Dem Titel dieser Arbeit nach befindet sich psychosoziale Beratung in einer Weiterentwicklung. Ist das so? Und wenn ja, welcher Art sind diese Veränderungen? Wie sehen die neuen Konzepte, Methoden, Ansätze und Theorien aus? Inwieweit, nehmen diese Veränderungen Anschluss an ihre vorherigen? Welchen Einfluss haben die neuen Entwicklungen auf die Praxis, und werden die neuen Konzepte in den Beratungsstellen angewendet?
Auf den folgenden Seiten wird das Feld psychosozialer Beratung gesichtet, ihre Veränderungen einer systematischen Untersuchung zu unterziehen und Ergebnisse dieser Untersuchung darzustellen.
Im Hauptteil der vorliegenden Arbeit stellt der Autor die neuen Entwicklungen psychosozialer Beratung systematisch vor: Zunächst werden unter den beiden Begriffen Belastungs-Bewältigungs-Paradigmen und Selbstwirksamkeit jeweils zwei Modelle (Transaktionales Stress-Modell und Salutogenes-Modell) bzw. zwei Theorien (Soziale Lerntheorie und Kognitive Lerntheorie) vorgestellt.
Im Anschluss ist jeweils ein Ansatz (Sozialökologischer Ansatz bzw. Gemeindepsychologische Beratung) zu finden. Jeweils ein komplettes Unterkapitel kommt dann dem Systemtheoretischen Ansatz und der Lebensweltorientierung zu. Sie werden von vielen Autoren im deutschsprachigen Raum als die beiden wichtigsten, einflussreichsten und zukunftsträchtigsten Entwicklungen in der psychosozialen Beratung angesehen und diskutiert.
Um die (Weiter-) Entwicklung der psychosozialen Beratung deutlich machen zu können, bedarf es der Darstellung früherer Methoden, Ansätze und Modelle psychosozialer Beratung (Psychoanalyse, klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, Verhaltenstherapie und Allgemeine & Spezielle Beratungspsychologie nach Dietrich).An Hand der Beschreibung dieser, lassen sich die konzeptionellen Veränderungen psychosozialer Beratung darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Einleitung
2.1 Zu klärende Begriffe
2.1.1 Beratung allgemein
2.1.2 Psychologische Beratung
2.1.3 Soziale Beratung
2.1.4 Sozialpädagogische Beratung
2.1.5 Psychosoziale Beratung
3 Frühere Methoden, Ansätze und Modelle psychosozialer Beratung
3.1 Frühere Konzepte psychosoziale Beratung
3.1.1 Psychoanalyse (tiefenpsychologischer Ansatz)
3.1.2 Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie (humanistischer Ansatz)
3.1.3 Verhaltenstherapie (behavioristischer Ansatz)
3.1.4 Allgemeine und Spezielle Beratungspsychologie nach Dietrich
3.2 Zusammenfassung
3.2.1 Einflüsse
3.2.2 Störungsverständnis, Interventionen und Ziele
3.2.3 Kernbegriffe / -aussagen Kapitel 2
4 Neue Theorien, Ansätzen und Konzepte psychosozialer Beratung
4.1 Belastungs-Bewältigungs-Paradigmen
4.1.1 Transaktionales Stress-Modell nach Lazarus
4.1.2 Gesundheit und Salutogenes-Modell
4.1.3 Sozialökologischer Ansatz
4.2 Selbstwirksamkeit
4.2.1 Soziale Lerntheorie nach J. Rotter
4.2.2 Die kognitive Lerntheorie nach A. Bandura
4.2.3 Gemeindepsychologische Beratung – Community Counseling
4.3 Der Systemtheoretische Ansatz
4.3.1 Theorie
4.3.2 Das System
4.3.3 Grundlegende Aspekte des systemischen Ansatzes
4.3.4 Systemische Beratung
4.3.5 Störungsverständnis, Interventionen und Ziel
4.3.6 Systemischer Ansatz, psychosoziale Beratung und Soziale Arbeit
4.4 Lebensweltorientierung
4.4.1 Begriffsklärung
4.4.2 Das Konzept der Lebensweltorientierung
4.4.3 Störungsverständnis, Interventionen und Ziel
4.4.4 Bezüge
4.4.5 Lebensweltorientierung, psychosoziale Beratung und Soziale Arbeit
4.4.6 Lebensweltorientierte Ressourcenarbeit
4.5 Zusammenfassung
4.5.1 Umweltbezug
4.5.2 Bezüge
4.5.3 Vier repräsentative Ansätze
4.5.4 Kernbegriffe / -aussagen Kapitel 3
5 Konzeptionelle Veränderungen psychosozialer Beratung
5.1 Veränderungen und Entwicklungen in der psychosozialen Beratung
5.1.1 Der veränderte Blickwinkel
5.1.2 Konzeptuelle Veränderungen
6 Aus- und Wechselwirkungen durch die Entwicklungen psychosozialer Beratung
6.1 Einfluss auf die Praxis
6.2 Gesellschaftliche Entwicklungen und psychosoziale Beratung
6.3 Psychosoziale Beratung und Soziale Arbeit
6.3.1 Beratung in der Sozialen Arbeit
6.3.2 Beratung als eigenständige Arbeitsform der Sozialen Arbeit
6.3.3 Professionalisierung in Beratung und Sozialer Arbeit
6.3.4 Beratung und Soziale Arbeit in der post-modernen Risikogesellschaft
7 Zur zukünftigen Entwicklung psychosozialer Beratung
7.1 Alternative Perspektive und berufsgruppenoffene Professionalisierung
7.2 Beratung und Gesundheitsfürsorge
7.3 Die Konzeptdiskussion
7.4 Eklektizismus
7.5 Ausblick
8 Resümee
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die systematische Untersuchung neuer Konzepte und Entwicklungen im Bereich der psychosozialen Beratung im deutschsprachigen Raum. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, inwiefern sich das Verständnis von Beratung durch moderne Ansätze verändert hat, welche theoretischen Hintergründe diese neuen Ansätze prägen und wie diese Entwicklungen die praktische Arbeit sowie das Selbstbild der Berater beeinflussen.
- Vergleich und Einordnung klassischer psychotherapeutischer Modelle gegenüber modernen psychosozialen Beratungsansätzen.
- Analyse der Bedeutung von Belastungs-Bewältigungs-Paradigmen, Selbstwirksamkeit und Systemtheorie.
- Untersuchung des Konzepts der Lebensweltorientierung als zentraler Pfeiler für eine moderne Soziale Arbeit.
- Darstellung der Wechselwirkungen zwischen psychosozialer Beratung und gesellschaftlichen Entwicklungen wie der "Risikogesellschaft".
- Professionalisierung der psychosozialen Beratung und ihre Abgrenzung sowie Ergänzung zur klassischen Psychotherapie.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Transaktionales Stress-Modell nach Lazarus
„Das Coping-Konzept ist auf den Umgang mit unterschiedlichsten Belastungen zentriert und besitzt deshalb für die Theorie und die Praxis der Sozialen Arbeit eine herausragende Bedeutung“ (Schermer, 1999, S. 160).
Den Begriff der Bewältigung (coping) wurde vor allen von Lazarus und seiner Arbeitsgruppe geprägt. Nach ihrem Konzept besteht Bewältigung aus „kognitiven und behavioralen Anstrengungen, die dazu dienen, mit spezifischen externalen und internalen Anforderungen (und Konflikten zwischen diesen) umzugehen, welche als die Ressourcen der Person stark beanspruchend bzw. überschreitend eingeschätzt werden“ (Schermer 1999, S. 161, nach Lazarus, 1991).
Mit transaktional betont auch Lazarus die bereits erwähnte Personen-Umwelt-Beziehung. Er macht deutlich, dass zur Darstellung von Konflikten, Stress oder Krisen es nie ausreicht, nur eine der beiden Seiten zu betrachten. Im Sinne von Banduras reziprokem Determinismus stehen Person und Umwelt für Lazarus in einer transaktionalen Beziehung, also einer wechselseitigen und adaptiven Bezogenheit auf einander.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Der Autor erläutert seinen akademischen Hintergrund und seine Motivation, sich intensiv mit psychosozialer Beratung auseinanderzusetzen.
2 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der sich wandelnden Beratungslandschaft ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen zur Weiterentwicklung der psychosozialen Beratung.
3 Frühere Methoden, Ansätze und Modelle psychosozialer Beratung: Eine Übersicht über klassische psychotherapeutische Ansätze wie Psychoanalyse und Verhaltenstherapie, die als Grundlage für spätere Beratungsmodelle dienten.
4 Neue Theorien, Ansätzen und Konzepte psychosozialer Beratung: Der Hauptteil der Arbeit, der moderne Paradigmen wie Belastungs-Bewältigungs-Konzepte, Selbstwirksamkeit, Systemtheorie und Lebensweltorientierung detailliert vorstellt.
5 Konzeptionelle Veränderungen psychosozialer Beratung: Eine Meta-Analyse, die den Paradigmenwechsel von individuumszentrierten hin zu lebensweltorientierten und systemischen Sichtweisen systematisiert.
6 Aus- und Wechselwirkungen durch die Entwicklungen psychosozialer Beratung: Untersucht den Einfluss der neuen Konzepte auf die tägliche Praxis sowie die Relevanz gesellschaftlicher Risikostrukturen für die Beratung.
7 Zur zukünftigen Entwicklung psychosozialer Beratung: Diskutiert Anforderungen an die Professionalisierung, die Bedeutung von Gesundheitsfürsorge und die Rolle des Eklektizismus in der zukünftigen Beratungspraxis.
8 Resümee: Eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse, die den Wandel der psychosozialen Beratung bestätigt und Anforderungen an das zukünftige Selbstverständnis der Profession formuliert.
Schlüsselwörter
Psychosoziale Beratung, Lebensweltorientierung, Systemtheorie, Sozialökologischer Ansatz, Selbstwirksamkeit, Bewältigungsstrategien, Coping, Soziale Arbeit, Salutogenese, Empowerment, Netzwerkarbeit, Paradigmenwechsel, Professionalisierung, Ressourcenorientierung, Risikogesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der psychosozialen Beratung im deutschsprachigen Raum und analysiert den Wandel von klassischen, psychotherapeutisch geprägten Modellen hin zu neuen, lebensweltorientierten und systemischen Konzepten.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Beratung, das Verständnis von Störung, moderne Ansätze wie das Transaktionale Stress-Modell, Selbstwirksamkeit sowie die Einbindung des sozialen Umfelds durch Ansätze wie das Community Counseling.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, die "neuen Konzepte und Entwicklungen" der psychosozialen Beratung systematisch zu sichten, ihre theoretische Herkunft zu beleuchten und den Einfluss dieser Veränderungen auf die Praxis und das Selbstbild von Beratern zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine systematische Literaturanalyse, um verschiedene Beratungsansätze zu sichten, einander gegenüberzustellen und deren Bedeutung für die Soziale Arbeit zu interpretieren.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Darstellung neuer Theorien, insbesondere den Belastungs-Bewältigungs-Paradigmen, dem systemischen Ansatz sowie der Lebensweltorientierung als integratives Rahmenkonzept.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lebenswelt, System, Ressourcenorientierung, Empowerment, Person-Umwelt-Transaktion und die Abkehr von einer rein defizitorientierten Sichtweise.
Wie definiert der Autor das Konzept der Lebensweltorientierung?
Lebensweltorientierung wird als ein Rahmenkonzept verstanden, das den Menschen in seinen konkreten Verhältnissen, Ressourcen und Alltagserfahrungen sieht und die Beratung als Unterstützung in diesem Kontext begreift, statt den Klienten nur als defizitäres Individuum zu betrachten.
Inwiefern beeinflusst die "Risikogesellschaft" die psychosoziale Beratung laut Autor?
Die Unsicherheiten und wachsenden Anforderungen der modernen Risikogesellschaft erhöhen den Bedarf an Beratung, da Menschen mehr Unterstützung bei Orientierung, Entscheidungsfindung und der Bewältigung komplexer Lebenssituationen benötigen.
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- Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge; Master of Science in Social Work Jan Thivissen (Author), 2006, Psychosoziale Beratung. Neue Konzepte und Entwicklungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87102