Wie begründet Kant in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ den „kategorischen Imperativ“?


Hausarbeit, 2007

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des kategorischen Imperativs

3. Formen des kategorischen Imperativs im zweiten Abschnitt
3.1. Naturgesetz - Formel
3.2. Zweck - an - sich - Formel
3.3. Autonomie - Formel
3.4. Reich - der - Zwecke - Formel

4. Argumentationsverlauf in der ersten Hälfte des dritten Abschnitts

5. Reflektion der Argumentation

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

Wir alle entscheiden uns jeden Tag zwischen mehreren Handlungen. Dabei fällt uns die eine oder andere Wahl besonders leicht und läuft völlig unbewusst ab, andere bedürfen eingehender Betrachtung und die „richtige“ Entscheidung scheint uns doch unmöglich aufzufinden. Letztere beschäftigen sich oftmals mit moralischen Problemen und begegnen uns in nur geringem Maße. Ein aktuelles, wenn auch nicht alltägliches Beispiel für ein solches Dilemma ist die Frage, ob man ein Passagierflugzeug abschießen darf, um dadurch einen Terroranschlag zu vereiteln. Eine Situation, die jedem von uns passieren kann, ist folgende: Stellen Sie sich vor, Sie seien seit Monaten mit einem Pärchen befreundet; sowohl mit der Frau Claudia als auch mit dem Mann Frank verstehen Sie sich ausgezeichnet. An einem Abend in der Disco geht Frank fremd und bittet Sie, es Claudia nicht zu erzählen. Diese wittert aber Verdacht und fragt Sie, ob sie etwas wüssten. Wie sollen Sie sich nun verhalten? Ist es überhaupt möglich, das Richtige zu tun, geschweige denn zu wissen, was das Richtige ist? Besonders zur Zeit der Aufklärung war das eine zentrale Fragestellung: Kann der Mensch aus eigenen Mitteln das logisch richtige erkennen?[1]

Wäre es nicht praktisch, wenn man eine Formel hätte, in die man seine Variablen (seine Situation) einsetzen könnte und die „richtige“ Entscheidung als Ergebnis herauskäme?

Kant hat genau das versucht - die Erstellung einer „Handlungs - Findungs - Formel“ für moralische Fragestellungen. In dieser Arbeit soll diese Formel vorgestellt und deren Begründung untersucht werden.

2. Definition des kategorischen Imperativs

Der Name der Formel lautet Kategorischer Imperativ / KI und ihre Form ist die folgende:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.[2]

Das heißt, nur wenn man wollen könnte, dass jener, der Handlung zugrunde liegende, Grundsatz ein Gesetz wird, soll man in diesem Sinne handeln. Man muss sich also seinen Handlungsvorsatz vor Augen führen, ihn verallgemeinern und sich überlegen, ob er für alle vernünftigen Wesen gültig sein sollte. Nur wenn letzteres der Fall ist, sollte die Handlung ausgeführt werden.

Kant spricht bei dem KI jedoch nicht von einer Formel, sondern von dem „obersten Prinzip der Moralität“.[3]

3. Formen des kategorischen Imperativs im zweiten Abschnitt

Im Laufe des zweiten Abschnittes treten mehrere abgeänderte Formen des KI’s auf, welche hier näher betrachtet werden sollen.

1. Naturgesetz - Formel: „Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte.“[4]

Hierbei handelt es sich in erster Linie um eine Umformulierung - Gesetze und Naturgesetze zeichnen dasselbe aus, nämlich Allgemeingültigkeit und das ist es, worauf es Kant ankommt.

2. Zweck - an - sich - Formel: „Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“[5]

Im alltäglichen Sprachgebrauch ist das Mittel dienlich einen bestimmten Zweck zu erreichen. Analog zu unserem Verständnis von Mittel und Zweck überträgt Kant die beiden Begriffe auf Lebewesen: „[…] jedes vernünftige Wesen existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloß als Mittel zum beliebigen Gebrauche für diesen oder jenen Willen […]“[6]

Mit der angeführten Formel soll ich prüfen, ob meine Maxime den Selbstzweck eines vernünftigen Wesens missbraucht, d. i. es ausschließlich als Mittel betrachtet und gebraucht. Ist dies der Fall, so ist die Maxime unmoralisch, denn benutzt man ein vernünftiges Wesen nur als Mittel für einen bestimmten Zweck, so beraubt man es seiner Freiheit und das ist (menschen-)unwürdig. Kant betont jedoch, dass es durchaus legitim ist, ein Vernunftwesen als Mittel zu gebrauchen, wenn man es in seiner Freiheit nicht beschneidet, d. h. seinen Zweck an sich noch anerkennt. Lediglich die ausschließliche Reduktion auf ein Mittel ist für Kant unmoralisch.

3. Autonomie - Formel: „[Handle so], daß der Wille durch seine Maxime sich selbst zugleich als allgemein gesetzgebend betrachten könne.“[7]

Wie im weiteren Verlauf des Textes deutlich wird, erlegt der Wille eines Vernunftwesens sich selbst den KI auf. Kann eine Maxime also nicht mit der Gesetzgebung des Willens bestehen (welche den KI widerspiegelt), so darf sie nicht angewendet werden.

4. Reich - der - Zwecke - Formel: „Demnach muss ein jedes vernünftige Wesen so handeln, als ob es durch seine Maximen jederzeit ein gesetzgebendes Glied im allgemeinen Reich der Zwecke wäre.“

Dieses Reich der Zwecke ist für Kant ein Idealbild, in dem „eine systematische Verbindung vernünftiger Wesen durch gemeinschaftliche objektive Gesetze“[8] entsteht. Für jedes Glied dieses Reiches gilt die Zweck - an - sich - Formel, alle sind gesetzgebend und autonom.

Die Maxime soll als ein allgemeines Gesetz in diesem Reich fungieren können. Nur dann ist sie moralisch vertretbar.

Trotz dieser verschiedenen Formen des KI’s rät Kant, dass man sich doch an die allgemeine Formel halten soll: „Man tut aber besser, wenn man in der sittlichen Beurteilung immer nach der strengen Methode verfährt und die allgemeine Formel des kategorischen Imperativs zum Grunde legt: [...].“[9]

Die anderen Formeln sollen als Hilfe dienen, wenn man mit der allgemeinen Formel nicht weiterkommt: „[...] so ist es sehr nützlich, ein und eben dieselbe Handlung durch benannte drei Begriffe zu führen und sie dadurch, so viel sich tun läßt, der Anschauung zu nähern.“[10]

[...]


[1] Vgl. Rationalismus und Empirismus

[2] Kant, S. 45

[3] Kant, S. 8

[4] Kant, S. 45

[5] Kant, S. 55

[6] Kant, S. 53

[7] Kant, S. 61

[8] Kant, S. 60

[9] Kant, S. 64

[10] Kant, S. 64; Kant spricht hier von drei weiteren Formen des KI’s, obwohl wir soeben vier kennen gelernt haben. Es ist in der Sekundärliteratur sehr umstritten, auf welche drei Formeln Kant die Ausführungen zum KI beschränkt. Dies soll hier jedoch nicht weiter erläutert werden, da es für den restlichen Text keine Bedeutung hat.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wie begründet Kant in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ den „kategorischen Imperativ“?
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie)
Veranstaltung
Kants Moralphilosophie
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V87111
ISBN (eBook)
9783638059343
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kant, Metaphysik, Sitten“, Imperativ“, Kants, Moralphilosophie
Arbeit zitieren
Eva Moritz (Autor), 2007, Wie begründet Kant in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ den „kategorischen Imperativ“?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87111

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