Tucholsky und die Weimarer Republik


Fachbuch, 1993

61 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abstract
Biographie
Vorwort

Einleitung
Anfänge der Weimarer Republik

Hauptteil
1. Tucholsky
1.1. Der politische Tucholsky
1.2. Tucholsky, der gefragte Redner
Wirklich helfen, nicht nur schreiben und reden
1.2. Ignaz Wrobel
Drei Minuten Gehör
1.3. Resignation
1.4. Tucholsky in Frankreich
1.5. Der Kampf geht weiter
1.6. Kaspar Hausers „Herr Wendriner“
Herr Wendriner steht unter der Diktatur
1.7. Unfreiwillige Heimkehr nach Deutschland
Feldfrüchte
1.8. Tucholsky und Georg Ledebour
1.9. Kampf gegen die Klassenjustiz
1.10. Arbeit für die AIZ
1.11. Das Deutschlandbuch – eine abschließende Bilanz
1.12. Gefährliche Tournee
1.13. Kritiker der Kirche
1.14. Kampf gegen den Faschismus
1.15. Ende eines militärischen Ideals
1.16. Das Ende der Weimarer Republik
1.17. Das Aus
1.18. Tucholskys letzte Lebensmonate
1.19. Nachruf

Schluss
Literatur

Abstract

„- ein kleiner dicker Berliner wollte mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten“ (Erich Kästner über Kurt Tucholsky)

Das große Problem der Weimarer Republik war, dass sie nur eine Minderheitsregierung bilden oder weit auseinander strebende Parteien in einer großen Koalition zusammen fassen konnte. Beides bot keine Stabilität auf lange Sicht, und so waren häufige Regierungswechsel an der Tagesordnung. Zwischen 1919 und 1932 gab es dreizehn Kanzler.

Daraus wird deutlich, dass diese instabile Republik, die der Bevölkerung als Kriegsfolge übergestülpt wurde, weder mit innen- noch mit außenpolitischen Krisen und Problemen fertig werden konnte.

Tucholskys Wirken spielte sich vor allem in dieser Zeit ab. Er war der Starautor der Weltbühne, dem wichtigsten Forum der intellektuellen Linken. Mit seinem ganzen Können als packender Redner und gewandter Journalist setzte er sich ein, um den Menschen seiner Zeit die Augen zu öffnen über das was ist und vor allem über das, was er kommen sah. Und dies war so beunruhigend, dass er mit „eiserner Schnauze“ kämpfte und zur Gefahr für die Nazis wurde. Scheitern der Weimarer Republik und die Wirkungslosigkeit seines Schreibens, das ja mit vollem Einsatz seines ganzen Wesens und Herzbluts geschah, führten ihn schließlich in den verbitterten Rückzug und eisiges Schweigen.

Viele sahen ihn als kompromissunfähigen Besserwisser oder war er doch ein produktiver Kritiker? Die Meinungen gehen noch heute auseinander, Tucholsky ein kämpferischer Pazifist („Soldaten sind Mörder“) oder ein republikzersetzender Deutschenhasser? Er war jedenfalls sowohl ein polarisierender Agitator und ein politischer Pamphletist als auch ein erfolgreicher Kabarett-Dichter und sensibler Lyriker. Er wurde berühmt als Mann mit „eiserner Schnauze“ und „goldenem Herzen“. Obwohl er ein Bundesgenosse der Kommunisten war, setzte er sich kritisch mit dem Stalinismus auseinander. Arnold Zweig sah ihn als „tiefverletzte jüdische Seele “ während der Jude Gersholm Scholem ihn für einen „jüdischen Antisemiten“ hielt. Die Meinungen gingen wirklich sehr auseinander.

Dieses Buch ist ein Versuch des komprimierten Überblicks über sein Wirken in der Weimarer Republik. Es versucht Tucholskys zugespitzte Publizistik zu erfassen, die heute noch aktuell ist und politischen Streit auslöst, denn auch in unserer Zeit ist Tucholsky ein vielgelesener und politisch umstrittener Dichter.

Antje Di Bella

Biographie

Kurt Tucholsky - Schriftsteller

1890

9. Januar: Kurt Tucholsky wird als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Berlin geboren.

ab 1909

Jurastudium in Berlin und Genf.

1911

Beiträge und Gedichte für den "Vorwärts", das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

1912

Der Kurzroman "Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte" erscheint.

1913

Tucholsky wird Literatur- und Theaterkritiker der Zeitschrift "Die Schaubühne" (ab 1918 "Die Weltbühne").

1914

Sammlung von Grotesken in "Der Zeitsparer".

1915

Abschluss des Jurastudiums mit Promotion.

Während des Ersten Weltkriegs wird Tucholsky zum Heer einberufen.

1918

Chefredakteur der Zeitschrift "Ulk" in Berlin.

1920

Heirat mit Else Weil.

Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD).

1923

Tätigkeit als Volontär und Privatsekretär in einem Berliner Bankhaus.

1924

Tucholsky lebt als Korrespondent der "Weltbühne" und der "Vossischen Zeitung" in Paris. Er schreibt unter verschiedenen Pseudonymen, darunter Kaspar Hauser, Peter Panter und Theobald Tiger.

Nach der Scheidung von Weil heiratet Tucholsky Mary Gerold.

1926

Er wird Herausgeber der "Weltbühne", gibt den Posten aber schon nach wenigen Monaten an Carl von Ossietzky ab.

1927

Der Reisebericht "Ein Pyrenäenbuch" erscheint.

1928

Publikation des Sammelbandes "Mit 5 PS".

1929

Die Satire "Deutschland, Deutschland über alles. Ein Bilderbuch von Kurt Tucholsky und vielen Fotografen. Montiert von John Heartfield" erscheint.

Emigration nach Schweden.

1931

Der Roman "Schloß Gripsholm" wird veröffentlicht.

1933

Scheidung von Mary Gerold.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozia-listen werden Tucholskys Bücher verbrannt. Er selbst wird aus Deutschland ausgebürgert.

1935

21. Dezember: Kurt Tucholsky stirbt in Hindas (Schweden) an den Folgen einer Übermedika-mentierung mit einem Schlafmittel.

Vorwort

Das große Problem der Weimarer Republik war, dass sie nur eine Minderheitsregierung bilden oder weit auseinander strebende Parteien in einer großen Koalition zusammen fassen konnte. Beides bot keine Stabilität auf lange Sicht, und so waren häufige Regierungswechsel an der Tagesordnung. Zwischen 1919 und 1932 gab es dreizehn Kanzler.

Daraus wird deutlich, dass diese instabile Republik, die der Bevölkerung als Kriegsfolge übergestülpt wurde, weder mit innen- noch mit außenpolitischen Krisen und Problemen fertig werden konnte.

Tucholskys Wirken spielte sich vor allem in dieser Zeit ab. Er war der Starautor der Weltbühne, dem wichtigsten Forum der intellektuellen Linken. Mit seinem ganzen Können als packender Redner und gewandter Journalist setzte er sich ein, um den Menschen seiner Zeit die Augen zu öffnen über das was ist und vor allem über das, was er kommen sah. Und dies war so beunruhigend, dass er mit „eiserner Schnauze“ kämpfte und zur Gefahr für die Nazis wurde. Scheitern der Weimarer Republik und die Wirkungslosigkeit seines Schreibens, das ja mit vollem Einsatz seines ganzen Wesens und Herzbluts geschah, führten ihn schließlich in den verbitterten Rückzug und eisiges Schweigen.

Viele sahen ihn als kompromissunfähigen Besserwisser oder war er doch ein produktiver Kritiker? Die Meinungen gehen noch heute auseinander, Tucholsky ein kämpferischer Pazifist („Soldaten sind Mörder“) oder ein republikzersetzender Deutschenhasser? Er war jedenfalls sowohl ein polarisierender Agitator und ein politischer Pamphletist als auch ein erfolgreicher Kabarett-Dichter und sensibler Lyriker. Er wurde berühmt als Mann mit „eiserner Schnauze“ und „goldenem Herzen“.

Obwohl er ein Bundesgenosse der Kommunisten war, setzte er sich kritisch mit dem Stalinismus auseinander. Arnold Zweig sah ihn als „tiefverletzte jüdische Seele “

während der Jude Gersholm Scholem ihn für einen „jüdischen Antisemiten“ hielt.

Die Meinungen gingen wirklich sehr auseinander.

Dieses Buch ist ein Versuch des komprimierten Überblicks über sein Wirken in der Weimarer Republik. Es versucht Tucholskys zugespitzte Publizistik zu erfassen, die heute noch aktuell ist und politischen Streit auslöst, denn auch in unserer Zeit ist Tucholsky ein vielgelesener und politisch umstrittener Dichter.

Einleitung

Anfänge der Weimarer Republik

Durch die Niederlage Deutschlands im ersten Weltkrieg wurde das Ansehen der Monarchie vernichtet. Voraussetzung für einen Waffenstillstand war die Abschaffung des Kaiserreiches. (Note des amerikanischen Präsidenten Wilson).

Kaiser Wilhelm II. musste abdanken und sich ins Exil nach Holland begeben. Im Januar 19129 gab sich Deutschland auf parlamentarischem Wege eine republikanische Verfassung.

Stärkste Partei war die SPD, maßgebender Koalitionspartner das Zentrum. Erster Reichspräsident wurde Friedrich Ebert (SPD).

Folgende neue demokratischen Gesichtspunkte sollten in der Weimarer[1] Republik verankert werden<:

Das Frauenwahlrecht,

die parlamentarische Wahl der Regierung,

die parlamentarische Wahl des Staatsoberhauptes,

die parlamentarische Verantwortung der Reichswehr,

die parlamentarische Verantwortung der Regierung.

Wegen materieller Schwierigkeiten (Reparationen) kam die republikanische Regierung in Bedrängnis. Versprechen konnten nicht eingehalten werden, und man sah das Heil in einer Rückkehr zu autoritären Regierungsformen. („Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben“).

Das große Problem der Weimarer Republik war, dass sie nur eine Minderheitsregierung bilden oder weit auseinander strebende Parteien in einer großen Koalition zusammen fassen konnte. Beides bot keine Stabilität auf lange Sicht, und so waren häufige Regierungswechsel an der Tagesordnung. Zwischen 1919 und 1932 gab es dreizehn Kanzler.

Daraus wird deutlich, dass diese instabile Republik, die der Bevölkerung als Kriegsfolge übergestülpt wurde, weder mit innen- noch mit außenpolitischen Krisen und Problemen fertig werden konnte.

„Durch einen gewaltsamen Umsturz haben sich im November 1918 Männer zur Regierung aufgeschwungen, die dazu – rein staatsrechtlich genommen- zunächst nicht das geringste Recht hatten. Alle ihre Regierungsakte waren, vom Standpunkt des getreuen Monarchisten gesehen, ungültig und unwirksam. Revolution. Die Revolution hat Recht geschaffen, weil sie Macht schuf. (…) Es waren verschämte Republikaner. Seien wir doch offen: Verschämte Monarchisten, die nur keinen Monarchen haben.“ (Tucholsky: Das leere Schloß, 1920.)

Menschen, die zeitlebens in einem autoritären Staatsgefüge erzogen wurden, können nicht von heute auf morgen demokratisch denken und handeln. Insofern hat Tucholsky seine Aufgabe darin gesehen, besonders der Jugend ans Herz zu legen, sich aufzurichten und ihr Leben selbstverantwortlich und frei zu gestalten, unbedingt das Obrigkeitshörige abzuschütteln.

Hauptteil

1. Tucholsky

Kurt Tucholsky wurde am 9.Januar 1890 in Berlin als Sohn des Kaufmannes und späteren Bankdirektors Alex Tucholsky und seiner Frau Doris geboren. Nach dem Abitur 1909 studierte Kurt Tucholsky an den Universitäten Berlin und Genf Jura und promovierte 1914 in Jena zum Dr. jur. mit seiner Arbeit über Hypothekenrecht.

Sein erster Roman „Rheinberg“ entstand und erschien 1912. Auch während seiner Zeit im Feld, im April 1915 wurde er zur Reichswehr eingezogen, schrieb Tucholsky zum Beispiel „Verbürgerlichte Märchen“ und Artikel für die Schaubühne, die später in Weltbühne umbenannt wurde.

Nach Kriegsende 1918 begann er seine journalistische Arbeit bei der Weltbühne als einer der wichtigsten Mitarbeiter. Diese linksgerichtete Zeitung, die er mit Siegfried Jacobsohn und dem späteren Friedens-Nobelpreisträger Carl von Ossietzky zu einem der aggressivsten und wirksamsten publizistischen Instrument der Weimarer Republik machte, sollte sein hauptsächliches Sprachrohr in seinem erbitterten Kampf gegen den Militarismus, die Klassenjustiz und den Nationalsozialismus bleiben, bis er 1932 endgültig resignierte und nichts mehr veröffentlichte.

Tucholsky publizierte das Meiste unter den Pseudonymen Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser. Man kann ihn als einen der bedeutendsten Gesellschaftskritiker des 20. Jahrhunderts bezeichnen.

„Er sah sich, solange er publizistisch und politisch in der Öffentlichkeit wirkte, als radikaler linker Demokrat, verbunden den arbeitenden Schichten, nie als Angehöriger einer Rasse oder Religionsgemeinschaft. Er hat (…) stets den Antisemitismus bekämpft. Das Volk Israel, aus dem er hervorgegangen ist, hat er niemals herabgesetzt. Er sah im Juden >>die Zirbeldrüse im Völkerorganismus<<. Niemand wisse, wozu sie eigentlich da sei, aber herausschneiden könne man sie nicht.“ (Bemmann, Helga: Tucholsky, S. 561)

Tucholsky, der Mensch, der sich mit dem depressiven Franz Kafka und dem Pessimisten Arthur Schopenhauer seelenverwandt wähnte und dessen innere Gespaltenheit und das Gestrandetsein seiner politischen Ideale möglicherweise seinen schlechten Gesundheitszustand mit verursachten, starb am 21.Dezember 1935 in Hindas (Schweden) an einer Dosis Gift.

Er stand mit seinem Leben und seiner Person für den Ausspruch Schopenhauers: Die Lücke zwischen Ideal und Wirklichkeit schafft das Leiden.

[...]


[1] Die Stadt Weimar wurde aus zwei Gründen gewählt: aus politischen Gründen (Berlin war zu unsicher), aus der geistesgeschichtlichen Tradition heraus (Goethe und Schiller)

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Tucholsky und die Weimarer Republik
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Jahr
1993
Seiten
61
Katalognummer
V87201
ISBN (eBook)
9783638009225
ISBN (Buch)
9783638914758
Dateigröße
723 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tucholsky, Voraussagen 3. Reich, Das Leben Tucholskys, Zusammenfassung des Werkes von Tucholsky, Überblick Tucholskys politisches Denken, Tucholsky und die Weimarer Republik
Arbeit zitieren
Dipl.Soz.päd. Antje-Marianne Di Bella (Autor), 1993, Tucholsky und die Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87201

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