Modell der Gesundheitsfinanzierung


Hausarbeit, 2006

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Derzeitige Situation

2. Betrachtung der gesetzlichen Krankenkasse (GKV)
2.1 Zukünftige Entwicklung und Vorbereitung

3. Betrachtung der privaten Krankenversicherung (PKV)
3.1 Zukünftige Entwicklung und Vorbereitung

4. Bürgerversicherung, Kopfpauschale und Gesundheitsfonds
4.1 Kopfpauschale
4.1.1 Ziele und Mechanismen der Rürüp- und Herzog-Kommission
4.1.2 Fazit
4.2 Bürgerversicherung
4.2.1 Ziele und Mechanismen des Lauterbach-Modells
4.2.2 Fazit
4.3. Gesundheitsfonds

5. Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

Bildquellen

Einleitung

Das Deutsche Gesundheitssystem steht vor dem Wandel. Schon die vergangenen 3 Jahrzehnte versuchte die Politik mit zahlreichen Reformen den Kostenanstieg einzudämmen. Es gibt nur wenige Wirtschaftbereiche, die in solch kurzer Zeit mit so vielen Gesetzesänderungen zu tun hatten, wie das Deutsche Gesundheitssystem. Schlagworte wie demographischer Wandel, Kopfpauschale oder Bürgerversicherung fielen bereits in den vergangenen Jahren, doch blieb es lediglich bei Gesprächen und Diskussionen. 2003 wurde die Gesundheitsreform verabschiedet, deren Veränderungen aber nicht ausreichen, die Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung zu beheben. Anstatt die Strukturen und Anreize des Systems zu verändern, wurde weiterhin eine Budgetierung und Rationierung verfolgt und der entscheidende Durchbruch blieb bis heute aus. In der großen Koalition deutet sich jetzt eine Einigung auf das Modell eines Gesundheitsfonds an. SPD und Union können somit ein neues Finanzierungsmodell vorweisen, das weder Kopfpauschale noch Bürgerversicherung heißt.

Ich möchte in meiner Hausarbeit mit dem jetzigen Ist-Zustand auseinander setzen, den demographischen Wandel erläutern, mich mit den verschiedenen Modellen der Bürgerversicherung und der Kopfpauschale auseinander setzen und zum Schluss die ersten Vorschläge des noch nicht beschlossenen Gesundheitsfonds untersuchen.

1.Derzeitige Situation

Die Ausgaben im Gesundheitswesen sind in den letzten 30 Jahren dramatisch gestiegen. Während 1970 die Gesundheitsausgaben etwas über 6% des Inlandsproduktes lagen, war es 2002 knapp 11% allein nur in Westdeutschland (Bundesministerium für Gesundheit 2005, Grafik 10.3)

Ziel der Gesundheitsreform ist es die Krankenkassenkosten langfristig zu senken und das Gesundheitssystem zu sanieren.

2.Betrachtung der gesetzlichen Krankenkasse (GKV)

Derzeit sind alle abhängig Beschäftigte in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, sofern ihr Monatsverdienst im Jahresdurchschnitt unter 3825 Euro beträgt (Pflichtversicherungsgrenze). Der durchschnittliche Beitragssatz beträgt 14, 35% des Bruttoeinkommens. Die Beitragsfinanzierung der gesetzlichen Krankenkasse ist derzeit paritätisch geregelt, was bedeutet dass der Beitrag von Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils zur Hälfte bezahlt wird. Selbstständige, Beamte und Abgeordnete sind nicht in der gesetzlichen Krankenkasse versichert. Die gesetzlichen Krankenkassen unterliegen einem Kontrahierungszwang, das heißt, dass die Krankenkassen Patienten nicht wegen einem zu geringen Einkommens oder zu hohen Risikoprofils ablehnen dürfen, wie es zur Zeit bei den privaten Krankenversicherungen der Fall ist. Die ökonomischen Defizite der gesetzlichen Krankenkasse werden durch steigende Beiträge, aber dennoch sinkende Beitragseinnahmen beschrieben. Die gesetzliche Krankenkasse wird mit versicherungsfremden Zahlungen, wie zum Beispiel Mutterschaftsgeld oder beitragsfreie Mitversicherung von Familienmitgliedern, belastet. Auch der medizinische Fortschritt und der demographische Wandel, die ich später näher erläutern werde, bedingen steigende Kosten. Des Weiteren herrscht mangelnde Effizienz und wenig Wettbewerb im Gesundheitswesen (vgl. http://www.m-v.gruene.de/Buergerversicherung.318.0.html). Auch gibt es viele politische Defizite im System. Die Beschränkung bei der Beitragsbemessungsgrenze auf Erwerbseinkommen bedingt starke konjunkturelle Schwankungen, sowie eine Verteuerung des Faktors Arbeit und birgt ein Gerechtigkeitsdefizit, denn auf einige Einkommensarten wie etwa Versorgungsbezüge von Rentnern wird nur der halbe Beitragssatz berechnet. Durch die Versicherungspflichtgrenze wird der Lastenausgleich der gesetzlichen Krankenkasse überwiegend nur von geringem und mittlerem Einkommen getragen. Durch die Beitragsbemessungsgrenze zahlen besser Verdienende einen relativ gesehen geringeren Beitrag als geringer Verdienende, denn die Beiträge steigen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze linear an (vgl. http://www.m-v.gruene.de/Buergerversicherung.318.0.html).

Die Notwendigkeit einer Reform des Gesundheitswesens liegt in mehreren Punkten begründet, ich möchte nur einige davon erörtern.

2.1 Zukünftige Entwicklung und Vorbereitung

Der demographische Wandel ist begründet durch den dauerhaften Rückgang der Geburtenzahlen und der weiter steigenden Lebenserwartung der Menschen, das heißt, es wird mehr ältere Menschen und weniger Beitragszahler geben. Unser momentan bestehendes Finanzierungsmodell der gesetzlichen Krankenversicherung ist nicht ausreichend auf diesen Wandel und seine Folgen ausgerichtet.

1973 war die Bundesrepublik Deutschland das erste Land der Welt, in dem die Zahl der Geburten die Zahl der Sterbefälle unterschritt. Der Höhepunkt der Geburtenrate von 1964 mit fast 1, 2 Milliarden Geburten hat sich beständig, auf heute rund 730.000 jährlich, reduziert. Und diese Zahl sinkt weiter auf voraussichtlich 580.000 Geburten im Jahr 2050.

Das bedeutet, dass etwa jährlich nur halb so viele Menschen in Deutschland geboren, wie sterben werden. Für eine Bestandserhaltung der Bevölkerung fehlten in den vergangenen 30 Jahren ca. 2,5 Millionen Geburten. Ohne unsere Zuwanderungsrate von jährlich 165.000 Menschen wäre die Gesamtbevölkerung in Deutschland längst geschrumpft. Die Lebenserwartung steigt immer weiter und beständig. Für die Zukunft wird von einer Ausweitung des potenziellen durchschnittlichen Lebenshorizonts ausgegangen. Das hat zwar den Effekt, dass dem Schrumpfen der Bevölkerung entgegen gewirkt wird, aber die Alterung der Gesellschaft beschleunigt wird (vgl. http://www.förderland.de/794.0.html)

Innerhalb der nächsten 50 Jahre wird die Zahl der über 100 Jährigen in Deutschland, von jetzt 10.000 auf dann 45.000, steigen. Das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung liegt momentan um knapp 40 Jahre und wird schon in der nächsten Generation um 10 Jahre altern. Verantwortlich dafür sind der Geburtenrückgang und die steigende Lebenserwartung. Es werden weniger Menschen geboren, als sterben. In den nächsten Jahrzehnten wird die Gesamtbevölkerung, je nach Zahl der Zuwanderer, von heute 82 Millionen auf weniger als 70 Millionen sinken (vgl. http://www.förderland.de/794.0.html).Der demographische Wandel wird in folgenden Darstellungen deutlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bev_pyr4.php

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bev_pyr4.php

Der demographische Wandel betrifft die europäische-, bundes- und landespolitische Ebene bis zu den einzelnen Kommunen, Unternehmen und Familien. Trotz einer zunehmend diffusen Beunruhigung über die Folgen zeigt das Fehlen angemessener Konsequenzen ein klares Bild. Der Ernst der Lage und vor allem die notwendige Konsequenzen sind noch nicht ausreichend erkannt. Derzeit liegen konsistente Strategien und politische Langfristplanungen nur bruchstückhaft vor. Keine Einzelmaßnahme kann die Folgen des demographischen Wandel auch nur annähernd abfedern. Wenn jetzt keine weitere Anpassung, wie zum Beispiel die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, erfolgt, müsste der Rentenbeitrag von jetzt 19,5% auf 40% steigen, um die Finanzierung nur annährend abzudecken (vgl. http://www.förderland.de/794.0.html). Innerhalb der nächsten 40 Jahre reduziert sich die erwerbstätige Personenzahl um ca. 10 Millionen Menschen. Das bedeutet dass immer weniger Beitragszahler eine stetig steigende Zahl an Rentner und das Gesundheitssystem finanzieren müssen. In der beitragsfinanzierten Rentenversicherung finanzieren die Arbeitnehmer die Leistungen der Rentengeneration. In Verbindung mit einer sinkenden Lohnquote gefährdet der demographische Wandel die Sicherheit der Renten und belastet die Lohnnebenkosten durch Beitragssteigerung. Es muss eine kapitalgedeckte private Vorsorge gestärkt und eine Beitragsbasis erweitert werden. Auch hier bereitet die notwendige Umgestaltung der Krankenversicherung die größten Schwierigkeiten. Der immer weiter ansteigende medizinische Fortschritt ist sehr kostenintensiv. Diese Ausgabensteigerung wird an den Beitragszahler weitergegeben. Die potentielle Beitragserhöhung betrifft aufgrund der Parität, Arbeitgeben und Arbeitnehmer, was eine Steigung der Lohnnebenkosten beinhaltet. Diese steigenden Lohnnebenkosten wirken sich verheerend auf Arbeitskosten, Arbeitsmarkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit aus. Um den entgegen zu wirken müssen die Beiträge zur Krankenversicherung von den Lohnkosten abgekoppelt werden (vgl. http://www.förderland.de/794.0.html).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Modell der Gesundheitsfinanzierung
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Veranstaltung
Gesundheitsökonomie
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V87076
ISBN (eBook)
9783638013109
ISBN (Buch)
9783638917780
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Literaturverzeichnis sind nur Internetquellen eingegeben.
Schlagworte
Modell, Gesundheitsfinanzierung, Gesundheitsökonomie
Arbeit zitieren
Yvonne Mocker (Autor), 2006, Modell der Gesundheitsfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87076

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