„Das Hermannsdenkmal in Hiddesen bei Detmold steht für die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr.“
So einfach diese Aussage ist, so plausibel und glaubwürdig sie erscheint, so falsch ist sie auch. Das Hermannsdenkmal in Detmold bedeutet viel mehr, als die Initiatoren der offiziellen Internetseite des bekannten Nationaldenkmales glauben machen wollen. Was es wirklich mit diesem Denkmal auf sich hat, welche Bedeutung es wirklich trägt, soll im historischen ersten Teil dieser Arbeit beantwortet werden. Der didaktische zweite Teil beschäftigt sich mit der Frage, wie das Denkmal und seine Geschichte für den Geschichtsunterricht motivationsfördernd nutzbar gemacht werden können und aus welchen Gründen besonders das Hermannsdenkmal für bestimmte Unterrichtsziele innerhalb bestimmter Unterrichtseinheiten geeignet ist.
Besonders zur Beantwortung dieser letzten Fragen ist der nun folgende historische Teil notwendig, da hier deutlich werden soll, wie der Hermannsmythos auf das allgemeine Geschichtsbewusstsein der Deutschen wirkte und wirken sollte. Dadurch kann einmal gezeigt werden, warum dem vernachlässigten Hermannsmythos ein größerer Stellenwert im Unterricht gebührt und außerdem, inwiefern das Hermannsdenkmal mit diesem Mythos verflochten ist, wodurch es sich als Quelle im Unterricht besonders eignet.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DAS HERMANNSDENKMAL IN DER GESCHICHTE
2.1 ALTE GESCHICHTE: DER HISTORISCHE HINTERGRUND
2.2 DER MYTHOS: HERMANN DER CHERUSKER UND DIE GERMANEN
2.3 DIE ENTSTEHUNG DES HERMANNSDENKMALS IM WANDEL DES NATIONALBEWUßTSEINS
2.4 DIE REZEPTIONSGESCHICHTE DES HERMANNSDENKMALS: DER WANDEL DER DEUTUNG VOM DEUTSCHEN KAISERREICH BIS HEUTE
3. DAS HERMANNSDENKMAL ALS GEGENSTAND DES LERNENS
3.1 MIT DEM HERMANNSDENKMAL ZU EINEM KRITISCHEN GESCHICHTSBEWUSSTSEIN
3.2 DAS HERMANNSDENKMAL IM UNTERRICHT
4. SCHLUSSWORT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Hermannsdenkmal als historisches Denkmal kritisch zu hinterfragen und sein Potenzial als lehrreiches Objekt für einen modernen, reflektierten Geschichtsunterricht aufzuzeigen, um das bei Schülern häufig vorhandene Halbwissen zu dekonstruieren.
- Historische Analyse des Arminius-Mythos und dessen römischer Ursprünge
- Entstehungsgeschichte des Denkmals im Spiegel des sich wandelnden Nationalbewusstseins
- Rezeptionsgeschichte des Hermannsdenkmals von der Reichsgründung bis zur Gegenwart
- Einsatzmöglichkeiten des Denkmals zur Förderung eines kritischen Geschichtsbewusstseins im Unterricht
- Methodische Ansätze zur projektorientierten Erforschung von Denkmälern in der Schule
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Entstehung des Hermannsdenkmals im Wandel des Nationalbewußtseins
Die Entstehung dieses Hermannsdenkmals war ein langwieriger Prozeß. Nach den ersten Entwürfen des Bildhauers Ernst von Bandel im Jahre 1819 vergingen immerhin noch 56 Jahre bis zur endgültigen Fertigstellung des Denkmals. In dieser Zeit war das deutsche Selbstverständnis, das deutsche Nationalbewußtsein einem nicht unwesentlichen Wandel unterworfen. Das interessante am Hermannsdenkmal ist in diesem Bezug, dass sich dieser Wandel in dessen Entstehungsgeschichte widerspiegelt.31
Der allgemeine gesellschaftliche Wandel von der überholten Ständegesellschaft zur modernen Klassengesellschaft um 1800 löste bei den Menschen eine soziale Unsicherheit aus, die durch die Bindung an neue abstrakte Größen wie die Nation aufgefangen wurde. Das Fehlen menschlicher Nähe bei dieser neuen Orientierungsgröße wurde wiederum durch die Bindung an Vereine kompensiert.32
Ernst von Bandel, gebar seine Idee dementsprechend aus solch einem Hintergrund identitätsstiftender nationalgesinnter Vereine (wie unter anderem Turnerbund und Burschenschaft)33, und gerade die zahlreichen ab 1838 gegründeten Vereine zur Errichtung des Hermannsdenkmal in ganz Deutschland verbinden diesen der damaligen Zeit entsprechenden Siegeszug der Vereine mit der Nationalidee.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung hinterfragt die plakative Bedeutung des Denkmals als reines Mahnmal für die Varusschlacht und umreißt die Absicht, den Mythos historisch einzuordnen und didaktisch für den Unterricht nutzbar zu machen.
2. DAS HERMANNSDENKMAL IN DER GESCHICHTE: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund der Germanen, die Konstruktion des Hermannsmythos und die komplexe Entstehungs- sowie Rezeptionsgeschichte des Denkmals durch verschiedene politische Epochen hindurch.
3. DAS HERMANNSDENKMAL ALS GEGENSTAND DES LERNENS: Hier wird untersucht, wie das Denkmal als Quelle dienen kann, um bei Schülern ein kritisches Geschichtsbewusstsein zu fördern und das Denkmal in den praktischen Unterricht einzubinden.
4. SCHLUSSWORT: Das Fazit resümiert die zentrale Bedeutung des Denkmals für die deutsche Geschichtskultur und betont die Notwendigkeit, es als Impulsgeber für einen kritischen Umgang mit Geschichte im Schulunterricht zu begreifen.
Schlüsselwörter
Hermannsdenkmal, Arminius, Varusschlacht, Geschichtskultur, Nationalbewusstsein, Geschichtsunterricht, Nationaldenkmal, Mythosbildung, Rezeptionsgeschichte, kritisches Geschichtsbewusstsein, Ernst von Bandel, deutsche Identität, Kaiserreich, Didaktik, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Hermannsdenkmal als historisches Symbol und dessen Wandel in der deutschen Geschichtskultur sowie dessen Potenzial für den schulischen Geschichtsunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Einordnung des Arminius-Mythos, der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Denkmals sowie didaktischen Ansätzen zur kritischen Reflexion im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Denkmal als Quelle genutzt werden kann, um Schülern ein reflektiertes und kritisches Geschichtsbewusstsein zu vermitteln und gängige Mythen zu dekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-didaktische Analyse, die sowohl den aktuellen Forschungsstand zur Germanenforschung als auch geschichtsdidaktische Konzepte zur Geschichtskultur einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den historischen Kontext der Varusschlacht, die Konstruktion des Hermannsmythos als Identitätsstifter und die didaktische Einbindung des Denkmals in den gymnasialen Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hermannsdenkmal, Geschichtskultur, Nationalbewusstsein, Arminius, kritische Geschichtsdidaktik und Identitätsbildung.
Warum spielt das Denkmal heute im Unterricht oft keine Rolle?
Der Autor vermutet, dass Schulen das komplexe und ideologisch belastete Thema eher meiden, um "schlafende Hunde nicht zu wecken", was jedoch zu gefährlichem Halbwissen bei Schülern führt.
Welche konkrete Unterrichtsmethode schlägt der Autor vor?
Es wird ein projektorientiertes Vorgehen empfohlen, bei dem Schüler in kleinen Gruppen das Denkmal erforschen, Quellen vergleichen und die Ergebnisse beispielsweise mittels moderner Präsentationstechniken aufarbeiten.
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- Matthias Rouwen (Author), 2005, Das Hermannsdenkmal, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87261