseologischen Einheit’ eine Verbindung von zwei oder mehr Wörtern verstehe, die durch syntaktische und semantische Regelmäßigkeiten der Verknüpfung nicht voll erklärbare Einheiten bilden. Ein Beispiel hierfür ist: ‚ins Gras beißen’.

Fixierte Wortgefüge oder fixe Wortverbindungen sind, obwohl sie eine ‚phraseologische Verbindung’ bilden, keine ‚sprichwörtlichen Redensarten’, dazu gehören z.B. ‚springender Punkt’ und ‚strammer Max’. Dies gilt auch für Einwort-Phraseologien: ‚Stehaufmännchen’, ‚Sommerloch’, ‚Pantoffelkino’. Mit Hilfsverben kann jede phraseologische Verbindung in eine sprichwörtliche Redensart unfunktioniert werden: ‚ein alter Hase sein’, ‚hoch zu Ross sein’, ‚Marotten haben’, ‚eine Pechsträhne haben’ und jedes Wort kann ‚sprichwörtlich’ werden, wenn es metaphorisch gebraucht wird.

Beispielsweise kann die phraseologische Verbindung ‚schmutzige Wäsche waschen’ auch sprichwörtlich verwendet werden. Sie bezeichnet nicht nur den Vorgang des Wäschewaschens, sondern kann auch einen übertragenen Sinn erhalten. Wenn in einem Zeitungsartikel geschrieben wird: „Im Parlament wird wieder schmutzige Wäsche gewaschen.“, ist jedem klar, dass dies nicht wörtlich zu verstehen ist.

Darüber hinaus gibt es Lexeme, meist zusammengesetzte Substantive, die nur in sprichwörtlichem Gebrauch auftreten, wie z.B. ‚Bockshorn’, ‚Fettnäpfchen’, ‚Goldwaage’ oder das Verb ‚rümpfen’.

Somit gehört zu den Eigenschaften einer sprichwörtlichen Redensart ein ‚fixiertes Wortgefüge’. Ein anderes wesentliches Merkmal ist die Wiederholung. Der Hörer weiß, dass er das Gesagte schon einmal gehört hat (aus der Psychologie als ‚Déjà-vu-Effekt’ bekannt). Das Verwurzeltsein der sprachlichen Formeln in der Sprechtradition ist ein weiteres wichtiges Merkmal für sprichwörtliche Redensarten. „‚Sprichwörtlich’ werden heißt wiederholt, im kollektiven Bewusstsein üblich werden. Man hat linguistisch darum auch von ‚wiederholter Rede’ gesprochen. Es geht um sprachliche Elemente, die nicht eigens produziert, sondern nur reproduziert zu werden brauchen, um vorfabrizierte Formeln, ‚patterned speech.’“[4]

Sprichwörtliche Redensarten werden linguistisch auch als ‚Wortgruppen-Lexeme’ bezeichnet, die nicht für sich alleine stehen. Sie finden nur innerhalb eines Satzes Verwendung, da ihnen das Subjekt fehlt: ‚mit dem Zaunpfahl winken’, ‚ mit offenen Augen schlafen’, ‚sich einen hinter die Binde gießen’. Eine ‚sprichwörtliche Redensart’ ist ein ‚offener verbaler Ausdruck’, die ein Subjekt, ein Objekt und eine diesen entsprechende Verbalform benötigt: ‚Er fischt im Trüben.’, ‚Sie warfen ihm Knüppel zwischen die Beine’. (vgl. Röhrich S. 13-14)

Sprichwörtliche Redensarten, wie z.B. ‚für jemanden die Kastanien aus dem Feuer holen’ oder ‚einen ins Bockshorn jagen’ müssen erst in einen Satz eingefügt werden, um eine feste Aussage zu ergeben. Sie sind verbale Ausdrücke, die veränderlich nach Zeit und Person sind. Es muss formuliert werden, wer wann etwas für jemanden wofür tut. Demnach sind sprichwörtliche Redensarten noch ungeformter Rohstoff.

Sprichwörtliche Redensarten weisen keine feste Prägung auf. Sie sind in ihrer Tendenz beliebig einsetzbar, wertfrei und nicht normativ. Sie haben keinen festen Inhalt und schon gar keine lehrhafte oder ethische Tendenz. Sie beinhalten keine ‚Spruchweisheit’ und bekommen erst einen Sinn, wenn sie zu einem Satz vervollständigt werden. (vgl. Röhrich S. 23)

‚Stereotype Vergleiche’, ‚fixierte Vergleiche’, ‚phraseologische Vergleiche’, ‚komparative Phraseologismen’ oder sprichwörtliche oder redensartliche Vergleiche gehören zu den einfachen Formen und Strukturen redensartlicher Aussagen. Beispiele sind: ‚arm wie eine Kirchenmaus’ - ‚dumm wie Bohnenstroh’ – ‚frech wie Oskar’, ‚dastehen wie ein begossener Pudel’, ‚sich freuen wie ein Schneekönig’, ‚hungrig wie ein Wolf.’ (vgl. Röhrich S. 15 und S. 27)

Nach Röhrich und Mieder sei der Begriff ‚sprichwörtliche Redensart’ weitgehend synonym mit dem Begriff der ‚idiomatischen Redewendung’. (vgl. Röhrich/Mieder Sprichwort, S. 15)

Friedrich definiert Nachstehendes: „‚Idiomatische Redewendungen’ sind solche Wendungen, deren Sinn ein anderer ist als die Summe der Einzelbedeutungen der Wörter. Der Ausdruck ‚sich in die Länge ziehen’ besagt nichts anderes, als was die einzelnen Wörter – zusammengenommen - besagen: ‚etwas durch den Kakao ziehen’ hat dagegen eine Bedeutung, die weder mit ‚Kakao’ noch mit ‚ziehen’ das Geringste zu tun hat. ‚Jemanden den Kopf waschen’ ist eine Wendung, die im Zusammenhang mit den Pflichten einer Mutter nicht mehr sagen will, als die einzelnen Wörter bedeuten; das benutzte Mittel ist Seife. Als idiomatische Redewendung dagegen besagt der Ausdruck etwas ganz anderes; das benutzte Mittel ist eine Strafpredigt oder Standpauke. Es ist also klar, dass solche Wendungen wie ‚die Katze im Sack kaufen’, ‚etwas für bare Münze nehmen’, ‚eine harte Nuss knacken’, […] mit all den genannten konkreten Dingen (Katze, Sack, Münze, Nuss […]) heute nichts mehr zu tun haben und darum ‚idiomatisch’ sind.[5]

Der Vergleich von ‚das ist ein Klacks’ und ‚das ist eine Lappalie’ zeigt folgendes: „Letzteres Wort kann allein (ohne sein) verwendet werden: ‚diese Lappalie werden wir gleich haben. Diese Lappalie regt dich auf?’ Mit ‚Klacks’ kann man diese Sätze nicht bilden, sondern nur so etwas wie ‚Wegen so was regst du sich auf? Das ist doch ein Klacks’. Deshalb ist der Ausdruck ‚ist ein Klacks’ eine idiomatische Wendung, ‚ist eine Lappalie’ dagegen nicht. Die Verben ‚sein’ und ‚werden’ haben in der Regel rein grammatischen Charakter. Wendungen mit ihnen sind daher selten idiomatisch.“[6]

Für Friedrich gehört es nicht zum Charakteristischen einer idiomatischen Wendung, dass sie nur in einer einzigen Form erscheinen kann. Wenn dies auch für viele Wendungen zutreffe, so sei andererseits doch die Zahl der variablen Wendungen erstaunlich groß (z.B. […] ‚etwas’ oder ‚jemanden in die richtige’ [oder ‚die rechte’] ‚Bahn lenken’ oder ‚in richtige’ oder ‚die richtige Bahnen lenken’ oder ‚auf die rechte Bahn bringen’).“ (vgl. Friedrich S. 9)

Zusammenfassend soll in unserer Arbeit für veränderbare sprichwörtliche Redensarten gelten:

Veränderbare sprichwörtliche Redensarten sind verbale Ausdrücke, die zur Vervollständigung ein Subjekt benötigen, um einen Sinn zu bekommen, da sie sich erst so auf etwas oder jemanden beziehen. Bei ihnen ist die Summe der Einzelbedeutungen der Wörter nicht wörtlich zu verstehen, sondern der Ausdruck eine feststehende Bedeutung, die im übertragenden Sinn gebraucht wird. Ihre syntaktische Form ist nicht immer erklärbar. Der Sprecher verwendet die umgedeuteten Form ganz selbstverständlich, da diese sprachliche Formel in der Sprechtradition verwurzelt ist. Sie ist in ihrer Tendenz beliebig einsetzbar, wertfrei und nicht normativ.

1.2 Feste sprichwörtliche Redensart:

Nun gibt es im Gegensatz zu den nicht syntaktisch variablen Redensarten auch feste sprichwörtlichen Redensarten. Sie besitzen eine feste Form. Sie bestehen in starren phraseologischen Verbindungen, die selbst schon einen Satz für sich bilden, ohne dass man sie deshalb schon zu den Sprichwörtern zählt. Dazu gehören nach Röhrich Ausrufe wie z.B. ‚Das geht über die Hutschnur!’, ‚Das ist gehupft wie gesprungen!’ Auch andere Wendungen kommen praktisch nur in ganz bestimmten Sätzen vor, obwohl ein Satz natürlich strenggenommen keine sprichwörtliche Wendung ist, z.B. ‚Es ist höchste Eisenbahn!’, ‚Da hast du die Bescherung!’. Diese feststehenden und abgeschlossenen sprichwörtlichen Formeln haben aber keinen Eigenwert, stellen keine selbstständige Aussage dar, sondern sie beziehen sich auf etwas vorher Gesagtes. So betont Röhrich, dass die an sich klaren Unterschiede der Form jedoch nicht ausschließen, dass es Übergänge von Sprichwörtern zu Redensarten und umgekehrt gebe, und eine scharfe Grenzziehung nicht immer möglich sei. Es gebe z.B. das Sprichwort ‚Durch Schaden wird man klug’. Aber man könne auch redensartlich sagen: ‚Er ist durch Schaden klug geworden’. (vgl. Röhrich S. 23-24)

‚Phraseologische Wortpaare’, auch Zwillingsformeln genannt, können ebenfalls Redensarten sein, auch wenn diese keine verbalen Ausdrücke sind. (vgl. Röhrich S. 15, 1. Spalte) Sie sind „Wortpaare in starren phraseologischen Verbindungen, die durch Stabreim oder Endreim gebunden sind. Sie haben meist eine rhythmische oder klangliche Bindung, die eine fast unveränderbare Reihenfolge der Glieder bewirkt.“[7], z.B. ‚in Bausch und Bogen’, ‚verraten und verkauft’, ‚in Hülle und Fülle’, ‚in Saus und Braus’, ‚klipp und klar’)

Für Görner sind ‚idiomatische Wendungen’ gleichbedeutend mit ‚starren phraseologischen Wendungen’, ‚Idiomen’ oder auch ‚sprichwörtlichen Redensarten’. Er sagt, dass sie dadurch gekennzeichnet sind, „dass sie in ihrer Gesamtheit voll umgedeutet sind, das heißt, dass ihre Gesamtbedeutung nicht aus den Bedeutungen ihrer einzelnen Bestandteile erhellt. Ihre Glieder sind nur ausnahmsweise mit anderen Wörtern austauschbar. In ihrer Form können sie, von den für die Verwendung im Kontext notwendigen grammatischen Abwandlungen abgesehen, im Allgemeinen nicht verändert oder ergänzt werden: ‚den Braten riechen’, ‚einen Bock schießen’, ‚durch die Lappen gehen’.[…] Zu dieser Gruppe rechnet man auch bestimmte starre Verbindungen in Satzformen wie ‚Das geht auf keine Kuhhaut’ […], ‚Schwamm drüber!’, ‚Hand aufs Herz!’ Ebenfalls zu dieser Gruppe rechnen wir die Wendungen des Typs ‚einen zischen’, ‚jemanden etwas husten’.

Andere feste Wortverbindungen wie Sprichwörter (‚Es ist nicht alles Gold, was glänzt’), Sentenzen (‚Die Axt im Haus ersetzt den Zimmermann’, [Schiller]) und Zitate (‚Etwas ist faul im Staate Dänemark’, [Shakespeare]) gehören nicht zu den Redensarten. Sie bestehen aus vollständigen Sätzen und enthalten im Gegensatz zu den Redewendungen einen abgeschlossenen Gedanken. Eine Anzahl dieser Verbindungen ist allerdings – zum Teil durch Verkürzung, zum Teil durch Übersetzung aus anderen Sprachen – in die Gruppe der Redenwendungen übergegangen: ‚den Teufel an die Wand malen’.“[8]

Feste sprichwörtliche Redensarten bedeuten für uns, dass sie wie die veränderbaren sprichwörtlichen Redensarten in ihrer Gesamtbedeutung vollständig umgedeutet, allgemein bekannt und dabei auch wertfrei und nicht normativ sind. Sie sind jedoch feststehende und abgeschlossene Sätze oder Ausrufe, die nur eine Aussage besitzen, wenn sie sich auf etwas vorher Gesagtes beziehen.

1.3 Sprichwort

Der Fachbegriff für die Sprichwörterkunde lautet: Parömiologie

Sprichwörter sind abgeschlossenen Sätze in fester und unveränderlicher Formulierung, deren Form oft durch Stabreim, End- oder Binnenreim gekennzeichnet ist, z.B. ‚Hunger ist der beste Koch.’ - ‚Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.’ – ‚Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Das Sprichwort drückt eine Erfahrung des täglichen Lebens, ein Urteil oder eine Meinung, eine Warnung, eine Vorschrift oder Klugheitsregel, eine Sozial- oder Religionskritik oder eine einfache Haushaltsregel aus. Es ist ein festgeprägter Satz, der eine unser Verhalten betreffende Einsicht oder eine Aufforderung zu einem bestimmten Verhalten ausspricht. (vgl. Röhrich S. 23)

Röhrich und Mieder legen folgende Arbeitsdefinition fest: „Sprichwörter sind allgemein bekannte, festgeprägte Sätze, die eine Lebensregel oder Weisheit in prägnanter, kurzer Form ausdrücken.“[9]

In der linguistischen Terminologie ist ein Sprichwort als ein abgeschlossener Satz als ‚Phraseo-Text’ zu bezeichnen, wohingegen die Redensart als nicht abgeschlossener Satz ein Phrasem ist.

Sprichwörtern liegt altväterliche Moral zugrunde. Sie sind didaktisch, lehren Erfahrung und Weisheit, predigen Moral, beanspruchen als ‚Wahrwörter’ Autorität und werden oft wiederholt. (vgl. Röhrich S. 18)

„Sprichwörter sind allgemeine Aussagen oder Urteile, mit denen eine gegebene Situation erklärt, eingeordnet, beurteilt wird. Der Sprecher beruft sich dabei auf die ‚Volksweisheit’, d.h. auf die allgemeine Erfahrung, die diese Sätze geprägt hat. Da man in jedem Fall dieselbe Information auch mit eigenen Worten geben könnte, das Sprichwort also stets ein besonderes Mittel ist, einen Gedanken zu äußern, haftet seinem Gebrauch immer eine deutliche stilistische Wirkung an. Stärker noch als bei den ‚Redensarten’ sind bei den Sprichwörtern die poetischen Elemente ausgeprägt.“[10] Nach Burger haben Sprichwörter eine feste Form, werden als Ganzes gelernt und weitergeben und obwohl sie in mancher Hinsicht eher Texte als Einheiten des Systems darstellten, sind sie dennoch vorgeprägte Teile der lebendigen Umgangssprache (übrigens offenbar in allen Sprachen). (vgl. Burger S. 55)

„Das metaphorische Bild unterscheidet die „sprichwörtliche Redensart“ von der bloßen „Redewendung“ (vgl. Röhrich S. 13)

Unsere Definition für Sprichwörter lautet wie folgt:

Sprichwörter sind vollständige Sätze, die in ihrer Formulierung nicht veränderbar sind und die eine feste Aussage enthalten. Die Aussage beinhaltet eine lehrhafte Tendenz, die sie durch eine in ihr enthaltene Moral versucht zum Ausdruck zu bringen. Sprichwörter sind allgemein bekannt und werden im Sprechakt häufig verwendet.

2. Wie sind Sprichwörter und Redensarten in einsprachigen Wörterbüchern aufzufinden?

In unserer Untersuchung befassen wir uns mit folgenden einsprachigen Wörterbüchern:

Langenscheidt: Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

Duden: Deutsch als Fremdsprache

Duden: Großes Wörterbuch der deutschen Sprache

Duden: Stilwörterbuch

Duden: Bedeutungswörterbuch

Duden: Rechtschreibung

2.1 Was wollen wir rausfinden?

1. Welche Bedürfnisse haben die Benutzer der einzelnen Wörterbücher?
2. Wonach sind sprichwörtliche Redensarten oder Sprichwörter eingeordnet?
3. Leisten die Wörterbücher, was sie in ihren Vorworten versprechen? Werden Redensarten bzw. Sprichwörter aufgeführt?
4. Wie gut sind die sprichwörtlichen Redensarten oder Sprichwörter erklärt?

2.2 Beschreibung von Methode und Vorgehensweise

Auswahl der Liste der Redensarten und Sprichwörter, Auswahlkriterien und Aufbau der Ergebnistabelle

Zu Beginn unserer Hausarbeit war das Zusammenstellen einer Sammlung von sprichwörtlichen Redensarten bzw. Sprichwörtern wichtig. Der erste Versuch bestand darin, aus dem Duden 11: Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik eine Tabelle mit Redewendungen aufzustellen, die nach stilistischen Markierungen geordnet war. Der Duden 11 benutzt die Einteilung in ‚gehoben’, ‚bildungssprachlich’, ‚veraltend’, ‚veraltet’, ‚umgangssprachlich’, ‚salopp’, ‚derb’ und ‚vulgär’. In der Tabelle ordneten wir diese Begriffe in die erste Zeile und darunter die von uns herausgesuchten Redewendungen. Wir stellten bald fest, dass wir die ausgewählten Redenwendungen zwar untersuchen, aber in dieser Übersicht keine Ergebnisse abtragen konnten. Im Bereich der stilistischen Markierung ‚vulgär’ war beispielsweise auch nur ein Eintrag zu finden, so dass uns diese Tabelle nicht ausreichend produktiv erschien.

Im zweiten Schritt erstellten wir eine Liste von ca. 180 sprichwörtlichen Redensarten, die wir aus Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten herausgeschrieben haben. Wir wählten zum einen Redensarten aus, die uns nicht bekannt waren (in der Tabelle rot gekennzeichnet). Zum anderen uns bekannte Redensarten (in der Tabelle blau hinterlegt), bei denen wir aber eine gewisse Seltenheit annahmen und deshalb herausfinden wollten, ob sie in Wörterbüchern auffindbar sind. Diese Aufstellung vervollständigten wir mit von uns selbst verwendeten und häufig gehörten Redensarten bzw. Sprichwörtern (in der Tabelle grün gekennzeichnet), bei denen wir unterstellen, dass sie allgemein viel gebraucht werden und deshalb in Wörterbüchern auffindbar sein müssten. Ebenso ordneten wir dort Einträge aus unserer ersten Tabelle ein.

Diese Auflistung reduzierten wir auf 100 Einträge und übertrugen sie in eine Excel-Tabelle. Diese Tabelle besteht aus drei Tabellenblättern, die jeweils die veränderbaren und die festen Redensarten, sowie die Sprichwörter enthalten. Die Tabellenblätter besitzen sieben Spalten. In der ersten Spalte sind die sprichwörtlichen Redensarten und Sprichwörter enthalten. In der ersten Zeile befinden sich als Überschrift der jeweiligen Spalte die zu untersuchenden Wörterbücher.

2.3 Welche Abkürzungen haben wir verwendet?

Um bei der Auswertung Platz zu sparen und in Anbetracht der Tatsache, dass Begriffe wiederholt werden müssen, haben wir in unserer Ergebnisliste einige Abkürzungen benutzt:

v. bedeutet, dass die Redensart oder das Sprichwort in dem Wörterbuch vorhanden ist. Hinter v. folgt das Lemma, unter welchem es gefunden wurde. (v. –Fressen = sprichwörtliche Redensart ist unter dem Stichwort Fressen vorhanden)

Ist eine Redensart oder eine sprichwörtliche Redewendung unter einem Stichwort vorhanden und ist eine Bedeutungserklärung aufgeführt, schreiben wir diese in unsere Tabelle mit hinein.

Wenn im Lemma eine stilistische Markierung vorgenommen wurde, ist sie von uns ebenfalls übernommen worden. (z.B.: ugs., geh., bildungss., veraltet, iron., pej., gespr.)

n.v. plus Wort heißt, dass das Sprichwort oder die Redensart nicht vorhanden ist. (n.v. –Schwamm = unter dem Lemma Schwamm ist die gesuchte Redensart nicht vorhanden)

o.E. kommt im Zusammenhang mit v. und einem Stichwort vor und besagt, dass die Redensart oder das Sprichwort in dem Wörterbuch zwar aufgeführt wird, aber ohne Erklärung vorhanden ist.

Einige Sprichwörter oder Redensarten werden unter verschiedenen Lemmata im gleichen Wörterbuch geführt. Wenn eine Erklärung im Ergebniskästchen einmal aufgeschrieben wurde und dieselbe Erklärung bei dem nächsten Stichwort steht, benutzen wie die Abkürzung E.s.o. (Erklärung siehe oben)

Im Wörterbuch der deutschen Sprache, Bedeutungswörterbuch und Stilwörterbuch verwenden die Autoren ein *. Dies geschieht im Wörterbuch der deutschen Sprache, um kenntlich zu machen, dass es sich um eine feste Verbindung und Redewendung handelt. Das Bedeutungswörterbuch kennzeichnet mit * feste Wendungen, die eng zu der vorangegangenen Bedeutungserklärung gehören und das Stilwörterbuch feste Verbindungen und Wendungen. Diese Markierung haben wir in unsere Ergebnistabelle mit aufgenommen.

Das Wörterbuch der deutschen Sprache verwendet weiter noch die Abkürzungen R (Redewendung) und Ü (Übertragung), die von uns ebenfalls übertragen werden.

Langenscheidt gebraucht in seinem Deutsch als Fremdsprache Wörterbuch die Abkürzung êçID. Hinter dieser Abkürzung werden idiomatische Wendungen, Redensarten und Sprichwörter aufgeführt. Auch diese Abkürzung haben wir in unsere Liste aufgeschrieben.

2.4. Tabellen der untersuchten sprichwörtlichen Redensarten bzw. Sprichwörtern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Duden 11: Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik, S. 9

[2] Burger, Harald: Idiomatik des Deutschen, S. 3

[3] Görner, Herbert: Redensarten. Kleine Idiomatik der deutschen Sprache, S. 5

[4] Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 1, S. 13

[5] Friedrich, Wolf: Moderne deutsche Idiomatik; S. 7

[6] Friedrich, Wolf: Moderne deutsche Idiomatik; S. 7-8

[7] Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 1, S. 26. 2. Spalte

[8] Görner, Herbert: Redensarten. Kleine Idiomatik der deutschen Sprache, S. 8-9

[9] Röhrich, Lutz; Mieder, Wolfgang: Sprichwort, S. 3

[10] Burger, Harald: Idiomatik des Deutschen, S. 54

Ende der Leseprobe aus 77 Seiten

Details

Titel
Sprichwörtliche Redensarten und Sprichwörter
Untertitel
In ausgewählten einsprachigen Wörterbüchern
Hochschule
Leibniz Akademie Hannover - Berufsakademie Hannover  (Seminar für Deutsche Literatur und Sprache)
Veranstaltung
Forschungslernseminar: Wörterbücher von A- z.Zt.
Note
1,0
Autoren
Jahr
2004
Seiten
77
Katalognummer
V87072
ISBN (eBook)
9783638009256
ISBN (Buch)
9783640794010
Dateigröße
684 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprichwörtliche, Redensarten, Sprichwörter, Forschungslernseminar, Wörterbücher
Arbeit zitieren
Enno Strakeljahn (Autor)Sandra Schumacher (Autor)Pirko Kuttler (Autor), 2004, Sprichwörtliche Redensarten und Sprichwörter , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87072

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