Die großen, globalen Finanz- und Handelsinstitutionen stehen bereits seit einigen Jahren in der Kritik. Diese entzündet sich an der Tatsache, dass die Industriestaaten durch ihre Hilfe ihre globale Vormachtstellung verteidigen. Dies geschieht zu Lasten vieler kleiner, finanzschwacher Staaten, die es trotz kolonialer Unterdrückung oder militärischer Interventionen geschafft haben, auf dem Weltmarkt mit den Industriestaaten konkurrieren zu können.
Die Kluft zwischen armen und reichen Staaten wird zunehmend größer und im folgenden soll untersucht werden, inwiefern die globalen Institutionen Weltbank, Internationaler Währungsfonds und Welthandelsorganisation reformiert werden müssen, um diese Entwicklung zu stoppen.
Zunächst werden die einzelnen Institutionen und ihre Gründungsgeschichte kurz vorgestellt. Diese Darstellung der Institutionen ist bewusst kurz gefasst und nicht vollständig und wird nur dort detailliert vorangetrieben, wo es für spätere Betrachtungen der Probleme und Lösungen notwendig ist.
Es schließt sich die Analyse der wichtigsten Problemfelder der der Institutionen an, auf deren Basis letztendlich verschiedene Reformansätze dargestellt und diskutiert werden sollen.
Eine abschließende Betrachtung klärt noch offene Fragen und zieht ein Fazit aus den dargestellten Analysen und Beschreibungen.
Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das internationale Währungssystem auf dem internationalen Goldstandard aufgebaut, bei dem jede nationale Währungseinheit durch eine bestimmte Mengeneinheit Gold definiert ist. Das Austauschverhältnis der Währungen untereinander ist durch diese Goldgrundlage festgelegt (Goldparität). Das Funktionieren dieses Systems setzte die Einhaltung gewisser Verhaltensstandards der einzelnen Staaten voraus, so die Einhaltung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts, um die Stabilität der Wechselkurse zu gewähren.
Die zunehmende Konzentration auf die Eigeninteressen der Staaten und die auch darauf zurückzuführende Weltwirtschaftskrise machte ein neues Währungssystem notwendig. „In der Währungspolitik dominerten nationale Gesichtspunkte völlig, und das Schwinden internationaler Solidarität war ein wichtiger Faktor für die Weltwirtschaftskrise. […] Wechselkursma-nipulationen [wurden] zur währungspolitischen Waffe, um die eigenen Exportchancen und damit die heimische Beschäftigungslage auf Kosten anderer Staaten zu verbessern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Bretton Woods System und seine Institutionen
2.1 Weltbank und Weltbankgruppe
2.1.1 Gründungsgeschichte und Aufgaben
2.1.2 Struktur
2.2 Internationaler Währungsfonds (IWF)
2.2.1 Gründungsgeschichte und Aufgaben
2.2.2 Struktur
3. Welthandelsorganisation (WTO)
3.1 Vom Handelsabkommen zur Organisation
3.2 Welthandelsorganisation (WTO)
3.2.1 Gründungsgeschichte und Ziele
3.2.2 Struktur
4. Problemfelder der Institutionen
4.1 Der Washington Consensus
4.2 Das Strukturanpassungsprogramm der Weltbank und des IWF
4.3 Das Aufgabengebiet der Weltbank
4.4 Die Abschottung der Märkte der Industrieländer
4.5 Die faktische Unterrepräsentation der Entwicklungsländer
5. Reformansätze
5.1 Institutionelle Reformen
5.2 Einbeziehung der Zivilgesellschaft
5.3 Unterstützung der Entwicklungsstaaten
5.4 Erweiterung der Themenpalette
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Kritik an den globalen Finanz- und Handelsinstitutionen Weltbank, IWF und WTO. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern diese Institutionen reformiert werden müssen, um die zunehmende Kluft zwischen armen und reichen Staaten sowie die Benachteiligung von Entwicklungsländern zu stoppen.
- Analyse der Gründungsgeschichte und Strukturen von Weltbank, IWF und WTO.
- Untersuchung von Problemfeldern wie dem Washington Consensus und Strukturanpassungsprogrammen.
- Bewertung der Machtasymmetrien und der Unterrepräsentation von Entwicklungsländern.
- Diskussion institutioneller Reformansätze und der Rolle der Zivilgesellschaft.
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Washington Consensus
Der Konsens von Washington ist seit 1990 das grundlegende Konzept der Weltbank und des IWF, und wurde seitdem insbesondere auf lateinamerikanische Länder angewandt. Der Schlussbericht der Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft des Deutschen Bundestages sieht den Konsens darüber hinaus auch von „Institutionen der Politikberatung, der US-Regierung und international operierende[n] Finanzinstitute[n] propagiert und durchgesetzt“.
Diesem Konzept liegt die Annahme zugrunde, die Globalisierung führe durch entsprechende wirtschaftspolitischer Reformen nicht nur zu mehr Wachstum, sondern auch zu einer signifikanten Reduzierung der Armut und der Einkommensunterschiede. Durch zehn Instrumente sollen diese Reformen verwirklicht werden. Dazu gehören Liberalisierung der Handelspolitik, Offenheit für ausländische Direktinvestitionen, Privatisierung, Schutz des Privateigentums, Deregulierung und Entbürokratisierung, Haushaltsdisziplin, Steuerreformen zur Senkung der Steuersätze, Priorität der öffentlichen Ausgaben auf Bildung, Gesundheit und Infrastruktur und vom Markt bestimmte, positive Zinsraten zur Verhinderung von Kapitalflucht.
Diese genannten Ziele können durch diese Maßnahmen jedoch nicht zwangsläufig erreicht werden, wie es in den 1990er Jahren Beispiele vor allem in Südamerika gezeigt haben. Ebenso konnte dort die vom IWF propagierte Theorie vom trickle-down-Effekt nicht bestätigt werden, nach der sich Reformen zum Vorteil der oberen Bevölkerungsschichten auch positiv auf alle anderen Bevölkerungsteile auswirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Kritik an globalen Institutionen ein und umreißt die Untersuchung der Notwendigkeit von Reformen zur Reduzierung globaler Ungleichheit.
2. Das Bretton Woods System und seine Institutionen: Es werden die Gründungsgeschichten, Aufgaben und Strukturen der Weltbankgruppe sowie des IWF vorgestellt.
3. Welthandelsorganisation (WTO): Dieses Kapitel beleuchtet den Übergang vom GATT zur WTO sowie deren Ziele und Organisationsstruktur.
4. Problemfelder der Institutionen: Hier werden kritische Aspekte wie der Washington Consensus, Strukturanpassungsprogramme und die strukturelle Benachteiligung von Entwicklungsländern analysiert.
5. Reformansätze: Es werden vier Lösungsstrategien diskutiert, darunter institutionelle Anpassungen, die Einbindung der Zivilgesellschaft und eine Erweiterung der Themenfelder.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Reformen zwingend erforderlich sind, jedoch primär durch Druck von unten, etwa durch zivilgesellschaftliche Organisationen, initiiert werden müssen.
Schlüsselwörter
Weltbank, Internationaler Währungsfonds, IWF, Welthandelsorganisation, WTO, Globalisierung, Entwicklungsländer, Strukturanpassungsprogramme, Washington Consensus, Armutsbekämpfung, Handelsliberalisierung, Zivilgesellschaft, NGOs, Machtasymmetrie, Weltwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kritik an den führenden globalen Finanz- und Handelsorganisationen und deren Rolle bei der Aufrechterhaltung der Vormachtstellung von Industriestaaten auf Kosten von Entwicklungsländern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Funktionsweise von Weltbank, IWF und WTO, die Auswirkungen ihrer wirtschaftspolitischen Vorgaben sowie die Möglichkeiten, diese Institutionen nachhaltiger und gerechter zu gestalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern Reformen bei den genannten globalen Institutionen notwendig sind, um die wachsende Kluft zwischen armen und reichen Staaten zu stoppen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systemtheoretische und politikwissenschaftliche Analyse, basierend auf vorhandener Fachliteratur und Berichten von Institutionen wie dem Deutschen Bundestag.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Strukturen der Institutionen, identifiziert spezifische Problemfelder wie Strukturanpassungsprogramme und diskutiert verschiedene Reformansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Globalisierung, Welthandel, Strukturanpassung, Machtasymmetrie, internationale Institutionen und soziale Nachhaltigkeit.
Was kritisiert Joseph Stiglitz an den Institutionen?
Er kritisiert, dass wirtschaftspolitische Auflagen wie die verfrühte Liberalisierung der Kapitalmärkte die Instabilität in Krisenländern verschärfen und die Situation insbesondere für die ärmere Bevölkerung verschlechtern.
Warum ist das "One country, one vote"-Prinzip in der WTO trügerisch?
Obwohl es formal existiert, verhindern mangelnde finanzielle Ressourcen und Kapazitäten bei Entwicklungsländern sowie informelle Abspracheformate ("Green-room meetings") eine wirkliche Gleichberechtigung.
- Arbeit zitieren
- Markus Stuntebeck (Autor:in), 2007, Reformen der globalen Finanz- und Handelsinstitutionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87376