Rating für den Mittelstand


Hausarbeit, 2002
22 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung und Vorgehensweise:

1. Was versteht man unter Rating
1.1. Rating-Definition
1.1.1. Internes Rating
1.1.2. Externes Rating
1.2. Hintergrund: Basel II
1.2.1. Was bedeutet Basel II?
1.2.2. Welche Folgen ergeben sich daraus?

2. Welche besondere Problematik bildet das Rating für den deutschen Mittelstand?
2.1. Kosten Beispiel: Mögliche Kreditzinsentwicklung bei verschiedenen Bonitäten im Vergleich
2.2. Auswirkung auf die Fremdfinanzierungs-Möglichkeiten

3. Rating als Chance - Welche Möglichkeiten bringt das Rating für ein Unternehmen?
3.1. Wie mache ich mein Unternehmen „fit für´s Rating“?
3.2. Interner Nutzen
3.3. Externer Nutzen

4. Fazit: Rechtzeitige Vorbereitung auf das Rating soll als Chance genutzt werden

Literaturverzeichnis

Einleitung und Vorgehensweise

„Rating für den Mittelstand: Chance oder Ärgernis?“1

„Das Rating wird zum Dreh- und Angelpunkt für die Kreditvergabe“2 „Angst vor Steigenden Zinsen haben vor allem Kleinunternehmen“3 „Nichts zu fürchten!“4

„Unternehmen und Banken sehen Mittelstand wegen Basel II bedroht“5

Diese und ähnliche entgegengesetzten Meldungen sind in der letzten Zeit immer häufiger in der Presse zu lesen. In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit dem Thema „Rating für den Mittelstand“ beschäftigen und dabei auf die Frage: „2005 - eine Bedrohung für den Mittelstand?“ eingehen.

Zunächst werden im Kapitel 1 zur Erläuterung die Begriffe „Rating“ und „Basel II“ erklärt. Ich möchte dabei auf die Unterscheidung zwischen internem und externem Rating kurz eingehen, auf die Definition der verschiedenen Rating-Arten jedoch verzichten, da für den Mittelstand in erster Linie das Unternehmens-Rating von Bedeutung ist. Zu Basel II sollen die Änderungen, die sich durch das zweite Baseler Konsultationspapier ergeben, angeschnitten und die Folgen, die sich daraus für kreditsuchende Unternehmen ergeben, kurz erläutert werden.

Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit soll auf Kapitel 2 liegen. Es beschäftigt sich mit der besonderen Problematik die sich durch die Neuregelungen von Basel II für den deutschen Mittelstand ergeben. Anhand eines Beispiels wird die Veränderung der Kreditfinanzierungskosten bei unterschiedlichen Bonitäten im Vergleich dargestellt. Daraus schließend wird auf die Auswirkungen für die Fremdfinanzierungsmöglichkeiten von kleinen und mittelständischen Unternehmen hingewiesen.

Schließlich werden in Kapitel 3 die Möglichkeiten aufgezeigt, die die Vorbereitung auf das Rating sowie das Rating selbst, für das Unternehmen und für dessen Beziehungen nach außen mit sich bringt.

Auf Rating-Agenturen sowie deren Kosten und auch die Kriterien, die bei einem Unternehmens-Rating untersucht werden, soll in dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden.

1. Was versteht man unter Rating?

1.1. Rating-Definition

Der Begriff Rating stammt aus dem Englischen und wird von dem Verb „to rate“ abgeleitet, was „(ein-)schätzen“, „veranlagen“ (Steuer) oder „zählen zu“ bedeutet6. Demnach wird unter dem Begriff „Rating“ allgemein eine Einschätzung und Bewertung verstanden, mit der verschiedene Dinge einer Klasse anhand einer Notenskala vergleichbar gemacht werden können. So kann zum Beispiel die Leistung eines Schülers, die mit Schulnoten von 1 bis 6 bewertet wurde, eingeschätzt werden. Auch eine Einstufung und Bewertung von Kinofilmen ist auf diese Art möglich.

Nicht zu verwechseln ist das Rating mit dem Begriff „Ranking“, was lediglich eine Einordnung in eine Rangfolge bedeutet, wie zum Beispiel die „50 meistverkauften Alben“ oder die „10 beliebtesten Urlaubsziele“.

Auch Unternehmen können nach einer Notenskala klassifiziert werden: das sogenannte Unternehmens-Rating ist eine Bewertung der Bonität (also der Kreditwürdigkeit) mittelständischer Unternehmen.

In ihm wird „die Meinung [von Analysten] über die Wahrscheinlichkeit der zeitgerechten und vollständigen Bezahlung von Zins- und Tilgungsverpflichtungen eines Schuldners zum Ausdruck gebracht“7

In die Bonitätsbewertung gehen sowohl sogenannte „harte“ als auch „weiche“ Faktoren8 des Unternehmens ein.

-Unter harten Faktoren versteht man solche, die mit Kennzahlen belegbar und dadurch also vergleichbar sind. Zu ihrer Ermittlung werden die
- Bilanzanalyse (-> Analyse der Jahresabschlüsse der letzten 3-5 Jahre sowie Kennzahlenermittlung in den Bereichen Vermögen, Kapital, Finanzkraft, Rentabilität,... und Vergleich dieser Kennzahlen mit Branchenspezifischen Durchschnittswerten) und die
- Branchenanalyse (-> Betrachtung der Insolvenzquote der Branche, in der das untersuchte Unternehmen angesiedelt ist) verwendet.

Unter weichen Faktoren versteht man qualitative Unternehmensfaktoren wie die Managementqualitäten, Produkt- und Marktperspektiven sowie die Organisation (bzw. das Vorhandensein) verschiedener Abteilungen wie Rechnungswesen, Controlling und Marketing9.

Diese Faktoren können sich bei verschiedenen Organisationen die ein Rating durchführen in einzelnen Punkten unterscheiden. Im Allgemeinen werden jedoch immer die wirtschaftliche Situation, das wirtschaftliche Umfeld des Unternehmens sowie persönliche Qualitäten der Führungsebene des Kreditnehmers untersucht10. So ergibt sich eine allgemein gültige und nachvollziehbare Bewertung11.

In der „Benotung“ hat sich eine einheitliche Symbolik durchgesetzt, die meisten Rating- Agenturen richten sich nach den Ratingskalen von Standard & Poor´s bzw. von Moody´s:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: klassische Ratingskalen f ü r langfristige Ratings von Moody ´ s und Standard & Poor ´ s 12

Beim Unternehmens-Rating unterscheidet man prinzipiell zwischen zwei verschiedenen Rating-Ansätzen: dem Standardansatz der auf EXTERNEN Ratings basiert und dem auf INTERNEN Ratings basierenden Ansatz (IRB-Ansatz):

1.1.1. Internes Rating

Das interne Rating ist die von Kreditinstituten durchgeführte Bonitätsanalyse ihrer Kunden. Anhand eines bankinternen Risikomodells wird eine Aussage über die Kreditwürdigkeit eines kreditsuchenden Unternehmens bzw. über die Ausfallwahrscheinlichkeit gemacht13. Ein Vorteil dabei ist, dass die Bank im Allgemeinen aufgrund langjähriger Geschäftsbeziehungen mit dem Kunden viele Insiderinformationen über ihn besitzt. Dadurch ist eine recht genaue Einschätzung der Risiken möglich.

Interne Ratings gab es schon früher, sie wurden jedoch bisher nicht veröffentlicht, sondern nur für interne Zwecke verwendet. Künftig soll dem Kunden das Ergebnis in einem Bankengespräch mitgeteilt werden. Des weiteren basierte die Bonitätsanalyse bis jetzt hauptsächlich auf Vergangenheitswerten, also auf Kennzahlen, die aus der Bilanzanalyse zu ermitteln sind14. Künftig werden, wie in 1.1. beschrieben auch zukunftsweisende Werte wie Markt- und Produktperspektiven, die Unternehmensstrategie und Managementqualitäten in die Bewertung mit einfließen. Durch die große Anzahl an Firmenkunden wäre jedoch ein individuelles Rating für jeden Kunden sehr teuer, deshalb werden meist standardisierte Verfahren verwendet, wodurch das Interne Rating zum Massenprodukt werden kann15.

1.1.2. Externes Rating

Als Externes Rating bezeichnet man die von einer unabhängigen Rating-Agentur durchgeführte Unternehmens-Beurteilung. Da eine solche Agentur keine geschäftspolitischen Interessen an dem zu ratenden Unternehmen hat, kann von einem objektiven Urteil ausgegangen werden16. Auch die Befürchtung, dass zu viele Unternehmensdaten preisgegeben werden und an die Öffentlichkeit gelangen ist unbegründet, da alle Informationen auf jeden Fall vertraulich behandelt und ein schlechtes Rating auch von der Veröffentlichung ausgeschlossen werden kann. Der Grund, warum der Mittelstand vor externen Ratings zurückschreckt, sind die enormen Kosten, die damit verbunden sind. Sie reichen von 5.000 € bis 38.000 € bei kleineren bis zu 60.000 € bei den internatonal tätigen Rating-Agenturen (Moody’s, S&P, Fitch)17. Dazu kommt, dass ein Rating jährlich wiederholt werden sollte, da nach der ersten Veröffentlichung eine Nicht-Veröffentlichung im Folgejahr im Allgemeinen negativ für das Unternehmen ausgelegt wird. Die Kosten eines Folgeratings sind zwar bei den meisten Agenturen niedriger als die des Erstratings, lohnen sich jedoch meist nicht für ein mittelständisches Unternehmen.

1.2. Hintergrund: Basel II

In Verbindung mit dem Begriff Rating fällt meistens auch der Begriff „Basel II“. Dieser Zusammenhang soll im Folgenden erläutert werden:

In Basel hat die „Bank für Internationalen Zahlungsaustausch“ ihren Sitz. Dort ist der 1975 gegründete „Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht“, eine Vertretung der Bankenaufsichtsbehörden Westeuropas, Kanadas und der USA, angesiedelt18. Hauptanliegen dieses Ausschusses ist es, die Stabilität und Solidität der Kreditinstitute zu sichern, sowie deren Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Finanzgeschäft zu verbessern19. Ihre Aufgabe liegt also nicht in der Versorgung der Wirtschaft mit möglichst günstigen Krediten.

1988 kam der Ausschuss zum Abschluss einer Eigenkapitalvereinbarung (Basel I) die besagte, dass „ab 1992 jedes international tätige Kreditinstitut bei einer Kreditvergabe mindestens 8% der Kreditsumme mit Eigenkapital unterlegen [muss]“20. Diese „Solvabilitätsklausel“ wurde anschließend in nationales deutsches Recht übernommen.

Somit sollte also das Risiko des Bankensystems eingegrenzt werden, was allerdings durch die Eigenkapitalhinterlegung mit einer Begrenzung des möglichen Kreditvolumens bezahlt werden musste.

Durch diese gleichmäßige Eigenkapitalhinterlegungspflicht von 8% wurden alle Kredite

- unabhängig von der Bonität des Schuldners - gleich behandelt. „Gute Schuldner“ finanzierten also indirekt das höhere Forderungsausfallrisiko von „schlechten Schuldnern“.

1.2.1. Was bedeutet Basel II?

Am 16. Januar 2001 wurde das „2. Konsultationspapier zur Reformierung der Eigenkapitalübereinkunft“ (Basel II) veröffentlicht21.

Die darin angestrebten tragenden Elemente sind Mindestkapitalanforderungen aufsichtsrechtliche Überprüfungen Marktdisziplin22.

Mit den neuen Mindestkapitalanforderungen soll eine den Bonitätsunterschieden von Kunden angemessene Eigenkapitalhinterlegungs-Politik und damit eine Auffächerung der Risikoklassen erreicht werden. In Zukunft sollen also nicht mehr einheitlich 8% Eigenkapital bei einer Kreditvergabe hinterlegt werden, sondern abhängig von der Bonität des Kunden 20% von 8% (bei sehr guter Bonität) bis 150% von 8% (bei sehr schlechter Bonität).

Musste ein Kreditinstitut für einen Kredit über 100.000 € bis jetzt 8% von 100.000 € also 8.000 € Eigenkapital hinterlegen, so sind dies jetzt bei sehr guter Bonität des Kunden nur noch 20% von 8% von 100.000 € also 1.600 €. Bei einem Kunden mit sehr schlechter Bonität müssen demnach allerdings 150% von 8% von 100.000 € also 12.000 € hinterlegt werden. Die Bonität der Schuldner wird - wie weiter oben beschrieben - anhand eines internen Rating-Verfahrens ermittelt, wodurch eine Einteilung in die verschiedenen Risikoklassen erfolgt.

Anhand von aufsichtsrechtlichen Überpr ü fungen und der Marktdisziplin (bzw. Offenlegungspflicht) wird die Bank sozusagen einem Banken-Rating unterzogen. Wie beim Unternehmens-Rating werden ihr Risikoprofil, ihre Strategie, ihre Eigenkapitalausstattung sowie ihre Transparenz und voraussichtliche Branchenentwicklungen bei ihren Kunden überprüft und bewertet. Bei einer Nichterfüllung bestimmter Kriterien kann die Bankenaufsicht eingreifen und nach eigenem Ermessen Maßnahmen wie die Forderung einer höheren Eigenkapitalunterlegung verlangen23.

[...]


1 Vgl. Müller, Dr. C., Universität Hohenheim, „Rating für den Mittelstand: Chance oder Ärgernis?“, 2001

2 Vgl. Giersberg, G., Fa. GMB, Veröffentlichung in der FAZ, 2001

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. Wirtschaftswoche, 13.08.2001

5 Vgl. Ernst & Young, Pressemitteilung vom 04.07.2001

6 Vgl. PONS Taschenwörterbuch Englisch-Deutsch, 1997, S. 468

7 Vgl. KfW-Beiträge zur Mittelstands und Strukturpolitik, „Ratings, Basel II und die Finanzierungskosten von KMU“, März 2000

8 Vgl. HVB Rating Advisory, „Informationsleitfaden zum Thema Rating / Rating Advisory“, Nov. 2001, S. 10

9 Vgl. Rating der Creditreform Rating AG, Kammerzeitung-IHK-SWS, 29.12.2000

10 Vgl. GBM Beratung, Aktuelles Thema: Rating - schon heute Alltag?“ 2001

11 Vgl. Rödl & Partner, „echo“ Jan. 2002, “Rating als Chance Nutzen”

12 Angelehnt an Putnoki, H., „Anleihe-Rating: Rating-Kategorie, Risiko und Risikoprämie“, Bericht in WISU Ausgabe 8-9 2001 und Wambach,M./Rödl,B., “Rating, Finanzierung für den Mittelstand”, 2001, S. 60

13 Vgl. Wambach,M./Rödl,B., “Rating, Finanzierung für den Mittelstand”, 2001, S. 55

14 Vgl. HVB Rating Advisory, „Informationsleitfaden zum Thema Rating / Rating Adviory”, Nov.2001, S. 7

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. Wambach,M./Rödl,B., “Rating, Finanzierung für den Mittelstand”, 2001, S. 55

17 Vgl. ebd. S.94/95

18 Vgl. IHK-Journal „ Der Markt in Mitteldeutschland“, Ausgabe 5/2001

19 Vgl. Recklies, O. „Rating von Unternehmen nach Basel II“, Publikation in „themanagement“, Juni 2001

20 Vgl. IHK-Journal „Der Markt in Mitteldeutschland“, Ausgabe 5/2001

21 Im November 2001 wurde ein überarbeiteter Entwurf veröffentlicht, in dem unter anderem die Risikogewichtung beim internen Rating abgeschwächt wurde. Siehe Kapitel „3.1. Kosten“

22 Vgl. Wambach, M./Rödl, B., „Rating, Finanzierung für den Mittelstand”, 2001, S.26 ff

23 Vgl. ebd. S. 34 ff

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Rating für den Mittelstand
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg, früher: Berufsakademie Ravensburg  (Wirtschaftswissenschaften)
Note
1,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V8715
ISBN (eBook)
9783638156134
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rating, Basel 2, Mittelstand
Arbeit zitieren
Marion Heisler (Autor), 2002, Rating für den Mittelstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8715

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