La Carte du Tendre und die Liebeskonzeption bei "Madame de Lafayette" von Madame de Scudéry


Hausarbeit, 2007
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I. Teil
1. Mademoiselle de Scudéry
2. Die Entstehung der Carte du Tendre
3. Die Carte du Tendre
3.1 Tendre-sur-Inclination
3.2 Tendre-sur-Estime
3.3 Tendre-sur-Reconnaissance
3.4 Die Irrwege
4. Kritik an der Carte du Tendre

II. Teil
1. Madame de Lafayette und die Princesse de Clèves
2. Die Liebeskonzeption bei Madame Lafayette
2.1 Mme de Chartres
2.2 Monsieur de Clèves
2.3 Monsieur de Nemours
2.4 Le refus
3. Fazit

Literatur

Einleitung

Die „Carte du Tendre“ ist das wohl bekannteste Schriftstück der Madame de Scudéry. Im ersten Teil dieser Arbeit soll diese Liebesallegorie beschrieben und vorgestellt werden, um anschließend kritisch hinterfragt zu werden.

Danach soll im zweiten Teil untersucht werden, inwiefern diese Karte und ihre Theorie den Roman von Madame de Lafayette „La Princesse de Clèves“ beeinflusst haben. Es sollen Parallelen aufgezeigt werden, die ein besseres Verständnis dieses Romans ermöglichen.

Zum Schluss soll dann noch deutlich gemacht werden, warum die „Carte du Tendre“ und ihre Problematik auch heute noch sehr aktuell ist und einem gegenwärtigen Leser eine Gesellschaftskritik bietet, die alles andere als veraltet ist.

I. Teil

1. Mademoiselle de Scudéry

Madeleine de Scudéry wurde am 15. Oktober 1607 in Le Havre als Tochter eines kleinadeligen Kapitäns und späteren Hafendirektors geboren.

In den Literaturgeschichten wird sie meist unter dem Namen "Mlle de Scudéry" geführt und zählt zu den größten französischen Autorinnen, die auch außerhalb Frankreichs gelesen wurden (wikipedia.de1).

Nach ihrer frühen Verwaisung nahm ein Onkel in Rouen sie und den 6 Jahre älteren Bruder Georges bei sich auf und ließ ihnen eine gute Bildung zukommen. Als Georges 1630 mit der Absicht, Schriftsteller zu werden, nach Paris ging, folgte Mlle de Scudéry ihm dorthin und lebte dort auch in den nächsten 20 Jahren mit ihm zusammen.

Über Georges kam sie, zunächst als sein Juniorpartner, zum Schreiben. Gemeinsam verfassten sie, allerdings unter seinem Namen, 1641 den Roman „Ibrahim ou l´illustre Bassa“. Über Georges erhielt sie auch Zugang zu Pariser Literatenkreisen, insbesondere zum Salon der Marquise de Rambouillet.

Madeleine de Scudérys Durchbruch, allerdings immer noch unter dem Namen ihres Bruders, wurden ihre Romane „Artamène ou le Grand Cyrus“ (1649-53) und „Clélie, histoire romaine“ (1654-60), die heute als Höhepunkte des "heroisch-galanten" Romans gelten (wikipedia.de1)

„Le Grand Cyrus“ und „Clélie“ wurden in ganz Europa vor allem von einem adeligen Publikum gelesen, aber durchaus auch im Bürgertum. Für die Pariser Leser waren sie darüber hinaus als Schlüsselromane von Interesse: Viele der dargestellten Ereignisse und vor allem ein Großteil der auftretenden Personen hatten in der Tat wieder erkennbare Vorbilder in der zeitgenössischen Realität Frankreichs.

Nachdem Mlle de Scudéry sich aus dem Schatten ihres Bruders herausgearbeitet hatte, schuf sie sich ab 1652 ihren eigenen Salon. Hier empfing sie fast alle wichtigen Autoren der Zeit, aber auch Angehörige der höheren Gesellschaftsschichten und trat ein wenig später die Nachfolge der Marquise de Rambouillet an, zu deren Programm es gehört hatte, die in 150 Jahren Krieg verrohten adeligen Männer zu Kavalieren zu erziehen.

Weitere Romane, die Mlle de Scudéry verfasste (z.B. 1661 Célinte oder 1667 Histoire de Mathilde d'Aguilar), waren der neuen Mode folgend deutlich kürzer und realistischer, blieben aber weit weniger erfolgreich. 1670 war sie Anwärterin für einen Sitz in der „Académie Française“, erhielt dann aber nur den ersten von der Académie vergebenen "Beredsamkeitspreis" („prix d'éloquence“, 1671). In den 1670er Jahren verlor sie als Romanautorin immer weiter an Geltung. Durch ihre mehrbändigen „Conversations morales“ (1680-92) gelangte Mlle de Scudéry dann jedoch noch einmal zu erfreulichem Ruhm (wikipedia.de1).

2. Die Entstehung der „Carte du Tendre“

Die „Carte du Tendre“ ist wohl das berühmteste Schriftstück von Mademoiselle de Scudéry. Allerdings ist ihre Liebesallegorie weder die allererste noch die einzige. Man geht heute davon aus, dass Mademoiselle de Scudéry die Idee einer Karte mit Dörfern und Flüssen von einem lateinischen Werk „Mundus alter et idem“ adoptierte, welches im 17. Jahrhundert von einem Engländer geschrieben wurde (vgl. Aronson, 226). Andere Historiker behaupten, dass man 1650 in „Poesies“ von Le Moyne mit der „Ile de Purété“ eine erste Idee zur Karte findet oder weisen auf ähnliche Karten hin, die vor der „Carte du Tendre“ erschienen sind (vgl. Aronson, 226).

Die „Carte du Tendre“ von Madame Scudéry war zunächst nicht mehr als eine Idee, die in den Salons des 17. Jahrhunderts diskutiert wurde. So inspirierte beispielsweise Catherine de Rambouillet Madame de Scudéry zur Weiterentwicklung der Karte (vgl. wikipedia.fr2). Unter den Freunden und Bekannten der Schriftstellerin hatte die Karte solch einen Erfolg, dass Mademoiselle de Scudéry dazu überredet wurde, die Allegorie in ihren Roman „Clélie“ zu integrieren. Die erste Karte wurde 1660 gedruckt und maß 29 cm in der Breite und 20 cm in der Höhe (vgl. Aronson, 226). Die Karte kann heute im Kontext des Romans gelesen werde, wurde aber auch vielfach isoliert interpretiert.

3. Die „Carte du Tendre“

Die „Carte du Tendre“ ist eine Karte eines imaginären Landes, welches sich „Tendre“ nennt. Dieses Land ähnelt in seiner äußeren Form ein wenig der Form Frankreichs (vgl. Baader, 248), was sicherlich einer besseren Identifikation mit der Karte dienen sollte.

Auf der Karte findet man verschiedene Dörfer und Wege, die die verschiedenen Etappen einer Liebe symbolisieren sollen, von denen man im 17. Jahrhundert ausging. Sie soll veranschaulichen auf welchen Wegen ein Liebender das Herz seiner auserwählten Frau erobern soll.

„Tendre“ ist so der Name des Landes, aber auch seiner drei Hauptstädte. So kennt die Karte drei verschiedene Arten von „Tendresse“: „la tendresse d´inclination“, „la tendresse d´estime“ und „la tendresse de reconnaissance“. Sie werden von den drei Hauptstädten auf der Karte repräsentiert: „Tendre-sur-Inclination“, „Tendre-sur-Estime“ und „Tendre-sur Reconnaissance“. Diese drei verschiedenen Ausprägungen der Zärtlichkeit erwarten den Liebenden, wenn er den vorgeschriebenen Stufen folgt und die Städte erreicht (vgl. Baader, 248). Die verschiedenen Distanzen auf der Karte werden in „Lieus d´Amitié“ gemessen.

3.1 Tendre- sur- Inclination

Der Ausgangspunkt jeder Reise ist die Stadt „Nouvelle Amitié“, die sich am unteren Rand der Karte befindet. Der Name des Ortes symbolisiert hier den Zufall einer neuen Bekanntschaft. Soll diese Bekanntschaft nun vertieft werden, kann sich der Liebende nach seinen Wünschen auf dieser Karte zu einer der drei Städte bewegen.

Die direkteste und schnellste Route ist der Weg auf dem Fluss „Inclination“, der genau in der Mitte der Karte verläuft und das Land in zwei Hälften teilt. Wählt man diesen Weg, so gelangt man ohne Zwischenstopp von „Nouvelle Amitié“ nach „Tendre-sur-Inclination“. Bei Madame de Scudéry heißt es :

« Cependant, comme elle a présumé que la tendresse qui naît par inclination n'a besoin de rien autre chose pour être ce qu'elle est, Clélie, comme vous le voyez, Madame, n'a mis nul village le long des bords de cette rivière, qui va si vite qu'on n'a que faire de logement le long de ses rives, pour aller de Nouvelle Amitié à Tendre » (wikipedia.fr2).

Dies zeigt, dass es nicht nötig ist, auf dem Weg zur Zuneigung noch weitere Etappen einzubauen. Die Zuneigung eines Menschen bekommt man entweder geschenkt oder man wird sie niemals erlangen, doch diesen Vorgang kann man durch nichts beeinflussen. Daher ist es unnötig noch weitere Stationen auf dem Weg nach „Tendre-sur-Inclination“ einzubauen.

3.2 Tendre-sur-Estime

Der Weg nach „Tendre-sur-Estime“ ist weitaus länger und aufwendiger für den Reisenden. Er verläuft nicht einfach nur geradeaus, sondern schlängelt sich durch die Landschaft.

Der Weg nach „Tendre-sur-Estime“ führt den Reisenden durch verschiedene Städte, die die verschiedenen Dinge symbolisieren, die einer solcher Wertschätzung („estime“) zu Grunde liegen.

Als erstes, von „Nouvelle-Amitié“ ausgehend, erreicht man „Grand-Esprit“, da es normalerweise ein schöner Geist ist, durch den man einen Menschen überhaupt schätzen lernt und diesen Menschen besser kennen lernen will.

Danach erreicht man die Orte „Jolis Vers“, „Billets-Galants“ und „Billets Doux“, die die geistigen Anstrengungen der Briefe und Gedichte repräsentieren. Heute ein wenig aus der Mode gekommen, waren sie damals doch sehr wichtige Stufen, um das Herz einer Dame zu erobern, "car ce sont les signes èclatants du sentiment amoureux" (Godenne, 263).

« La lettre n´est pas seulement un agréable jeu de société, mais encore un moyen idéal et sûr pour les amants de communiquer entre eux à l´insu des autres » (Godenne,263).

Anschließend, um diese anfängliche Freundschaft weiter zu vertiefen, führt der Weg durch „Sincérité“, „Grand-Coeur“, „Probité“, „Générosité“ und „Exactitude“, die Baader unter dem Begriff der ritterlichen Tugenden zusammenfasst (vgl. Baader, 248).

Um am Ende das Ziel „Tendre-sur-Estime“ zu erreichen muss man dann letztendlich noch die Orte „Respect“ und „Bonté“ durchqueren, die unumgänglich sind, um die lang andauernde Wertschätzung einer Dame zu erlangen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
La Carte du Tendre und die Liebeskonzeption bei "Madame de Lafayette" von Madame de Scudéry
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V87339
ISBN (eBook)
9783638064880
ISBN (Buch)
9783638952293
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Carte, Tendre, Liebeskonzeption, Madame, Lafayette, Scudéry
Arbeit zitieren
Franziska Hupe (Autor), 2007, La Carte du Tendre und die Liebeskonzeption bei "Madame de Lafayette" von Madame de Scudéry, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87339

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