Die makedonische Armee - 359 bis 334 v. Chr.


Seminararbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Verzeichnis der Inhalte

I. Einleitung

II. Die Infanterie
II.1. Organisation und Struktur
II.2. Training
II.3. Ausrüstung

III. Die Kavallerie
III.1. Rekrutierung und Gliederung
III.2. Training
III.3. Ausrüstung
III.4. Aufgaben und Taktik

IV. Resümee

V. Verzeichnis von Quellen und Literatur
V.1. Quellen
V.2. Literatur

I. Einleitung

Im Jahre 333 v. Chr. wurde das Heer des persischen Königs Dareios III. von einem zahlenmäßig weit unterlegenen Aufgebot Makedoniens unter Führung von Alexander dem Großen vernichtend geschlagen. Diese Schlacht war der Anfang vom Ende des persischen Großreichs und markiert einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte der Antike.

Weniger als ein Vierteljahrhundert vorher war das Reich Makedonien vor dem Zusammenbruch. Nachdem eine militärische Niederlage einen gewaltigen Verlust an Mensch und Material gefordert hatte, dem auch der König Perdikkas II. zum Opfer fiel, stand die dauerhafte Besatzung durch die Illyrier unmittelbar bevor.

Die Frage, die sich aufdrängt ist, wie konnte das am Boden liegende Makedonien innerhalb von kurzer Zeit zum siegreichen Kontrahenten des gewaltigen Perserreiches werden? Neben Personen, zeitlichen Umständen und unzähligen anderen Einflüssen, die in dieser Geschichte eine Rolle spielen, möchte sich die vorliegende Arbeit mit einem sehr begrenzten Bereich beschäftigen: dem makedonischen Heer.

Das Heerwesen des makedonischen Reiches vom Beginn der Herrschaft Philipps II. bis zur Schlacht von Issos unter Alexander soll im Folgenden systematisch erfasst und nachvollzogen werden.

Es soll jeweils eine Zusammenfassung über Ausbildung, Ausrüstung, Zusammensetzung und Aufgabenbereiche gegeben werden. Zum Teil ist nicht mehr genau nachvollziehbar, wann genau welche Änderungen und Reformen durchgesetzt wurden, aber durch die enge Abgrenzung des Zeitraums spielt es auch kaum eine Rolle, da viele Neuerungen schrittweise vonstatten gegangen sind. Die Untergliederung nach den Waffengattungen Infanterie und Kavallerie ist in diesem Zusammenhang sinnvoll, da beide völlig andere Merkmale und Aufgabenbereiche besaßen. Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, einen Überblick über die wesentlichen Strukturen und prägenden Elemente der Streitkräfte zu geben.

II. Die Infanterie

II.1. Organisation und Struktur

Die Organisation der makedonischen Landstreitkräfte vor dem Regierungsantritt Phillips II. ist weitgehend unbekannt bzw. nur ungenau überliefert. Die Truppen wurden aber mit einiger Sicherheit aus den niederen Regionen Makedoniens rekrutiert, wobei die Fußtruppen einen geringen Kampfwert auf dem Schlachtfeld aufgewiesen haben.[1] Zum einen fehlte eine einheitliche Bewaffnung, die nicht von der verstreut lebenden, verhältnismäßig armen Bevölkerung auf eigene Kosten besorgt werden konnte.[2] Auf der anderen Seite waren, durch den geringen Stellenwert der Infanterie und der Schwerpunktsetzung auf der adligen Reiterei, regelmäßige Trainings- und Exerzierübungen für das einfache Fußvolk nicht vorgesehen.[3]

Entsprechend zogen sich die Heere Makedoniens auf befestigte Plätze und hinter Mauern zurück, wenn organisierte Heere im Anmarsch waren und versuchten mit den Reitertruppen an günstigen Stellen anzugreifen, wobei nur sehr begrenzte Erfolge erzielt wurden.[4] Die Fußsoldaten spielten für die offensive Kriegführung eine untergeordnete bzw. gar keine Rolle.

Als im Jahre 359 v. Chr. Philipp II. das von außen bedrohte und innerlich gespaltene Makedonien übernahm, war die Lage mehr als misslich. Der Verlust von 4000 Gefallenen, darunter seinem Bruder Perdikkas II., zwang zu einer tiefgreifenden Reform des Heeres, um dem Ansturm der illyrischen Truppen standhalten zu können.[5]

Innerhalb von einem Jahr nach Regierungsantritt gelang es Philipp II., die Infanterie Makedoniens auf eine Stärke von zehntausend Mann anzuheben.[6] Auch spätere Steigerungen der numerischen Stärke lassen sich mit dem theoretischen Potential von achtzig Tausend wehrfähigen Makedonen[7] erklären, aber natürlich erst ab dem Zeitpunkt eines geeinten Landes unter vollständiger Kontrolle des Königs. Ein Beleg dafür, dass die Vorgänger weder in der Lage waren, das Land unter Kontrolle zu halten, noch das volle Potential der wehrfähigen Männer auszuschöpfen.[8]

Um aus einem gemischten Haufen von Bauern eine schlagkräftige Truppe von kampffähigen Infanteristen zu formen, benötigt es einige Faktoren, die erst mit Philipp II. realisiert wurden. Diese Faktoren besitzen bis heute Gültigkeit. Die Individuen müssen in Gruppen zusammengefasst werden, die auf dem Schlachtfeld kampffähig sind. Dafür sind einheitliche Kleidung bzw. Rüstung vonnöten, Rituale zur Eingliederung in die Organisation, regelmäßiges Training in der Physis sowie im Umgang mit Waffen und schließlich das Aufgehen des Einzelnen in der militärischen Gruppe. Das Training für den erfolgreichen Angriff, welches die Tötung feindlicher Soldaten voraussetzt, muss ebenfalls erfolgen und setzt eine mentale Auseinandersetzung des einzelnen Soldaten mit der Situation „Krieg“ voraus.[9]

Die Aufstellung und das Training der makedonischen Fußsoldaten machen diesen komplexen Vorgang in bemerkenswerter Weise deutlich. Die folgenden Angaben zu Organisation und Gliederung der makedonischen Fußtruppen beziehen sich vornehmlich auf die schwere Infanterie, als makedonische „Phalanx“( φάλαγξ ) bezeichnet. Die Durchsetzung einzelner Reformen in der Organisation ist fließend ineinander übergehend und kaum trennbar, weswegen sowohl die Zeit Philipps II. als auch Alexanders einbezogen sind.[10]

Die kleinste Organisationseinheit dürfte die „dekas“(δεκάς) mit zehn bzw. später sechzehn Mann gewesen sein. Bereits in dieser kleinen Gruppe gab es, wie auch in modernen Armeen, Abstufungen zwischen den einzelnen Soldaten. Der „dekadarchos“(δεκαδάρχος), im heutigen Sinne am ehesten mit Gruppenführer übersetzt und drei weitere, nach Erfahrung eingesetzte und höher besoldete, Soldaten sorgten für die innere Geschlossenheit der Gruppe[11].

Die nächst höhere Organisationsebene, die „lochos“ (Λόχος), fasste vermutlich zwischen 240 und 256 Mann zusammen. Diese, nach heutigen Maßstäben am ehesten mit einer Kompanie vergleichbare, Untereinheit stellte den ersten selbständig kampfähigen Verband der makedonischen Armee dar. Unter einem „lochagos“ (Λοχάγος) wurde diese in der Regel sechzehn Mann breit und sechzehn Mann tief gestaffelte Einheit in die Schlacht geführt und agierte als eigenständige Formation.[12]

Die „taxeis“(τάξις) setze sich entsprechend aus sechs „lochoi“ zusammen und bildete mit über 1500 Mann die größte Organisationseinheit der makedonischen schweren Infanterie. Jede, im heutigen Sinne am ehesten mit Brigade übersetzte, Organisationseinheit besaß eine regionale Homogenität entsprechend dem System der Rekrutierung.[13] Die Kommandeure waren häufig aus derselben Region und gaben der Einheit ihren Namen.[14]

Alexander besaß beim Übergang über den Hellespont sechs dieser „taxeis“ mit insgesamt neuntausend Mann, wobei die Zahlen unsicher sind. Diese Truppe, ehrenvoll als „pezhetairoi“(πεζέταιροι) bezeichnet, aus rein makedonischen Männern stellte als schwere Infanterie das Rückgrat der makedonischen Armee dar.

[...]


[1] Sage, M. M., Warfare in ancient Greece. A sourcebook, London 1996. S. 163f.

[2] Snodgrass, A. M., Wehr und Waffen im antiken Griechenland, Mainz 1984, S. 235.

[3] Errington, R. M., Geschichte Makedoniens. Von den Anfängen bis zum Untergang des Königreiches, München 1986, S. 213.

[4] Thuk., 2, 100, 1-5, zitiert nach: Vretska, H., Rinner, W. (Hrsg.), Stuttgart 2004.

[5] Hammond, N. G. L., Griffith, G. T., A History of Macedonia. Volume II (550-336 B.C.), Oxford 1979, XII 1.

[6] Ebenda.

[7] Sage, London 1996, S. 163.

[8] Sage, London 1996, S. 166.

[9] Loyd, A. B., Philip II and Alexander the Great. The Moulding of Macedon´s Army, In: Lloyd, Alan B. (Hrsg.), Battle in antiquity, London 1996, S. 170.

[10] Errington, München 1986, S. 213.

[11] Bosworth, A. B., Conquest and empire. The reign of Alexander the Great, Cambridge 1993, S. 273.

[12] Errington, München 1986, S. 217.

[13] Hammond, Oxford 1979, XII 3 ii.

[14] Sage, London 1996, S. 171.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die makedonische Armee - 359 bis 334 v. Chr.
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Makedonische Hegemonie und Reichsbildung (4. Jh. v. Chr.)
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V87129
ISBN (eBook)
9783638013116
ISBN (Buch)
9783638916660
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit bietet im Sinne eines Handbuchs ("handbuchartige Ausführungen") einen systematischen Überblick zu Organisation, Training und Ausrüstung der makedonischen Armee zwischen 359 bis 334 v. Chr.
Schlagworte
Armee, Makedonische, Hegemonie, Reichsbildung
Arbeit zitieren
cand. paed. Martin Johannes Gräßler (Autor), 2007, Die makedonische Armee - 359 bis 334 v. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87129

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