Im Bereich des Marketings gibt es einen Bereich, der sich mit dem Kundenbeziehungsmanagements (engl. Customer Relationship Management, CRM) auseinandersetzt. Kundenansprachen und Kundenbindung nehmen in allen Unternehmen einen immer höheren Stellenwert ein. Für Unternehmen ist die Kundengewinnung bis zu fünfmal teuerer, als die Kundenbindung. CRM beschreibt die Verwaltung von Kundenbeziehungen. Um den Erfolg des Unternehmens zu steigern, sind die Unternehmensaktivitäten auf langfristige Kundenbeziehungen ausgerichtet. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kundenbeziehungsmanagement)
Märkte werden zunehmend von der steigenden Kundenmacht gesteuert und damit verschärft sich der Wettbewerb. Der Trend, dass Kunden öfter und schneller den Anbieter wechseln, kann entgegengewirkt werden, in dem Kunden mehr Service geboten wird.
Ein Ansatz nennt sich „one Face to the Customer“. Die Bedeutung ist sehr einfach und bezieht sich auf die Betreuung eines Kunden während allen Prozessen des Unternehmens durch eine Person. Damit wird die Neuorientierung vom funktionalen klassischen Marketing, hin zum übergreifenden ganzheitlichen Marketing, das auf die Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden fokussiert ist, definiert. (vgl. http://www.kundenbindung-crm.de/)
Nicht nur im Marketingbereich ist eine ähnliche Struktur zu erkennen. Primary Nursing, auf die Pflege spezialisiert, lässt zumindest aus Sicht der Kunden- oder Patientenbeziehungen, vergleichbare Ansätze finden.
In meiner Hausarbeit möchte ich mich deshalb mit dem Primary Nursing Konzept, seiner Entstehung und den notwendigen Maßnahmen einer Implementierung des Konzeptes aus Managementsicht auseinandersetzen.
Keine Veränderung einer Struktur eines Unternehmens kann ohne eine sorgfältige Berücksichtigung aller Faktoren wirksam vonstatten gehen.
Primary Nursing kann eine Grundlage für die Pflege bedeuten und Pflege auf unseren Weg in die Zukunft neu definieren.
Die Bezeichnungen Schwester, Pflegende oder Stationsleitung sind nicht gleichzeitig auf das weibliche Geschlecht bezogen, sondern beziehen sich natürlich auf männliche und weibliche Personen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Pflege in deutschen Krankenhäusern
2. Geschichte des Primary Nursing Konzeptes
3. Das Primary Nursing Konzept
3.1 Definition
3.2 Kernelemente
3.3 Verantwortung und Kontinuität
3.4 Direkter Kommunikationsfluss
3.5 Pflegedurchführender ist zugleich Pflegeplaner
4. Implementierung von Primary Nursing aus Managementsicht
4.1 Verantwortung und Kontinuität
4.2 Direkte Kommunikation
4.3 Pflegeprozessplanung & Durchführung der Pflege
5. Vorteile des Primary Nursing Konzeptes
6. Schwierigkeiten
7. Persönliches Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Primary Nursing Konzept als patientenorientiertes Organisationsmodell in der Pflege, analysiert dessen historische Entwicklung sowie die Herausforderungen und notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung aus der Sicht des Pflegemanagements.
- Grundlagen und Definition des Primary Nursing
- Vergleich der derzeitigen funktionsorientierten Pflegeorganisation mit dem Primary Nursing Modell
- Rolle des Pflegemanagements als Change Agent bei der Einführung
- Kernelemente: Verantwortung, Kontinuität und direkte Kommunikation
- Wirtschaftliche und qualitative Vorteile des Konzepts
Auszug aus dem Buch
4. Implementierung von Primary Nursing aus Managementsicht
Die größte Herausforderung bei der Einführung des Primary Nursing Systems dürften die Veränderungen sein, die im Bereich des Krankenhausmanagements und der Stationsleitung nötig sind. Gerade das Prinzip größerer Autonomie, für die einzelnen Pflegekräfte, könnte mit den traditionell hierarchischen Strukturen deutscher Krankenhäuser kollidieren.
Um von der konventionellen Managementorganisation zum Primary Nursing zu gelangen, muss sich auch das Management intensiv mit den vier Kernelementen des Primary Nursing Konzeptes, im Besonderen aber mit der Dezentralisierung von Verantwortung, auseinandersetzen. Das Pflegemanagement kann, bei der Implementierung eines neuen Konzeptes, die Rolle eines Change Agent einnehmen. Ein Change Agent (etwa Erneuerer, Betreiber eines Wandels) ist ein Experte für die konstruktive Herbeiführung von Klärungen in Entscheidungs- und Konfliktsituationen, sowie von Innovationen bzw. Neuerungen oder Änderungen im persönlichen, organisatorischen, wirtschaftlich-technologischen oder politisch sozialen Bereich.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Übertragbarkeit des "one Face to the Customer"-Ansatzes aus dem Marketing auf die Pflege und stellt die Relevanz des Primary Nursing Konzepts sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.
1. Pflege in deutschen Krankenhäusern: Dieses Kapitel kritisiert die tätigkeitsorientierte Organisation im deutschen Gesundheitswesen und den Mangel an Kontinuität durch die schichtbezogene Verantwortung.
2. Geschichte des Primary Nursing Konzeptes: Hier wird die Entstehung des Konzepts in den 60er Jahren durch Marie Manthey als Gegenreaktion auf die Entprofessionalisierung der Pflege in den USA erläutert.
3. Das Primary Nursing Konzept: Das Kapitel definiert den Ansatz, stellt Kernelemente wie die 24-Stunden-Rechenschaftspflicht vor und beschreibt das Zusammenwirken von Primary Nurse und Associate Nurse.
4. Implementierung von Primary Nursing aus Managementsicht: Es wird die notwendige Transformation der Führungsstruktur und die Rolle der Stationsleitung als Manager und Berater bei der Einführung des Modells diskutiert.
5. Vorteile des Primary Nursing Konzeptes: Dieses Kapitel thematisiert die ökonomischen Vorteile, die Steigerung der Personalmotivation und die Verbesserung der Pflegequalität durch das Konzept.
6. Schwierigkeiten: Auf Basis eines Interviews werden potenzielle Hürden wie Akzeptanzprobleme, Rollenkonflikte zwischen Primary und Associate Nurse sowie Gefahren des Burn-outs aufgezeigt.
7. Persönliches Fazit: Die Autorin resümiert die Notwendigkeit des Wandels und bewertet Primary Nursing als zukunftsfähiges Leistungsstrukturmodell für deutsche Krankenhäuser.
Schlüsselwörter
Primary Nursing, Pflegeorganisation, Pflegemanagement, Bezugspflege, Kontinuität, Verantwortung, Patientenorientierung, Implementierung, Change Agent, Pflegeprozessplanung, Autonomie, Pflegequalität, Gesundheitsmanagement, Stationsteam, Personalentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt das Primary Nursing Konzept als Organisationsmodell, welches die pflegerische Verantwortung dezentralisiert und den Patienten in den Mittelpunkt stellt.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Zentral sind die Implementierung des Modells aus Managementsicht, die geschichtliche Entwicklung, die Rollenverteilung zwischen Primary und Associate Nurse sowie der Vergleich zum tayloristisch geprägten deutschen Pflegesystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Primary Nursing Konzept strukturell eingeführt werden kann und welche Anforderungen dies an das Management stellt, um eine patientenorientierte Versorgung zu gewährleisten.
Welche methodische Vorgehensweise wird genutzt?
Neben einer umfassenden Literaturanalyse wurde für die Darstellung der praktischen Schwierigkeiten ein Experteninterview mit einem Projektleiter eines Krankenhauses durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Konzepts, eine detaillierte Analyse der Implementierung durch das Management sowie die Diskussion von Vorteilen und auftretenden Schwierigkeiten.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Primary Nursing, Pflegeorganisation, Bezugspflege, Verantwortungsdezentralisierung und Change Management.
Welche Rolle spielt die Stationsleitung bei der Einführung?
Die Stationsleitung muss vom direkten Anweiser zum Coach und Manager werden, der Verantwortung an die Primary Nurses delegiert und den kulturellen Wandel aktiv unterstützt.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Associate Nurse?
Sie ist eine qualifizierte Pflegefachkraft, die während der Abwesenheit der Primary Nurse deren Pflegeplanung strikt umsetzt, und keine hierarchisch untergeordnete Hilfskraft.
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- Yvonne Mocker (Author), 2007, Das Primary Nursing Konzept, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87080