Hegemoniale Männlichkeit


Hausarbeit, 2007
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Was ist eigentlich Männlichkeit?
1.1 Männlichkeit in der Geschichte
1.2 Der Männlichkeitsbegriff in den Medien

2. Hegemoniale Männlichkeit
2.1 Hegemonie und Männlichkeit:
2.2 Hegemoniale Männlichkeit innerhalb von Gruppen
2.3 Komplizenschaft zur Hegemonialen Männlichkeit

3. Die Bedeutung von Gender Mainstreaming
3.1 Gender Mainstreaming in Wirtschaft und Jugendarbeit
3.2 Zur Notwendigkeit von Genderkompetenz:

4. Hegemoniale Männlichkeit und Jungenarbeit
4.1 Machtstrukturen zwischen Männern
4.2 Alternative Vorbilder zum Anfassen
4.3 Männlichkeitsbilder und -mythen

5. Fazit / Ausblick

Literaturliste

Vorwort

„In den Sozial- und Kulturwissenschaften wissen wir noch wenig über Männer als individuelle und gesellschaftliche Wesen, obwohl die Wissenschaft traditionell männlich dominiert ist und meist unbewußt vom Männlichen als dem Allgemeinen ausgeht. Dieser schon länger verfügbare Befund der feministischen Wissenschaftskritik hat zwischenzeitlich zu einiger Anstrengung geführt, diese Wissenslücke zu füllen.“ (Müller, U. in Connell, R. 2000, S. 9)

Mit diesen Worten kündigt Ursula Müller im Vorwort zu Robert W. Connells „Der gemachte Mann – Konstruktion und Krise von Männlichkeiten“ Gegenstand und Inhalt des Buches an. Doch wie begründet sich diese männliche Dominanz in der Wissenschaft? Welche Folgen hat das für die Männer, die Gesellschaft im Allgemeinen und die Jugendarbeit im Speziellen? Wenn vom Mann im Allgemeinen ausgegangen wird, wieso definiert man Männlichkeit dann nicht kurzerhand über das Allgemeine?

Dies sind nur wenige der Fragen, die Connell in seinem, mittlerweile als häufig zitiertes Standardwerk etablierten, Buch über das Konstrukt Männlichkeit stellt. Er spricht dabei von hegemonialer Männlichkeit und über die weitläufigen Auswirkungen, die diese auf jeden Menschen hat. Dass Frauen in vielen Bereichen des Lebens unterdrückt wurden und trotz immenser Bemühungen von feministischer Seite zum Teil auch noch werden, gilt gemeinhin als bekannt. Die These, dass auch die Geschlechtsgenossen der Unterdrücker von diesen unterdrückt werden, mag im ersten Moment stutzig machen.

Connell versteht es in seinem Werk, diesen Umstand auf seine Ursachen hin zu prüfen, in seine Einzelteile zu zerlegen und mit dem Finger auf wunde Stellen zu deuten. Dabei wahrt er ein angenehmes Maß an Objektivität, weshalb auch die zynischsten Zweifler keinen Grund finden werden, das Buch als „feministische Propaganda“ oder dergleichen abzutun. „Der gemachte Mann“ deshalb jedoch gleich als absolute Wahrheit zu akzeptieren, sollte einem gebildeten, kritikfähigen Menschen fern liegen, sofern er es nicht auf Schwachstellen oder Ungereimtheiten hin geprüft hat. Demnach soll es Gegenstand dieser Arbeit sein, die Erkenntnisse Connells zu prüfen, differenten Ansichten gegenüberzustellen und so ein objektives, multiperspektivisches Fazit zu ermöglichen.

1. Was ist eigentlich Männlichkeit?

1.1 Männlichkeit in der Geschichte

Wenn es darum gehen soll, Männlichkeit in ihrer heutigen Form zu verstehen, liegt es nahe, den Blick zunächst auf die Vergangenheit zu richten. Als in diesem Zusammenhang besonders markante Punkte der Geschichte benennt Connell beispielsweise die Entstehung kapitalistischer Wirtschaftsformen, den schwindenden Einfluss der katholischen Kirche oder auch den Prozess der Kolonialisierung (vgl. Connell, R. 2000, S. 206 f). Letztere, so führt Connell Beweise für seine Theorie von der hegemonialen Männlichkeit an, wurde fast ausschließlich von Männern initiiert, durchgeführt und unterstützt: „Die Errichtung von Kolonialimperien war von Beginn an eine geschlechtlich strukturierte Unternehmung, ursprüngliches Ergebnis der rein männlichen Berufe des Soldaten und des Seefahrers“ (Connell, R. 2000, S. 207). Diese Aussagen erweitert Connell durch immer wiederkehrende Hinweise auf gewalttätiges Verhalten, das von Männern ausging (häufig aus rein materialistischen Gründen). An dieser Stelle lohnt es jedoch, ein aber einzurücken, jenes nämlich, dass Gewalt nicht nur in Verbindung mit Männlichkeit in diversen Epochen einen ganz anderen Stellenwert hatte, wie es auch eine Frau als Inhaberin politischer Macht sehr eindrucksvoll bewies: Die Englische Königin Maria I. Tudor, auch als Bloody Mary bekannt. Auch der zeitweise parallel in Schottland regierenden Maria Stuart wurden diverse Akte der Gewalt angelastet. Derartige Beispiele jedoch sollen und können nicht darüber hinwegtäuschen, dass männliche Dominanz in der Geschichte häufig durch den Einsatz von Gewalt erreicht, untermauert und somit erhalten wurde. Demnach sind Connells Ausführungen diesbezüglich als legitim zu betrachten.

1.2 Der Männlichkeitsbegriff in den Medien

Die Medien halten tatsächlich schon seit mehreren Dekaden die unterschiedlichsten Männlichkeitsbilder bereit. So thematisiert Robert Bly in „Eisenhans“ beispielsweise die Darstellung des Mannes im TV:

„Heute weiß der Vater in der Fernsehwerbung nie, welche Medizin man gegen Erkältung nehmen muss. Und in heiteren Fernsehserien sind Männer meistens unaufrichtig oder trottelig und leicht hinters Licht zu führen.“ (Bly, 1993, S.42)

Solchen Darstellungen von Männlichkeit stehen allerdings Gestalten wie Dirty Harry oder Don Corleone gegenüber, die keinen Moment daran zweifeln lassen, dass es sich als sehr ungesund erweisen würde, ihre Männlichkeit in Frage zu stellen. Wunderschön parodiert werden Rollen wie die des „Paten“ wiederum in der Gangsterkomödie „Reine Nervensache“, in welcher ein gewalttätiger Mafiaboss aufgrund von Potenzstörungen beim Psychiater landet. Filme, in denen Gewalt eine zentrale Rolle spielt (wie z.B. Rocky, Rambo, Stirb langsam,...) feierten vor allem in den 80er Jahren imposante Erfolge. Längst totgeglaubt werden eben diese Filmreihen aktuell jedoch noch einmal aufgegriffen, um eine weitere Fortsetzung zu drehen. Hier drängt sich wahrlich die Frage auf, inwiefern ein tätsächliches Bedürfnis nach diesen harten, scharf gezeichneten Vorbildern und Leitfiguren für deren Wiederauferstehung verantwortlich ist.

Von populären Filmen abgesehen, bieten sich bei der Suche nach Männlichkeit jedoch auch Zeitschriften, Reportagen, vermeintliche „Reality-TV-Formate“ und nicht zuletzt Schlagzeilen, die Prominente betreffen, an. Ein sehr populäres Beispiel für letzteres ist der Fußballer David Beckham, der den Begriff der Metrosexualität zwar nicht erfunden, jedoch stark dazu beigetragen hat, diesen Trend der breiten Öffentlichkeit näherzubringen.

„Naturburschen oder Machos scheinen passé zu sein. Liebling der Medien ist nun der metrosexuelle Mann. Dieser ist gepflegt, geschminkt, großstädtisch, liebt Unterwäsche, (Ganz-) Körperrasur, Gesundheits- und Wellnesstrends und ist doch nicht schwul.“ (http://www.dgpuk.de/fg_geschlecht/ws04.html 11.07.07)

Dies war nur einer der Aspekte von Männlichkeit, die auf der Tagung der „Fachgruppe Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht“ in Salzburg besprochen wurde. Das Bild von vielen verschiedenen Männlichkeiten kann an dieser Stelle getrost als bestätigt bezeichnet werden, was ganz andere und neue Fragen aufwirft. So gilt es beispielsweise kritisch zu prüfen, wer oder was denn nun eigentlich gemeint ist, wenn von „Männlichkeit“ oder „den Männern“ gesprochen wird. Dem naheliegenden Gedanken folgend, dass gewisse Männlichkeitsbilder in bestimmten Kulturen, Gesellschaftsschichten und der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit dominieren, ist fraglich, in welchem hierarchischen Zusammenhang diese Männlichkeitsbilder zueinander stehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Hegemoniale Männlichkeit
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)  (Sozialwesen)
Veranstaltung
Gender in der Sozialen Arbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V87166
ISBN (eBook)
9783638014694
ISBN (Buch)
9783638917667
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, R. W. Connells Ansatz der Hegemonialen Männlichkeit kritisch zu hinterfragen und auf seine Anwendbarkeit in der Sozialen Arbeit zu überprüfen. Email der Professorin: "Eine sehr gelungene Ausarbeitung !!!! Sie haben sich kritisch und sehr reflektiert mit diesem Thema auseinandergesetzt und Männlichkeitsmythen auch eigenständig hinterfragt. Eine klare 1,0 !!! Weiter so, hoffe, Sie arbeiten im Bereich Gender und Geschlechterfragen und Geschlechtsidentitäten weiter".
Schlagworte
Hegemoniale, Männlichkeit, Gender, Sozialen, Arbeit
Arbeit zitieren
Timo Arnold (Autor), 2007, Hegemoniale Männlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87166

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