Tucholsky „- ein kleiner dicker Berliner wollte mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten…“ (Erich Kästner über Kurt Tucholsky)
Das große Problem der Weimarer Republik war, dass sie nur eine Minderheitsregierung bilden oder weit auseinander strebende Parteien in einer großen Koalition zusammen fassen konnte. Beides bot keine Stabilität auf lange Sicht, und so waren häufige Regierungswechsel an der Tagesordnung. Zwischen 1919 und 1932 gab es dreizehn Kanzler.
Daraus wird deutlich, dass diese instabile Republik, die der Bevölkerung als Kriegsfolge übergestülpt wurde, weder mit innen- noch mit außenpolitischen Krisen und Problemen fertig werden konnte.
Tucholskys Wirken spielte sich vor allem in dieser Zeit ab. Er war der Starautor der Weltbühne, dem wichtigsten Forum der intellektuellen Linken. Mit seinem ganzen Können als packender Redner und gewandter Journalist setzte er sich ein, um den Menschen seiner Zeit die Augen zu öffnen über das was ist und vor allem über das, was er kommen sah. Und dies war so beunruhigend, dass er mit „eiserner Schnauze“ kämpfte und zur Gefahr für die Nazis wurde. Scheitern der Weimarer Republik und die Wirkungslosigkeit seines Schreibens, das ja mit vollem Einsatz seines ganzen Wesens und Herzbluts geschah, führten ihn schließlich in den verbitterten Rückzug und eisiges Schweigen.
Viele sahen ihn als kompromissunfähigen Besserwisser oder war er doch ein produktiver Kritiker? Die Meinungen gehen noch heute auseinander, Tucholsky ein kämpferischer Pazifist („Soldaten sind Mörder“) oder ein republikzersetzender Deutschenhasser? Er war jedenfalls sowohl ein polarisierender Agitator und ein politischer Pamphletist als auch ein erfolgreicher Kabarett-Dichter und sensibler Lyriker. Er wurde berühmt als Mann mit „eiserner Schnauze“ und „goldenem Herzen“. Obwohl er ein Bundesgenosse der Kommunisten war, setzte er sich kritisch mit dem Stalinismus auseinander. Arnold Zweig sah ihn als „tiefverletzte jüdische Seele “ während der Jude Gersholm Scholem ihn für einen „jüdischen Antisemiten“ hielt. Die Meinungen gingen wirklich sehr auseinander.
Dieses Buch ist ein Versuch des komprimierten Überblicks über sein Wirken in der Weimarer Republik. Es versucht Tucholskys zugespitzte Publizistik zu erfassen, die heute noch aktuell ist und politischen Streit auslöst, denn auch in unserer Zeit ist Tucholsky ein viel gelesener und politisch umstrittener Dichter.
Inhaltsverzeichnis
- Abstract
- Biographie
- Vorwort
- Einleitung
- Anfänge der Weimarer Republik
- Hauptteil
- 1. Tucholsky
- 1.1. Der politische Tucholsky
- 1.2. Tucholsky, der gefragte Redner
- 1.3. Ignaz Wrobel
- 1.4. Resignation
- 1.5. Tucholsky in Frankreich
- 1.6. Der Kampf geht weiter
- 1.7. Kaspar Hausers „Herr Wendriner“
- 1.8. Unfreiwillige Heimkehr nach Deutschland
- 1.9. Tucholsky und Georg Ledebour
- 1.10. Kampf gegen die Klassenjustiz
- 1.11. Arbeit für die AIZ
- 1.12. Das Deutschlandbuch
- 1.13. Gefährliche Tournee
- 1.14. Kritiker der Kirche
- 1.15. Kampf gegen den Faschismus
- 1.16. Ende eines militärischen Ideals
- 1.17. Das Ende der Weimarer Republik
- 1.18. Das Aus
- 1.19. Tucholskys letzte Lebensmonate
- 1.20. Nachruf
- 1. Tucholsky
- Schluss
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieses Buch bietet einen komprimierten Überblick über Kurt Tucholskys Wirken in der Weimarer Republik. Es versucht seine zugespitzte Publizistik zu erfassen, die heute noch aktuell ist und politischen Streit auslöst. Die Arbeit befasst sich mit der Relevanz Tucholskys als politischer Publizist und Dichter in der Weimarer Republik, insbesondere in Bezug auf seine Rolle als Kritiker des politischen und gesellschaftlichen Systems.
- Tucholskys Rolle als politischer Publizist und Dichter in der Weimarer Republik
- Seine Kritik an Politik und Gesellschaft
- Seine Auseinandersetzung mit dem aufkommenden Nationalsozialismus
- Die Kontroversen um seine Persönlichkeit und sein Werk
- Die Aktualität seines Werkes in der heutigen Zeit
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung bietet einen historischen Kontext und stellt das Problem der instabilen Weimarer Republik dar. Der Hauptteil befasst sich mit Tucholskys Leben und Werk, beginnend mit seinen Anfängen als politischer Publizist und Redner. Die Kapitel beleuchten seine Kritik an der Politik, seinen Kampf gegen den Faschismus und seine Resignation angesichts der zunehmenden Bedrohung durch die Nazis.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Kurt Tucholsky, politischer Publizist, Satire, Kritik, Faschismus, Nationalsozialismus, Gesellschaft, Politik, Literatur, Deutschland, „Weltbühne“, „eiserne Schnauze“, „goldenes Herz“.
- Quote paper
- Dipl.Soz.päd. Antje-Marianne Di Bella (Author), 1993, Tucholsky und die Weimarer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87201