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Gewalterfahrung in Ingeborg Bachmanns „Jugend in einer österreichischen Stadt“

Title: Gewalterfahrung in Ingeborg Bachmanns „Jugend in einer österreichischen Stadt“

Seminar Paper , 2008 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Susan Dankert (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Ingeborg Bachmanns Erzählung „Jugend in einer österreichischen Stadt“. Nach einer einleitenden Auseinandersetzung mit ganz allgemeinen Aspekten wie Inhalt, Struktur und Erzählweise dieses kurzen Textes kommt es zur ausführlichen Analyse der Erzählung unter dem Gesichtspunkt Gewalterfahrung in Texten Ingeborg Bachmanns. Es werden dabei Erfahrungsbereiche erschlossen, in denen physische und psychische Kränkungen der Subjekte im Text vorkommen und insbesondere dargelegt, inwieweit auch Sprache über Gewaltpotential verfügt. In diesem Zusammenhang werden Bezüge zu Ingeborg Bachmanns Leben hergestellt, zugleich jedoch eine ausschließlich autobiographische Perspektive abgelehnt. Im letzten Teil der Arbeit wird ein Interpretationsansatz präsentiert und der Versuch unternommen, ausgehend von Aussagen der Autorin Bachmann zu ihrer Erzählung einen sinnvollen Zusammenhang zwischen Form und Inhalt des Textes herzustellen.
Die Erzählung „Jugend in einer österreichischen Stadt“ von Ingeborg Bachmann ist 1961 im Erzählband Das dreißigste Jahr erschienen. Ein Versuch, den Inhalt des Textes in wenigen Sätzen einzugrenzen, könnte folgendermaßen lauten: In dieser Erzählung gibt eine mutmaßlich ideelle Reise, als reale Reise vorgestellt, dem Erzähler Anlass zur Rückreise in die Erinnerungen seiner verlorenen Kindheit. Die präsentierten Erinnerungsszenen schwanken dabei zwischen der Verarbeitung von offenkundig authentischen biographischen Erlebnissen Ingeborg Bachmanns und einer als „Dekonstruktion einer autobiographischen Skizze“ (Bachmann 1994, S. 26) zu bezeichnenden Komposition des Textes. Es findet eine Grenzerfahrung in dem Sinne statt, dass die Grenze zwischen Kindheit und Erwachsenwerden überschritten wird. Zentrale Themen stellen neben dem Verlust der Kindheit bzw. der Heimat infolge des Krieges das Verhältnis von Sprache und Identität, sowie das Verhältnis von Kindheit bzw. Heimat und Identität dar. Die Erzählung ist einfach strukturiert und gliedert sich in einen Rahmen und einen Binnen- bzw. Haupttext. Diese grenzen sich mithilfe jeweils eines Absatzes graphisch voneinander ab, sodass sich folgende Textgliederung ergibt:

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhalt

3. Textaufbau

4. “Gangart” des Textes

5. Topographische und biographische Bezüge

6. Gewalterfahrung

6.1. Zwänge aus dem sozialen Umfeld

6.1.1. Einschränkungen im Sprachgebrauch

6.1.2. Erziehung bzw. Lernen als Zwang

6.1.3. Einschränkungen aus ökonomischen Gründen

6.2. Verängstigung durch Gewalt in Medien

6.3. Das Erlebnis Krieg

6.3.1. Aggression, Gewalt und Zerstörung

6.3.2. Die Auswirkungen des Krieges

7. Interpretationsansatz

7.1. Vernichtung der Person Kind

7.2. Distanz

7.3. Überwindung der Distanz

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Ingeborg Bachmanns Erzählung „Jugend in einer österreichischen Stadt“ unter dem Aspekt der Gewalterfahrung. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche und kriegsbedingte Umstände die Identitätsbildung der Kinder prägen und zu einer tiefen Entfremdung von ihrer Kindheit und Heimat führen.

  • Analyse von Formen der Gewalt (physisch, psychisch, sprachlich)
  • Untersuchung der biographischen und topographischen Bezüge zur Autorin
  • Dekonstruktion des Konzepts der Kindheitserinnerung bei Bachmann
  • Darstellung der Entfremdung und der Identitätslosigkeit der Subjekte
  • Bedeutung der „neuen Gangart“ der Sprache in Bachmanns Werk

Auszug aus dem Buch

6.1.1. Einschränkungen im Sprachgebrauch

Erlebnisse von Einengung und Zwang werden gemacht auf Grund einer repressiven, strengen Erziehung im Elternhaus und v.a. in der Schule. Die Kinder werden hier in ihrer freien Entfaltung gehemmt, indem sie Vorgaben im Hinblick auf ihren Sprachgebrauch nachkommen müssen. Im Hause der Eltern etwa werden die Kinder einer resoluten Sprachregelung unterworfen, die widerspiegelt, dass die Eltern sich gewissen gesellschaftlichen Zwängen unterordnen (müssen). Aufgrund ihrer schlechten ökonomischen Situation können sie es sich nicht erlauben, den Hausherrn in der Durchlaßstraße durch Kinderlärm zu verärgern und aus der billigen Wohnung „am Stadtrand“ (Bachmann 1961, S. 84) verwiesen zu werden. Die Kinder müssen daher folgende Regeln beachten:

In dem Mietshaus in der Durchlaßstraße müssen die Kinder die Schuhe ausziehen und in Strümpfen spielen, weil sie über dem Hausherrn wohnen. Sie dürfen nur flüstern und werden sich das Flüstern nicht mehr abgewöhnen in diesem Leben. [Hervorh. S.D.] (Bachmann 1961, S. 85)

Infolge dessen, dass die Kinder in ihrer natürlichen Sprachentwicklung beschnitten werden, kommt es zu einer Beeinträchtigung der Stimmqualität, die als irreversibel beschrieben wird, da sie das restliche Leben andauert. Durch den späteren Hinweis auf „die verkrüppelten Stimmen“ (S. 87) wird ebenfalls eindeutig eine Schädigung des Ausdrucksvermögens aufgezeigt. Aber auch das Selbstwertgefühl trägt Schaden davon. Indem es den Kindern versagt bleibt, eine eigene Stimme (frei) zu entwickeln, wird im übertragenen Sinne auf das Verwehren einer eigenen Identität aufmerksam gemacht. Die Kinder müssen sich den Verhältnissen, in die sie hineingeboren wurden, unterordnen – ihre Stimme bzw. ihr Wille zählt (noch) nicht. Diese Deutung wird gestützt durch weitere Indizien im Text, die eine Identitätslosigkeit von Kindern beschwören (vgl. Punkt 7.1. unten).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Gewalterfahrung in Ingeborg Bachmanns Werk und Zielsetzung der Analyse.

2. Inhalt: Zusammenfassende Darstellung der Erzählung als Dekonstruktion einer autobiographischen Skizze und Grenzerfahrung.

3. Textaufbau: Beschreibung der einfachen Strukturierung der Erzählung in Rahmen und Binnentext.

4. “Gangart” des Textes: Analyse der unkonventionellen Erzählweise und Sprachgestaltung bei Bachmann.

5. Topographische und biographische Bezüge: Erörterung der Parallelen zwischen dem Text und Bachmanns Leben sowie der Stadt Klagenfurt.

6. Gewalterfahrung: Untersuchung der verschiedenen Dimensionen von Gewalt und Zwängen im Text.

6.1. Zwänge aus dem sozialen Umfeld: Analyse repressiver Erziehungsmethoden im Elternhaus und in der Schule.

6.1.1. Einschränkungen im Sprachgebrauch: Erörterung der sprachlichen Unterdrückung als Identitätsverlust.

6.1.2. Erziehung bzw. Lernen als Zwang: Betrachtung der didaktischen Erziehung und der Lernmechanik.

6.1.3. Einschränkungen aus ökonomischen Gründen: Untersuchung des Einflusses gesellschaftlicher Rollen auf die Kinder.

6.2. Verängstigung durch Gewalt in Medien: Darstellung der psychischen Belastung durch Medienberichte.

6.3. Das Erlebnis Krieg: Analyse der kriegerischen Ereignisse als traumatische Zäsur.

6.3.1. Aggression, Gewalt und Zerstörung: Beschreibung der Auswirkungen des Nationalsozialismus und der Kriegseinmärsche.

6.3.2. Die Auswirkungen des Krieges: Untersuchung der Vernachlässigung der Kinderbedürfnisse während des Krieges.

7. Interpretationsansatz: Vorstellung der literarischen Deutung des Werkes jenseits bloßer Biographie.

7.1. Vernichtung der Person Kind: Analyse der Identitätslosigkeit als zentrales Motiv.

7.2. Distanz: Erläuterung der Distanz zwischen dem Erzähler und dem vergangenen Kindheits-Ich.

7.3. Überwindung der Distanz: Deutung des magischen Kirschbaum-Erlebnisses als Weg zur Erkenntnis.

Schlüsselwörter

Ingeborg Bachmann, Jugend in einer österreichischen Stadt, Gewalterfahrung, Kindheit, Heimat, Krieg, Identität, Sprache, Sprachkritik, Dekonstruktion, Klagenfurt, Entfremdung, Autobiographie, Kindheitserinnerung, Sozialisation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Erzählung „Jugend in einer österreichischen Stadt“ von Ingeborg Bachmann im Hinblick auf traumatische Gewalterfahrungen, die das aufwachsende Subjekt in seiner Identitätsbildung einschränken.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen von sozialen, ökonomischen und kriegsbedingten Zwängen auf die Entwicklung von Kindern sowie deren sprachliche und psychische Traumatisierung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Erzählung als komplexe literarische Komposition zu deuten, die das herkömmliche Gattungskonzept der Kindheitserinnerung dekonstruiert und die Entfremdung von Heimat und Identität thematisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es erfolgt eine textanalytische Untersuchung, die das Werk sowohl auf inhaltliche Aspekte der Gewalterfahrung als auch auf strukturelle und sprachliche Merkmale unter Einbeziehung biographischer und kulturtheoretischer Kontexte hin untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung sozialer Zwänge, der Medienwirkung, der traumatisierenden Kriegserlebnisse und einer abschließenden, tiefergehenden Interpretation des Verhältnisses von Sprache, Identität und Erinnerung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Gewalterfahrung, Identitätsverlust, Sprachkritik, Kriegskindheit und die Dekonstruktion autobiographischer Narrative.

Welche Rolle spielt die Sprache im Text laut der Autorin?

Sprache wird als ein System dargestellt, das über Gewaltpotential verfügt; die Kinder werden durch rigide Sprachregeln in ihrer Identitätsentwicklung beschnitten und zur Stummheit gezwungen.

Wie deutet die Autorin das Motiv des brennenden Kirschbaums?

Der Baum dient als optisch-magisches Erlebnis, das es dem Erzähler ermöglicht, das Gesetz der Vergänglichkeit kurzzeitig zu überwinden und eine versöhnliche Verbindung zwischen seiner Vergangenheit und Gegenwart herzustellen.

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Details

Title
Gewalterfahrung in Ingeborg Bachmanns „Jugend in einer österreichischen Stadt“
College
University of Rostock  (Institut für Germanistik)
Course
Geschlechterdifferenz und Gewalterfahrung in Texten Ingeborg Bachmanns
Grade
1,0
Author
Susan Dankert (Author)
Publication Year
2008
Pages
23
Catalog Number
V87402
ISBN (eBook)
9783638031400
ISBN (Book)
9783656230137
Language
German
Tags
Gewalterfahrung Ingeborg Bachmanns Stadt“ Geschlechterdifferenz Gewalterfahrung Texten Ingeborg Bachmanns
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susan Dankert (Author), 2008, Gewalterfahrung in Ingeborg Bachmanns „Jugend in einer österreichischen Stadt“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87402
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