Für viele Linguisten sind die sieben Textualitätskriterien von Beaugrande/Dressler der zentralste Anlaufpunkt für die Bestimmung von Texten. Doch so häufig sie zitiert wurden, so sehr wurden sie auch Gegenstand hitziger wissenschaftlicher Debatten. Diese Arbeit beleuchtet Kriterien und Kritikpunkte.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Die Textualitätskriterien von Beaugrande/Dressler
1.1 Kohäsion
1.2 Kohärenz
1.3 Intentionalität
1.4 Akzeptabilität
1.5 Informativität
1.6 Situationalität
1.7 Intertextualität
2 Kritik an den Textualitätskriterien
2.1 Kohäsion
2.2 Kohärenz
2.3 Intentionalität
2.4 Akzeptabilität
2.5 Informativität
2.6 Situationalität
2.7 Intertextualität
3 Alternative Textbegriffe
3.1 Texte als Prototypen
3.2 Der Textbegriff bei Krause
3.3 Der Textbegriff bei Brinker
3.4 Der Textbegriff bei Adamzik
3.5 Leitorientierungen bei Feilke
4 Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Validität der sieben Textualitätskriterien von Beaugrande und Dressler als verlässliche Indikatoren zur Bestimmung von Texten. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob diese Kriterien ausreichen, um eine präzise und wissenschaftlich befriedigende Textdefinition zu liefern, oder ob sie aufgrund ihrer theoretischen Heterogenität und der daraus resultierenden Kritik an ihre Grenzen stoßen.
- Analyse der sieben Textualitätskriterien nach Beaugrande/Dressler
- Kritische Auseinandersetzung mit der Abgrenzung von Text und Nicht-Text
- Diskussion alternativer Textbegriffe, insbesondere des prototypischen Ansatzes
- Vergleich verschiedener linguistischer Positionen zur Textbestimmung
- Bewertung der Anwendbarkeit von Textualitätskriterien in der modernen Textlinguistik
Auszug aus dem Buch
1.1 Kohäsion
Das erste Textkriterium bezeichnen Beaugrande/Dressler als Kohäsion. Es betrifft die Verbindung des Oberflächentextes, d.h. die Art und Weise, wie die von uns wahrgenommenen Worte miteinander verknüpft und voneinander abhängig sind. Diese Abhängigkeit basiert auf grammatischen Formen und Konventionen und ist hauptverantwortlich für die Erschließung von Bedeutung und Sprachgebrauch (Beaugrande/Dressler 1981, S. 3 f.). Beaugrande/Dressler erklären die Funktion grammatikalischer Verbindungen an folgendem Beispiel:
LANGSAM
SPIELENDE KINDER
Die Oberflächenfolge dieses Beispiels könnte nicht einfach beliebig geändert werden, ohne den Rezipienten zu irritieren. Angenommen diese Worte würden auf einem Verkehrszeichen Platz finden und in der Abfolge geändert werden (z.B. in „Kinder spielende langsam“), so könnten Autofahrer nur beschwerlich einen Zusammenhang zwischen den Zeichen erkennen (Beaugrande/Dressler 1981, S. 4).
Die Kohäsion ist somit maßgeblich zur Erschließung der Textbedeutung verantwortlich, obgleich sie nicht dazu in der Lage ist, Mehrdeutigkeiten in Texten auszuschließen. So könnte das Beispiel „Langsam spielende Kinder“ (bei Nichtbeachtung des Kontextes) sowohl als eine Aufforderung gedeutet werden, aufgrund spielender Kinder langsamer zu fahren, als auch als Aussage über träge Kinder (Beaugrande/Dressler S. 4 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung etabliert den Textbegriff als umstrittene linguistische Kategorie und stellt die These auf, dass die Kriterien von Beaugrande/Dressler keine befriedigende Bestimmung von Texten ermöglichen.
1 Die Textualitätskriterien von Beaugrande/Dressler: Dieses Kapitel erläutert detailliert die sieben konstitutiven Kriterien: Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität und Intertextualität.
2 Kritik an den Textualitätskriterien: Hier werden die theoretischen Schwachstellen der sieben Kriterien diskutiert, wobei insbesondere die Kritik von Vater an der strikten Abgrenzung von Text und Nicht-Text im Fokus steht.
3 Alternative Textbegriffe: Das Kapitel stellt alternative Konzepte vor, darunter den prototypischen Textbegriff sowie Ansätze von Forschern wie Krause, Brinker, Adamzik und Feilke.
4 Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Kritik an Beaugrande/Dressler berechtigt ist und Textualität eher als variables, prototypisches Phänomen denn als striktes Kriteriensystem verstanden werden sollte.
Schlüsselwörter
Textlinguistik, Textualitätskriterien, Beaugrande, Dressler, Kohäsion, Kohärenz, Textdefinition, Prototypentheorie, Funktionalität, Intertextualität, Textbegriff, Sprachverwendung, Kommunikation, Linguistik, Pragmatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Textbestimmung in der Linguistik, speziell mit der kritischen Überprüfung der sieben Textualitätskriterien von Beaugrande und Dressler.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Felder sind die Definition von Textualität, die Abgrenzung von Text zu Nicht-Text, textlinguistische Modelle und die Entwicklung von alternativen, oft prototypischen Textverständnissen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Tauglichkeit der Kriterien von Beaugrande und Dressler als Textindikatoren zu hinterfragen und zu verifizieren, ob diese für eine moderne Textlinguistik noch ausreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte, diskursive Analyse, bei der verschiedene theoretische Positionen der Textlinguistik gegenübergestellt und kritisch gewürdigt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die explizite Darstellung der sieben Kriterien, deren anschließende wissenschaftliche Kritik sowie die Vorstellung alternativer Ansätze, wie etwa der Prototypentheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Textualitätskriterien, Kohäsion, Kohärenz, Intertextualität, Prototypentheorie und die wissenschaftliche Debatte um die Textdefinition.
Warum kritisiert Vater das Kriterium der Kohäsion?
Vater betrachtet Kohäsion als verzichtbar, da ein Text auch ohne explizite grammatische Verknüpfungen (durch inhaltliche Klammern wie Titel) als kohärent und sinnvoll wahrgenommen werden kann.
Was ist das Hauptargument für einen prototypischen Textbegriff?
Das Hauptargument ist, dass Texte nicht durch eine starre Menge notwendiger Kriterien definiert werden können, sondern als "Merkmalsbündel" fungieren, bei denen es bessere und schlechtere Vertreter der Kategorie "Text" gibt.
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- Sebastian Schult (Author), 2007, Die Textualitätskriterien von Beaugrande / Dressler als Textindikator?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87238