Diese Arbeit soll das Phänomen hybrider Texte in der Literatur untersuchen. Dazu wird sich eine umfassende Analyse von hybriden Texten in postkolonialen Kontexten an eine theoretische Eingrenzung des Begriffs anschließen. Es soll dann anhand eines konkreten literarischen Beispiels untersucht werden, inwiefern die herausgearbeiteten Beobachtungen aus einem postkolonialen Kontext auf einen allgemein literarischen übertragbar sind sowie ein Ausblick auf Überlegungen zum Übersetzen hybrider Texte gegeben werden.
Bevor ich mit der Diskussion der Frage beginne, was ein hybrider Text ist, möchte ich zunächst einmal feststellen, dass der Begriff „Hybridität“ bzw. „hybrid“ eine Vielzahl von Phänomenen beschreibt, die nicht ausschließlich in geisteswissenschaftlichen Themenkomplexen angesiedelt sind, dass Definitionen des Konzepts – zumindest in geisteswissenschaftlichen Kontexten – allerdings meist ausgespart werden und dies auch bei weitreichenderen Ausführungen, in denen Hybridität eine zentrale Rolle spielt. Dies mag zum einen darauf zurückzuführen sein, dass der Begriff an sich nicht neu ist, wenngleich er auch einem anderen Wissenschaftszweig entstammt und genauer betrachtet erst ab dem 20. Jahrhundert gänzlich auf geisteswissenschaftlichem Terrain verortbar ist. [...]
Zum anderen ist die Unschärfe, die den Begriff umgibt, typisch für die postmodernen Strömungen des Poststrukturalismus und der Dekonstruktion, über die er hauptsächlich in einen geisteswissenschaftlichen Nexus Eingang gefunden hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in den Begriff der Hybridität
1.1 Grundlegende Betrachtungen zu hybriden Texten
1.2 Hybridität im postkolonialen Diskurs
2. Hybridität und Literatur
2.1 Postkoloniale Literatur
2.1.1 Mayanja: Die Merkmale des Hybriden und der „dritte Text“
2.1.2 Adejunmobi und Prasad: Übersetzung nicht nur als Metapher sondern als Strategie
2.2 Moderne Literatur außerhalb des postkolonialen Kontextes
3. Zur Übersetzung hybrider Texte
4. Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen hybrider Texte in der Literatur, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der postkolonialen Theoriebildung und der Analyse spezifischer Übersetzungsstrategien liegt. Ziel ist es zu ergründen, wie hybride Sprachformen, die durch kulturelle Interferenz und mehrstufige Übersetzungsprozesse entstehen, als subversive künstlerische Mittel eingesetzt werden können, um hegemoniale Machtstrukturen zu hinterfragen und neue kulturelle Räume jenseits binärer Oppositionen zu schaffen.
- Theoretische Eingrenzung des Hybriditätsbegriffs im postkolonialen Diskurs
- Analyse von Übersetzungsstrategien in der postkolonialen Literatur (u.a. Tutuola, Saro-Wiwa)
- Übertragbarkeit von Hybriditätskonzepten auf moderne, nicht-postkoloniale Literatur
- Die Rolle von Übersetzungsprozessen als künstlerische Ausdrucksmöglichkeit
- Herausforderungen und Potenziale bei der Übersetzung hybrider Texte
Auszug aus dem Buch
1.1 Grundlegende Betrachtungen zu hybriden Texten
Schäffner und Adab (2001), die sich dem hybriden Text weniger aus einem postkolonialen, sondern aus einem translationswissenschaftlichen Blickwinkel nähern, stellen als Merkmale von hybriden Texten heraus, dass sie fremdartige und ungewöhnliche Elemente aufweisen, die mit den Erwartungen an einen „normalen“ Text brechen:
A hybrid text is a text that results from a translation process. It shows features that somehow seem “out of place”/“strange”/“unusual” for the receiving culture, i.e., the target culture. These features, however, are not the result of a lack of translational competence or examples of “translationese”, but they are evidence of conscious and deliberate decisions by the translator. Although the text is not yet fully established in the target culture (because it does not conform to established norms and conventions), a hybrid text is accepted in its target culture because it fulfils its intended purpose in the communicative situation (at least for a certain time) (a.a.O., S. 176).
Hervorzuheben ist zunächst einmal, dass Hybridität nicht als negativ besetztes Merkmal herausgestellt wird, wie es bei einer misslungenen Übersetzung der Fall ist, sondern das Einflechten von fremd und deplatziert wirkenden Elementen ist als bewusste Übersetzungsstrategie zu bewerten. Diese Elemente, so Schäffner und Adab weiter, entstammen der Ausgangssprache und -kultur und sind beim Übersetzungsprozess bewusst in den Zieltext übernommen worden (vgl. a.a.O., S. 171).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in den Begriff der Hybridität: Dieses Kapitel verortet das Konzept der Hybridität in den Geisteswissenschaften und im postkolonialen Diskurs, wobei der Schwerpunkt auf der dekonstruktivistischen Infragestellung fester Definitionen liegt.
2. Hybridität und Literatur: Das Kapitel untersucht konkrete Ausformungen von Hybridität in der postkolonialen sowie in moderner Literatur und analysiert Techniken des hybriden Schreibens anhand ausgewählter literarischer Beispiele.
3. Zur Übersetzung hybrider Texte: Hier wird der Prozess der interlingualen Übersetzung hybrider Texte beleuchtet, wobei die Notwendigkeit diskutiert wird, die ursprüngliche Differenz und Subversivität im Zieltext zu bewahren.
4. Abschlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht das Potenzial hybrider Literatur als Mittel zur kulturellen Ermächtigung sowie die Notwendigkeit, Übersetzung als kreativen Akt zu begreifen.
Schlüsselwörter
Hybridität, Postkolonialismus, literarische Übersetzung, dritter Raum, Third Space, Mimikry, Kulturspezifika, Interlanguage, Transkulturalität, Übersetzungsstrategien, Sprachkontakt, Dekonstruktion, kulturelle Differenz, postkoloniale Literatur, Machtdiskurse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen hybrider Texte in der Literatur, definiert das Konzept der Hybridität theoretisch und untersucht dessen praktische Anwendung durch Autoren in verschiedenen kulturellen Kontexten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die postkoloniale Theoriebildung, sprachwissenschaftliche Aspekte der Übersetzung, die Analyse von „dritter Raum“-Konzepten sowie der Einfluss von Sprachkontakt auf literarische Innovation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch kreative Übersetzungsstrategien in literarischen Texten Hybridität erzeugt wird, um hegemoniale Machtstrukturen zu unterwandern und neue Ausdrucksformen für komplexe kulturelle Identitäten zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kombinierte methodische Herangehensweise, bestehend aus der theoretischen Auseinandersetzung mit postkolonialer Theorie (insb. Bhabha) sowie der textanalytischen Untersuchung von literarischen Beispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Untersuchung postkolonialer Texte (Mayanja, Tutuola, Saro-Wiwa), eine Analyse moderner, nicht-postkolonialer Literatur (Foer) und Überlegungen zur Übersetzung hybrider Texte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hybridität, Third Space, literarische Übersetzung, kulturelle Differenz und postkoloniale Literatur.
Warum wird Jonathan Safran Foers „Everything Is Illuminated“ in der Arbeit analysiert?
Foers Roman dient als Vergleichsbeispiel außerhalb des postkolonialen Kontextes, um zu zeigen, dass hybride Sprachformen und Verfremdungsstrategien nicht ausschließlich auf postkoloniale Räume begrenzt sind, sondern als künstlerisches Mittel universell einsetzbar sind.
Welche Rolle spielt die „interlanguage“ im Kontext der Romananalyse?
Der Begriff beschreibt das eigenständige Sprachsystem eines Nichtmuttersprachlers, das in den Romanen von Tutuola, Saro-Wiwa und Foer als bewusstes, kreatives Element genutzt wird, um die Sprachverwendung von Charakteren zu formen, die sich zwischen zwei Sprachwelten bewegen.
Was ist die „indigenization theory“ nach Shaban Mayanja?
Diese Theorie besagt, dass europhone afrikanische Texte als hybride Produkte anzusehen sind, die aus der bewussten Übernahme afrikanischer Wörter, idiomatische Ausdrücke und syntaktischer Strukturen in die europäische Sprache resultieren.
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- Kristin Zettwitz (Author), 2007, Hybride Texte in der Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87370